Schloss Kyburg – Eine Reise zurück in die Vergangenheit

Glaubt ihr an Geister oder an Energien, die an bestimmten Orten zurückbleiben? Also wenn es irgendwo sowas gibt, dann bestimmt auf Schloss Kyburg bei Effretikon.

Unsere Familie ist mit dem Glauben an Geister aufgewachsen. Wir haben unsere Wurzeln im Wallis, wo es Sagen über „Arme Seelen“ gibt und auch sonst interessiert uns diese Thematik. Wir lieben Horrorfilme und gruseln uns ziemlich gerne. Wobei sich hier in den letzten Wochen ein bisschen was verändert hat. Ich sag nur mal so viel. Eigentlich ist es kein Spass. Man sollte sowas ernst nehmen.

Seit langem schon hatte ich den Wunsch oder man könnte es fast schon Drang nennen, das Schloss Kyburg bei Effretikon zu besuchen. Fragt mich nicht, warum. Ich hatte dieses Schloss bei möglichen Ausflugszielen entdeckt und wollte hin. Ich glaubte auch, mich daran zu erinnern, schon mal dort gewesen zu sein, auf einem Schulausflug wahrscheinlich. Ich hatte ein ganz klares Bild vor Augen. Ein dunkler, eher kleiner Raum mit Stroh und darin eine Eiserne Jungfrau. Wie ich dann las, war genau dieses Folterwerkzeug eines der Highlights auf Schloss Kyburg.

Am zweiten Ferientag beschlossen wir relativ spontan, diesen Ausflug nach Effretikon zu machen, auch, weil der Fussweg von der Bushaltestelle zum Schloss nur sehr kurz war. Mama ist nicht so gut zu Fuss, deshalb ist das schon ein Pluspunkt.

Mit dem Zug fuhren wir also nach Effretikon und von dort aus weiter mit dem Bus nach Kyburg Dorf. Die Busfahrt gefiel uns sehr. Das Dorf und alles hatte sowas Heimeliges. Wir hätten uns wohl alle vorstellen können, hier zu wohnen. Die Umgebung und alles ist wirklich wunderschön.

Der Weg zum Schloss war tatsächlich sehr kurz und ich war total aufgeregt. Ich hatte mir vorab total Gedanken über mein Outfit gemacht. Am liebsten hätte ich ein Prinzessinnenkleid getragen, denn ich hatte Visionen, wie ich in Zeitlupe durch einen Gang laufe etc. Ja, so ist das immer bei mir 😅 Aber es war dann so heiss, dass ich einfach ein feines Sommerkleid angezogen hatte. Ich fand es aber auch toll.

Ich weiss, das klingt doof, aber es der Innenhof war mir sehr vertraut. Ich hatte nicht das Gefühl, an einem touristischen Ort zu sein. Ich mochte es sehr, wie mit Tierfiguren, eine alltägliche Szereie  erschaffen wurde. Kühe auf der Weide, Hühner um den Baum. Es wirkte alles so ruhig und echt. Wenn man das Kindergeschrei für einen Moment  ausblendete, konnte man sich der Vorstellung hingeben, in der Vergangenheit zu sein.

Es gab viele Möglichkeiten, sich über die Geschichte des Schlosses und seine ehemaligen Bewohner zu informieren, aber ich hatte einfach keine Geduld, mir Filme anzusehen. Viel lieber wollte ich in die Räume und mir alles anschauen. Eigentlich kenne ich das von mir gar nicht. Ich  liebe es sonst, mich zu informieren.

Bereits im ersten angrenzenden Raum stand dir Eiserne Jungfrau zusammen mit Ritterrüstungen und Speren. Ich war relativ irritiert, da ich dies so anders in Erinnerung hatte. Und an alles andere hatte ich ehrlich gesagt kaum Erinnerung. Nicht an dir Gefängnisse in den oberen Etagen, nicht an die Küche, das Esszimmer oder sonst etwas. Aber man vergisst halt so einiges mit den Jahren.

Aber ich fand alles sehr spannend und war begeistert, mit wieviel Liebe zum Detail alles gestaltet worden war. Kerzenhalter aus Stoff genäht, ebenso wie das Feuer in der Feuerstelle, gleich daneben ein schlafender Hund. Auf dem Kachelofen eine schlafende Katze… Wieder Szenen aus dem Alltag der Schlossbewohner. Auch sehr gefiel mir das geknüpfte Spinnennetz auf dem Dachboden.

Da Mama, wie gesagt, nicht so gut zu Fuss war, blieb sie unten, als Désirée uns ich die schmalen Holztreppen zu den Gefängnissen hochstiegen. Wir blieben ein Weilchen oben und als wir wieder runterkamen, war Mama fort. Uns war klar, dass sie sich irgendwo ein Sitzplätzchen gesucht haben musste. Im ersten Raum mit Sitzgelegenheit war niemand. Wir riefen und schauten in die anderen Räume und gingen bis zum langen Gang zurück, aber es war keine Mama zu finden. Wir wurden ein bisschen sauer, weil wir es gedankenlos von ihr fanden, dass sie ohne Info einfach gegangen war. Als wir wieder umdrehten und den Weg zurück gingen, kam sie plötzlich daher. Sie habe im ersten Raum gesessen uns nun gedacht, sie komme mal raus, um zu schauen, wo wir seien.

Sie sprach von diesem ersten Raum, in den wir reingeschaut hatten. Und sie versicherte uns, ihn nicht verlassen hatte. 😳 Auch unsere Rufe hatte sie nicht gehört, überhaupt sei es sehr ruhig gewesen, auch sei kein Kindergeschrei mehr zu hören gewesen. Und ehrlich gesagt konnten und können wir uns das nicht logisch erklären. Deshalb gehen wir nun tatsächlich davon aus, dass sie eine kleine Reise in der Zeit gemacht hat. Solche Dinge sind auch schon an anderen Orten passiert, z.B. in Versaille.

Danach waren wir alle etwas verstört. Unsere gute Stimmung flammte aber noch mal auf, als wir die Kammer mit den Kostümen fanden. Kettenhemden, Helme, aber auch ein schönes Kleid, welches ich direkt anprobieren musste und gar nicht schlecht passte. Der Stoff war richtig fest und gut verarbeitet mit schöner Stickerei. Désirée wählte einen Herrenrock aus türkisblauem Samt mit Weste. Ich würde die Kleidung Ende des 18. Jahrhunderts ansiedeln, Rokoko vielleicht. Wir wollten sie gar nicht mehr ausziehen. Aber bei 33°C war es schon recht heftig…

Einen Ausflug zum Schloss Kyburg kann ich auf jeden Fall empfehlen, wenn ihr euch für Schweizer Geschichte interessiert und einen Blick in die Vergangenheit werfen möchtet und keine Angst davor, aus Versehen, in eine andere Zeit zu rutschen. 😉

Schloss Kyburg ist nur eines von 28 Schweizer Schössern, über die ihr euch unter https://www.dieschweizerschloesser.ch informieren könnt.

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