Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.
Pablo Picasso
Kunst – eine Welt für sich und doch für alle. Auch wenn es Künstler gibt, die ganz alleine für sich im stillen Kämmerlein arbeiten und ihre Werke nie der Öffentlichkeit präsentieren, will der Grossteil der Künstler ein Publikum ansprechen und etwas vermitteln. Kunst kommt in so vielen Formen und teilweise fragt man sich auch: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Kunst ist nicht immer augenscheinlich und manchmal auch nur Kitsch. Die Grenze ist fliessend.
Eine Szene und Person realitätsgetreu abzubilden, ist schon lange nicht mehr das Ziel. Kunst will Grenzen überwinden und Tabus brechen, Kunst will sozialkritisch sein oder die Stimmung beeinflussen. Kunst hat einen direkten Einfluss auf unsere Psyche und besitzt deshalb auch eine gewisse Macht. Was für uns grossartige Kunst ausmacht und sie von mittelmässiger Kunst unterscheidet, ist die Fähigkeit starke Gefühle zu wecken. Wenn ein Kunstwerk wirklich etwas in uns auslöst, hat der Künstler es geschafft, eine Botschaft zu transportieren. Diese kann positiv oder negativ sein, aber sie lässt nicht kalt.
„…Art Basel ist eine internationale Kunstmesse mit Veranstaltungen in Basel, Miami Beach und Hongkong, die von der MCH Group betrieben wird. 2002 wurde die Messe mit der Art Basel in Miami Beach erstmals außerhalb Europas veranstaltet, 2013 kam mit der Art Basel in Hongkong ein weiterer Standort in Südostasien hinzu. Jede Messe besteht aus den teilnehmenden Galerien, bestimmten Ausstellungsbereichen, Kunstwerken und einem Parallelprogramm, welches in Zusammenarbeit mit den lokalen Institutionen der jeweiligen Stadt gestaltet wird. Art Basel bietet Galerien eine Plattform, um Sammlern, Museumsdirektoren und Kuratoren ihre Arbeit zu zeigen und zu verkaufen. Sie zieht ein internationales Publikum an.“
Zum ersten Mal fand diese Messe 1970 statt. 53 Jahre später schafften auch wir es endlich, sie zu besuchen. Keine Ahnung, was uns daran hinderte. Schon seit Jahren sprachen wir davon, aber irgendwie klappte es nie. Meistens waren es terminliche Probleme oder der letzte Schritt wurde einfach nicht gemacht.

Wer unseren Blog verfolgt, könnte meinen, dass wir uns vollumfänglich den darstellenden Künsten verschrieben häaben. Ganz falsch ist das auch nicht und im Vergleich besuchen wir auch mehr Shows und Musicals, als Ausstellungen, aber nicht, weil uns letztere weniger interessieren. Ich denke, ein bisschen hängt es sicher damit zusammen, dass bildende Kunst, wozu Malerei, Plastik, Fotografie, Architektur etc. gehört manchmal doch so ein bisschen „unnahbar“ wirkt, nicht für die breite Masse gedacht. Darstellende Kunst hat doch eher den Anspruch zu unterhalten. Da kann es einem auch einfach mal nur „gefallen“. Aber wenn man vor einem Bild steht, auf dem nur ein Punkt zu sehen ist, fragt man sich halt schon: Bin ich zu ungebildet, um die Aussage dieses Kunstwerks zu verstehe?
Dennoch sind wir froh, diesmal nach Basel gefahren zu sein. An einem Public Day gibt es an der Art Basel ja die unterschiedlichsten Besucher, aber alles Menschen, die Kunst schätzen und geniessen möchten und auch ein paar, die danach einfach schöne Fotos posten möchten. Ab und zu hatten wir das Gefühl zu letzteren zu gehören, was uns nicht so gefiel, wobei wir uns wirklich mit den Kunstwerken beschäftigten.
Unsere Erwartungen
Auch wenn die bildende Kunst verschiedene Kunstgattungen vereint, wussten wir, dass wir eine besondere Vorliebe für Plastiken haben. Hierzu gehören alle dreidimensionalen, körperhaften Werke, wie Statuen oder Installationen. Und wahrscheinlich geht es vielen so, dass diese raumfüllende Kunst einfach eine grosse Wirkung auf sie hat. Wir gingen an diese Messe mit der Hoffnung, uns überwältigen zu lassen. Wir wollten in diese mächtigen Kunstwerke, bei denen man sich fragt, wie ein Künstler es bewerkstelligt, sie zu erstellen, eintauchen und fühlen. Wir wollten aber nicht, wie bei einer Kinovorführung, alles vorgekaut kriegen, sondern uns selbst Gedanken machen und die Aussagen der Künstler ergründen.
Art Basel – Was man wissen sollte
Zeitmanagment: Ganz wichtig ist: Nehmt euch Zeit! Wenn ihr die Art Basel wirklich geniessen wollt, dann investiert einen ganzen Tag oder besser sogar zwei. Wir waren aufgrund unserer Anfahrt erst nach dem Mittag dort und es ist einfach nicht zu schaffen, alles anzuschauen, was uns dann sehr gereut hat.
Verpflegung: Es ist nicht erlaubt, in der Ausstellung zu essen und zu trinken, aber es gibt im Gebäude diverse Möglichkeiten mit tollen Angeboten. Wir hatten vorher am Bahnhof SBB noch was gegessen, was schade war. Falls ihr Hunger habt, esst dort etwas vor Ort. Die Stimmung ist echt schön.
Vorab-Information: Natürlich kann man einfach mal hin gehen und sich treiben lassen, aber wir werden uns das nächste Mal noch besser informieren. Wir wussten zwar, wo wir auf jeden Fall hin wollten, aber das reichte nicht aus. Einige der Kunstwerke, die wir wirklich sehen wollten, lagen wohl einfach nicht am Weg. Und die Online-Site bietet wirklich alles, was man braucht, um sich zurecht zu finden. Auch vor Ort ist alles ausgeschildert und es gibt Infodesks, aber es ist schon sehr überwältigend. Nächstes Mal werden wir uns definitiv alles, was wir sehen wollen, raus schreiben und auf dem Plan markieren.



Aufbau der Messe
Warum es wichtig ist, sich vorab zu informieren, hängt sicher auch mit dem Aufbau der Messe zusammen. Sie ist nämlich aufgeteilt in Sektoren, wobei jeder Sektor einen speziellen Fokus hat. Diesmal sah es so aus:
Galleries – im Hauptsektor der Messe befinden sich Werke moderner Meister neben Werken der renommiertesten zeitgenössischen Künstlern und jungen Talenten der ganzen Welt.
Unlimited – Hier wird es gross, ja monumental. Man taucht ein in riesige Installationen und Plastiken, die weit über den klassischen Messestand hinausgehen.
Feature – wer sich präzise kuratierte, historische Einzelpräsentationen von Künstlern*innen aus dem 20. Jahrhundert anschauen möchte, ist hier genau richtig.
Statement – Wer sich für eindrückliche Soloprojekte aufstrebender Künstler*innen, die für den preisträchtigen Baloise Art Price in Frage kommen, interessiert, kommt hier auf seine Kosten.
Parcours – Nicht nur die Messehallen sind Teil der Messe, sondern auch Kunstwerke, die sich ausserhalb in der Basler Altstadt befinden.
Es gibt noch einige mehr, aber das würde den Ramen sprengen.
Falls ihr an diesem Punkt noch dabei seid, wollten wir euch aber noch ein paar Werke zeigen, die uns besonders beeindruckt haben:
Monica Bonvinci – Never Again, 2005


Diese Installation aus Gerüsteinheiten, Leder, Ledergurte, verzinkte Ketten und Befestigungsklemmen war an der Art Basel eine DER Attraktionen. Vielleicht lag es auch daran, dass sie berührt werden durfte und zur Interaktion einlud. Wir waren ehrlich gesagt etwas irritiert und fast schon unangenehm berührt, als wir beobachteten, wie die Besucher in die Hängematten- ähnlichen Gebilde stiegen und dabei alles um sich herum zu vergessen schienen (ja, wir kriegten diverse Unterhosen zu Gesicht…).. Wir gingen davon aus, dass das Verhalten der Menschen Teil dieses Kunstwerks war. Die SM-anmutenden Materialien verliehen der Situation etwas seltsam Perverses.




Diese Installation hat uns total fasziniert. Die Dimensionen, die Details und die Kunstfertigkeit, mit der die Ruinen nachempfunden wurden waren wunderschön. Es handelt sich um einen Teil einer fortlaufenden Serie, in der der Künstler die archäologischen Ruinen des San-Souci-Palastes im Norden Haitis neu interpretiert. Man verspüre tatsächlich eine Art Ehrfurcht, wie man sie bei sehr alten Ruinen empfindet. Ein grosses Bravo!
Bei dieser Installation passierte Charlene dann ein kleiner Faux-pas. Als sie unter dem einen Bogen durchspazierte (was erlaubt war), stiess sie mit dem Fuss an einen Stein, der etwas zur Seite rollte, worauf einer der „Aufpasser“ angerannt kam, um ihn wieder an seinen Platz zu legen. Da kommt man sich echt etwas tollpatschig vor. Bei solchen Installationen liegt nichts „einfach so“ da. Da muss man wirklich achtsam sein. Deshalb finden wir es auch relativ tough, mit Kleinkindern diese Messe zu besuchen.
Suzanne McClelland – Mute, 2019




Dieses Projekt beinhaltet 26 Gemälde, wobei jedes einen Buchstaben des Alphabets darstellt. „…In MUTE nehmen Sprache und Semiotik eine neue Ebene der strukturellen und konzeptionellen Integration ein, die das Werk zu erhöhter Abstraktion treibt.“ Hier mussten wir passen. Wir erkannten weder Buchstaben, noch sagte uns diese Beschreibung etwas, was die Faszination der Serie aber nicht minderte. Dass wir überall Tiere sahen, hatte ein bisschen was von Rorschachtest.
Ursula Reuter Christiansen – Leporello, 2013




Dass Farbe auf Glas eine solch starke Wirkung haben kann, war faszinierend. In diesem freistehenden Werk werden starke Frauen der Geschichte, die alle einen inneren Konflikt austragen, dargestellt. Die Kraft und Sinnlichkeit, die dieses Werk ausstrahlt, war überwältigend und lud zum Verweilen ein. Hier hätten wir definitiv gerne mehr Zeit verbracht.
Jean-Marie Appriou – Horizons, 2023



Dieses riesige Werk aus Aluminium löste ein ganz starkes Gefühl in uns aus. Zwei Astronauten oder Ausserirdische, die auf ihrem Schiff durch die Sterne und Zeitalter reisen. Ein bisschen beängstigend, aber voller Verheissung weckt dieses monumentale Projekt tiefe Gefühle. Wir umrundeten es mehrere Male, nur um dieses Gefühl von Aufbruch und Abenteuer zu geniessen.
Serge Attukwei Clottey – Sea Never Dries, 2022



Dieses aus tausenden von Stücken zusammen genähte Wandteppich, der in Wellen zu Boden fällt, liess uns vom Farbschema her direkt an Gustav Klimts Werke seiner goldenen Phase denken. Dass es sich beim Material um die gelben Gefäße, die ursprünglich 20 Gallonen Speiseöl fassen sollten und von den Einheimischen zum Sammeln von Wasser und Treibstoff verwendet werden, handelt, ist überraschend und sehr berührend, da sie sich zu Eckpfeilern des lokalen Handels gemausert haben – und zu Indikatoren für die Wasserknappheitskrise. Ein wirklich beeindruckendes Werk.
Seid ehrlich? Nur schon beim Betrachten dieser Fotos kriegt ihr Lust, die Art Basel zu besuchen, oder?
Hier noch ein paar mehr:

















Fazit
Dieser Messebesuch war für uns ein echtes Erlebnis und mindestens so aufregend und überwältigend wie erhofft. Dass wir nächstes Jahr wiederkommen, ist klar, nur etwas besser vorbereitet und mit mehr Zeit.