Kloster Einsiedeln – Religiöser Wallfahrtsort und spiritueller Kraftort in einem

Das Kloster Einsiedeln ist der grösste und bekannteste Wallfahrtsort der Schweiz und eine bedeutende Station auf dem Jakobsweg. Die Schwarze Madonna, welche sich in der Gnadenkapelle befindet, ist Anziehungspunkt für zahllose Gläubige und Touristen. Und nicht zuletzt ist das Kloster ein nicht zu unterschätzender Schweizer Kraftort. Grund genug, dieses Kloster einmal zu besuchen.

Das Kloster Einsiedeln kann als Ausflugsziel vielleicht nicht direkt auf eine Stufe mit dem Pilatus gestellt werden, da es eine ganz andere Zielgruppen anspricht, dennoch ist es einen Besuch wert. Für uns z.B. war es ein wirklich tolles Erlebnis. Und dies liegt sicher auch daran, dass die rund 50 Mönche, die die Benediktinerabtei ihr Zuhause nennen, den Besuch des Klosters zu einem echten Erlebnis machen.

Im Kloster Einsiedeln wird Gastfreundschaft sehr gross geschrieben und gelebt. Die Mönche verstecken sich nicht hinter den Mauern, immer wieder begegnet man einem auf dem Klostervorplatz oder in der Kirche (oder auch irgendwo auf der riesigen Anlage, die wir dummerweise gar nicht angeschaut haben, weil wir so erschlagen waren von der Kirche selbst) und sie sind stets sehr freundlich und hilfsbereit zu Pilgern und auch zu Touristen.

Die Abtei geht aber auch mit der Zeit, soweit dies für ein Kloster möglich ist. So besitzt sie einen Instagramkanal @kloster_einsiedeln und hält auch ihre Website auf dem neuesten Stand. Beide Kanäle sind sehr informativ. Während die Website ein Gesamtbild des Klosters abbildet mit Geschichte, Angeboten und allem, was wir Digital Natives so brauchen, um uns ein Bild machen zu können, zeigt sich das Kloster auf Instagram sehr nahbar. Da sieht man einen Mönch auf dem Fahrrad, einen anderen anderen beim Degustieren, des selbst hergestellten Weins, versunken im Gebet oder natürlich auch bei kirchlichen Anlässen. Hier sind echte Profis am Werk. Von wegen verstaubt und rückständig.

Aber auch die Website bietet viele Highligths. So können Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, selbst nach Einsiedeln zu reisen, und dort eine Kerze anzuzünden, online ein Formular mit dem entsprechenden Gebetsanliegen ausfüllen. Die Kerze wird dann vor Ort angezündet und eine Fürbitte gesprochen. Es kann aber auch an einem Gottesdienst-Livestreams teilgenommen werden.
Überhaupt ist die Website unglaublich gut und übersichtlich aufgebaut. Auf dieser Seite kann man Stunden verbringen, ohne dass es langweilig wird.

Live vor Ort ist man aber zuerst einmal einfach nur beeindruckt, wenn man vor diesem prächtigen Barockbau steht. Und man hat auch das Gefühl, dass von diesem Ort eine ganz spezielle Energie ausgeht. Dies ist aber auch nicht verwunderlich, so ist die Klosteranlage und vor allem die Gnadenkapelle, welche als Mittelpunkt des Wallfahrtsorts gilt, ein sogenannter Kraftort. Als Kraftort wird ein überwiegend geographischer Ort bezeichnet, dem eine meist positive – selten auch negative – psychische Wirkung im Sinne einer Beruhigung, Stärkung oder Bewusstseinserweiterung zugeschrieben wird, da er eine besondere Erdstrahlung hat. Ab 10’000 Boviseinheiten (dies ist die Einheit, in der Erdstrahlung gemessen wird, wobei es eigentlich keine wissenschaftliche Bestätigung für deren Existenz gibt) spricht man von einem Kraftort. Das Kloster Einsiedeln hat stellenweise 20’000 und die Gnadenkapelle bei geöffnetem Eisentor sogar 30’000.

Die Gnadenkapelle befindet sich im Innern der rund 100m(!) langen Kirche und hat auch aus religiöser Sicht eine grosse Bedeutung. Denn genau an der Stelle, an der der heilige Meinrad damals im Finsteren Wald (ja, da war tatsächlich mal ein tiefer Wald) seine Einsiedelei errichtete, steht nun die Gnadenkapelle. Leider handelt es sich nicht mehr um die Ursprungs-Kapelle, die laut einer mittelalterlichen Legende von Christus persönlich und in Anwesenheit vieler Engel und Heiliger geweiht wurde, denn diese wurde 1798 durch französische Truppen zerstört. Da sie aber aus den alten Steinen wieder aufgebaut wurde, hat die „Engelweihlegende“ noch immer Bestand. Bereits im Mittelalter verbreitete sich dies natürlich wie ein Lauffeuer (PR der Extraklasse!) und machte die Gnadenkapelle international bekannt und zu einem begehrten Wallfahrtsort. Aber auch heute noch wird  am 14. September die „Engelweihe“ gefeiert.

https://www.kloster-einsiedeln.ch/gnadenkapelle/

Die Schwarze Madonna mit Jesuskind, auch „Unsere Liebe Frau von Einsiedeln“ genannt, ist „der Star“ des Klosters und der Höhepunkt jeder Wallfahrt. Wer sie nicht gesehen hat, war nicht in Einsiedeln. Punkt. Deshalb wird auch das eigentliche Film- und Foto-Verbot nicht immer so ernst genommen. Wir haben keine Fotos innerhalb der Kirche gemacht, weshalb wir hier zwei Fotos von der Website eingebettet haben. Die Statue ist im spätgotischen weichen Stil geschnitzt und hat dadurch eine besonders mütterliche Ausstrahlung. Sie ist 117 cm gross umgeben von einem goldenen Strahlenkranz. Die schwarze Farbe, die zu ihrem bekannten Namen geführt hat, ist auf den Rauch und das Russ der vielen Kerzen und Öllampen, welche ständig in der engen und dunklen Heiligen Kapelle brannten, zurück zu führen.
Das Gnadenbild, das wir heute noch in ihrer ganzen Pracht bewundern können, ist nicht das Original, denn dieses wurde 1465 beim Klosterbrand zerstört, aber auch die „neue“ Madonna hat schon einige Sommer und Winter kommen und gehen sehen, denn sie kam 1466 in die Gnadenkapelle. Die oben erwähnte Zerstörung konnte sie nur überstehen, weil sie in Sicherheit gebracht und versteckt und eine Zeit lang sogar begraben wurde. Erst 1803 kehrte sie nach Einsiedeln zurück. Mit Ihren 27 wechselnden Kleidern (auch zu sehen auf der Website) ist sie eine echte Mode-Ikone.
Als wir in Einsiedeln waren, waren wir komplett hin und weg, als das Eisentor geöffnet wurde und man das Gefühl hatte, dass einem eine Wärme entgegen schlug. Das mag Einbildung gewesen sein oder auch nicht, eigentlich spielt es keine Rolle. Fest steht, dass sie etwas ganz Besonderes ist und zurecht seit Jahrhunderten Menschen in ihren Bann zieht.

https://www.kloster-einsiedeln.ch/schwarze-madonna/

Aber auch sonst hat die Klosteranlage viel zu bieten. Hier der Übersichtsplan, der gesamten Anlage. Auf der Webseite gibt es eine Legende, was wo zu finden ist.

https://www.kloster-einsiedeln.ch/gesamtuebersicht-kloster-einsiedeln/

Wie bereits erwähnt, waren wir bereits von der Kirche und dem Marienbrunnen völlig platt. Nehmt euch also etwas mehr Zeit, wenn ihr einen Besuch plant, sonst habt ihr schlussendlich nichts gesehen, wie wir. Bewusst wurde es uns zum Glück erst, als wir nachträglich die Website studierten. Deshalb werden wir sicher wieder kommen.
Ein Grossteil der Anlage ist frei zugänglich, für einige weitere Räume kann eine Führung gebucht werden. So gibt es z.B. eine eigene Gärtnerei, einen Pferdestall, eine Stiftsbibliothek, einen Klosterladen, eine Kellerei, ein Archiv, eine Gastwirtschaft und natürlich viele einzelne, schön gestaltete Kapellen.

Was uns auch sehr beeindruckt hat, war der imposante Marienbrunnen (auch Fraubrunnen) genannt. Er steht sehr präsent und unübersehbar auf dem Klosterplatz. Allein für diesen Anblick lohnt es sich, nach Einsiedeln zu fahren. Er ist einfach prächtig! Es ist für Pilger Tradition, aus allen 14 Rohren des Brunnens einen Schluck Wasser zu trinken, da ihm heilende Wirkung nachgesagt wird. Da schlossen wir uns natürlich an.

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