Disney’s The Lion King im Theater 11 in Zürich

Disney’s The Lion King ist fast 30 Jahre nach seinem Erscheinen noch immer einer der drei beliebtesten Disney-Filme aller Zeiten und das Musical, das 1997 am Broadway Premiere feierte setzt in der Musicalwelt neue Massstäbe. Vom 24.11.2023 bis 10.03.2024 verwandelt sich das Theater 11 in die Pridelands und begrüsst den neu geborenen König Simba mit einem lauten „Nants ingonyama bagithi baba“ in vorläufig 122 Vorstellungen.
Wenn so ein spektakuläres Musical-Phänomen nach Zürich kommt, MUSS man es sich fast anschauen.

Es gibt einige Song-Intros, die einfach jeder kennt und Circle of Life aus dem Film The Lion King gehört ohne jeden Zweifel dazu. Jung und Jung-geblieben werden es direkt zuordnen können. Selbst wenn man kein Swahili spricht, was bei den meisten hier der Fall sein wird, kann jeder mitsingen, wenn auch nicht ganz mit den richtigen Worten. Mit einem eindringlichen „Nants ingonyama bagithi baba„, was in Deutsch  soviel wie: „Hier kommt ein Löwe, Vater“ bedeutet, kündigt Rafiki, ein Pavian mit schamanischen Fähigkeiten, die Geburt von Simba, des künftigen Königs an.

Ob man Lion King-Fan ist oder nicht, ob man die Afrikanische Kultur und Musik mag oder nicht, Disney hatte 1994 etwas erschaffen, das niemanden kalt lässt. Und wo bereits der Film sehr berührte, setzte die Musical-Version, die 1997 am Broadway Uraufführung feierte, direkt noch einen drauf. Bereits in den ersten Minuten der Show, wird das Publikum gefangen genommen und wer keine Tränen in den Augen hat, wenn sich aus allen Winkeln des Theaters, die grossen (riesengrossen!) und kleinen Tiere der Serengeti auf den Weg Richtung Bühne machen und dabei ganz nah am Publikum vorbei gehen, hat einfach kein Herz. Denn in diesen ersten Minuten erkennt der Zuschauer direkt das ganze Ausmass an Schönheit, das dieses Musical zu bieten hat. Ja, der Beginn von Disney’s The Lion King kann zurecht als episch bezeichnet werden.

Aus diesem Grund ist es auch nachvollziehbar, dass The Lion King seither schon von über 110 Millionen Zuschauer gesehen und ohne Unterbruch gespielt wurde. In Hamburg im Stage Theater im Hafen z.B. läuft es schon seit dem 2. Dezember 2001 ohne Unterlass in Deutscher Fassung und ein Ende ist nicht absehbar. Die Produktion, welche aktuell im Theater 11 in Zürich zu sehen ist, lässt uns allerdings in englischer Sprache in die farbenprächtige Welt Afrikas eintauchen. Nach dem Gastspiel in Basel im Jahr 2015 ist The Lion King übrigens zum ersten Mal in Zürich zu sehen und wie gross die Nachfrage ist, kann man daran erkennen, dass beinahe jede Show 2023 schon ausverkauft ist (wobei es sich lohnt, spontan zu schauen, da es immer wieder einzelne Tickets gibt) und das Gastspiel deshalb bereits bis März 2024 verlängert wurde.

Die Geschichte des kleinen Löwenjungen Simba, der möglichst schnell erwachsen und somit König werden will und sich in seinem Übermut in grosse Schwierigkeiten bringt, die auf Umwegen zum frühen Tod seines Vaters, König Mufasa, führen, ist wohl allen bekannt. Wie diese Geschichte über den ewigen Kreislaufs des Lebens, über geschwisterliche Rivalität,  Freundschaft, Liebe und das grosse Abenteuer namens „Erwachsen werden“ auf die Bühne gebracht wird, aber eventuell nicht, dabei ist die Entstehung der Bildsprache, die dieses Musical so besonders macht, wirklich faszinierend. Besonders hervorstechend ist natürlich die Art und Weise, wie die einzelnen Tiere umgesetzt wurden. Bei über 232 einzelnen Puppen (in Originalgrösse, als Stab- oder Schattenpuppe) könnte man beinahe schon von einem Puppentheater sprechen. Die Inspiration zu dieser Form von Darstellung fand Regisseurin Julie Taymor nämlich im japanischen Theater und der Commedia dell’arte. Wieviel Herzblut und Arbeitsstunden in diesen Puppen mit teilweise unglaublich ausgeklügelten Funktionen stecken, kann man sich kaum vorstellen. Wobei, für die Arbeitsstunden gibt es tatsächlich eine Zahl: 37,000. Ja, das ist eine Menge. Aber auch die Kostüme der Löwen und das spezifische Make-up jedes einzelnen Darstellers sind äusserst faszinierend.

Johan Persson ©Disney

The Lion King ist ein Musical, in dem es keinen Platz für „Stars“ gibt. Musik, Bühnenbild, Kostüme, Figuren, Choreographie und die 50 Darsteller, alles ergibt eine homogene Masse, die man einfach geniesst und nicht zerpflückt. Dieses Gefühl verstärkt sich, je weiter weg sich die Sitzplätze von der Bühne befinden. Da wir sehr gerne die Leistung der Darsteller im Detail beurteilen, wählen wir selbst immer Plätze in den ersten beiden Reihen, da wir nur so die Mimik richtig wahrnehmen. In diesem Fall waren unsere Plätze weiter hinten. Wie konzentrierten uns also in erster Linie auf das Gesamtbild, das wirklich atemberaubend ist. Die harmonischen Farben des Bühnenbilds, die gigantischen Ausmasse der Dekoelemente und die Darsteller als Gruppe. Man fühlt sich teilweise fast wie in einer immersiven Ausstellung, so künstlerisch wirkt alles. Im Vergleich zu anderen Shows, die weniger Bühnenbild zu bieten haben, ist das natürlich ein Riesenvorteil, da man die Show von jedem Platz aus geniessen kann.

©Disney

Wie erwähnt, können wir diesmal nicht gross auf die einzelnen Darsteller eingehen, da wir ausser der Stimme und der Körpersprache nicht viel bewerten können, da wir von der Mimik und der Darstellung per se nicht viel mitkriegten. Aber auch hier gibt es natürlich Darsteller, die alle überstrahlen und sogar auf grosse Distanz überzeugen. Allen voran wäre dies Jean-Luc Guizonne, der als Mufasa mit seiner royalen Präsenz sogar die hintersten Ränge erreicht und bedrohlich aber genau so väterlich wirken kann. Seine tiefe und sonore Stimme, die sowohl in den Dialogen als auch in den Songs zur Geltung kommt, lässt das emotionale They live in you zu einem der Highlight der Show werden und spüren, dass dieser begnadete Darsteller diese Rolle nicht nur komplett verinnerlicht, sondern sich zu eigen gemacht hat.

Ebenfalls sehr beeindruckt waren wir von Nokulunga Madlala als Rafiki, den schamanischen Pavian, der seit Beginn im Musical von einer weiblichen Südafrikanerin gespielt wird, da die meisten ihrer Texte in einer afrikanischen Sprache gesungen oder gesprochen werden. Mit ihrer beeindruckenden, kraftvollen Stimme, die beim neuen Song Rafiki Mourns auf Zulu aber auch einen ganz sanften, klagenden Klang annehmen und zu Tränen rühren kann, führt sie durch das gesamte Musical. Selbstverständlich verlangt diese Rolle auch komödiantisches Talent, was bei Nokulunga definitiv der Fall ist.

Und last but not least waren wir begeistert von André Jewson, der als Mann hinter der beliebten Vogelpuppe Zazu agiert. Als Voice Actor gibt er dieser Figur so viel Persönlichkeit und wirkt auch als Schauspieler. Regisseurin Julie Taymor entschied bewusst, dass die Darsteller der Tiere auch als Menschen zu sehen waren, was eine zauberhafte Wirkung hat und das Stück von einem Kindermusical auf ein höheres Level hebt. Beim Einstudieren der Rollen probt der Darsteller übrigens die längste Zeit ohne Puppe, um sich ganz auf die Darstellung zu konzentrieren, ohne von der Puppe abgelenkt zu werden oder sich dahinter verstecken zu können. Nur, wer ohne Puppe überzeugt, hat die Möglichkeit auf diese Rolle. Und dass André Jewson gecastet wurde, war ein echter Glücksgriff.

Selbstverständlich sind auch alle anderen Darsteller bemerkenswerte und sehr professionelle Sänger, Schauspieler und Tänzer (ja, bei The Lion King sind auch die tänzerischen Fähigkeiten sehr gefordert), die sich perfekt in die Inszenierung einfügen. Die Harmonie zeigt sich jeweils besonders deutlich in den Gruppenszenen, wie z.B. wenn das Rudel der Löwinnen auftritt. Die fliessenden, synchronen Bewegungen, die von den Kostümen unterstrichen werden, sind so elegant, dass es fast schon rituell wirkt. Überhaupt ist die Jagd eine unserer Lieblingszenen, weil auf so viele Details geachtet wurde, wie die abnehmende Anzahl an Antilopen oder wie die Antilope zerteilt wird und der „Träger“ wie eine Art Seele voller Leichtigkeit die Bühne verlässt. Eine wunderbare Verkörperung des „Circles of life“.

Deen van Meer ©Disney

Aber auch der Beginn des zweiten Aktes, wenn die Gruppe Menschen (ja, keine Tiere) in traditionellen Gewändern singend die ganzen Vögel über dem Publikum fliegen lassen, ist von einer solchen Perfektion, dass man einfach nur staunend zusieht. Aber The Lion King steckt voller unzäliger bezaubernder, überraschender und berührender Momente, die man unbedingt selbst sehen muss, weshalb eigentlich kein Weg daran vorbei führt, sich Tickets zu kaufen. Nichts wurde dem Zufall überlassen, alles ist bis ins kleineste Detail durchdacht. Erstaunlich ist auch I just can’t wait to be king, welches von den beiden Kinderdarstellern gesungen wird. Obwohl auch hier Tierpuppen auftreten, sind diese aber so bunt und abstrakt, dass jedem sofort klar ist, dass es sich hier um Phantasie von Kindern handelt, was in unseren Augen eine grossartige Umsetzung ist. Und wie Mufasa bei He lives in you noch einmal in Erscheinung tritt (wir erinnern uns, dass er im Trickfilm damals in den Wolken erschien), ist wahrlich meisterhaft und unglaublich kreativ umgesetzt.

©Disney

Eine wichtige Rolle übernimmt natürlich auch die Musik. Obwohl in erster Linie Sir Elton John als Komponist genannt wird, bietet The Lion King auch Kompositionen anderer Künstler, wie dem bekannten Filmkomponisten Hans Zimmer, Mark Macina, Plattenproduzent Jay Rifikin und dem südafrikanischen Komponisten Lebo M. Die Musik ist grösstenteils afrikanisch geprägt, weist aber auch Einflüsse aus andern Teilen der Welt und diversen Genres wie Klassik, Rock, Pop und Gospel auf. Während der Show spielen einzelne Musiker bis zu 40 Instrumente. Alleine 19 verschiedene Flöten kommen zum Einsatz und selbstverständlich auch einige traditionelle afrikanische Trommeln wie die Djun-Djun und die Djembe. Neben dem Orchester im Orchestergraben, gibt es auch noch Musiker, die rechts und links neben der Bühne auf einer Erhöhung spielen.

Während der Show fragten wir uns immer mal wieder, ob dieses Musical wirklich geeignet für Kinder ist, da die Darsteller doch ziemlich schnell sprechen und dies in Englisch. Für Kinder, die die Musik lieben und die Geschichte in- und auswendig kennen, wird das Musical eine Bereicherung sein und ein Riesenspass. Sollte ein Kind die Geschichte aber nicht kennen, könnte es durchaus schwierig werden. Somit empfehlen wir definitiv eine Vorbereitung auf diesen Musicalbesuch, um auch wirklich etwas davon zu haben. Und vielleicht freuen sich die Kleinen auch über den tollen Merchandise-Stand, der nach echter Disney-Manier für jeden etwas zu bieten hat.

Fazit

Disney’s The Lion King ist ein wahrer Kunstgenuss und mit Einschränkungen für jede Altersgruppe empfehlenswert. Die Musik ist einmalig, die Inszenierung als Ganzes unheimlich kreativ und auf so vielen Ebenen beeindruckend. Wer bisher keinen Zugang zu Musicals finden konnte, sollte einfach mal über seinen Schatten springen und sich Tickets besorgen oder wünschen, da The Lion King ein Erlebnis ist, das unter die Haut geht.
Entgegen unserer Vorsätze haben wir uns bereits noch einmal Tickets (in der 1. Reihe) besorgt, um uns das Musical im Februar noch einmal zusammen mit unserer Mutter anzuschauen und ein zweites Mal in diese gewaltige Bildwelt einzutauchen.
Falls wir euch neugierig gemacht haben, findet ihr hier den Link zur Schweizer Website mit tollen Infos oder hier direkt zu den Tickets.

Ein herzliches Dankeschön an FBM für die Einladung und die Möglichkeit, nicht nur diese grandiose Show zu sehen und zu rezensieren, sondern auch Nala und Simba höchstpersönlich zu treffen. Es war ein wunderschöner Abend!

Dewynters ©Disney
Deen van Meer ©Disney
Meet and Greet
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Brinkhoff and Mogenburg ©Disney
Meet and Greet
©Disney
Dewynters ©Disney
Brinkhoff and Mogenburg ©Disney
Catherine Ashmore ©Disney
Johan Persson ©Disney

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