Die Beatles sind zurück und lassen uns vom 21.05. bis 02.06.2024 erleben, wie die vier jungen Männer aus Liverpool zu einer der erfolgreichsten Bands aller Zeiten aufsteigen und mit weltweit über einer Milliarde verkauften Tonträgern, den meisten Nr.-1-Alben sowie dem erfolgreichsten Komponisten-Duo Lennon/McCartney der Pop-Geschichte als die sogenannte „Fab Four“ Musikgeschichte schreiben konnten.
Mit Songs wie Help, Love Me Do, Yesterday oder Hey Jude verkörpert die Band Twist & Shout aus Las Vegas die legendären Pilzköpfe so authentisch, dass die Atmosphäre wieder auflebt, mit der die Beatles die Massen einst in ihren Bann gezogen haben.
Die Beatles haben ihre Anziehungskraft nicht verloren. Soviel ist klar, wenn man eine der begehrten Vorstellungen von All you need is love! in der MAAG Halle in Zürich Hardbrücke besucht. Jede Menge Bandshirts mit dem berühmten Zebrastreifen auf der Abbey Road in London sind zu sehen und vor der Fotowall werden Erinnerungsfotos geschossen, bevor sich alle in den Zuschauerraum begeben. Auf der Bühne steht bereits auf einer erhöhten Plattform das Schlagzeug und der bekannte Beatles-Schriftzug prangt auf der Drum. Im Hintergrund ist das Key Visual der Produktion zu sehen und dies alleine reicht, um prickelnde Vorfreude zu spüren. Ja, die Beatles ziehen wirklich noch immer.
Die Show beginnt mit einem Intro von Come together, während Bilder der Beatles über die Leinwand flimmern und die Spannung steigern. Dann betritt die Band einer nach dem anderen von Applaus begleitet die Bühne. Es ist der 30. Januar 1969 und wir befinden uns auf dem Dach von Apple Records, wo das legendäre letzte Konzert der Beatles stattfindet.

Was man über die Beatles wissen sollte
Offiziell gegründet wurden The Beatles im Jahr 1960. John Lennon und Paul McCartney gaben ihr erstes gemeinsames Konzert bereits 1957. 1958 stiess George Harrison dazu und rechtzeitig zur 1. Single Love me do im Jahr 1962 Ringo Starr. Der Erfolg der ersten beiden Singles (1963 folgte Please Please me) öffnete ihnen neue Türen und bescherte ihnen die erforderliche Aufmerksamkeit. Der endgültige Durchbruch gelang den Beatles am 13. Oktober 1963 mit einem Auftritt in der populären ATV-Sendung Sunday Night at the London Palladium, den 15 Millionen Menschen sahen und bei dem kreischende Fans ein Verkehrschaos verursachten. 1964 eroberten sie dann auch die amerikanischen Charts und die ganze Welt.
Bis 1969 ritten Sie auf dieser Erfolgswelle, prägten die Musikszene und die Gesellschaft massgeblich und schrieben Hits für die Ewigkeit, bis interne Spannungen 1970 zur Trennung der erfolgreichsten Band der Welt führten. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere gaben die Beatles nach ihrem letzten und weltberühmten Konzert auf dem Dach des Plattenlabels Apple Records in London ihre Trennung bekannt. Doch der Mythos lebt bis heute weiter.

Ist All you need is love! ein Musical?
Musicals können in sehr unterschiedlicher Form daher kommen und wir haben bereits viele davon gesehen. Für den einen oder anderen mag All you need is love! zu wenig Handlung für ein Musical haben, zu wenig Bühnenbild, zu wenig Action. Ein Bühnenbild gibt es tatsächlich nicht, lediglich eine Leinwand und sonst stehen auf der Bühne nur die erforderlichen Instrumente und minimale mobile Elemente.
Was wir erleben, ist eher das Konzert einer Tributeband, die die Hits der Beatles in chronologischer Reihenfolge zum Besten gibt, wobei ein Erzähler die Geschichte vorantreibt und die jeweilige Situation erklärt, unterstützt und veranschaulicht durch Originalaufnahmen aus zehn Jahren Bandgeschichte. ABER wir haben eine Geschichte und wir haben Musik, somit haben wir ein Musical.
Von der Begleitband zu Weltruhm in zwei Akten.
Die Musicalbiographie All you need is love! von Erfolgsproduzent Bernhard Kunz, die im Jahr 2000 auf der Seebühne Chiemsee Premiere feierte, gliedert die zehnjährige Bandgeschichte in zwei Akte.
Im 1. Akt erleben wir die Anfänge der Band 1960 in Hamburg, wo sie zunächst als Begleitband in Stripclubs und Kneipen, später eigene Konzerte spielen und schliesslich ihren Durchbruch in der USA schaffen.
Im 2. Akt bricht die „Beatlemania“ endgültig aus. Das 1967 erschienene Album Sgt. Pepper’s lonely hearts club band, prägt die Pop- und Rockmusik wie keine andere zuvor. Die sich musikalisch ständig neu erfindende Band bringt ihre Fans bei Auftritten regelrecht zum Ausrasten und setzt auch in Sachen Mode und Lebensgefühl neue Masstäbe.
All you need is love! begeisterte bereits ein Millionenpublikum und bringt den Zauber dieser Zeit zurück auf die Bühne und in die Gegenwart. Das Publikum kann jenes legendäre Jahrzehnt nachempfinden, in dem die Beatles scheinbar mühelos einen Welthit nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelten und die Konkurrenz schier zur Verzweiflung brachten.
Twist & Shout – Näher kann man den Beatles kaum kommen
Als Beatles erleben wir die Original-Tribute-Band Twist & Shout aus Las Vegas, welche sich sowohl gesanglich als auch schauspielerisch ihren Idolen auf beinahe schon unheimliche Art angenähert hat. Authentisches Kostüm- und Maskenbild sowie ein Mix aus historischer Videoeinspielungen und Live-Aufnahmen und , machen die Illusion perfekt und lassen die Grenze zwischen Vergangenheit und Gegenwart verwischen.
Dass die vier Musiker den Originalen nicht wie ein Haar dem anderen gleichen, sieht man natürlich und je näher man der Bühne ist, desto deutlicher wird es. Dies liegt mitunter daran, dass keiner der Beatles in ihren aktiven, gemeinsamen Jahren das 30. Altersjahr überschritten hatte und auf der Bühne der MAAG Halle vier gestandene Männer stehen. Wer ihnen eine Weile zusieht und zuhört, realisiert jedoch schnell, wieviel Ähnlichkeit in Sachen Mimik, Bewegung und Stimmtimbre besteht. Hier war ein intensives Rollenstudium nötig und das hat sich gelohnt.
Die augenscheinlichste Ähnlichkeit zeigt sich zweifellos bei Emanuele Angeletti aka Paul McCartney. Der begnadete Musiker verkörpert den Bassisten der Beatles schon seit vielen Jahren und spielte ihn bereits mit grossem Erfolg in einer italienischen Tribute-Band und am Londoner West End in Let it be wie auch auf Tour mit selbigem Musical. Wir waren begeistert, als wir sahen, dass er sich als Rechtshänder tsächlich das linksändige Spiel an der Bassgitarre antrainiert hatte. Stimmlich dem Original fast schon beängstigend nahe, erkennt man Paul aber auch in jeder Bewegung und in seiner Mimik. Hier ein Zurückwerfen des Kopfes, da ein freches Lächeln, die hochgezogenen Augenbrauen, ein Nicken ins Publikum, die typische Taktangabe mit dem Fuss, das Kopfwiegen beim Singen und seine Mobilität auf der Bühne – seine Performance ist erstaunlich und faszinierte uns so sehr, dass wir den übrigen Beatles nicht dieselbe Aufmerksamkeit schenken konnten. So freuten wir uns auch über seine Solo-Nummern Yesterday und Let it be, wobei er bei letzterem auch seine Klavierkünste unter Beweis stellte, wie auch bei Hey Jude. Ja, wer einen Musiker wie Paul McCartney glaubhaft darstellen möchte, braucht die entsprechenden Skills und die bringt Manny Angeletti definitiv mit. Was für eine Freude, ihn auf der Bühne erleben zu dürfen.

Howard Arthur als Bandgründer John Lennon überzeugt vor allem im 2. Akt, aber nicht unbedingt wegen der Langhaarperücke (da gäbe es ev. noch etwas Optimierungspotential), sondern mit seiner friedvollen, etwas „abgespacte“ Ausstrahlung, die Johns spätere Richtung perfekt einfängt. Aber auch im 1. Akt, werden Beatles-Kenner typischen Bewegungen erkennen und natürlich beherrscht er die Mundharmonika. Zudem besetzt Howard Arthur eine wirklich ausserordentlich schöne Stimme, die seine Performance wirklich zu einem Genuss macht.

George Harrison stand, wie auch Ringo Starr immer etwas im Schatten des Songwriter-Duos Lennon/McCartney. Und auch bei All you need is love! landen die beiden eher auf den Plätzen drei und vier, was die zugedachte Aufmerksamkeit betrifft, wobei es sich wirklich lohnt, John Brosnan aka George und Carmine Francis Grippo aka Ringo zu beobachten. Auch hier findet man sehr viele Original-Angewohnheiten, die den kleinen, feinen Unterschied machen. John Brosnan performte bereits in der Tribute- Band Beatles 2000 und Beatles ’65 und war, wie Manny Angeletti, Teil von Let it be, wo er stets den Part von George übernahm. Anm. der Red. Während eines erneuten Konzertbesuchs am 19.01.2025 konnten wir ihm mehr Aufmerksamkeit schenken und waren wirklich begeistert.
Carmine Francis Grippo war ebenfalls bereits in verschiedenen Beatles-Projekten tätig und verzaubert mit seinem Ringo-typischen, kindlichen Lächeln, während er, wie in seiner eigenen Welt weilend, die Drums spielt.


Alle zusammen sind definitiv ein echter Ohrenschmaus und Blickfang und der Original-Beatles-Sound, der einfach glücklich macht, wird zu 100% erreicht. Es wirkt geschriehen, geklatscht, gejohlt und laut mitgesungen. Und das Publikum wird dann und wann sogar offiziell dazu aufgefordert. Und dazu sind natürlich alle gerne bereit. Ob Obladi Oblada, All you need is love oder Yellow Submarine (letzteres wirst als geschickter Überbrücker genutzt, um der Band eine Umziehpause zu gewähren), der Text sitzt bei allen.
Wie aus einem Konzert ein Musical wird
Der Grossteil der Show ist ein Konzert – so sieht es aus – ein richtig geniales Konzert. Das alleine würde bereits genügen, um das Publikum zu begeistern. ABER es handelt sich ja um ein Musical und deshalb erfahren wir auch noch etwas über den Werdegang der Band. Diese wichtige Erzähler-Funktion übernimmt der Roadie der Beatles, der mit viel persönlichem Charme und grosser Bühnenräsenz von Nicolai Tegeler verkörpert wird. Seine sympatische, nahbare Art gepaart mit jede Menge Spontanität sind die idealen Türöffner zum manchmal doch etwas zurückhaltenden Schweizer Völkchen. Passend zu den verschiedenen musikalischen Phasen, tritt er mal als Rocker, mal als Hippie mit Riesen-Joint auf und unterhält das Publikum aufs Beste.

Als extrem coolen Tony Sheridan und anschliessend als Beatles-Manager Brian Epstein, der die vier Musiker während ihrer ganzen Karriere tatkräftig unterstützte und einige wegweisende Deals aushandelte, erleben wir Patrick Papke in Bestform. Das gutaussehende Multitalent ist sowohl schauspielerisch, als auch musikalisch vielseitig einsetzbar, was perfekt für ein kleines Ensemble mit verschiedenen Rollen ist. In Erinnerung bleiben sein Matrosen-Auftritt und auch seine Anrufen bei Radiostaionen, bei denen sicher der in der Schweiz für am meisten Gelächter sorgt:
Mir sind nid interessiert. Mir spieled nur aständigi Musig.

Und als Letzter im Bunde agiert Ian Wood in verschiedenen Rollen vom ehemaligen Beatles Bassisten über Bert Kaempfert bis zu George Martin mir grosser Coolness und Würde.

Sie alle Sorgen für die Geschichte rund um die Beatles-Hits und die Band, die den Verlauf der Zeit wiederum mit den passenden Outfits und Frisuren sichtbar machen, von denen sicher die bunten Seidenanzüge aus Sgt. Pepper- Zeiten am auffälligsten sind. Aber jedes einzelne Outfit schreit „Beatles“.
Wie bereits erwähnt wird das Geschehen durch gezielte Videoeinspielungen untermalt. So sehen wir Szenen aus den 60ern, Ausschnitte aus Dokumentationen, Konzert-Mitschnitte, psychedelische Animationen, Videoclips und Stimmungsbilder, passend zu den jeweiligen Songs. Am beeindruckendsten sind natürlich die Szenen, in denen hinter der Band entsprechende Konzertmitschnitte parallel mitlaufen und mit Liveaufnahmen von der Bühne in Schwarz-Weiss gemischt werden, was die perfekte Illusion erzeugt. Aber auch Here comes the sun mit seinen zauberhaften Lichteffekten, die wire echte Sonnenstrahlen wirken, ist ein gutes Beispiel dafür, wie man ein Konzert zu einem visuellen Erlebnis machen kann.
Fazit
Wer sich von All you need is love! nicht mitreissen lässt, hat keinen Funken Emotion in sich. Ob einen die Musik der Beatles in die eigene Jugend zurück versetzt, ob man einfach die Genialität dieser Musik würdigt, die Leistung von Twist & Shout als Band oder einzelner Mitglieder anerkennt oder es einfach grossartig findet, ein bisschen Beatles im Jahr 2024 in der MAAG Halle in Zürich erleben zu dürfen, es gibt Unmengen von Gründen dafür, diese Show zu sehen und zu geniessen. Fakt ist, dass das musikalische Erbe der Beatles jeden Musiker der folgenden Jahrzehnte bis in die heutige Zeit beeinflusst hat und es Menschen gibt, die ihr Leben noch immer komplett den Beatles oder einem der Bandmitglieder widmen, was unglaublich faszinierend ist. Für uns war der Besuche von All you need is love! ein ganz besonderes Erlebnis und wirklich empfehlenswert.
Sehen könnt ihr das Beatles-Musical noch bis am 2. Juni in der MAAG Halle und Tickets gibt’s hier:
Ein herzliches Dankeschön an MAAG Moments für die Möglichkeit, diese grandiose Show zu sehen und zu rezensieren.
Die Besetzung
Emanuele „Manny“ Angeletti: Paul McCartney
Howard Arthur: John Lennon
John Brosnan: George Harrison
Carmine Francis Grippo: Ringo Starr
Nicolai Tegeler: Roadie
Patrick Papke: Tony Sheridan, Brian Epstein
Ian Wood: Stuart Sutcliffe, Bert Kaempfert, George Martin



















HALLO zusammen, wir waren gestern im Beatlesmusical in Zürich. Ein netter Abend, war das. Schade, dass die Musiker viele Songs nicht selbst auf ihren Instrumenten gespielt haben. Besonders peinlich der Auftritt von John Lennon, vor allem am Klavier. Als er dann den Bass von Paul genommen hat (welches ja ein Bass für Linkshänder war) und ihn verkehrt herum gehalten hat und so getan, als ob er darauf spiele,….. wer ist denn nur auf diese dumme Idee gekommen.
Schade.
Der Lichtblick des Abends: Emanuelle Angeletti.
Gruß Ursula
Hallo Ursula
Ja, Emanuele ist ein toller, fähiger und sehr charismatischer Künstler und war definitiv auch für uns von Beginn an auf Platz 1. Und wir können Ihre Enttäuschung, was die Faux-pas angeht auch nachvollziehen. Wir gehen davon aus, dass sich der Grossteil des Publikums einfach gerne unterhalten lassen und den wirklich sehr gut nachempfundenen Beatles-Sound geniessen möchte. Da nicht alle Paul-Imitatoren , Wie Emanuele in der Lage sind, linkshändig Bas zu spielen, denken wir, dass die Übernahme des Basses noch aus einer Zeit stammt, als ein anderer die Rolle des Paul gespielt hat und hier keine Änderung vorgenommen wurde.
Wie hoffen, Sie hatten dennoch einen tollen Abend! Wie versuchen, den Fokus immer auf die Hightlight zu legen, denn fehlerfrei ist in der Regel selten was. Davon sollte man sich das Erlebnis aber nicht verderben lassen.
Herzliche Grüsse, Charlene & Désirée