Am 15. März 2025 war Elvis – Das Musical für einen Abend zu Gast in der Schweiz und brachte das Theater 11 zum Kochen. Wir tauchten ein in die faszinierende Welt des King of Rock ’n’ Roll und feierten seine unsterblichen Hits. Mit Grahame Patrick stand ein Elvis-Imitator der Extraklasse auf der Bühne und überzeugte mit Stimme und Charisma. Mit eindrucksvoller Live-Musik, mitreissenden Choreografien und jeder Menge Nostalgie durften wir in die einzigartige Geschichte dieses Ausnahmemusikers, der die Musikwelt für immer verändert hat, eintauchen. Ein Muss für alle Fans und Musikliebhaber!
So voll hatten wir das Foyer des Theater 11 noch nie gesehen. Vielleicht lag es daran, dass es sich um eine einzige Show handelte oder dann war doch Elvis ein besonderer Publikumsmagnet. Sogar ein als Elvis gekleideter Herr, der die Gelegenheit beim Schopf gepackt hatte, war anwesend und umzingelt von neugierigen Zuschauern. Ja, die Aufregung in Foyer war deutlich spürbar. Selbst wenn es sich „nur“ um ein Musical über Elvis Presleys Leben handelte, hatte dieser Abend einen besonderen Zauber, den sogar wir, die sich jetzt nicht gerade als Fans des King of Rock ’n Roll definieren würden, deutlich wahrnehmen konnten
Für uns ist es immer besonders schön, wenn man den Theatersaal betritt und direkt auf eine Bühne blicken kann, auf der schon etwas zu sehen ist und nicht nur ein geschlossener Vorhang. So wird die Vorfreude nämlich direkt noch etwas mehr gesteigert. Bei Elvis – Das Musical, wie auch schon damals bei All you need is love! – Das Beatles Musical, welches wir ja im Frühling 2024 sehen durften, war es das offizielle Key Visual im Hintergrund und die Instrumente der Band. Während es bei den Beatles die Bandmitglieder selbst waren, die spielten, konnte man hier sehen, dass man sich auf eine grössere Live-Band freuen konnte. Mittig auf einem Podest thronte das Schlagzeug mit Elvis-Drums, links und rechts davon je eine kleine Showtreppe (die durch die eingebauten Lichter im Laufe des Abends einige fantastische Effekte erzeugen sollten) und daneben weitere Plattformen für die Musiker. Rechts stand ein Keyboard und links Gitarren und Bass. Hinzu kamen in musikalischer Hinsicht ein Bläser-Trio und ein vierköpfiges Background-Gesangsensemble bestehend aus vier gestandenen Herren.

16. August 1977 – Der King of Rock n‘ Roll ist tot
Das Musical beginnt mit einem der wohl letzten Konzerte von Elvis Presley, gut erkennbar an einem seiner berühmten nietenbesetzten weissen Lederanzügen, die exemplarisch für die letzte Karrierephase von Elvis stehen. Während sieben Jahren hielt er in Las Vegas sein Publikum auf Trab und spielte insgesamt 873 kräftezehrende Shows vor 2,5 Millionen Zuschauern. Grahame Patrick, ein wirklich aussergewöhnlicher Elvis-Imitator, performt My Way sehr emotional und so inbrünstig, als ob es sich nicht um den Beginn des Musicals, sondern um den Abschluss eines Konzerts handeln würde, was einen direkt mitten in die Geschichte katapultiert und zwar zum 16. August 1977. Denn auf diesen Opener-Song, der wie ein Abschluss-Song inszeniert wird, wird das Publikum mit Original-Nachrichten-Einspielern und eingeblendeten Zeitungs-Schlagzeilen konfrontiert, die allesamt über den überraschenden Tod des King of Rock n‘ Roll, der mit nur 42 Jahren an plötzlichem Herztod verstarb, berichten. Und ja, ein bisschen betroffen macht das schon, vor allem ist es unerwartet, ungeschönt und sehr eindrücklich und so manch einer, der es damals live miterlebte, wird sich zurück versetzt fühlen und wir, die es nur aus Reportagen kennen, können es tatsächlich etwas nachempfinden, was dieses Ereignis für die Welt bedeutete.
Das vierstimmige There will be Peace, das das Stamps Quartet mit Gesicht zur Leinwand und folglich mit Rücken zum Publikum anstimmt, sorgt für Gänsehaut und wir im Publikum lassen uns direkt von diesen wunderbaren, tiefen Harmonien verzaubern.

Elvis wird entdeckt und erobert die Radiostationen
Mit dem Ende zu beginnen und dann zurück an den Anfang zu springen und die Geschichte eines Künstlers chronologisch zu erzählen, ist ein beliebtes Konzept, das bei einem biographischen Musical auch absolut Sinn macht, da das Ende der Story jedem bekannt ist und nichts vorweg genommen wird (bei der Beatles war es z.B. das Rooftop Concert auf dem Dach von Apple Records). Zudem besteht so die Möglichkeit, das Publikum am Ende eines genialen Abends in guter Stimmung in die „Freiheit“ zu entlassen. Denn hätte das Stück mit Elvis‚ Tod geendet, wäre die Stimmung mit Sicherheit etwas gedrückt gewesen.
So erleben wir nun Sam Phillips, den Gründer von Sun Records und „Entdecker“ von Elvis Presley, bei seiner täglichen Arbeit mit einer nicht all zu talentierten jungen Sängerin im Tonstudio und wir alle wissen: jetzt kommt der grosse Moment. Im Blaumann betritt der noch unbekannte junge Mann das Studio, um für seine Mutter nachträglich einen Song zum Geburtstag aufzunehmen. Ohne grosse Erwartungen lässt Phillips Elvis My Happiness singen, realisiert dann aber schnell, dass er die Antwort auf seine Gebete sein könnte: ein weisser Junge mit der Stimme und dem Feeling eines Schwarzen – genau, was er sucht. Deshalb darf er auch gleich noch mit Bandbegleitung That’s Alright (Mama) aufnehmen. Manchmal muss man einfach nur zur rechten Zeit am rechten Ort sein. In Wirklichkeit lag zwischen dem Geburtstagslied und der Aufnahme von That’s Alright zwar ein halbes Jahr, aber wenn eine Geschichte, wie die von Elvis in 90 Minutenerzählt werden will, kann man – oder MUSS man sogar – etwas schneller voranschreiten.
Bald wird ganz Amerika deinen Namen kennen.
Sam Phillips zu Elvis
Dass Graham Patrick kein 18-jähriger Bursche, sondern ein gestandener Mann ist, ist jedem klar. Dennoch schafft er es perfekt, die etwas introvertierte, schüchterne, aber sehr höfliche Art von Elvis, wie er 1953 war, rüber zu bringen und alleine mit seiner gefühlvollen Stimme, die er, wie er ohne zu Zögern erklärt, von Gott erhalten hat, zu überzeugen. Sam Phillips, der Elvis‘ Potential erkannte und neben ihm auch noch Stars wie Jerry Lee Lewis, Carl Perkins, Roy Orbison und Johnny Cash entdeckte, wird vom charismatischen Nicolai Tegeler verkörpert, der uns auch schon als Roadie im Beatles-Musical begeisterte. Als einziger zusätzlicher Darsteller, übernimmt er neben dem hier sehr sympathisch und fast schon väterlichen Produzenten Phillips, etwas später auch die Rolle des doch sehr umstrittenen Colonel Tom Parker, der als Elvis‘ Manager zwar dafür sorgte, dass dieser auf möglichst gewinnbringende Art in der Öffentlichkeit präsent war, ihm aber aus nicht ganz uneigennützigen Gründen, auch die Flügel stutzte. Hier darf man Nicolai Tegelers facettenreiches Spiel bewundern, der auf einmal nichts Väterliches mehr an sich hat und auch gar nicht mehr sonderlich sympathisch wirkt. Die beiden sehr gegensätzlich angelegten Rollen spielt er gleichsam nuanciert und realistisch.

TV und Film – Elvis wird zur Marke
Mit Hilfe von Colonel Tom Parker erlangte Elvis Presley eine Omnipräsenz, die seinesgleichen suchte und sucht. Mit mehreren TV-Auftritten im Jahr 1956 erreichte er ein riesiges Publikum. Im Musical erleben wir Elvis in Bestform mit Hound Dog oder auch Devil in Disguise. Immer an seiner Seite Colonel Parker, der ein Auge darauf hat, dass möglichst viel Geld in seine Kasse fliesst. So werden auch Elvis legendäre und teilweise doch sehr einfachen Filme thematisiert und mit unsterblichen Songs wie Viva Las Vegas und Return to Sender untermalt. Die Inszenierung der Songs wird immer grösser und eindrücklicher und auch die beiden The Hearbreakers-Tänzerinnen , Lucciana Fuzetti und Valentina Caliandro, haben mehrere beeindruckende Auftritte uns sorgen mit ihren tänzerischen Fähigkeiten und viel persönlichem Charme im sonst rein männlichen Ensemble für willkommene weibliche Energie, die z.B. bei Jailhouse Rock perfekt zur Geltung kommt. Hier freuen wir uns auch über die Kostüme der Damen, die den Original-Gefängnis-Outfits, welche auf der Leinwand zu sehen sind, nachempfunden sind. Überhaupt wurde kostümtechnisch viel Aufwand betrieben und auf Qualität und Details geachtet.

Ebenfalls in einem Song thematisiert, wird die Liebesgeschichte mit Priscilla. Zum gefühlvollen Love Me Tender flimmern Original Foto- und Film-Aufnahmen über die Leinwand und man wird fast etwas wehmütig, weil wir alle wissen, dass diese Liebesgeschichte leider kein Happy End finden wird. Allerdings wird dieser Aspekt von Elvis Leben recht knapp gehalten.
Die 70er halten Einzug
Der zweite Akt widmet sich den beginnenden 70ern, die für Elvis aber eher zu einer Zeit des Kampfes werden sollten. Neben der „Britischen Invasion“ in Gestalt von vier Pilzköpfen, die dem King of Rock n‘ Roll in Bedrängnis bringen und viele der weiblichen Fans für sich beanspruchen, beginnt 1973 auch sein persönlicher Abstieg. Doch von 1969 bis zu seinem Tod 1977 gibt Elvis so viele Livekonzerte, wie noch nie, nämlich über 1100, davon eben die 635 im International Hotel in Las Vegas.
Mit wunderschönen Gospel-Songs wie He Touched Me, Swing low, Sweet Chariot, bei dem zur Freude des Publikums die Bläser so richtig mittanzen, oder How Great Thou Art beginnt der zweite Akt musikalisch zunächst sehr gefühlvoll und lässt Elvis‚ Wurzeln, die ja im Gospel liegen, spüren, bevor es sich dem 1968er Comback Show von Elvis zuwendet und Grahame Patrick unter andere Little Less Conversation performt.
Die Ermordung von Martin Luther King in Elvis‚ Heimatstadt Memphis, trifft ihn tief und er gedenkt dem Bürgerrechtler mit dem Song If I Can Dream, während Colonel Tom Parker sich weiter Gedanken um die Vermarktung von Elvis macht und ihn nach dem gigantischen, weltweit ausgestrahlten TV Specials Aloha from Hawaii tagtäglich im International Hotel auftreten lässt. Bei It’s Now or Never kommt das Publikum sogar noch in den Genuss eines wirklich grandiosen Trompeten-Solos.

Zugaben und Konzertstimmung pur
Wer nach Elvis – Das Musical das Theater verlässt, blickt selbstverständlich auf ein richtig gutes Musical zurück, in Erinnerung bleiben, wird aber vor allem das Finale mit den diversen Zugaben. Wer geschlafen hat und während des Stücks noch nicht realisiert hat, was für ein begnadeter Entertainer Grahame Patrick ist, wird es jetzt mit Sicherheit merken. Auf eine subtile, charmante Art hat er es geschafft, das Publikum so für sich einzunehmen, dass es den Tribute-Artist feiert, als wäre er Elvis selbst, Umarmungen, Handshakes und Küsse (sogar auf den Mund) inklusive. Wir waren tief beeindruckt von seiner Hingabe an diese Rolle, die er nicht nur gesanglich, tänzerisch und schauspielerisch perfekt ausfüllt, sondern auch menschlich. Auch den kleinen Jungen, der plötzlich auf der Bühne stand behandelte er, wie ein echter Star es eben tut. Um ehrlich zu sein, fühlte sich alles etwas unwirklich an, weil wir nicht ganz einordnen konnten, ob die offenkundige Liebe Grahame Patrick als Entertainer oder Elvis, den er so perfekt zu imitieren weiss, galt. Man konnte fast schon ein bisschen von einer Art Massenhypnose sprechen. Was uns unmissverständlich klar wurde, ist aber, dass Elvis keinesfalls an Anziehungskraft verloren hat.
Neben Suspicious Minds, bei dem er eine Tour durchs Publikum unternimmt, Falling in Love, Blue Suede Shoes, In the Ghetto und Johnny B. Goode, geht Grahame Patrick auch auf einen Publikumswunsch ein und singt a capella Muss i denn zum Städtele hinaus. Zusammen mit Nicolai Tegeler werden auch noch alle einzelnen Mitwirkenden vorgestellt und gewürdigt, was eine wunderschöne, wertschätzende Geste ist, vor allem bei einer Show, bei der ein Star im Fokus steht. Denn gerade Band und Background-Sänger sind massgeblich mit für die unglaubliche musikalische Qualität dieser Show verantwortlich, allen voran Robin Scott, der als Musical Director eine grosse Verantwortung trägt und mit am Keyboard für den Original Elvis-Sound sorgt . Ein wahrer Kunstgenuss!

Authentizität mit Nachweis
Sehr beeindruckt waren wir auch von der Authentizität der Show. Dies liegt wohl vor allem darin begründet, dass mehrere Zeitzeugen als Berater engagiert wurden und aus erster Hand ihre Erfahrungen mit Elvis als Mensch und Künstler teilen konnten. Neben Ed Enoch, der seit 1971 Mitglied des Stamps Quartet war, war auch Sonny West, ehemaliger Bodyguard von Elvis Presley und Mitglied der sogenannten „Memphis Mafia“, die aus Elvis engsten Mitarbeitern und alten Freuden bestand, als Berater tätig. Und Ed Bonja, der 2019 verstorben ist, aber Elvis 1957 zum ersten Mal auf der Bühne erlebte und anschliessend Assistent von Colonel Parker und in den 70ern offizieller Fotograf von Elvis wurde, steuerte nicht nur jede Menge Originalaufnahmen bei, sondern wusste mit Sicherheit auch einiges zu ergänzen und zu berichtigen. Diese akribische Recherche unter Miteinbezug dieser drei Herren lässt einen die Show direkt noch einmal mit andere Augen sehen.

Fazit
Auch wenn uns eigentlich unsere Mutter, zu ihrer Zeit grosser Elvis-Fan, zu diesem Musical einlud, können wir mit Überzeugung sagen, dass es ein Verlust gewesen wäre, diese Show nicht zu sehen. Selbst wenn wir uns nicht als Elvis-Fans bezeichnen, sind wir grosse Liebhaber von Tribute-Bands und Imitatoren (und cinematisch: Biopics), da dieses spezielle Genre unglaublich viel Hingabe von einem Künstler erfordert, sich die Eigenarten eines anderen Künstlers bis auf kleines Details anzueignen. Wenn eine Rolle so gelebt wird und zu spüren ist, dass der Künstler aber auch eigene Facetten in seine persönliche Darstellung einbringt, ist es umso faszinierender. Grahame Patrick in diesem Fall hat uns wirklich begeistert.
Aber auch die Show selbst ist sehr beeindruckend und von hoher Qualität, sei dies musikalisch, dramaturgisch, oder von der Ausstattung her. Von den Perücken der Tänzerinnen bis zu den Video-Einspielern, wurde auf jedes Details geachtet, was das Gesamtergebnis auch zu solch einem Juwel macht. Elvis lebt! – zumindest in Elvis – Das Musical.
Cast, Band and Creative
Cast und Tänzerinnen / Sänger:
Elvis Presley: Grahame Patrick
Sam Phillips / Colonel Tom Parker: Nicolai Tegeler
The Heartbreaker: Lucciana Fuzetti und Valentina Caliandro
The Stamps Quartett: Ed Enoch, Casey Sheperd, David Mann, Jim Worthing
Las Vegas Show Band:
Keyboard: Robin Scott
Schlagzeug: Chris Evans (Tim Hahn, Ludger Kleff)
Gitarre: Ralf Tonnius (Rainer Daniel,
Bass: Simon Pauli (Hans Dieter Lorenz)
Trompete: David Skip Reinhart (Christian Meyers)
Saxophon: Frank Fritsch (Miroslaw Jesirowski)
Posaune: Stephan Bohm (Daniel Busch)
Creative:
Produzent, Buch, Regie, Video Casting: Bernhard Kurz
Tourneeveranstalter: Oliver Forster
Berater (Assistent von Colonel Parker, Fotograf: Ed Bonja (†74)
Berater (Mitglied des Stamps Quartet seit 1971): Ed Enoch
Berater (Bodyguard von Elvis Presley): Sonny West
Buch: Chris Berns
Ton Design: Riccardo Van Krugten
Lichtdesign: Rick Belzer und Patrick Murray
Choreographie: Carla Oya Belenguer
Musical Director: Robin Scott
Casting: Jim Huntley



























