Rock the Ballet in der Halle 622 in Zürich

Rock the Ballet ist zurück!Vom 20. – 26. März 2025 begeistert die Show, die Ballett mit angesagten Rock- und Pop-Songs verbindet mit einem Best-of der umjubelten Show Rock the Ballet X und brandneuen Choreografien von Adrienne Canterna auch das Schweizer ballett-affine Publikum und zwar in der Halle 622 in Zürich Oerlikon. Das Publikum darf sich auf sensationelle Tänzer und eine explosive Tanzshow voller Highlights freuen.
Wir waren an der Premiere am 20. März dabei und teilen mit euch unsere Eindrücke.

Wer, wie wir, mit Ballett aufgewachsen ist, hat auch die diversen Tanzfilme, die die 80er, 90er und 2000er in die Kinos brachten, mit leuchtenden Augen in sich aufgesaugt. Von Anna Ballerina (gut, das war eine Serie, aber einen Film gab es auch) über Fame und Center Stage bis zu Save The Last Dance, alle hatten sie etwas gemein: Die Geschichten handelten von einer Klassischen Tänzerin oder Tanzschülerin, die nur ein Ziel vor Augen hat, nämlich Ballett in Vollendung, und dann entweder einen Kerl trifft, z.B. einen Street Dancer, der ihr eine neue, freiere Art des Tanzes zeigt, oder sie hat einen Tanz-dich-frei-Moment zu einem modernen Song, indem sie sich alleine oder zusammen mit Verbündeten gehen lässt und sich ausprobiert und ebenfalls eine neue, befreiende Form des Tanzes entdeckt. In der Regel entsteht dann eine Choreographie, die zwar klassische Elemente enthält – für irgendwas hat man die strenge Ausbildung ja gemacht – aber auch andere Tanzformen einbindet und dann alle vom Hocker haut. Und diese Momente sind es, die diese Tanzfilme so aufregend machen. Denn dies ist ein sicheres Konzept, das immer zieht: zu sehen, dass Tanz auch einfach Spass machen kann. Und genau hier liegt auch der Reiz von Rock the Ballet.

Rock the Ballet – Ein Konzept mit Erfolgsgarantie

2008 von Rasta Thomas, der als einer der vielseitigsten und bekanntesten Tänzern seiner Generation galt, ins Lebe gerufen, trat die Show einen Siegeszug um die Welt an. Die Idee ist so einfach wie genial: Zu angesagten Rock- und Pop-Songs und ausgefallenen Choreografien begeistert ein Tanzensemble von Weltklasseformat sein Publikum – eine explosive Mischung. Wo Rock the Ballet zunächst ganz klar auf coole Kerle mit viel nackter Haut inkl. Sixpack setzte, ist der Frauenanteil heute massiv höher, was ev. auch daran liegt, dass Adrienne Canterna, jahrelang selbst einziges weibliches Mitglied der Truppe, nun die Zügel in der Hand hält und die Geschlechter-Anteile etwas mehr ausbalanciert.

Von Beginn an war klar: sie wollen Freude bereiten, begeistern und unterhalten. Das Publikum soll mitgerissen werden. Und ja, das gelingt sehr gut. Das Konzept passt nach wie vor, was daran liegt, dass immer wieder neue, angesagte Musikstücke mit eingeflochten werden. Somit wird auch immer wieder neues, junges Publikum begeistert. Und wer irgendeine emotional Bindung zu Ballett verspürt, kann sich nicht gegen technisch hervorragende und vor Lebensfreude sprühende Tänzer*innen wehren, die zu unseren Lieblingssongs auf der Bühne herumwirbeln.

©Tanja Hall – Pressebild

Adrienne Canterna gelingt der choreografischen Spagat zwischen klassischen und modernen Elementen mit Bravour. Unser Ballettherz jubiliert, wenn wir meisterlich ausgeführte Piquets tournés, Grand jetés und Fouettés in den originellen Choreographien entdecken, schmunzeln über den Chicken Head (der z.B. bei Feel it still oder Faith Verwendung findet) und staunen über Afrikanische Elemente bei Papaoutai.

Adrienne Canternas Stil ist sehr originell und abwechslungsreich und hat eine ausgesprochen organische Wirkung, als ob die Tänzer*innen tatsächlich improvisieren würden (was natürlich nicht sein kann, da ein grosses Augenmerk auf dynamischen Gruppenchoreographien liegt). Dennoch verstärkt sich dadurch das vorhin angesprochene Tanz-dich-frei-Gefühl. Teilweise fühlt man sich wie auf einem Boyband-Konzert, einem Cabaret oder mitten in einem Musik-Clip der 80er, 90er oder 2000er, da die Show schon sehr auf die Begeisterung der breiten Masse ausgelegt ist – ein Nachteil ist dies aber mit Nichten. Nein, Rock the Ballet ist eine Party und immer wieder animiert das Ensemble das Publikum zum Mitklatschen, was gerne angenommen wird.
Schnell wird klar, dass die Choreographin einige sehr effektvolle, choreographischen Mittel mit Vorliebe einsetzt, wie z.B. die Aufreihung aller Tänzer oder ein rein männlicher Kreis, in dem sich eine Tänzerin befindet oder umgekehrt. Und auch „Battle“-Situationen in denen jeder Künstler einzeln seine besonderen Fähigkeiten zeigen kann, werden mehrere Mal eingesetzt und vom Publikum mit begeistertem Einzelapplaus belohnt. Es gibt aber auch wirklich einige erstaunliche Talente unter ihnen.

©Thorsten Baering – Pressebild

Was fürs Auge und die Ohren

Musikalisch lässt sich Adrienne Canterna definitiv immer von neuen Ohrwürmern inspirieren, denn die Show wirkt wie ein Greatest Hits- Album, wobei wir – die jetzt auch nicht mehr 20 sind – gerne noch ein paar mehr All Time-Favorites gehört hätten. Wobei, mit Somebody To Love von Queen, Beat it von Michael Jackson, Rhythm Nation von Janet Jackson, Vogue von Madonna, Rocket Man von Elton John und Money Money von Billy Idol sind doch ein paar gute Oldies dabei, die das Herz höher schlagen lassen. Für die jüngere Generation hat die aktuelle Show von Rock the Ballet unter anderem Songs von Lady Gaga, Lorde, Sam Smith, The Weekend, Macklemore & Ryan Lewis und Taylor Swift im Gepäck. Hinzukommen Vibe2Vibe, Fall Out Boy, Imagine Dragons, Rihanna, Zedd, Maren Morris & Grey, Ram Jam, Pink, Stromae, Tony Modicano, Stevie Wonder, Coldplay und Portugal.

Dies klingt nach ziemlich vielen Stücken, da vor allem auch bei den älteren Songs, einige lange dabei sind, doch Teil des Konzeptes ist es wohl, keinen Song in voller Länge zu verwenden, sondern ihn einfach geschickt auslaufen zu lassen, was auch immer direkt einher geht mit einer Verdunklung der Bühne. Dies verleiht der Show natürlich eine extreme Geschwindigkeit und Dynamik, kann aber zeitweise auch ein bisschen verwundern, da man das Gefühl kriegt, keine vollständige Show zu sehen, sondern nur einen Trailer. Dennoch gefällt das musikalische Konzept und das Publikum zeigt seine Begeisterung lautstark durch tosenden Applaus und gelegentliches Johlen, was erneut das Gefühl eines Popkonzerts verstärkt.

Ein Bühnenbild sucht man bei Rock the Ballet vergebens, dafür wird stark mit Lichttechnik gearbeitet. Eine riesige Scheinwerfer-Wand hinter der Leinwand sorgt für stimmungsvolle Farb- und Lichteffekte und entlockt uns bei Blinding Lights von The Weekend durchaus ein Grinsen, da man teilweise wirklich etwas geblendet wird. Auch aus den Seitengassen dringt Licht und von oben wird das Geschehen auf der Bühne mit wildkreisenden Suchern untermalt. Alles sehr effektvoll und passend.
Kostümtechnisch konzentriert sich die Truppe auf Schwarz mit etwas Glitzer, bei Rolling in the Deep von Adele tragen die männlichen Künstler lange Röcke, was dann sehr neoklassisch und kunstvoll wirkt im Zusammenspiel mit der gezeigten Athletik und Eleganz. Hinzu kommt dann bei den Männern hin und wieder ein Hemd, bunt gemustert oder auch weiss, bei allen mal ein schwarzer Blazer, aber es sind keine grossen Kostümwechsel, sondern meist nur etwas Kleines zum Überziehen, was bei einer so schnell fortschreitenden Show auch kein Wunder ist, da beinahe bei jedem Song ziemlich alle Tänzer*innen auf der Bühne stehen.
Für Schöne Abwechslung sorgt der gelegentliche Einsatz von Requisiten, wie z.B. Bei Vogue, als der sehr kokette DeAndré Cousley mit einem Fächer eine gehörige Portion Extravaganz auf die Bühne bringt, oder bei Believer von Imagine Dragons, wenn – der sehr ausdrucksstarke und athletische – Tyler Stewart einen schwarzen Klappstuhl für seinen Part verwendet.

©Manfred H.Vogel – Pressebild

Fantastische Tänzer*innen sorgen für Begeisterung

Dass bei Rock the Ballet keine ätherischen Wesen auf der Bühne stehen, ist selbstredend. Das Ensemble besteht aus von Energie und Lebensfreude nur so sprühenden Künstlern, die auch keine Scheu haben, ihre Reize einzusetzen. Besonders der grossgewachsene Samuel Buchanan weiss, wie man mit dem Publikum flirtet und wie erwähnt auch DeAndré Cousley. Aber eigentlich ist das ganze Ensemble in dieser Disziplin hervorragend geschult.
Auch tänzerisch agiert jeder und jede auf einem sehr hohen Niveau, dennoch darf man auch mal besondere Einzelleistungen hervorheben, wie z.B. Sophie Silnicki, die mit Ausdruck und Technik (und als einzige auch zeitweise mit Spitzenschuhen) punktet, in mehreren Soloparts mehr als nur überzeugt und beim Pas de Deux mit Sam Buchanan optisch und tänzerisch perfekt harmoniert. Aber auch Ryan Vyskocil glänzt mit viel Stil und Bühnenpräsenz und weiss mit kraftvollen Sprüngen zu begeistern.

Dennoch sind es vor allem die grandiosen Gruppenszenen, die Rock the Ballet zu diesem Feuerwerk aus Energie und Lebensfreude werden lassen, von denen es zum Glück jede Menge gibt.

Wer sollte sich Rock the Ballet unbedingt ansehen?

Rock the Ballet (by Sweetbird Productions) ist auf jeden Fall für alle Tanzliebhaber, die mit klassischer Musik nicht so viel anfangen können, aber die Technik der klassisch ausgebildeten Tänzer zu schätze wissen und sich davon begeistern lassen wollen. Aber eigentlich sind alle Ballettliebhaber richtig aufgehoben, da es kaum jemanden gibt, der bei dieser Energie nicht mitgehen würde. Wir konnten im Premiere-Publikum, das alters- und geschlechter-technisch wirklich sehr durchmischt war, nur strahlende Gesichter sehen.
Zusehen ist diese energetische Show noch bis am 26. März in der Halle 622 in Zürich Oerlikon und Tickets gibt es hier: https://www.rocktheballet.ch/

Creative
Choreographie: Adrienne Canterna

Tänzer*innen
Samuel Buchanan, DeAndré Cousley, Jeremy Hanson, Alexander Haquia, Taylor Jones, Silken Kelly, Alyssa McCallum, Jenna Meilman, Tailys Poncione, Ryan Redmond, Ryan Sheehan, Sophie Silnicki, Natalie Soutier, Tyler Stewart, Ryan Vyskocil


Ein herzliches Dankeschön an MAAG MOMENTS für die Möglichkeit, diese dynamische und tänzerisch brillante Show sehen und rezensieren zu dürfen.

©Thorsten Bareing – Pressebild
©Thorsten Baering – Pressebild
©Thorsten Baering – Pressebild
©Thorsten Baering – Pressebild
©Thorsten Baering  – Pressebild
©Tanja Hall – Pressebild
©Tanja Hall – Pressebild

Kommentar verfassen