Es gibt ein Stück, um das in der Schweiz – oder definitiv im Raum Zürich – keiner herum kommt: BILLY ELLIOT. Das Musical mit der Musik von Elton John nach dem gleichnamigen Film über den tanzbegabten Jungen aus der Bergarbeiterstadt in England, der entgegen alle Widerstände seinen Traum lebt, ist eines der grössten Projekte, das MAAG Moments je umgesetzt hat und verspricht auch einer der grössten Erfolge und ein echter Publikumsmagnet zu werden. BILLY ELLIOT – Das Musical als deutsche Erstaufführung feierte am 1. November 2024 Premiere und hat einiges zu bieten.
Wann hat es eine Inszenierung am Schwersten, zu überzeugen? Wenn Vorurteile bestehen. Und auch wenn wir stets versuchen, objektiv und unvoreingenommen zu sein, kann es natürlich auch bei uns passieren, dass wir Vorbehalte gegenüber einem Stück empfinden. Und genau dies war bei BILLY ELLIOT der Fall. Als wir damals erfuhren, dass MAAG Moments sich die Rechte für die deutsche Erstaufführung gesichert hatte, hatten wir sehr geteilte Gefühle. Einerseits waren wir uns sicher, dass das Creative Team etwas Grossartiges auf die Beine stellen würde, andererseits hatte uns damals der Film schon nicht wirklich gefallen. Ein junges Alter ist für uns – so unsympathisch das auch klingen mag- keine Entschuldigung für eine unsaubere Technik, wenn auf Profi-Niveau gearbeitet wird und deshalb sind wir schwer zufrieden zu stellen. Und wenn es um Ballett geht, sind wir teilweise gnadenlos. Und wenn Kinder Teil von professionellen Inszenierungen sind, erwarten wir ebenso viel Professionalität, wie von den erwachsenen Darsteller, sonst würden wir uns eine Schulaufführung ansehen.
Eine weitere Vorab-Info: Dies ist unsere erste BILLY ELLIOT– Musical-Erfahrung und wie können keinen Vergleich zum West End oder zum Broadway machen. Unser Eindruck ist also ein Ersteindruck, wie es beiden meisten Zuschauern der Fall sein wird.
Billy Elliot – Eine wahre Erfolgsstory
Als der Film Billy Elliot – I will dance im Jahr 2000 in den Kinos Anlieferung, entwickelte er sich direkt zu einem echten Kassenerfolg. Der oscarprämierte Debütfilm von Stephen Daldry nach dem Originaldrehbuch von Lee Hall traf einen Nerv und erzielte bei einem Produktionsbudget von geschätzt 5 Millionen US-Dollar Einnahmen von rund 109 Millionen. Vier Jahre später realisierte Stephen Daldry die Musical-Version des Films mit einem der erfolgreichsten Komponisten unserer Zeit an seiner Seite. Sir Elton John, selbst ein grosser Unterstützer von jungen Talenten, sah im Thema des Films eine Möglichkeit, mit seiner Musik die Emotionen und die Leidenschaft von Billys Traum musikalisch zu verstärken und steuerte 15 mitreissende, bewegende Songs bei, die von energiegeladenen, pop-rockigen Stücken bis hin zu bewegenden Balladen reichen. Das Musical trat nach seiner Premiere im Mai 2005 im Londoner West End seinen Siegeszug um die Welt an, doch die deutschsprachige Version liess noch länger auf sich warten, nämlich bis sich das Team von MAAG Moments die Aufführungsrechte sicherte. Nach zwei intensiven Jahren Vorbereitungszeit darf man in der MAAG Halle in Zürich Hardbrücke nun das Ergebnis auf der Bühne bewundern und sehen, wofür das 5 Mio Franken Budget, was BILLY ELLIOT zur grössten MAAG-Musicalproduktion aller Zeiten macht, eingesetzt wurde.

Wie der Bergarbeiter- Sohn die Liebe zum Ballett entdeckt
Das Musical spielt in den 1980er-Jahren in Nordengland zur Zeit des britischen Bergarbeiterstreiks. Die Handlung folgt Billy Elliot, einem 11-jährigen Jungen, der in schwierigen Verhältnissen aufwächst. Seine Mutter ist gestorben und sein Vater Jackie und sein einiges älterer Bruder Tony sind Bergarbeiter, die gegen die Schliessung der Minen protestieren und in einen Streik treten, weshalb die Familie und die ganze Gemeinde ums Überleben kämpfen muss. Als Billy zufällig in eine Ballettklasse stolpert, wird seine Leidenschaft für den Tanz entfacht. Er beginnt, heimlich Tanzstunden bei der engagierten Tanzlehrerin Mrs. Wilkinson zu nehmen. Billys Vater und Bruder sind zunächst ausser sich, als sie von seinem Ballettunterricht erfahren, da sie glauben, dass Tanzen nichts für Jungen sei. Trotz der Schwierigkeiten und des Widerstands bleibt Billy entschlossen, seine Träume zu verfolgen. Das Musical zeigt Billys Kampf, sein Talent zu entwickeln und, seine Familie und die gesamte Gemeinde von seinem Traum zu überzeugen.
Geschichten von Underdogs, die wider aller Umstände ihren Weg gehen, sind beliebt und wenn es sich bei den Underdogs um Kinder handelt, die grösser träumen, als es die Realität zulässt… Yes! Das ist der Stoff, der die Menschen zum Träumen bringt und die Massen bewegt. Dies wusste Stephen Daldry, dies wusste Elton John und dies wussten auch Darko Soolfrank und Guido Schilling von MAAG Moments. Und das Erfolgs-Duo Schilling/Soolfrank wusste auch, dass die Originalinszenierung vom Londoner West End in der Schweiz funktionieren würde, weshalb sie samt Originalchoreographie von Peter Darling übernommen und von Sarah-Jane-Brodbeck für die Schweiz adaptiert wurde. Für die Regie konnte West End-Regisseur Mitch Sebastian verpflichtet werden. Für das Bühnen- und Kostümbild verantwortlich zeichnet sich der preisgekrönte britische Kreative Francis O’Connor. Die Übersetzungen für deutsche Version stammen von Eric Hättenschwiler (Dialoge) und Roman Riklin (Songs).
Der Erfolg, der Billy Elliot hat, ist mal abgesehen von der Musik von Elton John (die bei MAAG übrigens live gespielt wird – leider etwas versteckt) und den talentierten Jungdarstellern, auf zwei Faktoren zurück zu führen. Zum einen haben wir einen historische Hintergrund, der die Handlung massgeblich beeinflusst und das Publikum mehr berührt, als es eine Fantasie-Geschichte ohne realen Bezug vermag, da gesellschaftliche und wirtschaftliche Spannungen sowie das Gefühl einer Obrigkeit ausgeliefert zu sein, nie an Aktualität verliert und dem Musical besondere Tiefe und Relevanz verleiht.
Zum anderen sind es Themen wie Selbstfindung und Individualität, den eigenen Weg zu finden und zu verfolgen, auch wenn er nicht den Wünschen der eigenen Familie oder der Gesellschaft entspricht, die die Herzen der Zuschauer berühren und zum Nachdenken anregen. Zu Recht gilt Billy Elliot als eine Hommage an die Kunst, die Kraft der Selbstverwirklichung und die Bedeutung von Unterstützung und Zusammenhalt

Broadway Feeling in der MAAG Halle
Etwas vom Eindrücklichsten, das wir in der MAAG Halle je gesehen haben, ist ohne jede Frage das Bühnenbild von BILLY ELLIOT, wenn man den Zuschauerraum betritt (und das dachten wir schon bei Sister Äct). Beinahe die ganze Bühne wird von einem gigantischen, mehrdimensionalen Metall-Konstrukt eingenommen, das den aktiven, beweglichen Förderturm der Zeche darstellt. Mindestens so beeindruckend wie das Bühnenbild ist die Geräuschkulisse. Mittlerweile gehört es ja schon zum guten Ton, die Geräusche im Publikumssaal dem Thema anzupassen, aber durch die beiläufig, dumpfen Geräusche hat man beinahe schon das Gefühl, einen Druckunterschied wahrzunehmen. Faszinierend! (Wobei das Erlebnis bereits im Foyer beginnt. Eindrückliche Originalfotos werden an die Wände projeziert. Und für diejenigen, die gerne selbst Erinnerungsfotos schiessen möchten, gibt es einen zauberhaften Fotobooth mit Tutus und eine Photowall. Wer es lieber handfest mag, findet sicher etwas Passendes am Merchandise-Stand)
Das extrem vielseitige, bewegliche aus vielen Elemeten bestehende Bühnenbild spielt auch während des Stücks eine zentrale Rolle. Irgendetwas ist immer in Bewegung, wird auseinandergenommen, neu zusammen gestellt oder gedreht. Und wir sprechen vorerst nur von den grossen Elementen. Die kleineren Bestandteile des Bühnenbilds und sämtliche Requisiten kommen ja noch hinzu. Alleine der „Choreographie“ des Bühnenbilds zur Musik zuzuschauen, wäre ein Besuch wert und dies will etwas heissen. Nicht zuletzt gelingen diese organischen Szenenwechsel durch das aktive Mitanpacken der Darsteller. Und dies geschieht nicht unauffällig, sondern richtig energetisch, was perfekt zur Arbeiterschicht passt, in der das Musical angesiedelt ist.

Perfekt in Szene gesetzt wird das fantastische Bühnenbild von Francis O’Conner (und natürlich auch die Darsteller, die wir noch detailliert behandeln werden) durch das stimmige, agile und manchmal auch überraschende Lichtdesign von Michael Grundner, das massgeblich zur Stimmung des Musicals beiträgt. Und die Stimmung in BILLY ELLIOT kann von einer zur nächsten Szene komplett kippen, was ohne die entsprechende Beleuchtung unmöglich wäre.
Die Kostüme sind sehr hochwertig und gut verarbeitet, was vor allem beiden Polizeiuniformen direkt ins Auge sticht, aber auch bei den Arbeiter-Overalls samt Helmen und Stirnlampen, die sehr effektvoll eingesetzt werden. Denn auch die Kleidung, die abgetragen, alt oder verschmutzt aussieht, ist qualitativ und entsprechend modifiziert. Mrs Wilkinson, die Ballettlehrerin, passt mit ihren knallbunten Trikots, Pullis und Leggins in jedes 80s-Musikvideo und die Kostüme der Ballettmädchen sind herrlich zusammengewürfelt und unterscheiden sich natürlich sehr von den Trainings-Trikots der Elevinnen der Royal Academy of Dance. Aus dem Vollen geschöpft wird bei Michaels Songs, in dem die Frauenkleider aus seinem Schrank zum Leben erwachen. Und auch bei Merry Christmas, Magie Thatcher wird mit originellen Kostümen nicht gegeizt.
Ebenfalls erwähnt werden sollte das Maskenbild. Neben wunderbar 80s-typischer Frisuren, überzeugte z.B. das Make-up der Grossmutter, das Sabine Martin massiv älter und verhärmt aussehen lässt. Ebenso sind die blutigen Special Effects hoch professionell, so sind Tonys Gesichtsverletzungen auch von Nahem erstklassig. Und – was uns besonders begeisterte – war, dass tatsächlich daran gedacht wurde, Tonys Wunde im 2. Akt zur Narbe werden zu lassen. Bravo!

Erfahrene Darsteller und vielversprechende Talente
Bei der Bekanntgabe des Casts waren es natürlich vor allem grosse Namen wie Pasquale Aleardi oder Isabelle Flachsmann, die als Zugpferde fungierten, doch auch die Suche nach den passende Jungdarstellern stiess auf reges Interesse. In der Schweiz bleiben Schüler meist in Schulvorführungen. Professionelle Engagements sind definitiv nicht die Regel, weshalb sich die Besetzung der Hauptrolle Billy und seines Freundes Michael nicht ganz unproblematisch gestaltete. Dennoch wurden jeweils drei Billys und drei Michaels gecastet, welche alternierend auf der Bühne stehen. Aus diesem Grund wurden auch drei Premieren gefeiert. Neben der beiden Kinder-Hauptrollen gibt es auch noch das Kinderensemble, welches ebenfalls in dreifacher Ausführung vorhanden ist.
Wie gesagt, sind wir bei Stücken, in welchen Kindern mitspielen immer etwas unsicher. Wir haben einfach zu viele Schulaufführungen gesehen, um uns von der reinen Anwesenheit von Kindern verzaubern zu lassen. Deshalb waren unsere Erwartungen relativ niedrig. Wie schön es doch aber ist, sich eines Besseren belehren zu lassen. Das MAAG-Team hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet und ein Kinderensemble zusammen gestellt, das sich an Professionalität und Spielfreude mit den erwachsenen Darstellern messen kann.
Bei unserem Besuch durften wir Moritz Fischli in der Rolle des Billy erleben. Bereits im Trailer war zu merken, dass man hier einen jungen Künstler mit besonderer Ausstrahlung gefunden hatte. Aber manchmal bewirkt ein guter Videoschnitt ja Wunder. Aber auch live auf der Bühne mag Moritz voll und ganz zu überzeugen. Neben seinen tänzerischen und gesanglichen Fähigkeiten, die für sein Alter wirklich gut sind, zeigt er ein überdurchschnittliches darstellerisches Talent und spielt seine Rolle mit viel Leidenschaft und Natürlichkeit, was bei Kindern nicht selbstverständlich ist. Auf der Bühne zu toben und zu schreien und sich komplett gehen zu lassen, ist für so einen jungen Menschen nicht ganz ohne. Überhaupt wird von Billys Darsteller eine breite Palette an Gefühlen verlangt, welche Moritz auf Knopfdruck liefert.

Justin Périers Ruf als Ausnahmetalent eilte ihm ja bereits voraus. Und wir müssen sagen, dass hier nicht übertrieben wurde. Dass ein Junge in diesem Alter bereits solche erstaunlichen Entertainer-Fähigkeiten aufweist, ist wirklich die Ausnahme. Selbst bei Profi-Darstellern findet man nur selten solches Talent. Singen, Tanzen, Spielen, dies alles kann man sich bis zu einem gewissen Mass aneignen, doch dieses komödiantische Talent mit einem untrüglichen Gespür für Timing hat man, oder hat man nicht. Und Justin hat es im Überfluss. Die Nummern mit ihm und Moritz sind wirklich etwas ganz Besonderes und die sensiblen Momente zwischen ihnen definitiv nicht leicht zu spielen. Respekt!

Um direkt bei den Kinderdarstellern zu bleiben – obwohl Chloé Michel Teil des Erwachsenen- Ensembles ist, verkörpert sie die junge, frühreife und vorlaute Debby mit viel kindlichem Charme. Uns wäre aber in den Gruppenszenen tatsächlich nicht aufgefallen, dass sie sich alterstechnisch doch um einige Jahre von den übrigen Mädels unterscheidet. Lediglich ihr hervorragendes Spiel lässt erahnen, dass sie doch schon mehr Erfahrung mitbringt.

Pasquale Aleardi, auf welchen wir uns besonders gefreut hatten, verkörpert Billys Vater. Jackie Elliot ist ein pflichtbewusster Bergarbeiter, der sich seit dem Tod seiner Frau alleine um seine beiden Söhne und deren demente Grossmutter kümmert. Er ist ein einfacher, aber gutherziger Mann, der sich allerdings zum Schutz eine harte Schale zulegen musste, die im Verlauf des Stücks aufgebrochen wird. Pasquale Aleardi schafft es, mit viel Menschlichkeit und Tiefgang, diese Entwicklung darzustellen und die vielen Facetten seiner Figur bis ins Detail auszuloten und mit seinem Publikum zu teilen. Dabei kommt es immer wieder zu wirklich berührende Augenblicken, die zu Herzen gehen, vor allem im 2. Akt, wenn er für Billys Zukunft zu kämpfen beginnt und seinen Stolz komplett hinter sich lässt. Wirklich eine beeindruckende Leistung.

Aufgrund von Isabelle Flachsmann unfallbedingter Abwesenheit erlebten wir Gabriela Ryffel als etwas prollige, aber liebenswerte Ballettlehrerin Mrs Wilkinson auf der Bühne und müssen sagen, dass wir ihre Darstellung sehr genossen haben. Trotz der Plakativität der Figur schenkt Gabriela Ryffler ihr viel Tiefgang, Sensibilität und das gewisse Etwas. Ihr Duett mit Billys toter Mutter ist neben Wir leben für den Boogie definitiv eines der gesanglichen Highlights, wobei letzteres auch tänzerisch in die Vollen geht und das Publikum wirklich mitteisst. Selbstverständlich müssen wir in diesem Zusammenhang auch Siegmar Tonks überragende Leistung als Mr Braithwait erwähnen. Was für ein erstaunliches Showtalent.

Lucas Baier als Billys Bruder Tony ist eine wahre Naturgewalt. Die Wut, Angst und Verzweiflung über die allgemeine Lage spielt er mit einer atemberaubenden Intensität. Gesanglich und tänzerisch mischt er ebenfalls ganz vorne mit und ist zudem noch echt was fürs Auge. Mit seiner Frisur ist er absolut authentisch und könnte in jeder 80er-Sitcom spielen und der absolute Mädchenschwarm sein.

Die Rolle der Grossmutter ist sicher eine der anspruchsvollsten des Musicals und Sabine Martin ist eine perfekte Besetzung. Auch, wenn sie für jede Menge Lacher sorgt, ist es doch eine tragische Rolle, da die offenkundige Demenz für ihre witzigen Aktionen verantwortlichst. Wer selbst Verwandte hat, die an Demenz leiden, werden von Sabine Martins fast schon erschreckend realistischer Darstellung fast ein wenig unangenehm berührt sein, was für ihr Können spricht. – Dafür gehört ihr Song über die Ehe mit ihrem verstorbenen Mann ebenfalls zu unseren Highlights. Eine wirklich wunderschöne, sensible Darstellung einer zugegeben herausfordernden Beziehung mit einem wahrscheinlich mehr als nur launisch Mann.

Ebenfalls sehr gefreut hatten wir uns auf Frank Logemann als George. Und unsere Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Als Bergarbeiter und Boxlehrer ist George einer von den ganz Harten, doch auch er hat einen weichen Kern. Immerhin spendet er sogar seine 50 Pens-Sammlung für Billys Vortanzen. Ganz grandios ist sein Einsatz als Maggie Thatcher samt Perücke beim Weihnachtsfest. Wenn jemand fragen würde, wie man ohne zu übertreiben einen Betrunkenen darstellt, würden wir ihn ohne Umwege direkt zu Frank Logemann schicken. Ganz grosses Kino! Sehr gerne hätten wir ihn auch in der Rolle des Vaters gesehen, um noch mehr von seinem nouancenreichen Spiel erleben zu dürfen.

Das Ensemble begeistert mit vielen tollen hochqualifizierten Darstellern, die mit Energie und Stil die grandiosen Gruppenchroreographien von Peter Darling tanzen. Diese gehören nämlich zu unseren absoluten Highlights oder sind sogar DAS Highlight dieses Musicals. Die Durchmischung von Ballettmädchen und Polizisten oder Bergarbeitern sind einfach nur unglaublich aufregend und richtig elektrisierend und sorgen für echtes Broadway-Feeling. Aber auch die Steppeinlagen begeistert. Etwas weniger berührt waren wir von den Solo-Choreographien von Billy, was aber nicht an Moritz tänzerische Fähigkeiten lag, sondern einfach an der Tatsache, dass diese Tanz-dich-frei-Nummern in ziemlich jedem Tanzfilm vorkommen und es kaum mehr Überraschungen gibt.
Manchmal gibt es ja auch Ensemble-Mitglieder, die durch ihre Energie und Ausstrahlung besonders hervorstechen. Bei Billy Elliot ist dies unter anderem Timo Balzli. Es ist eine unglaubliche Freude, ihm beim Performen zu beobachten und auch seine Stimme ist hauptrollen-verdächtig.

Die Macht der Gegensätze und kollektiver Träume
Billy Elliot hat uns in einer Hinsicht sehr überrascht. Obwohl in Sachen Bühnenbild, Kostüme, Action etc. ziemlich in die Vollen gegangen wird, wird nie übertrieben. Wenn etwas betont oder hervorgehoben werden soll, wird es nicht überzeichnet, sondern ein Gegensatz zur Hilfe genommen. Wenn eine besonders düstere Szene verstärkt werden will, setzt man z.B. eine besonders fröhliche bunte Tanznummer davor. Die Wirkung ist erschreckend und faszinierend. Dies beeindruckte uns sehr.
Billys individuelles Ziel im Vergleich zur kollektiven Hilflosigkeit und Depression ist wohl der grösste Gegensatz des Musicals und lässt die Frage aufkommen, zu welcher Partei man sich selbst zählen möchte. Am stärksten zeigt sich diese Differenz direkt nach der Pause bei der Weihnachtsfeier, als sich alle gemeinsam dem Maggie Thatcher-Bashing hingeben und darin Trost finden, während Billy seinen eigenen Traum noch immer nicht aufgegeben hat, was sich kurz darauf in einer emotionsgeladenen Choreographie entlädt, was von seinem Vater gesehen wird und den Stein wieder ins Rollen bringt.
Besonders berührend ist der Augenblick, als Billys Traum schlussendlich zum Traum der ganzen Gemeinde wird und alle ihr letztes Geld zusammen legen, um ihm das Vortanzen in London zu ermöglichen und danach alle wie auf Nadeln sitzen in Erwartung einer Antwort. Gänsehaut-Feeling-pur!

Unsere persönlichen Highlights
Bei Billy Elliot ist es beinahe unmöglich, Highlights herauszustreichen, weil das Musical keine Lowlights hat und konstant auf einem hohen Niveau bleibt. Dennoch gibt es Szenen, die uns immens beeindruckt haben. Und nein, entgegen aller Erwartung gehört die Flugszene nicht dazu. Selbstverständlich ist diese grossartig und erfordert von Moritz Fischli viel Körperbeherrschung und auch die Eleganz und Beiläufigkeit, wie Billy am Seil befestigt wird ist sehr beeindruckend, aber sie ist keines unserer Highlights. Stattdessen waren wir komplett von der Szene, als Jackie Elliot Mrs. Wilkinson zu Hause aufsucht, um sie bezüglich Billys Möglichkeiten zu fragen, verzaubert. Der Schneevorhang, die minimalistische Fassade mit den freihängenden Fenstern, Pasquale Aleardis gefühlvollen Spiel… Ein wahres Gesamtkunstwerk, das in Erinnerung bleibt.
Auch die gesamte Szene bei der Royal Academy of Dance ist wirklich unglaublich gut umgesetzt Pasquale Aleardis und Moritz Fischlis Spiel ist sehr ergreifend und die Darstellung des Klassenunterschieds zu Herzen gehend. Die Stimme aus dem Off ist sehr wirkungsvoll und Jackie Elliots Stolz auf deinen Sohn einfach nur wunderschön.
Und last but not least hat uns die Schlussszene so richtig tief berührt. Zu sehen, wie Billy mit seinem Koffer in seine Zukunft geht, während die Bergarbeiter nach ihrem langen und schlussendlich sinnlosen Streik doch wieder in den Stollen fahren, ist wirklich eindrücklich und visuell hervorragend umgesetzt.

Ist BILLY ELLIOT – Das Musical sehenswert?
BILLY ELLIOT – Das Musical ist ein emotionales und kraftvolles Stück, das einen ganz neuen Standard für Schweizer Produktionen setzt. Die berührende Geschichte gepaart mit der eingängigen Musik von Elton John und grandiosen Tanznummern garantiert einen aussergewöhnlichen Theater-Abend voller Highlights. Auch Bühnenbild, Lichttechnik und Kostüme wissen zu überzeugen und schaffen eine einmalige Atmosphäre in der MAAG Halle. Doch vor allem das hochkarätige Cast weiss das Publikum zu begeistern. Billy Elliot bietet alles, was man sich von einem Musical nur wünschen kann und ist ein weiterer Beweis für den untrüglichen Riecher des Erfolgs-Produzenten-Duos Soolfrank/Schilling.
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Ein herzliches Dankeschön an MAAG Moments für die Möglichkeit, dieses berührende und begeisternde Musical zu sehen und zu rezensieren!
Besetzung
Billy Elliot: Moritz Fischli
Vater: Pasquale Aleardi
Mrs Wilkinson: Gabriela Ryffel
Grossmutter: Sabine Martin
Tony: Lucas Baier
George / alternierend Vater: Frank Logeman
Mr Braithwaite / Ensemble : Sigmar Tonk
Michael : Justin Périer
Debby: Chloé Michel
Mutter: Marijke Loopers
Älterer Billy: Stephen Dole
Ensemble: Paul Gierlinger, Rico Salathe, Alexander Hallas, Benjamin Fröhlich, Philip Ranson,Timo Balzli, Kaatje Dierks, Joy Knecht, Gianmarco Rostetter (Dance Captain), Rudi Reschke + Kinderensemble
Creative Team
Mitch Sebastian: Regie
Lukas Hobi: Musikalische Leitung
Dominique Huber: Musikalische Assistenz / Studioaufnahmen
Francis O’Connor: Kostüm- und Bühnenbilddesign
Roman Riklin: Deutsche Übersetzung Liedtexte
Eric Hättenschwiler: Deutsche Übersetzung Dialoge
Gastón Briski: Tondesign
Michael Grundner: Lichtdesign
Marc Hollenstein: Maskendesign
Sarah-Jane Brodbeck: Choreografische Leitung / Talentförderung
Joy Knecht: Choreografische Co-Leitung / Stepp Leitung / Talentförderung
Tim Hunziker: Regie Assistenz
Adrian Hochstrasser: Company Management / Abendspielleitung
Wesley Hug: Inspizienz
Christian Altenburger: Stage Manager
Camilla Hofmann: Abendspielleitung
Julia Berini: Leitung Kinderbetreuung
Jackie Holt: Kostümbild Assistenz
Simone Baumberger: Bühnenbild Assistenz
Stephanie Erb: Lichtdesign Assistenz
Judith Rudin: Kostümassistenz und Chef-Dresserin
German Schlatter: Tondesign Stellvertretung
Alex Green: Requisiten
UK-Inszenierung Originalteam
Buch und Texte: Lee Hall
Musik: Elton John
Inszenierung: Stephen Daldry
Choreographie: Peter Darling
Arrangement: Martin Koch
Produktion: Angela Morrison and David Furnish
Produzent:innen: Tim Bevan, Eric Fellner, Jon Finn, Sally Greene
Originally presented in London by Universal Pictures Stage Productions, Working Title Films and Old Vic Productions, in association with Tiger Aspect.
Based on Universal Pictures/Studio Canal Film

























