Bereits zum 3. Mal in Folge luden Brodbeck & Lips zu ihrer erfolgreichen Ballett-Gala Homage to Ballet. – A Night with the Stars Zum 2. Mal fandens ich die ballettbegeisterten Theaterbesucher am 15. und 16. November 2024 im Theater 11 in Zürich ein, um diese wunderbare Kunstform zu feiern.
Auch dieses Jahr durfte das Publikum sich auf einen faszinierenden Querschnitt durch sämtliche Sparten des Balletts freuen und sowohl klassische Meisterwerke, als auch neoklassische und moderne Stücke getanzt von zahlreichen Tänzerinnen und Tänzern von internationalem Spitzenniveau bestaunen. Auch zwei Uraufführungen waren dabei und zeigten, dass Ballett längst keine tote Kunstform ist, sondern sich immer weiterentwickelt.
Die diesjährige Ausgabe von Homage to Ballet begann stimmungsvoll mit einem Piano-Intro von The Ballet Pianist Mladen Dabizljevic. Bereits im vergangenen Jahr war er integraler Bestandteil der Show und wir freuten uns, dass dieser begabte Pianist wieder mit von der Partie war und sogar noch etwas mehr im Fokus stand, da er neben den Tänzern als einziger Musiker auf der Bühne vertreten war, was der ganzen Gala einen sehr hochwertigen Anstrich verlieh. An einem Flügel von von Pianohaus Schoekle stimmte er mit einer atmosphärischen Eigenkomposition, welche er eigens für die diesjährige Gala komponiert hatte, auf einen Abend voller Highlights ein. Während langsam Spots angingen und nach dem Flügel einzelne Tänzer oder Gruppierungen von Tänzern im Kostüm in sanftem Licht erschienen, lauschten wir andächtig dem gefühlvollen Spiel, während die Tänzer und Tänzerinnen nach und nach die Bühne verliessen. Ein wirklich eindrucksvoller Opener für eine Ballett-Gala dieses Kalibers.

Auf der Bühne erleben durften wir dieses Jahr folgende Tänzer:innen:
Paul Marque: Étoile de l’Opéra National de Paris. Sae Eun Park: Étoile de l’Opéra National de Paris. Denys Cherevychko: Guest Principal Dancer. Katja Khaniukova: First Soloist of English National Ballet. Reece Clarke: Principal of The Royal Ballet of London. Elisa Carrillo Cabrera: Guest Principal Dancer & Benois de la Dance Preisträgerin. Hohyun Kang (Liudmila Konovalova konnte am 16.11. nicht auftreten). Arshak Ghalumyan: Tänzer der Berlin Ballet Company. Krasina Pavlova: Tänzerin der Berlin Ballet Company. Lucio Vidal: Tänzer der Berlin Ballet Company. Anastasia Kurkova: Tänzerin der Berlin Ballet Company. Olaf Kollmannsperger: Tänzer der Berlin Ballet Company
Nach einer kurzen, aber sehr sympathischen und informativen Begrüssung der beiden Mitbegründerinnen von Brodbeck & Lips, Sarah-Jane Brodbeck und Katharina Lips durfte der Abend starten.
Auf dem Programm standen dieses Jahr zehn Choreographien von neun Choreographen:
Akt 1
Renaissance – Sébastien Bertaud
Sem Você – Arshak Ghalumyan
Pas de deux aus „Le Corsaire“ – Marius Petipa
Crossing Roads – Arsen Mehrabyan
A la manière de – Jean-Guillaume Bart
Akt 2
Voyage – Renato Zanella
Duetto inoffensivo – Mauro Bigonzetti
Delibes Suite – José Martinez
Elegia perduta – Valentino Zucchetti
Rooted – Arshak Ghalumyan
Hier kommen unseren Highlights aus dem Programm 2024 (jede einzelne Choreographie ins Detail zu analysieren würde den Rahmen sprengen, wobei jede es verdient hätte).
Renaissance
Choreographie: Sébastien Bertaud
Musik: Felix Mendelssohn Bartholdy
Tänzer: Sae Eun Park und Paul Marque
Tänzerisch eröffnet wurde die Gala von zwei Startänzern der Pariser Oper, Paul Marque und Sae Eun Park. Der Franzose Paul Marque, der 2024 bereits zum zweiten Mal mit dabei war, verteidigte auch dieses Jahr seinen Status als Publikumsliebling. Die Sympathie, die ihm die Zuschauer jeweils entgegenbringen ist beeindruckend, aber nicht verwunderlich. Mit seiner Ruhe und seiner sonnigen Ausstrahlung wusste er seine Partnerin, diesmal die südkoreanische Ballerina Sae Eun Park mit viel Fürsorge und Sicherheit durch den Pas de deux zu geleiten, eine Eigenschaft, die nicht jeder Tänzer besitzt, aber enorm viel ausmacht. Gekleidet in über und über mit Strass und Perlen besetzte nudefarbene Balmain-Kostümen (wir gehen jetzt mal davon aus, dass es diese waren) verzauberten sie das Publikum von der ersten Minute an nicht nur optisch, sondern auch durch Leichtigkeit und Eleganz. Das technisch sehr anspruchsvolle Renaissance (und erste von Sébastien Bertaud für die Pariser Oper choreographierte Stück) verbindet klassische Eleganz mit innovativen Bewegungsabläufen und schafft einen perfekten Spagat zwischen Raffinesse und Kühnheit. Die klaren Linien, die die Essenz des traditionellen Balletts bewahren, erinnern an Balanchine und sind perfekt für das harmonische Tanzpaar mit ihrer einwandfreien Technik. Sowohl im Pas de deux, als auch in den Soloparts, liessen sie das Publikum die Schönheit des Balletts spüren. Bereits das erste Stück des Abends darf zurecht als „Homage to Ballet“ bezeichnet werden.
Wie waren sehr unsicher, ob es Renaissance oder Delibes Suite von José Martinez, das zweite Stück mit Paul Marque, diesmal mit der zauberhaften Hohyun Kang ( Liudmila Konovalova konnte, wie bereits erwähnt nicht auftreten) es in die Highlight schaffen sollte, denn auch hier konnten beide Künstler ihr Können vollends zum Ausdruck bringen. Paul Marque hatte sogar noch mehr Möglichkeiten, mit seiner Sprungkraft zu brillieren, was uns sehr begeisterte.

Pas de deux aus „Le Corsaire“
Choreographie: Marius Petipa
Musik: Riccardo Drigo
Tänzer: Katja Khaniukova und Reece Clarke
Auch wenn wir offen für Neues sind, können wir uns einfach nicht gegen die Faszination der grossen Klassiker des Balletts wehren. Und deshalb freuten wir uns sehr über den Pas de Deux aus Le Corsaire von Marius Petipa, welches zu den bekanntesten Stücken des klassischen Ballettrepertoires zählt und oft unabhängig von der gesamten Aufführung als Höhepunkt in Galaprogrammen gezeigt wird. Petipa, der Meisterchoreograf des klassischen Balletts im 19. Jahrhundert, schuf das Werk 1899 auf Basis einer früheren Fassung des Balletts, das auf dem gleichnamigen Gedicht von Lord Byron basiert.
Der Pas de deux zeichnet sich durch technische Brillanz und dramatischen Ausdruck aus und gilt als Herausforderung für Tänzer:innen. Es besteht aus mehreren Teilen, darunter eine Eröffnung (entrée), zwei Solo-Variationen (für den männlichen und weiblichen Part) und die abschließende coda. Besonders beeindruckend sind die Sprünge, Drehungen und Hebefiguren, die das Stück zu einem Paradebeispiel für Virtuosität und Ausdruck im Ballett machen und für das Tanzpaar Katja Khaniukova und Reece Clarke definitiv passend war. Ganz abgesehen von der offenkundigen Attraktivität der beiden, die von den für Le Corsaire typischen Kostümen noch verstärkt wurde, hatten sie ohne Frage die Möglichkeit, ihr enormes Können unter Beweis zu stellen. Auch wenn wir uns von Reece Clarke ein bisschen mehr „Attacke“ gewünscht hätten, konnte er mit seinen kraftvollen Sprüngen beeindrucken. Katja Khaniukova verzauberte das Publikum vom ersten Augenblick an mit ihrem aussergewöhnlichen Charme und Publikumsnähe. Gerade bei einer Gala kann das einen grossen Unterschied machen. Ihr kokettes Lächeln und Ihre Blicke, die vom Publikum sehr guttiert wurden, liessen eine direkte Verbindung entstehen, weshalb ihre perfekten Drehungen (ihre Fouettées – oh wow!) mit noch mehr Begeisterung aufgenommen wurden. Eine wirklich grandiose Darbietung voller technischer Komplexität und romantischer Ausdruckskraft.
Leider war ihr zweites gemeinsames Stück Elegia perduta von Valentino Zucchetti dann nicht ganz unser Fall. Technisch einwandfrei und sehr elegant und athletisch konnten beide leider nicht dieselbe Strahlkraft erreichen, wie es bei Le Corsaire der Fall gewesen war, was aber eventuell auch nicht der Anspruch des Stücks ist.

A la manière de
Choreographie: Jean-Guillaume Bart
Musik: Maurice Ravel
Pianist: Mladen Dabizljevic
Tänzer: Sae Eun Park & Denys Cherevychko
A la manière de konnte relativ schnell auf unserer Hitliste landen, was einerseits an der zauberhaften Musik von Maurice Ravel, als auch an Mladen Dabizljevic gefühlvollem, tänzerisch leichtem Spiel lag. Das Zusammenwirken von Musiker und Tänzer ist etwas ganz Besonderes und erzeugt eine einzigartige Dynamik, wenn es wirklich passt, was hier absolut der Fall war. Aber selbstverständlich konnte man auch die perfekte Harmonie zwischen Sae Eun Park und Denys Cherevychko nicht übersehen. Technisch perfekt und von einer jugendlichen Leichtigkeit umgeben, zauberten sie die Schönheit des romantischen Balletts auf die Bühne des Theater 11. Auch hier darf nicht unerwähnt bleiben, dass es für ein Publikum wirklich besonders schön ist, wenn auch auf die Kostümen viel Wert gelegt wird. So konnte mit dem altrosa Chiffonkleid samt passender Schleife im Haar Jugendlichkeit vermittelt werden, was überhaupt das Hauptthema dieses Stücks zu sein scheint: junge Liebe.
Jean-Guillaume Bart, der für seine tiefgehende Auseinandersetzung mit der klassischen Balletttradition bekannt ist, zeigt auch in diesem zauberhaften Stück, seine Fähigkeit, klassischen Stile nachzuempfinden und neu zu interpretieren, was auf seine Weise eine wunderschöne Homage to Ballet ist, da er es schafft die Essenz vergangener Meister wie Marius Petipa und Jules Perrot in seine Arbeit einfliessen zu lassen, ohne eine moderne Frische zu missen.

Voyage
Choreographie: Renato Zanella
Musik: Wolfgang Amadeus Mozart
Pianist: Mladen Dabizljevic
Tänzer: Denys Cherevychko
Eine besonders eindrückliche Performance war mit Sicherheit Voyage von Renato Zanella. Das Requiem in d-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart hat bereits für sich eine besondere Tiefe und Emotionalität, die von der expressiven, mitunter langsamen und kontemplativen Bewegungssprache, die verwendet wird, verstärkt wird. Ursprünglich geschaffen für Vladimir Malakov, wird der Tänzer zu einer symbolischen Figur, die zwischen Leben und Tod, zwischen der physischen Welt und einer spirituellen Dimension navigiert, sich also auf eine Art „spirituelle Reise“ begibt.
Die Choreographie verlangt eine hohe Präzision in der Ausführung, aber auch die Fähigkeit, starke emotionale Ausdruckskraft in den Tanz zu legen. Somit könnte man sagen, dass Denys Cherevychko mit diesem Stück eine sehr mutige Wahl getroffen hat, weshalb wir auf seine Interpretation auch besonders gespannt waren, doch… er wusste ohne Frage zu überzeuge. Sowohl technisch als auch expressiv brillant, vermochte er die transzendente Atmosphäre dieses Stücks auf der Bühne zu erzeugen und das Publikum in seinen Bann zu ziehen.
Dass dieses Werk als beeindruckendes Beispiel dafür dient, auf welche perfekte Weise Tanz und Musik miteinander verschmelzen können, war es auch sehr spannend, zwei musikalische Quellen zu haben. Während die Piano-Parts live von Mladen Dabizljevic gespielt wurden, kam – wenn wir uns recht erinnern – der Streicher-Part vom Band, was eine faszinierende Wirkung hatte und perfekt war, um die starke, universelle Botschaft dieses Stücks zu vermitteln. Ein absolut genialer Schachzug!

Rooted
Choreographie: Arshak Ghalumyan
Musik: Neal Acree, Vassilis Tsabropoulus, Francesco D’Andrea, Kevin Keller
Tänzer: Anastasia Kurkova, Krasina Pavlova, Elisa Carrillo Cabrera, Arshak Ghalumyan, Lucio Vidal, Olaf Kollmannsperger
Wie schon 2023 bildete auch dieses Jahr eine aufregende Gruppen-Choreographie von Arshak Ghalumyan den Abschluss der Gala, was eine hervorragende Entscheidung war, da seine Choreographien jeweils einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Rooted kann ohne Übertreibung als Gesamtkunstwerk bezeichnet werden, das sich in mehreren Bildern bei Tanz, Musik, Licht und Projektion bedient um eine aussergewöhnliche Atmosphäre zu erzeugen. Zu Beginn zaubert die Kombination aus heller Leinwand und den silhouettenhaften Tänzern pflanzenähnliche, sich bewegende und neu formende Schattenbilder, was an bekannte Schattentheater, wie z.B. Shadowland erinnert. Die Wirkung ist äussert faszinierend. Durch die Änderung des Lichts erscheinen die drei Tänzerinnen und drei Tänzer nun relativ einfach in schwarz-weisse Outfits gekleidet als Individuen auf der Bühne, wobei sich bald zu Paaren formen. Die Projektionen auf der Leinwand wechseln zwischen Regen (?), Schnee, Nebel und Tinte, die in Wassertropft und dort spezielle Formen bildet. Sowohl der Hintergrund, als auch Arshaks Choreographie sind fliessend und sehr energetisch, ja organisch. Jede Bewegung wirkt natürlich, einfach „richtig“ und äusserst angenehm, wenn auch höchst anregend.
Auch das erste Stück von Arhak Ghalumyan hätte es problemlos in unsere Hitliste schaffen können. In Sem Você tanzten Anastasie Kurkova, Arshak Ghalumyan und Lucio Vidal vor einer projizierten Strassenlaterne eine Art Dreiecksbeziehung. Besonders die Harmonie zwischen Arshak und Lucio, die bereits letztes Jahr in Static Time zu bewundern war und auch zu Beginn von Sem Você in einem sehr körperlichen und energetischen Männer-Pas de deux zum Ausdruck gelangt, zeigt, dass der Einfluss Nacho Duatos nicht von der Hand zu weisen ist.

Auch Crossing Roads, getanzt von Olaf Kollmannsperger war ein toller Beitrag, wirkte für uns aber leider etwas zu unruhig mit den sehr lebendigen Projektionen im Hintergrund, was den Gesamteindruck etwas verwässerte. Wenn Olaf Kollmannsperger aber im Fokus stand, was im mittleren und auch längsten Teil der Fall war, überzeugte sowohl die moderne, teilweise fast pantomimische Choreographie von Arsen Mehrabyan und die tänzerischen Fähigkeiten von Olaf Kollmannsperger auf ganzer Linie.
Da wir leider, leider keine grossen Liebhaber von Mauro Bigonzettis Choreographie-Stil sind, konnten wir Duetto inoffensivo nicht so viel abgewinnen, was aber keinesfalls an den beiden hervorragenden und ausdrucksstarken Tänzerinnen Krasina Pavlova und Elisa Carrillo Cabrera lag. Es ist einfach Geschmacksache, was der begeisterte Applaus zu diesem Stück auch verdeutlichte.
Finale oder nicht Finale – das ist hier die Frage
Als Abschluss der diesjährigen Ballettgala durfte das Publikum noch einmal der emotionalen Eigenkomposition von Mladen Dabizljevic lauschen, bevor die Show dann vorbei war. Müssten wir einen Kritikpunkt anbringen, wäre es wohl das unterschwellige Gefühl, eines Finales beraubt worden zu sein. Nach diesen vielen, abwechslungsreichen Stücken hätten wir uns zum Abschluss etwas Ähnliches, wie die zauberhafte Eröffnung gewünscht, um den ganzen Abend nochmal abzurunden. Aber eben, dies ist Kritik auf hohem Niveau. Und beim Schlussapplaus konnte man ja noch einmal alle Künstler bewundern und ihnen die Wertschätzung entgegenbringen, derer sie sich an diesem grandiosen Abend verdient gemacht hatten.
Fazit
Homage to Ballet – A Night with the Stars 2024 war unserer Meinung nach die bisher beste Gala und wie man sehen kann, konnten wir uns kaum Highlights herauspicken, da das ganze Programm auf einem sehr hohen Level stattfand. Mit grandiosen Tänzer:innen, einer bunten Auswahl an klassischen, neoklassischen und modernen Meisterwerken und einem sehr niveauvollen und runden musikalischen Gesamtkonzept haben Brodbeck & Lips erneut eine aussergewöhnliche Ballett-Gala von Welt-Niveau auf die Beine gestellt. Da darf man sich jetzt schon auf 2025 freuen und gespannt sein, was Brodbeck & Lips sich für nächstes Mal einfallen lassen werden.
Infos zu den vergangenen Veranstaltungen findet ihr auf
Homage To Ballet | Brodbeck & Lips | Zürich



























