Vom 10.12. – 15.12.2024 ist das legendäre Taiko-Ensemble YAMATO – THE DRUMMERS OF JAPAN im Theater 11 in Zürich zu Gast, um zusammen mit dem Schweizer Publikum die unbändige Kraft des Neubeginns zu feiern. Mit „HINOTORI – Die Flügel des Phönix“ erzählen die Trommel-Virtuosen vom Mut und Aufbruch nach schwierigen Zeiten und zeigen auf, dass man übermächtige Herausforderungen und Rückschläge nicht nur überwinden, sondern gestärkt und beflügelt daraus hervorgehen kann. Und auch die Zuschauer werden durch die Kraft der Taiko-Trommeln ein Teil des kollektiven Gefühls. Der Intensität und Leidenschaft sowie des Humors dieses Ensembles kann niemand widerstehen.
„Hoch fliegend, in Sonnenschein gekleidet, breiten wir die Flügel unserer brennenden Seelen aus. Wir sind Phoenix“.
Trommeln gehören zu den ursprünglichsten und mystischsten Instrumenten. In Japan galten sie schon in den religiösen Kulthandlungen der Frühzeit als Sprachrohr zu Göttern und Geistern. Aber eigentlich wird in sämtlichen Urkulturen schon seit Jahrhunderten getrommelt, nicht zuletzt, da der rhythmische dumpfe Trommelklang einen direkten Einfluss auf den Herzschlag hat und ihn entweder beruhigen oder anregen kann, was sich auf die ganze Stimmung auswirkt. Es ist also nicht verwunderlich, dass YAMATO – The Drummers of Japan bereits seit über 30 Jahren Menschen auf der ganzen Welt begeistert. Bei mehr als 4.500 Auftritten in 54 Ländern konnte sich die Truppe damit schon in die Herzen ihrer rund 10 Millionen Zuschauern spielen und ein Ende ist nicht absehbar.
Mit Hinotori – Die Flügel des Phönix schreiben YAMATO – THE DRUMMERS OF JAPAN nun die spannungsgeladene Fortsetzung der Erfolgsgeschichte, bei der die verbindende Magie ihres stetigen Trommelschlags einen neuen Höhepunkt erreicht.

Eine Truppe mit Tradition
Das Taiko-Ensemble YAMATO wurde 1993 von Masa Ogawa, noch immer Künstlerischer Leiter bei YAMATO, in Nara, der historischen Hauptstadt Japans, gegründet. Die Stadt Asuka in der heutigen Präfektur Nara gilt als Geburtsstätte der japanischen Kultur. Bereits ein Jahr nach nach der Gründung gelang YAMATO der Aufstieg an die Spitze der Taiko-Kunst und begannen zu touren. 1998 schafften sie den Durchbruch auch in Europa. Neben der Bühnentätigkeit liegt ein weiterer Schwerpunkt von Yamato darin, die Begeisterung für die Taiko weiterzugeben. Neben Taiko-Schulen in Japan, in der die Kunst des Taiko-Trommelns vermittelt wird, entstanden auch bereits vier Taiko-Klassen in den Niederlanden, um die Begeisterung für dieses traditionsreiche Instrument auch nach Europa zu tragen.
Sehr beeindruckend ist auch die Hingabe der Ensemble-Mitglieder an die Taiko-Kunst und das Ensemble selbst. Für die wenigsten von uns, ist dies nachvollziehbar, in einer solchen Gemeinschaft zu leben. Doch genau dieses völlige Aufgehen in der Gemeinschaft ist eine wichtige Voraussetzung für das meisterhafte Zusammenspiel in vollkommener Präzision und Harmonie. Alle Bereiche ihres Lebens sind perfekt auf einander abgestimmt. Angefangen beim allmorgendlichen 10-Kilometer-Lauf bis zum Schnitzen der Trommelstöcke, von denen im Jahr gut 200 Stück dem anarchisch anmutenden Klangspiel zum Opfer fallen.
Um direkt noch bei den Facts zu bleiben: Bei Spitzenfrequenzen von 500 Schlägen pro Minute, ist es nachvollziehbar, dass ein Trommler pro Show zwischen 2 – 3 Kilogramm Körpergewicht verliert. Taiko-Trommeln ist Spitzensport und Kunst in einem.
Neben der Unterhaltung, ist YAMATO vor allem auch ein Anliegen, eine intensive Verbindung zum Publikum aufzubauen und persönliche sowie kulturelle Themen mit ihnen zu teilen, da sie einen grossen Wert auf die spirituelle und emotionale Wirkung ihrer Musik legen. Mit jedem intensiven Trommelschlag, soll das kollektive Gefühl der Gruppe in den Klang fliessen, um alle einzubinden, die in diesem Moment anwesend sind – also auch das Publikum. Dabei soll vor allem die Vibration des Schlags mit dem ganzen Körper erfahren werden, da diese primitive Energie bis ins Innerste der Seele berührt. Aus diesem Grund werden in Japan auch alle Trommel, ausser einer speziellen mit dem Namen Tsuzumi, mit Schlagstöcken gespielt, um einen kräftigen, fordernden Laut zu erzeugen. Dadurch unterscheiden sich die Japaner vom Rest der Welt, wo Trommeln mit der Hand geschlagen werden und dessen Intensität und Klangfarbe davon abhängt, ob mit den Fingerspitzen oder der Handfläche gespielt wird.

Die neue Show: „HINOTORI – Die Flügel des Phönix“
YAMATO sind bekannt für ihre energiegeladenen Taiko-Trommelstücke, die mit anderen Instrumenten wie Shamisen und Flöten, aber auch mit Tanz und Theater kombiniert werden. Intensivität, Dynamik und Interaktion prägen ihren Stil und dem bleiben sie auch in der neuen Show „HINOTORI – Die Flügel des Phönix“ treu.
Unterteilt ist die Show in 9 einzelne Bilder, auf die wir umfangbedingt nicht alle eingehen können. Gerne möchten wir aber unsere Highlights herausstreiche.
1. Habataki – Flügelschlag
2. Ifiltr – Klangfarbe
3. Netsujoh – Leidenschaft
4. Hayate – Belebende Brise
5. Masurao – Das tapfere Herz
6. Rakuda – Freude am Rhythmus
7. Rekka – Lauffeuer
8. Garakuta – Kleinode
9. Enzin – Feuerball
HINOTORI hat keine Geschichte oder einen roten Faden, der sich durch das Stück zieht. Es sind einzelne Bilder zu einer gewissen Thematik, die musikalisch und darstellerisch umgesetzt werden. Dabei steht in fast allen Fällen die Trommel im Mittelpunkt. Zusammengefasst, wird das Bühnenbild relativ knapp gehalten. Mit einer Leinwand, auf der mit einer Ausnahme mehrheitlich künstlerisch anmutende Muster zu sehen sind und zwei weiteren Ebenen mit Fläche für die Trommler, steht die grosse Odaiko-Trommel auf der höchsten Ebene mittig im Fokus. Bei einigen Stücken, die ohne Odaiko auskommen, wird auch mal weiter vorne eine weitere Leinwand herunter gelassen, vor der gespielt wird. Aber die teilweise uralten, riesigen Trommeln sind schon beeindruckend…
Die Kostüme wirken durchaus traditionell, wobei gerade die bemalten Jeans (waren das wirklich Jeans? Sie wirkten so…) in der ersten Hälfte der Show doch viel Modernität beisteuerten. Es hätte wahrscheinlich niemanden gewundert, wenn die Kostüme von Desigual gewesen wären.

Was uns besonders gut gefallen hat, ist, dass die Musikerinnen nicht „geschont“ werden, oder eine „weiblichere“ Rolle erhalten. Dies ist ein perfektes Beispiel dafür, dass Frauen erstens dieselbe Leistung erbringen können und zweites für eine gute homogene und harmonische Mischung in ungefähr gleicher Anzahl vertreten sein sollten. Und die Truppe wirkt wirklich harmonisch. Die Synchronität des Ensembles, wenn sie in atemberaubender Geschwindigkeit die Trommeln schlagen, ist erstaunlich. Als ob sie auf einer übergeordneten Ebene verbunden wären.
Neben einer kurzen Einleitung erhält das Publikum keine weiteren Infos zu den einzelnen Nummern. Hier ist jeder selbst in der Verantwortung, sich zu informieren. Allerdings kann man die Show auch ohne Wissen zu den einzelnen Stücken hervorragend geniessen und die Bedeutung einfach erfühlen.
Als sehr sympathisch haben wir den Kontakt des Ensembles zum Publikum empfunden. Es ist einfach zauberhaft, wenn die Ensemble-Mitglieder ein Stück Papier aus der Tasche ziehen, auf welchem sie ihre „Rede“ notiert haben und in Deutsch oder Englisch zum Publikum sprechen. Dass nicht alles inhaltlich verstanden wird, spielt eine untergeordnete Rolle und gerade bei den interaktiven Nummern, klappt die Verständigung prima. Da wird begeistert die Faust erhoben und dazu „Hey“ gebrüllt, um das Feuer der Leidenschaft zu entzünden (Netsujoh) oder als Antwort auf Trommelschläge geklatscht (Rekka). Und es wird VIEL gelacht, denn diese Truppe hat den Humor für sich gepachtet. Da können wir uns der Aussage der Truppe zu der Leistung des Publikums nur anschliessen: „Mega gueto!“

Um ehrlich zu sein, gibt es in dieser Show wirklich viele Highlights. Sehr berührend sind z.B. die Klänge des Koto, einem liegenden Saiteninstrument, das harfenähnlich klingt. Wenn die vier jungen Männer in Ifiltr dabei Laterne haltend um die in der Mitte liegende grosse Trommel springen und dabei mit je einem Stock die Trommel schlagen, hat das schon fast etwas Rituelles.
Auch Masurao als Abschluss der ersten Hälfte hat schwer Eindruck hinterlassen. Hier konnten wir uns wirklich erklären, wie die 2 – 3 Kilogramm Gewichtsverlust zustande kommen. Mit ganzem Körpereinsatz werden mit grossen, roten Doppelschlagstöcken abwechslungsweise links und rechts auf Trommeln geschlagen, was sehr tänzerisch und elegant wirkt, aber auch eine gewaltige Kraft und Leidenschaft vermittelt. Hier sind die Vibrationen der dumpfen Trommelschläge aber wirklich im Bauch und Brustkorb zu spüren, was sich richtig toll anfühlt.
Die zweite Hälfte (hier gibt es dann auch einen Outfitwechsel) darf eigentlich als komplettes Highlight bezeichnet werden. Im Hintergrund ist nun ein stilistischer Phönix zu sehen, was natürlich hervorragend zum Titel der Show passt. Gleich im ersten Stück Rakuda kommen die grossen Trommeln zum Einsatz und deren Vibrationen gehen wieder sehr tief. Der energetische Trommelrhythmus reisst wirklich mit und man wundert sich, wie diese Musiker im Sitzen die Kraft aufbringen können, solche Schläge zu erzeugen.
Bei Rekka wird, wie bereits erwähnt, das Publikum aktiv mit einbezogen. Dabei bilden zwei Musiker und das Publikum ein Team, sie versuchen, das andere Team aus zwei Musikern zu toppen. Bei diesem wahnwitzigen Wettstreit werden immer grössere Trommeln aufgefahren, was ein Riesenspass ist.
Garakuta kommt als einziges Stück ganz ohne Trommeln aus, dafür kommen die kleinen Chappas, bronzene Zimbeln, zum Einsatz. Dieses Instrument, das im Nahen Osten sehr verbreitet war, fand seinen Weg über die Seidenstrasse nach China und Japan und wird auch häufig in religiösen Zeremonien verwendet. In dieser Nummer geht es aber alles andere als besinnlich zu und her, es ist sogar besonders witzig, wie sich die drei und dann fünf jungen Männer mit der Chappa etwas Unsichtbares zuwerfen… Man glaubt tatsächlich fast, etwas zu sehen, so präzise ist die Darstellung. Ein wirklich originelles Stück.
Bei der letzten Nummer Enzin wird es dann noch mal so richtig intensiv. Mit allen Musikern und Musikerinnen und sämtlichen Trommeln werden Klänge und Rhythmen erzeugt, die einen später noch auf dem Heimweg begleiten. Auch hier kommt man nicht um hin, die Synchronität der vielen Musiker zu bestaunen. Das ist wirklich nicht von dieser Welt. Alleine für dieses Stück lohnt es sich, Tickets zu bestellen (falls dies überzeugend war, hier vorab schon mal der Link), denn wirklich selten kann man irgendwann so eine mitreissende Dynamik und Intensität erleben.

Was ist an YAMATO so besonders?
In einer Welt, in der die Homogenisierung der unterschiedlichen Kulturen fortschreitet und kulturelle Besonderheiten lange Zeit fast als etwas Rückständiges betrachtet wurden, sehnt sich das menschliche Herz wieder nach etwas Ursprünglichem, Echtem. Auch in Japan ist der Verlust der traditionellen Kultur zu präsent, doch gerade in letzter Zeit konnte man eine Art Gegenbewegung spüren und traditionelle Festivals und Rituale gewannen wieder an Gewicht. Besonders die Taiko-Trommeln lassen die Japaner ihre Kultur in einer intensiven Art und Weise spüren und die Nachfrage wird immer grösser. Auch in unseren Breitengraden, wo die eigene Kultur in der Regel noch immer als „altmodisch“ betrachtet wird (auch bei uns gibt es Trachtenfeste mit volkstümlicher Musik, Fahnenschwingen und Umzügen), gibt es einen tief sitzenden Wunsch nach Ursprünglichkeit, der mit dem Klang der Taiko-Trommeln angesprochen wird. Und in einer Welt, in der die Globalisierung bereits so weit fortgeschritten ist, hat beinahe jeder die Möglichkeit, eine Zugehörigkeit zu wählen. YAMATO schafft den Spagat zwischen Moderne und Tradition auf eine Weise, die Zuschauer auf sämtlichen Kulturkreisen fasziniert und begeistert.

Ist die neue Show von YAMATO – The Drummers of Japan sehenswert?
Musicals kann man mögen oder nicht. Ballett ist Geschmackssache. Und bei Bands gehen die Interessen auch weit auseinander. YAMATO – THE DRUMMERS OF JAPAN hingegen treffen mit ihren traditionellen, ursprünglichen Klängen, seiner Farbenpracht und Energie einen Nerv, den jeder besitzt. Wenn man sich während der Show im Publikum umsieht und merkt, wie gebannt alle das Treiben auf der Bühne verfolgen und bei den interaktiven Parts bereitwillig mitmachen oder nach der Show im Foyer die erhitzten Gesichter mit leuchtenden Augen betrachtet, ist klar, dass diese Show etwas Einzigartiges ist, das man gesehen haben sollte. Der Klang der Taiko-Trommeln hat wirklich die Macht, den Menschen auf eine ganz besondere Weise, langfristig zu berühren und in Einklang mit sich selbst zu bringen.
Tickets für Zürich findet ihr hier: https://www.ticketcorner.ch/artist/yamato-the-drummers-of-japan/
Im Frühling 2025 kehren YAMATO dann mit einer brandneuen Show zurück in die Schweiz und gastieren vom 29.04. – 04.05.2025 im Musical Theater Basel.
Künstlerischer Leiter: Masa Ogawa
Ensemble: Naoki Ehihiro, Akiko Ogawa, Jun Kato, Jo Nakamura, Marika NitoKenta Ono, Mika Miyazaki, Tatsuya Iwaki, Nene Miura, Daisuke Jonai, Genta Ogawa, Wakaba Sudani, Yumesa Tanaka
Ein herzliches Dankeschön an FMB für die Möglichkeit, diese faszinierende und belebende Show zu besuchen und zu rezensieren.















