Ist Elvis tatsächlich 1977 gestorben? Wenn es nach Kabarettist und Schauspieler Diego Valsecchi geht, dann eher nicht. Denn in seiner neuen Show Elvis lebt! lässt er den King of Rock n‘ Roll auferstehen und erzählt eine fantastische Geschichte über Elvis‘ geheimes Leben im Wallis. Mit stimmgewaltiger Unterstützung sowie einer Liveband nimmt er das Publikum vom 18.09. – 19.10.2025 im Theater am Hechtplatz mit auf eine musikalische und humorvolle Reise durch die Walliser Berge und die bekanntesten Elvis-Hits.
Elvis-Tribute-Shows gibt es wie Sand am Meer und teilweise auch wirklich gute, mit erstaunlichen Elvis-Immitatoren, die den King of Rock n‘ Roll wirklich zum Leben erwecken. Wenn man da mitmischen und aus der Masse heraus stechen will, muss man sich schon etwas Besonderes einfallen lassen. Wobei, Elvis-Fans sind ein dankbares Publikum und wenn es um die bekannten und beliebten Songs wie Jailhouse Rock oder Can’t help falling in love geht, wird auch ganz schnell jeder ein bisschen zum Fan.
Von dem her ist eine Show über Elvis eine relativ sichere Angelegenheit. Die Zuschauer werden kommen und die meisten werden es auch lieben.
Doch Diego Valsecchis Vision von einer Elvis-Show ist ein bisschen anders. Denn er hat nicht die Absicht, Elvis‘ Karriere in altbekannter Manier von Anfang bis Ende zu erzählen, sondern befasst sich lieber mit der Frage, was wohl gewesen wäre, wenn Elvis 1977 NICHT gestorben wäre.

Elvis lebt! und zwar im Wallis
Wenn Elvis nicht gestorben wäre, hätte er – so denkt man – sicher viele Möglichkeiten gehabt, sich aus der Öffentlichkeit zurück zu ziehen. Doch Diego aka Elvis Presley lässt sein Publikum wissen, dass dem nicht so war. Denn was man nie vergessen darf, ist sein Knebelvertrag mit Colonel Tom Parker. Da kommt so ein etwas ungesunder Nachbar, der im Garten umkippt und stirbt, wie gerufen. Mit entsprechender Kleidung entsteht kurzerhand ein Double. Der „King“ ist tot, lang lebe Elvis. Denn dieser macht sich unerkannt auf den Weg nach Wales. Dies scheint in Elvis‘ Augen der ideale Rückzugsort zu sein, nachdem sein Freund Tom Jones ihm davon vorschwärmte.
Dumm nur, dass Wales und Wallis so ähnlich klingen… Denn statt im Südwesten von England landet Elvis im Süden der Schweiz, wo er zunächst mit den sprachlichen Schwierigkeiten (dies geht ja sogar den Schweizern selbst so) zu kämpfen hat, bevor er Land und Leute zu schätzen lernt und verschiedene Business-Möglichkeiten ausprobiert, denn es muss ja auch Geld verdient werden… Wie man weiss, ist die Schweiz nicht gerade günstig im Lebensunterhalt.
Von „Atmen mit Kühen und Hühnern“ über Mode und Flötenunterricht bis hin zu einer Elvis-Show als bester Elvis-Immitator in Saas Fee ist alles dabei.
Und auch die Liebe kommt nicht zu kurz, denn mit Priska, Tierärztin aus Ried-Brig findet er eine neue Liebe. Doch ob sein erneut aufsteigender Stern dieser Liebe nicht im Weg steht?
Erzählt wird diese originelle Geschichte unter Einbezug vieler Elvis-Songs, die im Kontext überraschend gut passen. Freuen darf man sich z.B. auf Return to Sender oder You’re the Devil in Disguise.

Finding Elvis – Wieviel Elvis steckt in Diego Valsecchi?
Dass die Rolle des Elvis Presley für Diego Valsecchi eine Traumrolle ist, ist deutlich zu spüren. Wie er bereits vorab verlauten liess, entdeckte er schon als Kind in der Plattensammlung seiner Mutter ein Best-of-Album von Elvis. Und schon 20 Jahre war es sein Traum, einen Elvis-Abend zu inszinieren, der nun im Theater am Hechtplatz und dann auch auf Tour Wirklichkeit wird.
Ob Diegos Stimme wirklich nach Elvis klingt, darüber lässt sich sicherlich streiten, vor allem seine Sprechstimme hat keine Ähnlichkeit, da ändert auch das konsequente Denglisch mit amerikanischem Akzent nichts. ABER er ist nun mal auch kein Immitator. Klar zu erkennen ist jedoch, dass er viel Zeit investiert hat, Elvis‘ stimmliche Merkmale und Eigenarten zu studieren und sich diese anzueignen. Und es gibt Songs, bei denen er dem King zum Verwechseln ähnlich klingt, wie z.B. bei In the Ghetto, dem auch eine berührende Geschichte aus Elvis‘ Kindheit vorangeht, bei der er tatsächlich den Eindruck erweckt, persönlich verletzt und beleidigt worden zu sein. Diese Intensität an (negativen) Gefühlen ist doch sehr beeindruckend und ein angenehmer Kontrast zum sehr klamauk-lastigen Ton des Stücks.
Bewegungstechnisch macht Diego Valsecchi eine sehr gute Figur (und sieht in seinen qualitativ sehr hochwertigen Kostümen – genau so, wie seine Bühnenpartner*innen – auch noch originalgetreu aus, ohne, dass übertrieben viel Effort in Kostüm und Ausstattung gesteckt wurde). Auch wenn er auf den ikonischen – für heutiges Empfinden fast etwas übertriebenen – Hüftschwung verzichtet, hat er Presleys Bewegungsreportoir samt effektvollen Tanzschritten sehr gut verinnerlicht und begeistert mit grossen Gesten und beeindruckender Bühnenpräsenz. Am meisten überraschen jedoch seine Blicke, die so sehr „Elvis“ schreien, dass man geradezu überfordert ist. Und genau diese Mimik und diese Blicke sind es, die Diegos Elvis zum Leben erwecken.
Diego Valsecchi ist fraglos ein echter Leading Man, beherrscht die Bühne und gehört in deren Zentrum. Elvis zu verkörpern ohne Starappeal wäre auch ein ziemlich sinnloses Unterfangen.

Von Kühen, Hühnern und Tierärztinnen – Keine Show ohne Sidekicks
Doch Diego/Elvis steht nicht alleine auf der Bühne. An seiner Seite Angela Hunkeler und Lucca Kleimann als stimmgewaltige Co-Sänger*innen, denn im Background stehen die beiden definitiv nicht. Auch wenn gelegentlich die typischen „Uuuh“-s und „Aaaaah“-s gesungen werden, übernehmen sie bei Elvis lebt! beinahe schon gleichberechtigte Rollen – darstellerisch, aber auch gesanglich, denn die Harmonien, die sie den bekannten Elvis-Hits geben erinnern eher an ein Gesangs-Trio. Vor allem beim A-capella-Medley am Schluss der Show kommt man gerade zu ins Staunen, was hier gesanglich geboten wird. Zu den Hightlight gehören definitiv auch die Duette von Diego Valsecchi und Lucca Kleimann, allen voran das energiegeladene You’re the Devil in Disguise und das darauf folgende gefühlvolle Always on My Mind, in welchen Lucca Kleimann seine aussergewöhnlich schöne Stimme zur Geltung bringen kann.
Doch selbstverständlich schlüpfen Angie Hunkeler und Lucca Kleimann auch in diverse witzige Rollen. Von Reportern, die den wieder auferstanden Elvis mit unangenehmen Fragen löchern, über Klischee-Schweizer am Wandern bis hin zu Huhn und Kuh, die natürlich für viel Begeisterung im Publikum sorgen. Besonders gelungen auch die Gender-Swap-Rollen. So singt Angie Hunkeler samt grauem Bart als „Alter Mann“ mit erstaunlich tiefer, sonorer Stimme ein stimmungsvolles Blue Moon mit Elvis/Diego. Und Lucca Kleimann als Tierärztin Priska ist einfach eine Show. Die beiden Darsteller*innen sind ein absoluter Hauptgewinn und geben der Show ein echtes Upgrade, wodurch Elvis lebt! sich von anderen Elvis-Shows wirklich abhebt.

Bilder sagen mehr als tausend Worte
Ein Ausdrucksmittel, das bei Elvis lebt! mit Vorliebe verwendet wird, sind Fotos, die im Hintergrund wie Dias auf die Leinwand projiziert werden. Sehr passend. Auf diese Weise darf das Publikum an Elvis Erlebnissen im Wallis, aber auch an der Zeit davor teilhaben. So sehen wir jenen bereits erwähnten Nachbarn, der seine Flucht erst möglich machte, aber auch jede Menge Bilder seiner prominenter Kunden bei „Atmen mit Kühen/Hühnern“, wie z.B. Heidi Klum mit den Kaulitz Brüdern, Schweizer Politiker, aber auch Angela Merkel. Und auch sein Schwiegersohn Michael Jackson, Marilyn Monroe, Amy Winehouse und andere „Totgeglaubte“ haben ihren Auftritt. Ja, hier wurden alle Photoshop-Register gezogen, um das Publikum am verrückten Leben des Kings teilhaben zu lassen. – Ein ganz klein wenig erinnert es an Riklin & Schaubs Lieder, die du sehen musst. Ein Eindruck, der sich bei den humoristischen Vergleichen zwischen der USA und der Schweiz weiter verstärkt, da etwas sehr Ähnliches bereits bei LOVE – Das Mundart-ABBA-Tribute des Secondhand Orchesters Teil der Show war, nur halt mit Schweden statt der USA. Doch das Publikum kringelt sich vor Lachen in den Theatersitzen, auch wenn der Humor teilweise etwas derber wird.
Überhaupt steht Humor an oberster Stelle, so jagt ein Gag den nächsten und dazwischen wirft Elvis mit falschen Redewendungen um sich. Ja, bei Elvis lebt! kommt jeder auf seine Kosten, der nicht genug von Scherzen über die Eigenart der Schweizer und die Schweiz im Allgemeinen, sowie das Wallis im Speziellen kriegen kann (dabei sind es genau die Parts in Walliserdeutsch, die dem Stück besonderen Charme verleihen und von denen es gerne noch mehr geben könnte). Der eine oder andere stösst aber eventuell an seine Grenzen, denn diese werden wirklich ausgereizt. Auch die etwas anzüglicheren Parts sind sicher Geschmackssache. Doch die Mehrheit des Publikums amüsiert sich köstlich über die vielen Klischees, die alle genüsslich abgearbeitet werde.

Licht-, Tontechnik und Musik vom Feinste
Wer der Musik wegen die Show besucht, wird definitiv nicht enttäuscht. Es gibt Elvis pur – alle seine Songs, teilweise täuschend echt arrangangiert, teilweise in neuen spannenden Arrangements, überraschenden Stilrichtungen oder eben einem aufregenden und emotionalen Medley, oft untermalt von sehr organisch wirkenden und energetischen Choreographien. Und dann jnd wann schleicht sich noch ein anderer ein, z.B. umndie Stimmung zu heben. Tayler Swift hätte sich ihre helle Freude, an der Version von Shake it off, die hier geboten wird.
Die vierköpfige Liveband bestehend aus Mei-Siang Chou am Piano (sie hat übrigens auch eine bezaubernde Stimme), Annie Mumford an den Drums, die bei der typisch schweizerischen Blockflöten-Darbietung zusammen mit Angela Hunkeler und Diego Valsecchi ihre multiinstrumentalistischem Fähigkeiten unter Beweis stellt), Luca Genze am Bass und dem Walliser Sandro Jordan an der Gitarre, der natürlich auch seinen Dialekt das eine oder andere Mal – zur Freude aller- hören lassen darf, ist erstklassig und wird oft von Diego mit einbezogen, was sympathisch ist und eine tolle Wirkung hat.
Hervorragend ist auch die Balance zwischen Band und Vocals, was nicht selbstverständlich ist und für uns immer Grund ist, die Tontechnik lobend zu erwähnen. Ebenso möchten wir die Lichttechnik heraus streichen, die unglaubliche Stimmungen auf die Bühne des Theaters zaubert. Ob Regenbogen-Farben, Spots, Sucher oder eiskalte Flutlichter, die bei Elvis‘ „Verhör“ eingesetzt werden, (natürlich darf auch die ikonische Elvis-Leuchtschrift nicht fehlen), hier wurden ganze Arbeit geleistet.

Fazit
Ob Elvis wirklich Elvis ist, oder doch nur die Geistesstörung eines Normalsterblichen, darf das Publikum selbst entscheiden. Ein Besuch dieses Stücks lohnt sich allemal, für Elvis-Fans, Heimweh-Walliser oder Freunde des etwas derberen Humors, aber auch Musikliebhaber, die in tollen Harmonien schwelgen möchten. In unseren Augen war es manchmal ein bisschen zu viel des Guten, vor allem humor-technisch traf es nicht ganz unseren Geschmack, da wir es etwas subtiler mögen, doch ein unterhaltsamer Abend war es ohne Frage auch für uns, vor allem in musikalischer und visueller Hinsicht.
Wer Diego Valsecchi & Band erleben möchte, kann sich hier seine Ticket hier bestellen: https://theaterhechtplatz.ch/produktionen/elvis-lebt/
Zusehen ist Elvis lebt! Noch bis am 19.10.2025 im Theater am Hechtplatz und dann auch an diversen anderen Schweizer Locations.
Cast, Band & Creatives
CAST
Diego Valsecchi
Angela Hunkeler
Lucca Kleimann
BAND
Piano: Mei-Siang Chou
Drums: Annie Mumford
Bass: Luca Genze
Guitar: Sandro Jordan
Creative Team
Künstlerische Leitung: Diego Valsecchi
Regie & Choreografie: Christopher Tölle
Musikalische Leitung: Raban Brunner
Kostüme: Heike Seidler
Bildgestaltung: Basil Huwyler
Dramaturgische Mitarbeit: Rolf Hermann
Produktionsleitung: Johannes R. Millius
Koproduktion: Theater am Hechtplatz und Theater La Poste Visp
Ein herzliches Dankeschön an Diego Valsecchi und das Theater am Hechtplatz für die Möglichkeit, dieses energetische Stück zu sehen und zu rezensieren.





































