Lord of the Dance – 25 years of standing ovations

Wer schon einmal live miterlebt hat, wie der Lord of the Dance gegen Don Dorcha kämpft oder die Tin Whistle von Little Spirit repariert, wird bei diesem Post unsere Emotionen verstehen. Denn diese Leser wissen auch, was für ein berauschendes Gefühl es ist, wenn beim Finale alle Tänzer der Show in perfekter, fast schon überirdischer Synchronität zu „Planet Ireland“ ihre Choreographie tanzen. Sie wissen ebenfalls, dass bei Lord of the Dance im Publikum die Begeisterung fast schon fanatischen Ausmasse annehmen kann, vor allem bei denen, die die Show schon mehrere Male gesehen haben, oder das Glück hatten, Michael Flatley in seiner Paraderolle zu bewundern.
Wer das alles noch nie erlebt hat, wird sich allenfalls wundern, wie man so viel Emotionen für ein getanztes Märchen aufbringen kann. Aber diejenigen haben unserer Meinung nach wirklich etwas verpasst.

Am 11.11.2022 waren wir im Hallenstadion in Zürich, um Lord of the Dance – 25 years of standing ovations zu feiern. Wir schreiben bewusst FEIERN, denn wir haben  diese Show so richtig genossen und haben alles gegeben, dies  auch die Tänzer hören und sehen zu lassen.

Auf diesen Besuch hatten wir uns sogar noch intensiver als auf Sister Äct vorbereitet, was aber daran lag, dass wir uns Lord of the Dance wirklich schon seit 25 Jahren immer wieder anschauen und die Show in und auswendig kennen. Das kann ein Vorteil sein, oder eben nicht, wenn zu vieles Liebgewonnenes verändert, aber dennoch als Original ausgelobt,  wird. (ein bisschen wie bei Disney) Gleichzeitig war uns aber auch klar, dass Michael Flatley und NUR Michael Flatley mit seinem 1 Mia Flagship machen kann, was er will. Zum 25. Jubiläum wollte er nicht nur eine Wiederaufnahme der Originalshow von 1996 schaffen,  sondern investierte in eine komplette Neuinszenierung  unter seiner Regie, mit neuer Musik von Komponist Gerhard Fahy. Er gewichtete Rollen anders, ersetzte  teils Elemente seiner Choreographien und  gestaltete Kostüme und Bühnendekor so, dass es in seinen Augen ins Jahr 2022 passte. Unverändert blieb die Qualität und Leidenschaft seiner 40 Tänzerinnen und Tänzer. Uns wurde wieder einmal so richtig bewusst, wie viel Energie frei gesetzt werden kann, wenn du das machen darfst, wofür er brennst und wofür du geboren wurdest.

Um was geht es in Lord of the Dance?

In der 1.5 stündigen Irish Dance Show wird eine alte irische Legende vom Kampf zwischen Gut und Böse erzählt. Miteingewoben wird  die Liebesgeschichte zwischen dem titelgebenden  Lord of the Dance und einem schönen Irischen Mädchens namens Saoirse. Bedroht wird ihre Liebe von der bösen  Verführerin Morrighan, die mit dem dunklen Lord Don Dorcha gemeinsame Sache macht, um den Lord of the Dance zu entmachten und die Welt wie wir sie kennen zu zerstören. Unterstütz wird er von einem guten Geist „Little Spirit“.

Michael Flatley – Schöpfer (oder kurz: Godfather of Irish Dance)

Michael Ryan Flatley wurde am 16.7.1958 in Chicago Illinois geboren, ja in Amerika. Da aber beide Elternteile  aus Irland stammen und sowohl seine Mutter als auch seine Grossmutter mütterlicherseits begeisterte Tänzerinnen waren, wurde der junge Michael früh in die Irish Dance Stunden geschickt. Seine Mutter hatte sein grosses Talent entdeckt  und konnte dieses nicht ungenutzt lassen. So nahm eine Erfolgsgeschichte seinen Lauf.  Im Jahre 1989 schaffte er es,mit 28 Taps/Sekunde sogar ins Guinnessbuch der Rekorde als schnellster Stepptänzer der Welt. Nicht genug, im gleichen Jahr brach er dann seinen eigenen Rekord mit sagenhaften 35 Taps.

Michael Flatley inspiriert uns immer wieder, denn er ist der lebende Beweis dafür, dass du alles im Leben erreichen kannst, wenn du dir treu bleibst und deine Träume beharrlich verfolgst.

Follow your dreams, because you wouldn’t want it so bad if you couldn’t have it. The universe gives you these dreams because you can have them. If you’re willing to work for it, you can have anything you want.

Michael Flatley

Am 28.06.1996 fand im Point Theater in Dublin die Uraufführung von Lord of the Dance statt. Mit Michael Flatley himself als der erste Lord of the Dance, Bernadette Flynn als Saoirse, Gillian Norris als Morrighan. Michael war eine Urgewalt, sein Sex Appeal, seine Energie, diese unwahrscheinlich schnellen 50-Millionen Dollar- Beine: OMG Irish Dance war auf einmal sexy!

25 Jahre später ist Lord of the Dance die biggest-selling Dance Show of all time mit einem Umsatz von über 1 Mia Dollar. 

Ist Riverdance auch von Michael Flatley?

Seinen Siegeszug hat diese Tanzform, die in Irland schon seit Jahrhunderten zum Nationalgut gehört, 1994. Als in diesem Jahr der Eurovision Song Contest in Dublin ausgerichtet wurde, wollte Irland eine traditionelle Pausenunterhaltung präsentieren. Michael Flatley und Jean Butler wurde für die Choreographie angestellt und führten die Tanznummer auch an. Als diese Truppe die Bühne betrat, hielt wohl die ganze Welt den Atem an. Präzision, Synchronität, das rhythmische Klacken der Steppschuhe zur mitreissenden Musik von Bill Whealen eroberte die Zuschauer im Sturm. Aus dem 15 Minütigen Pausenakt wurde eine 1.5 Stündige Show, die seit bald 30 Jahren um die Welt tourt. Doch Michael Flatley wollte mehr, er wollte den irischen Tanz weiterentwickeln, wollte seine eigenen Ideen verwirklichen. Ein schöpferisches Feuer, das von den anderen kreativen Köpfen von Riverdance geblockt wurde. Riverdance sollte sich nicht verändern, Riverdance war zu einer Marke geworden.

Michael Flatley liess sich durch diesen kurzfristigen Rückschlag nicht unterkriegen und wie wir wissen, bedeutete diese Trennung  schlussendlich die Geburtsstunde von Lord of the Dance.

LotD – 25 years of standing ovations Review

Was für ein Abend, was für eine Show! Noch immer zaubert uns der Gedanke daran ein strahlendes Lächeln ins Gesicht.

Die Show war anders, ja, aber nicht so komplett anders, wie wir zum Teil befürchtet hatten. Die  Musikstücke von Gerhard Fahey hatte unserer Meinung nach nicht die gleiche Ohrwurmqualität, waren aber den Stücken von 1996 ziemlich ähnlich.

Das Bühnendekor ist  über die Jahre sehr viel digitaler geworden. Wo früher Banner mit keltischen Symbolen von der Decke hingen und Tausende von Scheinwerfern die Bühne erhellten, mal romantische Verspieltheit, mal Gefahr darstellte, werden solche Momente nun mit einem komplett animierten Hintergrund inszeniert. Als besonders effektvoll empfanden wir hier die Zerstörung der Welt durch die Armee von Don Dorcha. Bäume brannten, Rauch stieg auf, totale Verwüstung.

Matt Smith als Lord of the Dance war eine Erscheinung: seine Interpretation des Lords war dynamisch, fröhlich und strotzte nur so vor jugendlichem Charme. Tänzerisch gesehen sind sowieso alle Mitglieder grossartig, da Michael Flatley nur die Besten für seine Truppen aussucht, aber Matt hat das gewisse Etwas, das dich vom ersten Moment an fesselt und in Matts Fall sogar richtiggehend verzaubert. In unseren Augen verkörperte er den perfekten Helden, furchtlos, leidenschaftlich und beschützend mit viel persönlichem Charisma. Ohne Frage hat er die Bühnenpräsenz und Führungsqualität, die für diese Titelrolle unabdingbar sind. Da es in der Regel zwei oder drei „Lords“ gibt, welche sich auf der Tour abwechseln, weiss man nie genau, wen man schlussendlich auf der Bühne sehen wird. Wir waren vorab zwischen zwei möglichen Tänzern hin- und hergerissen, waren dann aber mehr als glücklich über Matt Smith.

Von Zoltan Papp als dunkler Lord  hatten wir im Vorfeld schon gelesen.  Aufgrund des starken, militärisch angehauchten Tarn-Make Ups hatten wir bis zum Schluss echt Mühe ihn zu erkennen, aber er war schlichtweg SAGENHAFT in seiner Rolle. Böse, wild, aggressiv, mit prägnanter Mimik und Gestik und selbstverständlich extrem starker tänzerischer Leistung. Er brachte uns dazu, wie hypnotisiert zu applaudieren, während er als das personifizierte Böse  nur die Zerstörung im Sinn hatte. Eine richtig seltsame und intensive Erfahrung, da man bei Lord of the Dance normalerweise klar Stellung bezieht und auf der Seite des Guten ist. Wir können uns an keine andere Show erinnern, in welcher wir ein schlechtes Gewissen hatten, uns so für das Dunkle zu begeistern, es aber dennoch nicht lassen konnte. Zoltan hat definitiv die Rolle des Don Dorcha revolutioniert.

Wie wir zu Beginn erwähnt hatten, wurden ein paar Rollen neu ausgelegt, oder zum Teil sogar anders gewichtet, so waren wir vor allem von den weiblichen Hauptrollen ein bisschen enttäuscht, was aber in keiner Weise mit den Leistungen der Tänzerinnen zu tun hatte. Lauren Clark als Saoirse und Andrea Papp Kren als Morrighan waren technisch brillant, gingen aber trotzdem in der Masse unter. Sowohl Make up als auch Kostüme waren sehr stilisiert worden, was für die Einzigartigkeit und Schönheit dieser Mädels keinen Raum liess. Wir vermuten, dass hier Michael einen Prototyp seiner Traumfrau kreiert hatte und dies nun durchsetze. Auch wenn wir keine Vergleiche zum Original herstellen möchten, ist die eher negative Entwicklung dieser beiden Rollen doch sehr augenscheinlich. Die weiblichen Hauptrollen erscheinen nämlich nicht mehr länger als Hauptrollen sondern eher als Nebenrollen mit Solo. Die ganze Inszenierung wirkt dadurch sehr patriarchalisch.

Die Göttin Erin, dargestellt von Celyn Cartwright , war keine grossgewachsene, mystische Frau mit dieser typisch reinen, glockenklaren, irischen Stimme, wie Sie Anne Buckley war, sondern eine sexy Frau im Glitzerkleid mit einer starken Eurovision Song Contest  Balladen-Stimme und einem ebensolchen Look. Auch hier stellt sich die Frage, ob es wirklich das ist, was das Publikum von 2022 wünscht, oder einfach ein bisschen mehr „Las Vegas“ in die Show sollte. Schade ist, dass die Geschichte durch die Gesangseinlagen eher etwas auseinandergerissen, als weitergetragen wird.

Sehr begeistert waren wir hingegen von den Fiddlers Aislin Sage und Giada Costenaro Cunningham, welche mit ihren Stücken einfach so richtig für Stimmung sorgten. Ob fröhlich zum Tanz aufgespielt, oder die Tragik einer Szene musikalisch untermalt wurde, wann immer die beiden in Erscheinung traten, gaben sie der Show mehr Inhalt. Sie hätten sehr gerne noch mehr Bühnenzeit haben dürfen.

Fazit

Würden wir uns für die Tour zum 30. Jubiläum, das  im Jahr 2026 stattfinden könnte, wieder Tickets besorgen? Ja auf alle Fälle! Und das spricht dann wohl für sich. Auch, wenn es einige Kritikpunkte gab, welche leider immer auf einen Vergleich mit der Ursprungsversion von 1996 zurück zu führen sind, hat Lord of the Dance einen ganz besonderen Zauber, der auf die eine oder andere Art immer wirkt. Auch wenn die Musik oder die Rollengewichtung ändert, bliebt LotD legendär und eine der besten Tanzshows der Welt. Und an der grandiosen tänzerischen Qualität hat sich von Beginn an nichts gerändert.

Zum Glück war Michael Flatleys Mutter damals so hartnäckig, denn ohne Eilish Flatley wäre der Irish Dance vermutlich weder  revolutioniert, noch  in alle Ecken dieser Erde getragen worden.

It has always been my dream and ambition to introduce Irish dancing to the world.

Michael Flatley

Wir würden mal sagen, das hat er geschafft.

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