Die „Glücksmomente erleben“-Tournee der Zirkusfamilie Knie setzt weit oben an… Bei so einem Motto sind die Erwartungen natürlich gross. Aber wenn man den Circus Knie kennt, weiss man, dass sie ein solches Versprechen nicht leichtfertig geben, sondern einige Asse im Ärmel haben. Und wenn man eine Vorstellung in Zürich besucht, hat man auch schon einige begeisterten Publikumsstimmen und Medienberichte über frühere Stationen der Tournee gehört oder gelesen, weshalb man weiss, auf was man sich freuen kann. Wobei es sogar DANN noch Überraschungen gibt, wie zum Beispiel das Gastspiel des Comedian, Kaya Yanar, der exklusiv in den 20 Uhr-Vorstellungen in Zürich in der Manege steht und von dessen Auftritt zu dem Zeitpunkt unseres Ticketkaufs noch keine Rede war. Der Circus Knie ist definitiv immer für eine Überraschung gut.
Am 13. Mai 2023 besuchten wir die Abendvorstellung des Circus Knie auf dem Sechseläutenplatz in Zürich. Erneut überraschte uns die Familie Knie mit einem abwechslungsreichen und innovativen Programm voller Highlights, Magie und Humor. Wer sich verzaubern lassen will, ist beim Circus Knie richtig, wer sich amüsieren will, ebenso und auch wer eher auf Action steht, kommt nicht zu kurz.
Wir gingen davon aus, dass wir Bastian Baker ein bisschen vermissen würden, war er doch fast ein Teil der Zirkusfamilie geworden, aber irgendwann muss halt Schluss sein, aber bereits relativ früh war in den Medien zu lesen, dass der Star der diesjährigen Tournee der Wasservorhang sein soll. Licht- und Bewegungselemente sollen für magische Stimmung sorgen und den Circus Knie technisch auf den neuesten Stand bringen. Mit rund 1000 Litern Wasser, die immer wieder hochgepumpt und gefiltert werden, handelt es sich um eine sehr ökologische Sache, da kaum Wasser verschwendet wird. Es ist schön zu sehen, wie zukunftsgerichtet der Zirkus denkt, aber wahrscheinlich ist es unabdingbar, da ein Zirkus in der heutigen Zeit ganz andere Herausforderungen stemmen muss, als in früheren Zeiten.
Das Unternehmen Knie weiss, was gefällt und welche Acts ein möglichst breites Publikum ins Chapiteau lockten. So scheut sie sich Geraldine als artistische Direktorin zum Beispiel nicht davor, das dritte Jahr in Folge den spektakulären Globe of Speed zu präsentieren, erneut mit einem Weltrekord. Allein schon wie dieses gigantische Metallkonstrukt in die Manege gefahren wird, ist episch. Auch die ukrainisch-russische Tanzgruppe Extreme Light ist erneut im Programm und weiss mit beeindruckender Lasershow zu begeistern. Wir nehmen an, dass sie sich ganz wie ihr Papa Fredy Knie Jr. ab und nach Vorstellungsende unter die Zuschauer mischt, um herauszuhören, was gut angekommen ist.
Die Zusammensetzung des Programms ist auch 2023 wieder sehr abwechslungsreich. Der Comedy-Zauberer Erwin aus der Schweiz alias Mark Haller, hält den roten Faden fest in seiner Hand und hatte keine Mühe gegenüber Comedy Legende Kaya Yanar seinen Platz zu behaupten. Wir haben uns über beide herrlich amüsiert. Die anderen Nummern werden von Artisten aus der Ukraine, der Mongolai. Kolumbien und aus Kuba präsentiert. Alles herausragende Artisten, die ihr Handwerk verstehen. Als musikalischer Ersatz für Bastian Baker fungierte die ukrainische Geigerin und Sängerin Evgeniya Aknazarova. Ihren gemeinsamen Auftritt mit einem E-Gitarristen zur Nummer der Ordonez Freestyle BMY Biker empfanden wir nicht so gelungen, eher ein wenig störend. Die musikalische Untermalung der Darbietung zur Musik des Circus Orchesters Ruslan Fil hätte für uns stimmiger gewirkt. Alles in allem fühlten wir uns während der mehr als zweistündigen Show gut unterhalten, hatten aber grösstenteils das Gefühl, nicht Zuschauer im Circus Knie, sondern bei einem Zirkus Festival zu sein. Etwas fehlte uns.
Wir lieben den Circus Knie seit unserer frühesten Kindheit. Obwohl wir jeweils schon gute zwei Monate früher bei uns in Schaffhausen die Knie Vorstellung besuchen könnten, gedulden wir uns lieber bis Zürich, denn bei uns auf der Zeughauswiese hat es keinen Platz für dieses wunderschöne Vorzelt mit den ganzen historischen Bildern. Wenn wir inmitten dieser vielen Generationen von Artisten sitzen, die von oben auf uns herunterblicken und dann per Zufall noch Géraldine, ihr Mann Maycol oder Marie-José und Fredy Knie jr. vorbeigehen, dann ist das einfach ein ganz besonderes Gefühl – das sind unser Glücksmomente. Circus Knie ist ein Familienunternehmen und das möchten wir noch viele Jahre so wahrnehmen können. Dies bringt uns zu unserem Kritikpunkt.
Nachdem sich Franco Knie Senior ( 6. Generation ) und Junior ( 7. Generation ) mit seiner Familie 2015 aus dem Tourneegeschäft zurückzogen, um sich voll und ganz der Elefantenzucht zu widmen, blieb der Pferdezweig der Familie Knie immer unser Highlight, in jedem Programm. Mit was für einer scheinbaren Leichtigkeit sich Maycol Errani die Arbeit mit den Pferden erarbeitet hat, ist einfach nur bewundernswert. Fredy Knie Jr. verabschiedete sich dann im November 2019 nach Abschluss der 100-Jahre Tournee offiziell und in aller Feierlichkeit aus der Manege und übergab das Zepter an seine Tochter Geraldine. Es wurde nie offiziell gemacht, aber seit zwei Jahren zieht sich die 7. Generation immer mehr aus der Manege zurück. Im Programm 2021 traten Geraldine und Maycol das letzte Mal mit Freiheitsdressuren auf. Auch die Fratelli Errani als Trio begeisterten im selben Jahr zum letzten Mal mit ihren berühmten Handvoltigen. Analog zu ihrem Bruder Maycol übernehmen Wioris und Guido 2023 nur noch technische Aufgaben und assistieren bei vereinzelten Pferdenummern. Das finden wir persönlich sehr schade, da uns der Familienzusammenhalt und das gemeinsame Auftreten mehrerer Knie Generationen immer am meisten fasziniert hat. Dieses Jahr ist somit „nur“ die 8. Generation in der Manege vertreten. So präsentiert Chanel zum ersten Mal die Hohe Schule. Chanel ist schon eine richtige, junge Dame. Mit Freude, Stolz zeigt sie zu „This is me“aus „The Greatest Showman“ wer sie ist und was sie kann. Bravo. Ivan tritt in die Fussstapfen seiner Vorfahren und präsentierte 30 Araber in einer Freiheitsdressur. Betritt Ivan mit seinen bald 22 Jahren die Manege, erkennt man in jeder Geste seinen Lehrmeister. Ein richtiger Zirkusprinz, der wie einst sein Grossvater mit Ruhe seine Tiere vorführt. Die Liebe zu seinen Pferden ist in jedem Moment spürbar. Ivan und Fredy Knie jr. scheinen eine wirklich ganz besondere Verbindung zu haben. Fredy Knie jr. liess es sich nicht nehmen vom Künstlereingang seinen Enkeln zuzusehen. Dieses Jahr zeigt zudem Maycolino, der jüngste Spross von Geraldine die traditionellen Gross und Klein Nummer. Sein grosser Bruder Ivan übernimmt den grossen Part, den 2005 sein Grossvater bei seinem Manegendebüt übernahm. Zudem verzaubert er mit kleinen Einsätzen zwischen den Nummern das Publikum. Nach diesem Pferdeblock erscheinen die Knies nicht mehr bis zum Finale. Ungewohnt, für uns und ein bisschen traurig. Wenigstens verabschiedet Geraldine das Publikum, in den Jahren mit Bastian Baker übernahm dieser die Verabschiedung der Zuschauer.
Könnte Knie der Ansicht sein, als Circus Dynastie nicht mehr auszureichen, um Zuschauer zu begeistern? Wir sind uns sicher, dass es neben uns noch ganz viele andere Zuschauer gibt, die mit einem Programm bestehend aus 1/3 engagierten Artisten und 2/3 Knie absolut glücklich wären. 2016 war ein Jahr, das uns immer noch in bester Erinnerung ist: Fredy Knie Jr, Marie-José, Geraldine und Maycol präsentierten jeder für sich eine Freiheitsdressur, dazu eine Kunstreiternummern der Fratelli Errani mit Ivan und Chanel. Das war ein grandioses Programm. In Interviews erwähnt Geraldine immer wieder, dass Chanel ihr Mini-Me ist. Warum daraus nicht eine Nummer kreieren? Wenn Herr und Frau Schweizer an den Circus Knie denken, dann denken sie an den Pferde-Knie und den Elefanten-Knie, die anderen Artisten sind praktisch nur im Moment des Erlebens, während der Vorstellung präsent, aber das, was in der Erinnerung haften bleibt, ist die Familie Knie.





































Wunderschön beschrieben! Danke für die Fotoreportage