Homage to Ballet 2023 – A night with the Stars

Am 22. und 23.September leuchteten die Sterne in Zürich wieder heller und verwandelten die heimliche Hauptstadt der Schweiz in  ein Mekka des klassischen und modernen Tanzes. Das zweite Jahr in Folge präsentierten Brodbeck & Lips ihre Gala Homage to Ballet – a Night with the Stars. Auch dieses Jahr fanden sich StartänzerInnen aus den grössten Ballettkompanien Europas im Theater 11 ein, um dem tanzbegeisterten Publikum eine ausgewogene Mischung aus klassischen und neoklassischen Meisterstücken von namhaften Choreographen zu präsentieren und die Schönheit des Balletts zu feiern.

Wer in der Schweiz Ballett auf höchstem Niveau erleben möchte, kommt an Homage to Ballet von Brodbeck & Lips nicht vorbei. Nach dem sensationellen Debüt im Herbst 2022, liess auch die Gala 2023 Grosses erwarten. Nicht nur das abwechslungsreiche Rahmenprogramm rund ums Thema Tanz, welches aus Workshops, einer Open Class und einem Symposium bestand, und die gut getimten Vorab-Informationen auf Social Media hatten unsere Vorfreude geschürt, sondern auch die Tatsache, dass wir dieses Jahr Friedemann Vogel zum ersten Mal live auf der Bühne erleben durften, und dann erst noch in einem Pas de deux  aus John Cranko’s weltberühmtem Ballett Onegin, welches damals 1965 in Stuttgart uraufgeführt wurde. Das Stuttgarter Ballett war seit jeher eines unserer favorisierten Ballettensembles, welches einige der besten und vielseitigsten BallettänzerInnen des 20. Jahrhunderts hervorgebracht hatte.

Polina Semionova und Friedemann Vogel

So sicher, wie wir uns waren, in tänzerischer Hinsicht einen Abend der Extraklasse zu erleben, so unsicher waren wir uns beim gross angekündigten Gastauftritt von Mixed Flames, einer Schweizer Girlgroup, welche vor allem durch ihre Teilnahme an der Talentshow „Stadt Land Talent„, wo sie den 3. Platz belegten, Bekanntheit erlangten und für Diversität und Harmonie – nicht nur in gesanglicher Hinsicht- stehen. Wir fragten uns, ob Rahmen und Zielgruppe passend waren und nicht eine Art „Verwässerung“ stattfinden könnte, denn wer Homage to Ballet besucht, tut dies in erster Linie, um die Grössen der europäischen Ballettszene in Höchstform zu erleben. Aber wir waren offen und bereit, uns überraschen zu lassen.

2023 bewiesen Sarah-Jane Brodbeck und Katharina Lips, die Gründerinnen von Brodbeck & Lips, erneut ein gutes Händchen bei der Zusammenstellung der Gala-TänzerInnen und sorgten, wie bereits erwähnt, für unser absolutes Ballett-Highlight:

Friedemann Vogel: Erster Tänzer am Stuttgarter Ballett und Kammertänzer. Polina Semionova: Principal Guest am Staatsballett Berlin und Berliner Kammertänzerin. Anna Ol: Principal vom Het Nationale Ballet Amsterdam. James Stout: Principal vom Het Nationale Ballet Amsterdam. Iana Salenko: Erste Solotänzerin am Staatsballett Berlin. Marian Walter: Berliner Kammertänzer und Tänzer der Berlin Ballet Company. Krasina Pavlova: Tänzerin der Berlin Ballet Company. Arshak Ghalumyan: Tänzer der Berlin Ballet Company. Lucio Vidal: Internationaler Gasttänzer. Elena Vostrotina: Erste Solistin am Ballett Zürich. Oleksandr Spak: Tänzer der Berlin Ballet Company. Esteban Berlanga: Erster Solist am Ballett Zürich. Ane Bierman: Tänzerin der Berlin Ballet Company. Pamela Valim: Tänzerin der Berlin Ballet Company.

Auf dem Programm standen zwölf klassische und neoklassische Stücke von elf Choreographen, eine anspruchsvolle Mischung für ein anspruchsvolles Publikum:

Trois Gnossiennes – Hans van Manen
Variance – Alexander Abdukarimov
La Meditation de Thais – Roland Petit
Static Time – Nacho Duato
Love in the Dark – Arshak Ghalumyan
Pas de Deux from Onegin – John Cranko

Black Swan Pas de Deux – Marius Petipa
Cinque – Mauro Bigonzetti
On the Nature of Daylight – David Dawson
Mopey – Marco Goecke
Void of You – Lucas Valente
Die Nacht! – Arshak Ghalumyan

Bei zwölf Stücken und so vielen grossartigen Tänzern fällt es schwer, zu entscheiden, was man speziell hervorheben möchte, da jedem Künstler Anerkennung gebührt. Aber da es den Rahmen sprengen würde, folgen nun unsere Highlights.

Pas de deux aus Onegin – John Cranko

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Mit Friedemann Vogel als Eugen Onegin und Polina Semionova als Tatjana, erlebte das Publikum im Theater 11 ein Spitzenpaar des europäischen Tanzes zusammen auf der Bühne. Friedemann Vogels Darstellung war nuanciert, musikalisch und schmerzlich echt, aber auch anmutig und royal. Die Verzweiflung und die Reue seiner Rolle wirkte nicht gespielt, sondern tief empfunden. Er ist zu Recht einer der namhaftesten Tänzer unserer Zeit. Friedemann Vogel kann zudem – so sagt man – als Partner jede Tänzerin aussehen lassen, als wäre sie die neue Anna Pavlova. So war es umso aufregender an seiner Seite eine der grössten Ballerinen unserer Zeit zu sehen – was für ein Power Couple! Auch war es ein grosser Wunsch, der in Erfüllung ging, Polina Semionova in einer klassischen Handlungsrolle live zu erleben. Dies war eine wahre Homage to Ballet, ebenso wie unser nächstes Highlight:

Black Swan Pas de deux aus Schwanensee – Marius Petipa

©enScene

Dass das Publikum die grossen, berühmten Stücke der Ballettgeschichte nach wie vor feiert und explizit wünscht, war am bekannten Black Swan Pas de deux aus Schwanensee deutlich zu spüren. Mit Iana Salenko und Marian Walter standen zwei Tänzer der alten Schule auf der Bühne und begeisterten mit ihrer geschliffenen Technik, grosser Anmut und persönlicher Ausstrahlung, was mit frenetischem Szenenapplaus belohnt wurde. Diese „alten“ Werke verlieren nie an Charme, da sie Monumente der Ballettkunst sind, und auch wenn es wichtig ist, Ballett in die Zukunft zu tragen und neue, moderne Formen zu entwickeln, wenn der schwarze Schwan zu seinen 32 Fouettées ansetzt, zählen alle mit – Gänsehaut-Stimmung pur!
Auch das erste Stück des Tänzerpaars mochte zu begeistern. La Meditation de Thais, eine Choreographie von Roland Petit, verzauberte vom ersten Augenblick an und passte hervorragend zu der zarten, ausdrucksstarken Iana Salenko und ihrem fürsorglichen, charismatischen Partner.

Static Time – Nacho Duato

©enScene

In der ersten Choreographie, die Duato vor mittlerweile rund acht Jahren für das Staatsballet Berlin geschaffen hatte, gehörte Arshak Ghalumyan zur Erstbesetzung. Er war massgeblich an der Entstehung dieses Werks, das in groben Zügen von Leben und Sterben, vom Sein und Nichts-Sein erzählt, beteiligt. Man sagt den Choreographien von Nacho Duato einen ganz eigenen Geschmeidigkeitsgestus nach, welcher aktuell kein Tänzer so sehr verinnerlicht hat wie Ghalumyan. Er gilt unter Kennern als absoluter Duato-Spezialist, was das Publikum im Theater 11 deutlich zu spüren bekam. Der starke Männer-Pas-de deux profitierte nicht nur von der optische Gegensätzlichkeit von Arshak Ghalumyan und Lucio Vidal, sondern auch von der grossen Ausdruckskraft, die beide auf ihre ganz individuelle Weise besitzen und zu zeigen wissen. Das sich wiederholende Anziehen und Abstossen der beiden Körper erzeugte eine eindringliche, atemlose Intensität und machte das Stück zu einem unserer absoluten Favoriten des diesjährigen Programms.

Die Nacht! – Arshak Ghalumyan

©enScene

In diesem Stück von 2022 erinnert Ghalumyan an Georg Kolbes Skulptur, „Die Nacht“, welche gleichzeitig titelgebend ist. Entstanden während eines Workshops junger Tänzer und Choreographen, ist es ein perfektes Beispiel für den aussergewöhnlich angenehmen und anregenden Stil von Arshak Ghalumyan. Die fliessenden Bewegungen, die sich für das Publikum einfach richtig anfühlen, kommen besonders in der Gruppe perfekt zur Geltung und rückten die TänzerInnen der Berlin Ballet Comany, Lucio Vidal sowie Arshak Ghalumyan selbst ins beste Licht, welches grösstenteils aus Taschenlampen floss, die effektvoll in die Choreographie mit einbezogen wurden. Dies bewirkte eine spannende Modernität, die sich auch in den gelegentlichen Battle-Formationen zeigte, wie sie sonst eher im Breakdance verwendet werden.
Wie 2022 „Mare Chrisum“, bildete „Die Nacht!“ diesmal den Abschluss des Abends und hierliess einen ebenso starken, nachhaltigen Eindruck.

Mladen Dabizljevic – The Ballet Pianist

©enScene

Ein weiteres Highlight war auch das Mitwirken von Mladen Dabizljevic. Der in der Schweiz lebende Pianist, Komponist und Dirigent ist eine echte Bereicherung für eine Ballettgala dieses Formates. Ein wichtiger Teil seiner Karriere ist seine Arbeit im Bereich des Tanzes, was man hört, spürt und sieht. Allein seine Handführung, so elegant und akzentuiert, kommt einem Tanz gleich und sein gefühlvolles Spiel liess uns andächtig staunen. Die Zusammenarbeit von Pianisten und Tänzern reicht geschichtlich weit zurück und ist beinahe untrennbar verknüpft, weshalb sie auch bei Homage to Ballet sehr natürlich wirkte und sogar noch zu einer Wertsteigerung des so oder so schon sehr hochkarätigen Programms führte . Ein echter Meister seines Fachs, der gerne auch 2024 wieder dabei sein darf. 

Des weiteren begeisterten uns auch Elena Vostrotina und Esteban Berlanga in Void of You, einer aufregenden Choreographie von Lucas Valente, welche ebenfalls von einer besonderen Beleuchtung profitierte, und die starken, geschmeidigen Körper der beiden Tänzer aufs Beste betonte. Schön, zu wissen, dass das Zürcher Ballett solch grossartigen Tänzer beschäftigt. Für uns ist dies definitiv ein Grund, auch einmal eine Vorstellung an der Zürcher Oper zu besuchen, was bisher noch nie gemacht hatten.

Und auch Anna Ol und James Stout vom Principal vom Het Nationale Ballet Amsterdam dürfen nicht unerwähnt bleiben. Mit Trois Gnossiennes, einem Stück von Hans van Manen und On the Nature of Daylight von David Dawson steuerten die beiden zwei wirklich eindrückliche neoklassische Stücke bei, die sich beide grob um die Themen Annäherung und Lieb drehen, perfekt für das harmonierende Tanzpaar.
Besonders On the Nature of Daylight war für uns ein Genuss, da wir die zauberhafte Musik von Max Richter und auch Teile des verwendeten Bewegungs-ABCs bereits kannten. Im Workshop „let’s dance“ mit der weltbekannten Tanz- und Gesundheitsspezialistin, Clare Guss-West, hatten wir uns bereits damit auseinander setzen dürfen. Ein kleiner Zusammenschnitt ist hier zu sehen.

Dennoch gab es ein, zwei Kleinigkeiten, die uns irritierten. Zum einen war dies, dass Polina Semionova erneut Cinque von Mauro Bigonzetti performte. Dies soll keine Kritik an ihr oder dem Stück sein, gar nicht, denn dieses Jahr fanden wir Polinas Performance sogar noch ausdrucksstärker als 2022, dennoch hätten wir uns gefreut, sie neben Onegin noch in einem weiteren neuen Stück zu bewundern.

Und zum anderen war es dann tatsächlich das Mitwirken von Mixed Flames, das uns mit vielen Fragezeichen zurück liess. Die fünf jungen Künstlerinnen lieferten mit drei Songs eine wirklich eindrückliche Performance auf hohem Niveau und die hervorragend arrangierten Harmonien sowie ihre zauberhaften Stimmen verfehlten ihre Wirkung nicht. Dennoch war es in unseren Augen der falsche Rahmen. Was war der Beweggrund für diese Zusammenarbeit? Wollte man eine weitere Zielgruppe ansprechen? Wollte man eine Brücke zwischen Ballett und weiteren Kunstformen schlagen? Glaubte man, dass die grössten europäischen Ballettstars nicht genug Anziehungskraft besässen? Besonders bei Love in the Dark, einem Song von Adele, kam eher Eurovision Song Contest-Stimmung auf, als dass man von einer Homage an das Ballett sprechen konnte, da sich doch ein gewaltiges Ungleichgewicht zwischen den fünf sehr präsenten Sängerinnen und der einzelnen ätherischen Krasina Pavlova zeigte, was den Fokus etwas verschob. Beim Finale hingegen passte der Mix ziemlich gut, wenn auch die Song-Auswahl (dies gilt für alle drei Songs) eher aus dem Rahmen des übrigen Programms fiel. Wir möchten jedoch festhalten, dass es sich hier um eine rein persönliche Wahrnehmung handelt. Mit Freude werden wir, wenn sich die Gelegenheit bietet, Mixed Flames in einem anderen Rahmen auf der Bühne bewundern.

Mixed Flames

Fazit

Homage to Ballet 2023 war ein Erfolg auf ganzer Linie und konnte sogar das Debüt 2022 überflügeln. Deutlich war zu sehen und zu spüren, dass die beiden Gründerinnen dieses Jahr erneut alle Hebel in Bewegung gesetzt hatten, um ihrem anspruchsvollen Publikum ein Programm der Extraklasse zu servieren, das keine Wünsche offen liess. Die glänzenden Augen der Zuschauer und die angeregten Fachdiskussionen über Ballett im Allgemeinen und die europäischen Superstars im Besonderen, die in der Pause und nach der Vorstellung geführt wurden, waren Beweis dafür, dass Homage to Ballet auch 2023 ins Schwarze getroffen hatte und es in der Schweiz einen echten Bedarf für eine Ballettgala dieses Formates gibt. Das vielseitige Rahmenprogramm, das dieses Jahr den Tanzbegeisterten erlaubte, selbst Teil von Homage zu Ballet zu werden, war eine echte Bereicherung und wird hoffentlich auch 2024 fortgeführt werden, um die Stimmung bis zur grossen Gala erneut auf den Höhepunkt zu bringen. Das Bestreben von Brodbeck & Lips, „…das Feuer bei Tanzbegeisterten zu entfachen, welches ein Leben lang inspiriert…„, ist definitiv von Erfolg gekrönt und wird sich in den nächsten Jahren hoffentlich zu einem Flächenbrand ausweiten.

Herzlichen Dank auch an enScene für die wunderschönen Bilder, die unseren Artikel sehr bereichern.

vlnr. Arshak Ghalumyan, Polina Semionova, Friedemann Vogel, Andjela von Mixed Flames, Krasina Pavlova
vlnr. Lucio Vidal, Sarah-Jane Brodbeck, Katharina Lips, Vahe Martirosyan,
vlnr. Lucio Vidal, Anna Ol, James Stout
Arshak Ghalumyan
vlnr. Lucio Vidal, Iana Salenko, Marian Walter, Yanê Luar von Mixed Flames
©enScene

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