Der Herr der Ringe von J.R.R Tolkien begeistert seit vielen Jahrzehnten Generationen, ob als Roman oder Film-Adaption. Vom 11. bis 14. Juni 2024 durfte das Publikum in vier ausgewählten Schweizer Städten den Soundtrack der oskarprämierten Filmtriologie, sowie einiger Musikstücken aus der nicht minder beliebten Hobbit-Reihe in einer aussergewöhnlichen Orchester-Version des ukrainischen Symphonie-Orchesters Lords of the Sound geniessen. Wir liessen uns an der Dernière im Volkhaus Zürich nach Mittelerde entführen.
Schon immer haben wir die Leute, die sich durch Der Herr der Ringe von J.J.R. Tolkien gekämpft haben, bewundert. Wir lieben es, zu lesen, jedoch ist diese Romantriologie ein echtes Schwergewicht mit einer komplett eigenen Fantasiewelt, eigener Sprache und eigener Schrift und es benötigt viel Hingabe und Zeit, sich dem zu widmen und vor allem an Zeit fehlte es uns schon immer. Wie viele, haben aber auch wir uns die Filmtriologie angesehen und uns von der legendären Geschichte verzaubern lassen. Selbst wenn wir keine eingeschworenen Herr der Ringe-Fans sind, die in regelmässigen Abständen Happenings veranstalten und sich hinter einander alle drei Filme in ihrer Extended-Version reinziehen, ist es schön zu merken, wie viel doch hängen geblieben ist. Unter anderem hat der Soundtrack Eindruck hinterlassen. Dies merkt man aber oft erst, wenn man bestimmte Stücke aus dem Zusammenhang gerissen, hört und direkt wieder Bilder von Mittelerde im Kopf hat. Wie viele der zauberhaften Stücke man aber vergessen oder aufgrund des Geschehens auf der Leinwand gar nicht wahrgenommen und gewürdigt hat, wird wird einem erst bewusst, wenn man sich vollkommen auf die Musik konzentriert, wie wir es am 14. Juni im Volkshaus Zürich konnten.

Lords of the Sound mit Lord of the Rings in Concert zu Gast in der Schweiz
Das ukrainische Symphonieorchester Lords of the Sound wurde im Jahr 2014 von Produzenten Andrii Novatorov gegründet, der den tiefen Wunsch verspürte, die Musik moderner Filmkomponisten wie z.B. Hans Zimmer als Symphonieorchester zu spielen. Und da es ein solches Projekt bis dato nicht gab, formierte er dieses ein wirklich beeindruckende Orchester. Das Repertoire der jungen Musiktalente umfasst rund 300 Kompositionen. Durch seine Modernität besitzt dieses es die Möglichkeit, die orchestrale Musik auch einem jüngeren Publikum zugänglicher zu machen, was nicht zuletzt an den gewählten Stücken liegt. Neben Filmsoundtracks spielen sie auch Musik aus Computergames, Rock, Jazz und Klassik.

Mit Lord of the Rings wurde natürlich ein musikalisches Werk gewählt, das über eine grosse Fan-Base verfügt. Zu sehen war die Show vom 11.- 14.06.2024 in Basel, Bern, Lausanne und Zürich und das Publikum durfte ein abwechslungsreiches Konzert, das von den fröhlichen Melodien der Hobbits über die bedrohlichen Klänge Mordors bis hin zu den lyrischen Gesängen der Elben alles zu bieten hatte, geniessen. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, die Highlight der Oscar-prämierten Musik von Howard Shore in einer so unvergessliche Atmosphäre zu erleben? In Zürich war es auf jeden Fall sehr spannend zu sehen, wie sich das Publikum zusammen setzte.
Flöte spielende Elben und eine farbenprächtige Lightshow
Für uns „Showgirls“ war es besonders schön zu sehen, dass auch optisch aus dem Vollen geschöpft wurde und wir nicht einfach einem in Abendgarderobe gekleideten Orchester zuhörten. Dabei wähnte man sich aber in keinster Weise an einer Parade im Disneyland, was doch auch nicht ganz passend gewesen wäre. Nein, das Orchester inkl. Sänger war sehr geschmackvoll und individuell, aber doch einheitlich in schöne, hochwertig wirkende Gewänder gekleidet. Man hatte das Gefühl, dass jedem selbst überlassen war, wie weit er sich in eine Rolle hinein fühlen wollte. So gab es z.B. einen Zauberer mit spitzem Gandalf-Hut am Cello und spitze Elbenohren bei der Flötistin und bei Solist Yarsoslav Radionenko, auf den wir noch separat eingehen werden. Einige Musiker hatten sich in Sachen Frisur und Schmuck mächtig ins Zeug gelegt, andere zogen es vor, eher schlicht zu bleiben. Aber genau diese Mischung war besonders reizvoll und wertig und man konnte immer wieder etwas Neues entdecken.

Neben des Orchesters faszinierte optisch vor allem auch die liebevoll und sehr künstlerisch gehaltenen, Animationen im Hintergrund. Leider war es uns nicht möglich, den Künstler in Erfahrung zu bringen. Teilweise erinnerten die detailreichen, bunten Kunstwerke an Kinderbuch-Illustrationen und machten es sehr leicht, sich in die magische Tolkien-Welt einzufühlen und die mitunter nicht bekannten Stücke einzuordnen. Untermalt wurden bestimmte Szenen aber auch durch eingespielte Textpassagen in deutscher Sprache, wie natürlich dem berühmten Ringgedicht
Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,
Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,
Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,
Einer dem Dunklen Herrn auf dunklem Thron
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Sehr augenscheinlich war auch die sagenhafte Lightshow während des gesamten Konzerts. Sanfte grüne Töne für das Auenland und blutrote Scheinwerfer für Mordor und sehr agile, bewegliche Spots, die zauberhafte Muster auf Wände und Boden zauberten.

Ein junges Orchester mit grosser Hingabe
Wir müssen ehrlich zugeben, dass es sich für uns um eine Symphonie-Orchester-Premiere gehandelt hat. Aber wir können mit absoluter Sicherheit sagen, dass es sich zu 100% gelohnt hat. Wahrscheinlich hätte es die ganzen visuellen Aspekte nicht mal gebraucht, denn alleine das Zusammenspiel dieser jungen, aber hochprofessionellen Musikerinnen und Musikern war unglaublich faszinierend. Die Hingabe und Ernsthaftigkeit, aber auch die überwältigende Spielfreude war in jeder Note zu spüren und zu hören. Ausserdem war es sehr faszinierend zu sehen – ja, zu sehen- wie sich eine so mächtige Musik aus einzelnen Instrumenten zusammen setzt. Dies mag sich für Liebhaber klassischer Musik, die regelmässig in Konzerte gehen, eher banal anhören, aber wie gesagt, war es für uns das erste Mal und die zwei Stunden vergingen wirklich wie im Flug, so gebannt waren wir.

Überraschende Stimmen mit Gänsehauteffekt
Dass Der Herr der Ringe – Soundtrack nicht nur Instrumentalstücke beinhaltete, ist klar, so lässt uns Enyas May it be auch Jahrzehnte nach der Hochzeit der Filmtriologie noch immer gedanklich direkt nach Mittelerde reisen. Und selbstverständlich war auch dieser zeitlose Song Teil des Programms, interpretiert vom äusserst charismatischen Countertenor Yaroslav Radionenko, der das Publikum nicht nur mit seiner aussergewöhnlichen und beeindruckenden Stimme faszinierte , sondern auch äusserlich eine echte Erscheinung war und alle Blicke auf sich zog. Als Solist hatte er mehrere Einsätze, welche in jedem Fall zu den Highlights gehörten. Auch kostümtechnisch gab es bei ihm einiges zu sehen.
Überhaupt waren wir sehr begeistert von den Sängerinnen und Sängern, die mit ihren klaren, gefühlvollen Stimmen massgeblich zur magischen Atmosphäre beitrugen und bei manchem Zuhörer für Gänsehaut sorgten. Gerade für uns, die keine besondere Vorliebe für die heutzutage sehr verbreitete RnB-Färbung haben, war es ein Genuss, diese irisch anmutenden, reinen Stimmen zu hören, da uns dies heutzutage nicht einmal mehr in wirklich irischen Shows vergönnt ist.

Nazar Yakobenchuk – Ein Dirigent mit Unterhaltungswert
Bei einem Symphonieorchester, darf einer natürlich nicht fehlen: der Dirigent. Mit seiner theatralischen, charmanten Art, hatte Nazar Yakobenchuk das Schweizer Publikum ebenso in der Hand, wie sein Orchester. Deshalb gab es auch tosenden Applaus, als er selbst das Mikrofon übernahm, um einen kleinen Part zu singen und dies mit erstaunlicher Stimmgewalt. Bravo!

Ukrainische Lebensfreude zum Finale
Zur Überraschung aller kündigte Nazar Yakobenchuk zum Schluss noch ein ukrainisches Volkslied an, das das Publikum mit seiner Lebensfreude und mit seinem Tempo wirklich mitriss. Und ja, in der noch immer hochbrisanten Lage, in der sich die Ukraine befindet, war dies ein sehr emotionaler Programm-Punkt. Auch wenn von Beginn an klar war, dass es sich um ein ukrainisches Orchester handelt, brachte es dieses Stück wirklich nochmal mit aller Klarheit in Erinnerung und man freute sich einerseits darüber, dass zumindest diese hochtalentierten, jungen Menschen in Sicherheit sind, dachte aber auch an ihre Verwandten, Freunde und übrigen Landsleute, was vor allem nach einem so musikalisch sehr aufrührenden Konzert (ja, der Soundtrack von Der Herr der Ringe berührt wirklich tief) sehr intensiv war. Wir können wirklich dankbar sein, in einem doch so sicheren Land zu wohnen.
Fazit
Lords of the Sound sind wirklich ein aussergewöhnliches Symphonieorchester und je nach Programm auch für Orchester-Neulinge absolut empfehlenswert. Lord of the rings in Concert hat uns das ganze Spektrum grandiosen Soundtracks von Howard Shore, aber auch des Genies Tolkiens mit aller Deutlichkeit nahe gebracht und uns ermöglicht, ohne cineastische Ablenkung die Schönheit dieser Kompositionen zu würdigen und zu geniessen.
Dauer: ca. 120 min.
Mitwirkende: 32 Musiker:innen / Sänger:innen
Solist: Yaroslav Radionenko
Dirigenten: Nazar Yakobenchuk
Produzent : Andrii Novatorov
Ein herzliches Dankeschön an Andrii Novatorov für die Möglichkeit, dieses musikalische Meisterwerk zu erleben und zu rezensieren. Es war uns eine grosse Freude und Ehre.









































