Dirty Dancing – Das Original Live on Tour 2024

DIRTY DANCING ist zurück in der Schweiz und verwandelt das Musical Theater Basel vom 18.06. – 23.06.2024  in das Ferienressort Kellermans‚. Tiefe Blicke, zaghafte Berührungen und erste gemeinsame Schritte, die sich nach einem unbeholfenen Start zum atemberaubend leidenschaftlichen Tanz entwickeln. Die bezaubernde Liebesgeschichte zwischen der behüteten Teenagerin Frances „Baby“ Houseman und dem umschwärmten Tänzer Johnny Castle zieht das Publikum nach wie vor magisch in ihren Bann. Dazu große Songs wie Hungry Eyes, She’s Like The Wind und selbstverständlich (I’ve Had) The Time of My Life, die Körper und Herzen gleichermassen bewegen.
In einer neuen und zeitgemäßen Überarbeitung begeisterte DIRTY DANCING – DAS ORIGINAL LIVE ON TOUR im letzten Jahr bereits knapp 200.000 Zuschauer*innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Und auch diesmal sollte man sich diese Produktion der Superlative nicht entgehen lassen.

„…mein Baby gehört zu mir…“ Ein verzücktes „Aaaw…“ geht durch die Reihen. Wir befinden uns im Musical Theater Basel  und auf der Bühne erleben wir Dirty Dancing Das Original Live On Tour. Wer den Film kennt – und das sind wohl die meisten – weiss, dass wir zwei Stunden pure Emotionen, Musik, Tanz und eine zuckersüsse Liebesgeschichte hinter uns haben. Auch wenn jeder einzelne im Publikum jede Songzeile, jede Bewegung und all die legendären Sprüche in und auswendig kennt, hat er (teilweise lautstark) mitgeliebt, mitgelitten und mitgefeiert, oder genau deswegen, was direkt einen der ganz grossen Pluspunkte dieser Produktion ist.

Falls jemand die letzten 37 Jahre verschlafen hat…,

…hier eine kurze Zusammenfassung der Handlung: Es ist der Sommer 1963. Die 17-jährige, für ihr Alter ausgesprochen ernsthafte Frances „Baby“ Houseman verbringt den Urlaub zusammen mit ihren Eltern und der älteren Schwester Lisa im Ferienressort Kellerman’s in den Catskill Mountains. Für das intelligente Mädchen aus der oberen Mittelschicht bietet die oberflächliche Unterhaltung keinerlei Anregung, weshalb sie sich langweilt, bis sie ihr Herz an den anziehenden Tanzlehrer und Showtänzer des Hotels ,Johnny Castle, verliert, der ihr nicht nur Tanzen beibringt, sondern eine ganz neue Welt zeigt. Es folgt ein Auf und Ab der Gefühle. Dabei gibt es durchaus grössere Probleme gemeinsam zu bewältigen und einige bestehende Beziehungen, aber auch frisch aufkommende Verbindungen werden auf die Probe gestellt. Generationen-, aber auch Klassen-Unterschiede haben grosses Konfliktpotential.

Vom Kultfilm zum Live-Event

Die Story von Baby und Johnny stammt aus der Feder der bekannten Schriftstellerin,
Drehbuchautorin, Produzentin und Regisseurin Eleanor Bergstein. 1987 kam Dirty Dancing in
die Kinos und erreichte bald Blockbuster- und Kultfilm-Status. Der Soundtrack wurde mit über
32 Millionen verkauften Tonträgern zu einem der bestverkauften Alben aller Zeiten, der Song
(I’ve Had) The Time of My Life erhielt einen Oscar und einen Grammy.
Die Faszination, die der Film beim Publikum auslöste, inspirierte Bergstein, eine
Bühnenfassung zu entwickeln. Nach der Erstaufführung 2004 in Sydney eroberte das Stück 2006 den Londoner West End. Von da an war der weltweite Siegeszug der Live-Show nicht
mehr aufzuhalten.

Nun ist DIRTY DANCING – DAS ORIGINAL LIVE ON TOUR in einer frischen Überarbeitung vom 18. – 23. Juni 2024 im Musical Theater Basel auf die Bühne zu sehen. Über fünfzig Songs begleiten die ersten Blicke, Annäherungsversuche und Berührungen zwischen Baby und Johnny im Ferienresort Kellerman’s. Balga hat die Handlung und die Charaktere authentisch in Szene gesetzt: 27 Darsteller verwandeln sich in Animateure, Kellner oder Hotelgäste und tanzen zu Mambo,
Merengue und kubanischen Rhythmen. Leidenschaftliche Tanzszenen, mitreißende Songs und die emotionale Geschichte lassen das Publikum mitfiebern und das Knistern auf der Bühne hautnah nachempfinden.

Erstaunliche Effekte und schnelle Szenenwechsel

Was bei DIRTY DANCING – DAS ORIGINAL direkt ins Auge sticht, ist das Set Design von Federico Bellone. Das aufwendige Bühnenbild lässt die legendäre Optik des Films detailgetreu aufleben.

Bereits beim Betreten des Theatersaals kommt man nicht umhin, den bedruckten, halbtransparenten Vorhang zu bewundern, der direkt in Kellerman’s Mountain House entführt. Dahinter lässt sich bereits ein Teil des fixen Bühnenbildes erahnenwas für eine ansprechende Tiefenwirkung sorgt.

Das dauerhafte Bühnenbild wirkt für Tourproduktionen ziemlich aufwändig. Das 5- 6 Meter hohe Konstrukt aus weiss lakiertem Holz (oder etwas, das diesen Eindruck erweckt) vermittelt sommerliches, gediegenes Bungalow-Feeling (samt charmanter Lichterketten). Die erhöhte Plattform auf der rechten Bühnenseite, ist Teil von Johnnys Zimmer. Im Hintergrund ist eine angedeutete Naturlandschaft mit See und Bergen zu sehen. Alles wirkt sehr idyllisch und luftig und einem hochkarätigen Urlaubsressort angemessen.

Sehr effektvoll sind auch die Leuchtreklame-Schriftzüge, die der Location und Situation entsprechend von der Bühnendecke schweben. Neben dem Miller, in dem die Personal-Feste stattfinden, begeistert vor allem der legendäre pinke Dirty Dancing– Schriftzug.

Was sich wahrscheinlich jeder fragt, ist, wie denn die legendären und nicht weg zu denkenden Aussenszenen wie der Tanz auf dem Baumstamm und die Probe der Hebefigur im See umgesetzt werden würden. Weglassen, war definitiv keine Option. Aber bei einem so kreativen Set Designer war das auch nicht möglich. Beide Szenen wurden in voller Länge umgesetzt und dies auf so zauberhafte, originelle Art und Weise, die wir hier nicht verraten möchten. Fraglos gehört vor allem die See-Szene zu den absoluten Highlights des Musicals.

Was im 1. Akt sehr beeindruckt, ist die Schnelligkeit des Stücks, was vor allem auf die sagenhaft agilen Szenenwechsel zurück zu führen ist, die staunen lassen. Ob Gewitter oder  Auto-Scheinwerfer, für jede Situation wurde eine optimale Lösung gefunden.

Ein Tanzmusical mit Tiefgang

Tanzmusicals haben offenbar den Ruf, oberflächlich zu sein, weshalb es Produktionen gibt, die versuchen, reine Tanzszenen zu canceln und dafür mehr Dialoge einzufügen. Bei Dirty Dancing ist dies zum Glück nicht der Fall. Es wird getanzt, viel getanzt und wir lieben es! Vor allem lieben wir natürlich die uns bekannten Nummern, bei denen man die Choreographien kennt. Dennoch gibt es 20 zusätzliche Szenen, die z.B. etwas über das Kennenlernen der  Houseman– Eltern verraten (sogar mit einem eigenen Song), den verwöhnten Neil Kellerman in einem anderen Licht erscheinen und uns mehr von Baby und Johnny sehen lassen.

Auch wenn wir diese Bemühungen schätzen, müssen wir zugeben, dass wir nicht ganz einverstanden mit allen Ergänzungen sind. So ist es z.B. schade, dass Johnny nicht nur als Tänzer aus der Unterschicht dargestellt wird, sondern sich auch noch als desinteressiert an gesellschaftlichen Entwicklungen und fast schon etwas dumm präsentiert. Auf diese Weise geht die Romantik etwas verloren, da jedem klar sein muss, dass eine intelligente, engagierte und gebildete junge Frau, kein langfristiges Interesse an so jemandem haben kann.

Auch etwas irritierend ist das Duett von Marjorie und Jake Houseman. Obwohl wir vor allem Kerstin Ibalds grandiose Stimme sehr schätzen, wirkt das neu hinzu genügte Duett etwas fehl am Platz. Dies liegt wohl hauptsächlich daran, dass zwischen Darstellern und Sängern der grösste Teil des Musicals eine klare Trennung besteht. Weder Johnny, noch Baby, noch Penny singen und eben auch die Housemans nicht bis zu jenem Duett im 2. Akt. Auch Billy beginnt plötzlich zu singen, allerdings kommt man damit besser klar, weil er im 2. Akt sonst kaum Bühnenzeit hätte, da seine Geschichte mehr oder weniger erzählt ist und er problemlos eine Sängerrolle übernehmen kann.

Ein wenig wirkt es, als ob man im 1. Akt richtig aufs Gas gedrückt hätte, um im 2. komplett zu entschleunigen, um noch alle Background Stories zu erzählen, oder anders herum, als ob im 1. Akt zu viel Hauptstory „verbraucht“ worden wäre, weshalb man noch künstlich Füllmaterial für einen 2. Akt erzeugt hätte. Aber alles in allem überwiegt die Freude trotzdem.

Liebgewonnene, aber neuarrangierte Songs

Wir wollen uns ein Dirty Dancing Musical ohne Original-Songs gar nicht vorstellen (so abwegig ist diese Angst gar nicht, immerhin war das bei Sister Act ja auch der Fall), aber zum Glück hört man jedes liebgewonnene Stück auf die eine oder andere Weise. Dass nicht alles wie im Film klingt, ist klar, immerhin gibt es Livegesang, im 1. Akt vor allem von Mimi Rodrigues Alvez und Dennis Le Gree.

In der Regel funktioniert das auch sehr gut und die energiegeladen Choreographien und Tänzer reißen mit. Nur Do you love me, das im Film herrlich verrucht und dirty daher kommt, wirkt im Musical sehe brav und zensiert.
Dafür sind wir sehr begeistert vom finalen (I’ve Had) The Time of My Life samt der legendären und perfekt ausgeführten Hebefigur, wie auch vom Johnnys Mambo mit seiner ausgefeilten und ikonischen Choreographie oder Babys berühmte Tanzstunden, die für viele Lacher sorgen.

©Jochen Hauer

Insgesamt hören wir 45 Stücke, manche auch nur angetönt oder als Reprise, aber dennoch einige mehr, als beim Film. Die neuen Stücke fügen sich aber perfekt in Soundtrack und Geschichte ein.

Grosse Fussstapfen

Es ist immer eine grosse Herausforderung, legendäre Rollen, die untrennbar mit Schauspielern verknüpft sind, erfolgreich zu besetzen. Bei Dirty Dancing -Das Original ist dies wunderbar gelungen. Mit Deike Darrelmann hat man für Baby eine Darstellerin verpflichtet, die sowohl optisch als auch darstellerisch zu 100% ins Schema passt. Mit der zarten Statur und dem lieblichen, unschuldigen Gesicht nimmt man ihr das 17-jährige Mädchen ab. Mit viel Charme und komödiantischem Talent erschafft sie auf der Bühne eine hinreissende Baby und überzeugt auch tänzerisch auf ganzer Linie. Die Chemie zwischen ihr und Bühnenpartner Máté Gyenei ist zauberhaft und es macht wirklich Spass, ihnen beim „Verlieben“ zuzusehen.

Um gleich bei Johnny Castle zu bleiben: Máté Gyenei trifft mit seiner Darstellung den Nagel auf den Kopf. Und ehrlicherweise müssen wir zugeben, dass wir vorab unsicher waren, ob er uns wirklich würde überzeugen können. Aber er bringt genau die richtige Mischung aus Arroganz und Unsicherheit, die diese Rolle braucht und besitzt viel Ausdruckskraft, auch in seiner Sprechstimme. Tänzerisch ist er selbstverständlich erstklassig und weiss eine Frau zu führen (und heben). Dass er auch optisch überzeugt, konnte man im Publikum deutlich wahrnehmen.
Schade hatten wir Plätze, von denen aus wir die Mimik der Darsteller nicht mehr sehr sehen konnten. Aber wir gehen davon aus, dass es uns gefallen hätte, da beide Hauptfiguren auch in Sachen Bewegung oft sehr nahe an den Originalen bleiben.

Brauchst du eine Pause von „Alle Vögel fliegen hoch“?

©Jochen Hauer

Wir freuten und sehr, Kerstin Ibald erneut auf der Bühne bewundern zu dürfen. Bereits bei Footloose hatte sie uns sehr begeistert und auch bei Dirty Dancing kann sie als Marjorie Housman darstellerisch und gesanglich überzeugen und der Rolle eine angenehme Stärke und Würde verleihen.

Mit Isabelle Vedder konnte man für die Rolle der Penny eine grossartige Tänzerin an Land ziehen, die die erforderliche Stärke der jungen Tänzerin, die aus Liebe in eine dumme Situation gerät, sehr gut vermitteln kann, selbst, wenn wie das Gefühl habem, dass das Kreativteam die Rolle etwas weniger selbstbewusst und einiges hilfsbedürftiger anlegen wollte, als im Film. Wenn man genau hinsieht, dackelt sie nämlich ziemlich oft hinter Robbie her, was fast etwas weh tut. Aber dafür kann sie als Darstellerin ja nichts. Auf jeden Fall ist sie eine echte Erscheinung mit viel Bühnenpräsenz und tollen Bewegungen.

Als sehr charmant erlebten wir auch Benedikt Ivo in der Rolle des Billy (genau, der mit den Wassermelonen). Ebenso sympathisch und nahbar wie im Film machte es Spass, ihn zu beobachten und es war wirklich eine schöne Überraschung, ihn im 2. Akt vermehrt als Sänger zu erleben (oft im Duett mit der stimmgewaltigen Mimi Rodrigues Alves), da er mit seiner warm timbrierten Stimme für echte Gänsehautmomente sorgte, die man nicht missen möchte. Vor allem In the still of the night (I’ll remember) ist ein echtes Highlight.

And last but not least, möchten wir Theresa Weber erwähnen, die als Babys Schwester Lisa, dieser Rolle einen unglaublichen Charme verleiht und Lisas Hula zu einem der sympathischen Höhepunkt der Show macht. Und auch Niklas Schurz gehört als Neil Kellerman zu den Szenedieben und ist ein Darsteller, dessen Spiel wir gerne von Nahem gesehen hätten.

Fazit

Dirty Dancing – Das Original ist ein absolutes Must-See für Fans dieses grandiosen Films, aber auch für Tanzliebhaber im Allgemeinen. Die Tanzszenen sind einmalig und voller Energie und Drive, ebenso wie die ganze Inszenierung. Die Anpassungen, die für die Bühnenversion vorgenommen wurden, können als Bereicherung gesehen werden, wären in unseren Augen aber nicht durchs Band nötig gewesen. Dafür darf sich das Publikum auf ein sensationelles Ensemble freuen, das aus ihren Rollen alles rausholt und auch bei eingefleischten Dirty Dancing-Fans Nostalgie aufkommen lässt. Diese Inszenierung darf sich zurecht mit dem Zusatz „Das Original“ schmücken, da man nach der Show dasselbe Hochgefühl hat, wie nach dem Film.
Deshalb nichts wie los und Tickets für die verbleibenden Vorstellungen kaufen!

Ein herzliches Dankeschön an FBM für die Möglichkeit, dieses wunderbare Stück zu sehen und zu rezensieren.

Cast

Frances „Baby“ Houseman: Deike Darrelmann
Johnny Castle: Máté Gyenei
Penny Johnson: Isabelle Vedder
Dr. Jake Houseman: Martin Sommerlatte
Marjorie Houseman: Kerstin Ibald
Lisa Houseman: Theresa Weber
Max Kellerman: Steffen Laube
Mr. Schuhmacher: James Wood
Tito Suarez: Dennis Le Gree
Billy Kostecki: Benedikt Ivo
Neil Kellerman: Niklas Schurz
Robbie Gould: Sascha Luder
Elisabeth / Leadsinger: Mimi Rodrigues Alves
Todo Sänger: Alessio Urzetta

Ensemble : Molly Hunt, Lynsey Reid, Annis Rallis, Magdalena Allgaier, Sascha Luder, Perry Beenen, Valerio Croce, Mariano Manzella, Dominique Brooks-Daw, Amanda Mitrevki, Dennis Cousins, Misha Tovt, Luciano Mercoli David-MichaelJohdon ( Walk in Cover Tito Suarez )


©Jochen Hauer
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©Jochen Hauer
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