Zirkus Charles Knie – 100’000 Liter Emotionen…Wenn Wasser zur Show wird

Zirkus, der einfach Zirkus ist… Wo gibt es so etwas heutzutage noch?
Deutschlands zweitgrösser Zirkus feiert gemeinsam mit dem Publikum das Leben. Seit März 2024  zieht Zirkus Charles Knie sein Publikum mit einer Mischung aus traditioneller Zirkuskunst und modernen, atemberaubenden Inszenierungen in seinem neuen Programm in den Bann und erschafft eine fantastische Welt, in der mit über 100.000 Litern Wasser die Wirklichkeit einfach weggesprudelt wird. Ein völlig neues Zirkuserlebnis voller Kraft, Dynamik, Farben, Lebensfreude und einer extragrossen Portion bester Comedy und dennoch so vertraut, wie der Zirkus der eigenen Kindheit.

Als bekennende Zirkus-Fans, waren wir Jahre lang lediglich treue Anhänger vom Schweizer Nationalcircus Knie. Nun dachten wir uns, dass es sich durchaus auch lohnen könnte, mal einen anderen Zirkus unter die Lupe zu nehmen und da der Zirkus Charles Knie vom 11. – 15. September Halt in Waldhut-Tiengen machte, was für uns nur ein Katzensprung war, nutzten wir die Gelegenheit und besuchten die Nachmittagsvorstellung am 14. September.

Was der Zirkus Charles Knie bietet

Obwohl das Hauptzelt von Aussen überschaubar wirkt, ist das Innere sehr grosszügig Nicht nur die Manege hat eine schöne Grösse, auch das Vorzelt bietet alles, was man sich wünschen kann. Neben einer Fotowand, die es übrigens in jedem Zirkus haben sollte, um das Social Media-Herz zu befriedigen, gibt es auch zwei Food-Stände, einen mit warmen, pikanten Gerichten und einen mit Süssigkeiten und Popcorn. Es gibt Sitzgelegenheiten, Getränke und Essen können aber auch in die Manege mitgenommen werden.
Ganz besonders lobenswert ist auch der Toilettenwagen, der sich natürlich ausserhalb des Vorzelts befindet. Er ist sauber und sehr geräumig, was ein grosser Pluspunkt ist.

Vor der Show werden im Publikum Programme, Leuchtschwerter und andere Leucht-Gadgets verkauft, was nicht nur von den jungen Besuchern gerne angenommen wird. Ja, auch wir haben uns ein buntes Leuchtschwert gekauft. Wenn schon, denn schon. Dass es sich bei den „Verkäufern“ teilweise bereits um Artisten handelt (in unserem Fall war es Paolo Ernesto vom Duo Ernesto), macht das ganze natürlich noch einiges aufregender und persönlicher.

Meerjungfrauen, Fische und Seepferdchen – Mehr Meer ist nicht möglich

Wichtig ist uns, dass Versprechen gehalten werden. Und wer sein Publikum mit der Ankündigung einer Wasser-Show in den Zirkus lockt, sollte dies auch zu 100% bieten können. Da sind wir streng. Doch bereits die erste Nummer des Programms fährt harte Geschütze auf, als Meerjungfrau Veronika Ernoste, die wir später im Programm noch zusammen mit ihrem Mann in einer rasanten Nummer erleben durften, das Publikum  zu den bekannten und zauberhaften Klängen des Titelsongs aus Avatar I see you in die blaue Unterwasserwelt entführt. Elegant posiert sie auf einer überdimensionierten Wasserschüssel und lässt sich an einem Ring in die Luft heben. Ihre fluoreszierende Flosse passt du den Kostümen der Unterwasserwesen, die sich in der Manege tummeln und lassen so manche Kinderaugen leuchten. Die ganze Atmosphäre ist magisch und ein perfektes Intro für die Show, die Wasser als Schwerpunkt hat. Doch auch, nachdem sie ihre Flosse fallen lässt, um einen halsbrecherischen Sprung aus mehreren Metern Höhe in die Waterbowl zu machen, wirkt sie wie eins jener magischen Fabelwesen, wenn sie im Glas ihre Kreise zieht.

Nicht minder faszinierend sind die Kostüme des Balletts, die kurz darauf zu den Takten von Under the Sea aus Disney’s Arielle die Zuschauerränge und Manege erobern. Ob Fische, Quallen oder Seepferdchen auf Scooter, die Fantasie der Kostümdesigner bei Charles Knie schient grenzenlos und sehr detailverliebt zu sein, was nicht nur die jungen Besucher ins Staunen bringt. Zusammen mit der ausgelassenen, fröhlichen Stimmung wähnt man sich selbst wieder Kind zu sein. Genau so hatten wir uns das vorgestellt.

Im Verlauf des Abends erleben wir unzählige weitere Designs. Ob pompöse Barock-Muscheln und -Korallen oder moderne, beinahe Haut Couture-ähnliche Outfits, die nur in Muster und Form-Gebung mit Meeresbewohnern assoziiert werden können, das Thema Wasser und Meer ist immer wieder gegenwärtig, was den Abend zu einem absoluten Rundum-Erlebnis macht.

Und auch die Zuschauer in den vorderen Reihen kriegen die Möglichkeit ins kalte Nass abzutauchen (ein gut gemeinter Tipp von uns: Wer Plätze in den ersten Reihen bucht, sollte lieber wasserfeste Mascara tragen). Das beleuchtete Wasserspektakel, das einzelne Nummern begleitet, aber auch solo zu Carol of the Bells absolut begeistert, gehört zum Schönsten, das wir je erlebt haben. Besonders passend wirkten die aufsteigenden Wasserfontänen bei Devin de Bianchis Handstand-Akrobatik als Meeresgott Neptun. Überhaupt gehörte diese durch und durch beeindruckende Nummer zu unseren Highlights, was nicht nur an seinem ansprechenden Äusseren lag, sondern auch an seiner atemberaubenden Körperbeherrschung. Wahrhaft majestätisch!

Tiernummern mit Jöh-Effekt: Laura Urunova zeigt, dass kleine Tiere genau so begeistern können

Die mit Vorfreude erwartete Papageien-Nummer von Laura Urunova wird mit lateinamerikanischen Rhythmen und einer atemberaubenden Tanzeinlage des Charles Knie-Balletts angekündigt, das musikalisch von Liudmyla Vrinceanu, die als Sängerin das Publikum mit ihrer grandiosen Stimme im Verlauf des Abends immer wieder begeistert, begleitet wird.
Vor mehreren Jahren hatten wir bereits im Circus Knie in der Schweiz eine Papageien-Nummer erleben dürfen und seither nie wieder, weshalb wir bereits im Voraus absolut begeistert waren. Diese farbenprächtigen Vögel frei in einer Manege fliegen zu sehen, ist wirklich wunderschön und auch diesmal wurden wir nicht enttäuscht. Auch wenn wir es im Laufe des Abends ab und zu bereuten, Plätze direkt neben dem Artisteneingang gekauft zu haben und deshalb einen Teil der Show nur von hinten zu sehen (hier wäre noch etwas Luft nach oben), hatten wir bei dieser Nummer besonders Freude daran, zu beobachten, wie die intelligenten Tiere aus der Transportkiste kletterten. Auch ihr rhythmisches Wiegen und Wippen zur Musik kriegten wir von Nahem mit. Aber auch hier gehörten die Freiflüge zu den absoluten Höhepunkten.

Aber auch Lauras Hundenummer im zweiten Teil des Abends sorgte für Begeisterungsstürme. Die Zeit der Elefanten und Tiger mag im Zirkus vorbei sein, aber Tiernummern mit domestizierten Tieren machen wirklich unglaublich Freude, vor allem, wenn man beobachten kann, wie begeistert und aufgeregt die süssen Vierbeiner (aber natürlich auch die Papageien) bei der Sache sind. Auch hier hat Zirkus Charles Knie alles richtig gemacht.

Moderne Clownerie at its best – Michael Cadima erobert die Herzen im Sturm

Der Grund, warum wir uns das aktuelle Programm eigentlich ansehen wollten, war Michael Cadima, der uns auf Instagram aufgefallen war und seine Follower auch online regelmässig mit unterhaltsamem Content begeistert. Gerne wollten wir sehen, ob er auch offline in der Manege denselben Charme versprühen kann, wie online. Und ja, er kann. Sehr auf sein Publikum fokussiert, überzeugt der junge Künstler mit verschiedenen Nummern. Imaginäre Begleiter scheinen sein Steckenpferd zu sein. Da wird ein unsichtbarer Hund Gassi geführt, oder ein imaginärer Basketball mit tatkräftiger Unterstützung eines Zuschauers ins Netz befördert. Unser absolutes Highlight war jedoch seine Gesangsnummer. Wer hätte gedacht, dass der gutaussehende Clown mit portugiesischen Wurzeln im farbenfrohen Outfit, der kaum, oder wenn, dann mit Minion-Stimme gesprochen hat, eine solche Gesangsstimme besitzt. eine wahrlich willkommene Überraschung. Besonders der Beginn des Songs sorgte für echte Gänsehaut. Dass sich die Nummer zu einer äusserst rasanten und humorvollen Angelegenheit entwickeln sollte, war absehbar und absolut grossartig.

Akrobatik auf höchstem Niveau – in der Luft und der Manege

Neben den beiden separat erwähnten Akrobatiknummern, durften wir in diesem Programm noch einige Male staunen. So erlebten wir von Nancy und Dimitri Stauberti aka Duo Stauberti zum Beispiel eine überwältigende und äusserst gefährliche Perche-Artistik, an der sich nicht so viele Artisten versuchen und den beiden Prager Artisten auf dem „42. Internationalen Circusfestival von Monte Carlo“ im Jahr 2018 den Silbernen Clown einbrachte. 

Julia Friedrich und Kevin Gruss lassen das Publikum den Zauber der Liebe erleben und begeistern mit ihrer emotionalen Aerial Silk-Nummer hoch unter der Zirkuskuppel. Passend zur Stadt der Liebe, aus der das Artistenpaar stammt, begleitet Sängerin Liudmyla die Nummer mit einem wunderschönen Je t’aime.

Das dritte Artistenpaar, Veronika und Paolo Ernesto sorgt für Drehschwindel beim Publikum. Nicht nur ihre rasante Rollschuh-Nummer sorgt für Staunen, nein, auch die Chemie zwischen den beiden Ehepartnern ist zauberhaft.

Seiltanz war schon immer eine unserer Lieblings-Disziplinen und auch die kolumbianische Truppe Robles mochten uns zu begeistern. Bei der 7er-Pyramide hielt das gesamte Publikum den Atem an.

Sergio Paolo, der chilenische Jongleur lässt das Publikum nicht nur wegen der Geschwindigkeit seiner Flummis staunen, nein, vor allem auch seine Lebensfreude, seine Agilität und sein tänzerisches Können hatten eine magnetische Wirkung. Absolut verständlich, dass er am „Festival Internacional del Circ Elefant D`Or“ in Girona / Spanien einen Preis einheimsen konnte.

Als zweiter Solo-Artist dürfen sich die Zuschauer auf Lorenzo Bernardi freuen. Kortorsionisten haben für uns immer etwas Magisches und von  Lorenzo mit seiner sehr fokussierten, intensiven Ausstrahlung und seinem ausdrucksstsrken Gesicht konnten wir den Blick kaum abwenden.

Argendance – Atemberaubende Tanzperformance mit dem Temperament Argentiniens

Von Anfang bis Ende sind die 8 Tänzer*innen von Argendance in der Manege präsent. Ihre wahre Bestimmung zeigen sie dann allerdings in ihrer Paradenummer mit Trommeln und Boleadoras. Voller Leidenschaft und südamerikanischem Temperament verzaubern sie das Publikum mit einer Mischung aus Tango und präsizer Kampfkunst, während sie Flamenco-ähnlich mit den Füssen den Rhythmus stampfen. Eine wirklich mitreissende und aussergewöhnliche Darbietung, für die alleine sich der Besuch der Show gelohnt hat.

Ein Wiedersehen gibt es dann beim Finale, bei dem noch einmal so richtig aufgefahren wird und das Publikum mit einem glücklichen Lächeln entlässt.

Fazit

Wir sind sehr froh, uns wieder einmal einen anderen Zirkus angesehen zu haben. Manchmal wird man etwas „betriebsblind“, wenn man immer beim selben bleibt und das Gefühl hat, dass sich alles wiederholt.

Der Zirkus Charles Knie hat uns mit seinem kreativen Programm, den verschiedenen, niveauvolle Nummern und dem übergeordneten Thema von der ersten Sekunde an in seinen Bann gezogen und verzaubert. Wer sie Möglichkeit hat, dieses Programm noch zu sehen, sollte dies unbedingt tun. WIR freuen uns schon auf nächstes Jahr, denn wir waren zum ersten, aber bestimmt nicht zum letzten Mal zu Besuch.

Tickets gibt es hier: https://www.zirkus-charles-knie.de/Tickets-und-Infos.html

Kommentar verfassen