The Rocky Horror Show – Das Kult-Musical in St. Gallen

Das Kultmusical The Rocky Horror Show bereichert vom 19.10.2024 – 16.02.2025 das Programm von Konzert und Theater St. Gallen. In der Inszenierung von Christian Brey erwacht Dr. Frank-N-Furters skurrile, aber höchst anregende Welt aus Horror, Science-Fiction und Travestie zum Leben und begeistert mit bekannten Künstlern wie Michael von der Heide und Heidi Maria Glössner.

Wenn wir aufzählen würden, was unsere Kindheit geprägt hat, dann stünde The Rocky Horror Picture Show definitiv ganz weit oben auf der Liste. Es gab Schulferien, in denen wir diesen Kultfilm mit Tim Curry in der Rolle des Dr. Frank-N-Furter jeden einzelnen Tag angeschaut haben. Kein Wunder also, kennen wir praktisch jede Zeile auswendig.

Die Musical-Version haben wir auch bereits ein Mal gesehen und waren begeistert. Deshalb freuten wir uns unglaublich, die Inszenierung von Christian Brey bei Konzert und Theater St. Gallen sehen und rezensieren zu dürfen. Am 19.10 2024 ging es für uns also nach St. Gallen, um der Premiere beizuwohnen. Unsere Erwartungen waren hoch, denn mit Michael von der Heide als Riff Raff und Heidi Maria Glössner als Erzähler kann sich das Publikum definitiv auch zwei grosse Namen freuen. Und auch die Medienbilder, die zu Beginn der Premieren-Woche veröffentlicht wurden, steigerten die Vorfreude sehr.

Wenn Brad und Janet die Party crashen

The Rocky Horror Show erzählt die Geschichte des frisch verlobten Paares Brad und Janet, das nach einer Autopanne in ein geheimnisvolles Schloss gerät. Dort treffen sie auf den exzentrischen Transvestiten und Wissenschaftler Dr. Frank-N-Furter, der ein idealisiertes, humanoides Wesen namens Rocky erschaffen hat, seine Diener und eine feierfreudige Gesellschaft (in der Bühnenversion die Phantoms). Die Nacht entwickelt sich zu einem wilden Abenteuer voller Musik, Tanz, skurriler Figuren und sexueller Befreiung, während die beiden Protagonisten mit ihrer eigenen Sexualität und Identität konfrontiert werden. Das Musical kombiniert Elemente von Horror, Science-Fiction und Glamrock und thematisiert Toleranz und Selbstakzeptanz, um Individualität und Freiheit zu feiern.

The Rocky Horror Show – Ein Kult der überdauert

Der Kult um The Rocky Horror Show ist ein faszinierendes Phänomen, das weit über das ursprüngliche Bühnenstück und den Film hinausgeht. Es begann mit der Uraufführung des Musicals 1973 von Richard O’Brien in London und erreichte seinen Höhepunkt mit der Verfilmung 1975, The Rocky Horror Picture Show, die zum Kultklassiker wurde. Die grosse Fangemeinde entwickelte sich unter anderem durch sogenannte Midnight Screenings, zu denen die Zuschauer in Kostümen erschienen und während des Films interagieren. Es entwickelte sich eine festgelegte „Audience Participation“. Die androgynen Elemente und das Crossdressing spricht nicht nur die LGBTQ+ Gemeinschaft an, sondern alle, die sich von gesellschaftlichen Normen befreien wollen, was in den 1970ern besonders radikal war, aber bis heute andauert.
Auch die Musik und die Texte aus Richard O’Briens Feder tragen zum andauernden Hype der Rockoper bei, da sie ein Teil dessen sind, was sie so unverwechselbar macht. Die Musik von The Rocky Horror Show ist eine bunte Mischung aus verschiedenen Genres, die sich stark an den Klängen der 1950er und 60er Jahre orientieren, besonders am Rock ’n‘ Roll dieser Zeit. Gleichzeitig sind Einflüsse des Glam Rock der 1970er Jahre spürbar, insbesondere in den extravaganten, überzeichneten Auftritten der Charaktere. Der Glam Rock-Stil passte perfekt zu den Themen des Musicals, die Geschlechterrollen und gesellschaftliche Konventionen infrage stellen. Die Texte sind ebenso subversiv wie die Handlung selbst. O’Brien verwendet Witz, Ironie und Doppeldeutigkeiten, um Themen wie Sexualität, Identität und soziale Normen zu behandeln. Die Lieder spiegeln die Hauptthemen des Musicals wider: sexuelle Befreiung, die Akzeptanz von Andersartigkeit und die Überschreitung von Grenzen. Einige Songs enthalten auch Elemente von Parodie und Hommage, insbesondere an Science-Fiction- und Horror-B-Movies, die den Rahmen der Handlung und des gesamten Stücks bilden.

Die Rocky Horror Band als integraler Bestandteil der Show

Was in St. Gallen beim Betreten des Theatersaals direkt auffällt ist neben dem „blutenden“ Titel auf der Leinwand, der runde „Orchestergraben“, der wie aus der Bühnenfläche ausgeschnitten scheint. In ihm spielt die Rocky Horror Band unter der Leitung von Tobias Cosler live und mit viel Energie und wird auch immer wieder in dir Show mit einbezogen. So schlüpft Marco Karrer am Tenorsaxophon für sein grandioses Solo bei I’m going home ins goldene Glitzer-Sakko und Patrick Fa ist nicht nur an den Drums unersetzlich, sondern hält auch Dr. Scott davon ab, kopfüber in den Orchestergraben zu stürzen.  Zudem agiert die Band als Teilzeit-Souffleur für den Erzähler. Die Interaktion zwischen Musikern und Darstellern ist eine willkommene Auflockerung und sorgt für viele Lacher.
Die Songs sind gut wieder zu erkennen, aber teilweise leicht anders arrangiert oder variieren im Tempo. Rocky Horror Fans kommen jedoch voll auf ihre Kosten und der eine oder andere Vollblut-Fan wird sogar zum Tanzen angeregt.

©www.leslynch.ch – Band und Cast

Mitmach-Bags für das echte Rocky Horror-Feeling

Die riesige Fotowand im Foyer ist der perfekte Ort für Erinnerungsfotos und wird auch rege genutzt. Hier kann man gut die spannenden Kostümierungen der Fans bewundern, von denen es immer welche gibt.
Sehr gefreut haben wir uns auch, als wir erfuhren, dass es vor der Show eine Mitmach-Bag mit verschiedenen Gegenständen, die das Publikum während der Show verwenden darf, zu kaufen gibt. Ob Zeitung, um sich vor Regen zu schützen, einer Wasserpistole, um auch wirklich für Regen zu sorgen, einem Gummihandschuh, Konfetti, einer Federboa, einem Knicklicht etc. Alles ist dabei, um das wahre Rocky Horror-Feeling zu erleben. In der Zeitung, die gleichzeitig als Programmheft dient, wird unter anderem auch aufgelistet, wann welcher Gegenstand zum Einsatz kommt und was nicht erlaubt ist. Diese Regeln erklärt Frank-N-Furter vor Beginn des Stücks aber noch mal als Stimme aus dem Off und macht eine Ansage, die keinen Widerspruch duldet:

Haltet euch an die Regeln, Bitches!
Dr. Frank-N-Furter

Eine Inszenierung voller Nostalgie und moderner Elemente: Reizüberflutung explizit gewünscht

The Rocky Horror Show zu inszenieren, ist ein Drahtseilakt. Nur schon, wenn wir unsere eigenen Erwartungen betrachten, fällt auf, dass es einen grossen Anforderungskatalog gibt. Einerseits soll die Show frisch und modern sein, sich aber dennoch nicht zu weit vom Original entfernen, denn da sind die Liebhaber unflexibel. Gerade für die Rolle des Dr. Frank-N-Furter muss ein Darsteller gefunden werden, der zumindest an Tim Curry erinnert, ohne ihn zu imitieren. Und auch beim Bühnenbild wird einiges erwartet. Wir möchten die vertrauten Elemente entdecken, aber auch überrascht werden.

Christian Brey hat hier alles richtig gemacht. Als Ganzes betrachtet, bleibt seine Inszenierung viel näher am Film bzw. am Gefühl des Films, als andere Bühnenproduktionen von The Rocky Horror Show, was den Eindruck von „Echtheit“ erweckt und die Fans direkt milde stimmt – auch für uns ein sehr entscheidender Punkt. Wir sprechen nun mal nicht von einem durchgestylten Hochglanz-Musical, sondern vom Produkt einer Sub-Kultur aus den 70ern, das seinen eigenen Regeln folgt und bei falscher Herangehensweise komplett seine einzigartige Identität verlieren kann. Doch Christian Brey scheint sich dem Stoff mit Respekt und Wertschätzung angenommen zu haben, um wirklich die Essenz des Stücks zu ergründen und auf seine Weise abzubilden (was unter anderem bedeutet, eine Menge Comedy hinzu zu fügen). Dabei greift er die vertrauten Symbolik auf, um sie neu und modern zu interpretieren. Eines der eindrücklichsten Beispiele ist ohne Frage der Opener-Song Science Fiction/Double Feature, welcher im Film von Richard O’Brian selbst interpretiert wird, wobei auf der Leinwand nur rotgeschminkte Lippen zu sehen sind, die allerdings zu Patricia Quinn gehören. Gesungen wird der Song – wie es bei der Bühnenversion von The Rocky Horror Show üblich ist – auch in St. Gallen von Magenta (oder auch Usherette). Auf die berühmten Lippen müssen wir jedoch nicht verzichten. Gekleidet in ein ausladendes Kleid aus schwarzen Luftballons, aufgelockert durch Ballons in Lippenform, performt Maya Alban-Zapata zwei weitere Lippen-Ballons in der Hand haltend den ikonischen Song, dem sie mit ihrer einzigartigen Stimme und Ausstrahlung viel Substanz verleiht. Ein sehr eindrückliches und künstlerisch wirkendes Intro für die St. Galler Inszenierung, die dieses Level aber mühelos hält.

Das Bühnenbild, das weitere wichtige Elemente, wie die Bildschirme des Überwachungssystems (hier zeigt sich übrigens, dass diese Show eine Altersfreigabe erhalten sollte, denn die Szenen mit dem nächtlichen Besuch Frank-N-Furters bei Brad und Janet sind einiges expliziter, als im Film), den Turm auf welchen Rocky klettert oder den Leitspruch der Rocky Horror Show „Don’t dream it, be it“ im Leuchtschrift in wechselnden Farben mit einbezieht, beeindruckt auch durch die Strukturgebung des „Luftraums“. Von der Decke hängende Ballon-Bouquets sorgen nicht nur für düstere Partystimmung, sondern auch für ein Gefühl der Unendlichkeit, was hervorragend zur Science-Fiction-Referenz passt, ebenso wie die riesige mond-ähnliche Kuppel oder das drehbare, runde Podest.
Selten, aber gezielt werden auch Projektionen eingesetzt, was wir sehr schätzen. So singt Riff Raff bei Over at the Frankenstein Place im Hintergrund live, wird aber auf die Leinwand oberhalb der Bühne übertragen (Anm.d.Red: bei unserem zweiten Besuch am 30.12. wurde darauf verzichtet, was wir etwas schade fanden, da es doch sehr eindrücklich war, aber wie es aussieht, gibt es nach der Premiere ab und zu doch noch Änderungen). Dort lässt man es auch gewittertechnisch mit audiovisuellen Effekten gehörig krachen.

©Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Sehr schön integriert werden die örtlichen Begebenheiten. So treten Janet und Brad von den oberen Eingängen auf und bahnen sich von hier aus ihren Weg zur Bühne, ebenso wie die Phantoms und sowohl der Erzähler als auch Magenta uns Riff Raff haben einen grossen Auftritt auf einem der Balkone, was das „Mittendrin, statt nur dabei“-Gefühl verstärkt und auch dramaturgisch Sinn macht, da eine erhöhte Position automatisch Macht suggeriert.

Kostümtechnisch orientiert sich die St. Galler Produktion bei Haupt- und Nebenrollen ebenfalls stark an der Filmversion, was zu einer starken Vertrautheit führt. Bei den Phantoms wird aus dem Vollen geschöpft mot Neon-Fsrben, Nintendo Perücken und speziellen Schnitten. Qualität scheint ein wichtiger Punkt zu sein, denn sowohl die Kostüme, als auch die Perücken begeistern. Und die Special Effects kommen auch nicht zu kurz. Ob Eddies Innereien oder Magentas aufgetürmte Perücke am Schluss, alles ist auf dem Punkt gebracht.

©www.leslynch.ch – Maya Alban-Zapata und Lilly Hartmann

Der Herr des Schlosses hat seine Untergebenen im Griff

Dass vor allem die Rolle des Dr. Frank-N-Furter entscheidend für die Akzeptanz des Stücks beim Publikum ist, hat die 50-jährige Rocky Horror- Geschichte zur Genüge bewiesen. Mit Tim Curry als etwas verrückten, machthungrigen, aber auch sehr anziehenden Wissenschaftler in Strapsen prägte der Film das Rollenbild langfristig. Und selbst, wenn bestimmte Bühnenproduktionen oder Filmadaptionen einschneidende Änderungen im Erscheinungsbild oder Auftreten vornehmen, hängt das Herz der Fans am ikonischen Look dieses Anti-Helden. Für die St. Galler Inszenierung hat man einen höchst charismatischen Darsteller mit dem gewissen Etwas verpflichtet, der nicht nur durch seine stattliche Grösse von 1.91m (ohne High Heels) alle Blicke auf sich zieht. Mit seiner Ausstrahlung und der sehr vertraut klingenden, fast schon schnurrenden Stimme und einem grossen Bewegungstalent (auch auf hohen Absätzen) gelingt es Yascha Finn Nolting ein faszinierend authentisches Bild zu schaffen. Stimmlich und optisch ein wahrer Frank-N-Furter, verkörpert er diese schillernde Figur mit all seinen Facetten, von grausam und selbstverliebt über kindlich begeistert und verrückt bis hin zu verführerisch und zum Schluss auch mitleiderregend, ohne Rücksicht auf Verluste und mit vollen Körpereinsatz, der ihm mit Sicherheit einige blaue Flecken bescheren wird. Zudem besitzt er die Fähigkeit, trotz Strapsen, hohen Absätzen , geschminktem Gesicht oder Perlenkette stets männlich zu wirken, was für uns einen Frank-N-Furter ausmacht. Alleine seinetwegen lohnt sich der Besuch dieser Inszenierung.

Öffne deinen Verstand.
Verständige deine Öffnung.
Dr. Frank-N-Furter

©www.leslynch.ch – Yascha Finn Nolting

Aber natürlich gibt es noch jede Menge weiterer Highlights die Besetzung betreffend. Ganz vorne mit dabei ist auch Heidi Maria Glössner, die Grande Dame der Schweizer Theater- und Filmszene. Mit 81 Jahren, die man ihr weder äusserlich, noch energetisch anmerkt, beherrscht sie die Bühne und das Publikum, wohlwissend, dass der Erzähler – so will es die Rocky Horror-Tradition – ausgebuht und teilweise sogar lautstark beleidigt wird. Mit einem Selbstbewusstsein, das seinesgleichen sucht, ihrer einzigartigen Stimme und einer ganz natürlich wirkenden Nonchalance verleiht sie diesem eher trockenen Part jede Menge Glamour, was nicht nur an ihrem schicken violetten Anzug liegt. Und beim Schlussapplaus erleben wir sie dann sogar noch mit einem ziemlich sexy Outfit… Diese Frau ist ein Knaller!

©www.leslynch.ch – Heidi Maria Glössner

Wie bereits vorab erwähnt, wusste auch Maya Alban-Zapata als Magenta uns absolut zu überzeugen. Optisch und stimmlich unvergleichlich drückt sie der Rolle des Hausmädchens ihren ganz eigenen Stempel auf und schafft es stets präsent zu sein und auch in Szenen, in welchen sie keinen Text hat, nicht aus dem Fokus zu rücken.
Ihr Bruder Riff Raff und Frank-N-Furters langhaariger, unterwürfiger Diener wird in dieser Inszenierung ganz neu interpretiert. Die tragischen Untertöne, welche Riff Raff zu einer sonst sehr spannenden, komplexen Figur machen, weichen einer eher plakativen Komik mit viel kindlicher Leichtigkeit und einigen fiesen Sprüchen. Michael von der Heide meistert seine erste Musical-Rolle mit viel persönlichem Charme und stellt seine komödiantische Seite unter Beweis, weshalb er – verdient – viel offenkundige Liebe vom Publikum erhält. (Anm. d. Red.: Bei unserem zweiten Besuch war sehr stark zu spüren, wie Michael von der Heide sich in die Rolle hineingelebt hatte und ihr noch mehr Tiefgang verleihen konnte. Bravo!)

Ich verlange nichts, Meister.
Riff Raff

Und du sollst es im Überfluss bekommen.
Frank-N-Furter

©Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Ebenfalls anders angelegt sind die Rollen von Janet und Brad. Das sonst wirklich unschuldig und brav wirkenden, gutbürgerliche Paar erhält ebenfalls ein ordentliches Komik-Upgrade, was allerdings ihre Naivität tatsächlich hervorragend zum Ausdruck bringt und sie hyperaktiv und nerdig wirken lässt. Die feinen Untertöne bleiben dadurch allerdings auf der Strecke und auch die Entwicklungskurve bleibt eher flach, denn die beiden scheinen schon von Beginn an relativ selbstbewusst zu sein und nur darauf gewartet zu habe, dass sie jemand an der Hand nimmt und diese an Stellen legt, die wir hier nicht benennen möchten. Dafür gibt es jede Menge zu lachen, was ja auch nicht unbedingt negativ sein muss. Pascale Pfeuti als Janet und Jonathan Fiebig als Brad sind so oder so ein sehr liebenswertes Paar, das vor allem ganz am Schluss bei Super Heroes überraschend mit schönen Stimmen und Harmonien überzeugt.

©Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Sehr begeistert waren wir von Lilly Hartmann als Columbia, da sie nicht nur stimmlich und optisch eine perfekte Wahl für diese Rolle ist, sondern auch immer wieder sehr emotionale Momente auf die Bühne zu zaubern weiss, was allerdings mit goldenen Glitzerkonfetti schnell im Keim erstickt wird. Sehr schön anzusehen ist auch die kurz aufblühende Romanze mit Eddie (sowohl stimmlich, als auch darstellerisch so hervorragend und überzeugend verkörpert von Aaron Hitz, dass man ihn gerne länger auf der Bühne erlebt hätte) während dessen Song Hot Patootie.

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Michael B. Sattler als Rocky verzaubert nicht nur Frank-N-Furter, sondern auch das Publikum mit strahlendem Lächeln, jugendhaften Charme, grandioser Stimme (wirklich eine ausgesprochen schöne Färbung!) und so viel Tanztalent, dass man ihm beim Finale noch einiges länger hätte zuschauen wollen. Die Chemie zwischen ihm und Pascale Pfeuti alias Janet ist hervorragend und veredelt ihre gemeinsamen (intimen) Momente. (Anm. de Red. Hier wurde nach der Premiere optisch einiges verändert. Es wurde auf die goldene Perücke verzichtet und Rocky trug Bart, was für uns nicht ganz mit dem „neugeborenen“ Figur zusammen passt, aber vielleicht brauchte er den Bart für eine andere Rolle.)

©www.leslynch.ch – Michael B. Sattler

Ein Kränzchen winden darf man auch Christian Hettkamp als Dr. Scott, der mit übertriebenem Akzent, aber sehr feinem Spiel, trotz der kleinen und humorvoll angelegten Rolle grossen Eindruck macht und langfristig in Erinnerung bleibt.

©www.leslynch.ch – Christian Hettkamp

Allgemein darf man sagen, dass der Cast sehr sorgfältig ausgewählt wurde und mit kleinen Ausnahmen auf sehr hohem Niveau agiert. Aufgrund des humorvollen (teilweise schon Grenzen ausreizend humorvollen) Untertons, der sich durch das gesamte Stück zieht und auch vor Slapstick-Einlagen nicht zurück schreckt, darf man davon ausgehen, dass es klare Vorgaben für die Rollen gab. (Anm. der Red. ein bisschen wurde hier noch angepasst nach der Premiere, was durchaus eine Verbesserung ist.)

Die Phantoms, deren Rollenbild und Anzahl sich seit 1973 etwas gewandelt hat und teilweise sogar einzeln in Aktion treten dürfen, wie z.B. Sandro Wenzig bei seinem Tap Solo, sind skurril, bunt und unterstützen die Haupt- und Nebendarsteller nicht nur tänzerisch und gesanglich, sondern auch optisch. Auch erweckt ihre Anwesenheit gleich zu Beginn das Gefühl, dass Janets und Brads Auftauchen im Schloss nicht zufällig war, sondern geplant. Ihre Interaktion mit dem Publikum ist verwirrend und sorgt für eine kribblige Atmosphäre.

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Fazit – Lohnt sich der Besuch?

The Rocky Horror Show von Konzert und Theater St. Gallen ist eine äussert temporeiche und originelle Inszenierung und sowohl geeignet für Rocky Horror-Neulinge, als auch für eingefleischte Fans. Christian Brey hat sich mit viel Respekt dem Stoff angenommen und eine wunderbare, moderne Show gezaubert, die sich optisch stark am Film orientiert und deshalb grossen Anklang findet. Mit kunstvollen Installationen und hochwertigen Kostümen ist die Show optisch ein echter Augenschmaus. Der Cast bietet einige extra Highlights und glänzt gesamtheitlich mit hochkarätigen Darstellern, die sowohl stimmlich als auch darstellerisch überzeugen. Der grösste Pluspunkt dieser Inszenierung ist aber, dass sie den wahren Rocky Horror Show-Esprit versprüht und das Publikum ohne Wenn und Aber zum Feiern bringt. Es lebe die Individualität! Dass wir die Show ohne Vorbehalte empfehlen, zeigt sich auch darin, dass wir uns für den 30.12. erneut Tickets gekauft haben. Ein Mal reicht einfach nicht! Und falls ihr jetzt auch Lust gekriegt habt, könnt ihr direkt hier eure Tickets bestellen.


Ein riesiges Dankeschön an Konzert und Theater St. Gallen für die Möglichkeit, diese aussergewöhnliche Inszenierung sehen und rezensieren zu dürfen. Wir hatten unglaublich viel Spass.


Besetzung
Frank-N-Furter: Yascha Finn Nolting
Janet Weiss: Pascale Pfeuti
Brad Majors: Jonathan Fiebig
Riff Raff: Michael von der Heide
Magenta: Maya Alban-Zapata
Columbia: Lilly Hartmann
Rocky: Michael B. Sattler
Eddie: Aaron Hitz
Dr. Scott: Christian Hettkamp
Erzähler:in: Heidi Maria Glössner/Aaron Hitz
Phantoms: Sarah Madeleine Kappeler, Daniela Moser, Zoe Staubli, Robert Lankester, Laurent N’Diaye, Sandro Wenzing
Rocky Horror Band:
Key 1: Tobias Cosler
Key 2: Gallus Hächler, Robert Pau
Drums: Patrick Fa
Gitarre: Walo Bortoletto, Thomy Jordi, Simon Kessler, Nico Stettler
Saxophon: Marco Karrer

Leitung
Musikalische Leitung: Tobias Cosler
Inszenierung: Christian Brey
Ausstattung: Anette Hachmann/Elisa Limberg
Choreografie: Barbara Tartaglia
Licht: Andreas Enzler
Video: Thomas Mahnecke
Dramaturgie: Sebastian Juen
Ton: Marko Siegmeier/Nicolai Gütter-Graf
Regieassistenz: Veronika Jocher
Dance Captain: Zoe Staubli
Kostümassistenz: Malou Pohl de Rezende
Inspizienz: Edith Ronacher/Ivana Aeschbacher
Soufflage: Heidi Mumenthaler

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