GREASE is the world! Vom 14. – 26.01.2025 konnte das Schweizer Publikum im Theater 11 in Zürich eines der bekanntesten und beliebtesten Musicals aller Zeiten bewundern und zusammen mit den Highschool Lovebirds Danny und Sandy, den Pink Ladies und den Burger Palace Boys in die bunte Welt der Petticoats, Lederjacken und Schmalzlocken eintauchen. Begleitet von unvergesslichen Hits wie You’re The One That I Want, We go together, Summer Nights oder Greased Lightnin‚, führte der knallbunte Musical-Spass durch eine aufregende Reise voller Sehnsucht, Liebe, Freundschaft und Rebellion. Das Original direkt aus London sorgt für Begeisterungsstürme, denn GREASE kann niemand widerstehen – und wir schon gar nicht.
Leider hat unser voller Terminkalender es uns nicht ermöglicht, die Premiere von GREASE 2025 – Das Hitmusical am 14.01.2025 zu besuchen. Und jetzt heisst es stark sein: Wer es noch nicht gesehen hat, hat es verpasst, zumindest in der Schweiz. Das Musical ist selbstverständlich noch bis Ende Mai auf Tour durch Deutschland und Österreich (hier die Daten), aber ja, das heisst natürlich auch, eine etwas längere Anreise. Das Theater 11 ist natürlich schon Luxus pur. Zum Glück war es uns dann noch möglich, eine Vorstellung zu sehen.
Musical oder Film – Was war zuerst?
Wer GREASE hört, hat automatisch Olivia Newton John und John Travolta vor Augen. Stimmt’s? Der Kultfilm von 1978 hat die Geschichte von Sandy und Danny definitiv so richtig bekannt gemacht. Doch er beruhte tatsächlich auf einem Musical von 1971, das 1972 an den Broadway kam und insgesamt 7.5 Jahre lief. Schon damals konnte also niemand der kitschig-süssen Story und den zeitlosen Ohrwürmern widerstehen.
Jene Ohrwürmer stammen aus der Feder von Warren Casey und Jim Jacobs, welche sich auch für Buch und Liedtexte verantwortlich zeichnen. Als GREASE danke der Verfilmung dann so richtig durchstartete und nicht nur die beiden Hauptdarsteller zum neuen Hollywood-Traumpaar machte, sondern auch der Soundtrack durch die Decke ging (der Film-Soundtrack belegte in den USA 12 Wochen die Nummer 1, bis Februar 1998 war er 244 Wochen hintereinander in den Top Five der US-Pop-Charts und ist bis heute ein Evergreen), war der Erfolg dieser an und für sich recht einfach gestrickten High School-Story nicht mehr aufzuhalten und hat bis heute nicht an Popularität verloren.
Doch auch das Musical ist von den Bühnen weltweit nicht mehr weg zu denken und sorgt regelmässig für volle Theater, denn GREASE weckt in jedem nostalgische Gefühle, ob man die 50er selbst erlebt hat, in den 70ern ins Kino pilgerte oder sich als spätere Generation nach dieser so unschuldig erscheinenden Zeit sehnt, als es weder Handys noch Computer gab und Petticoats nicht nur im Kostümverleih zu finden waren.

Eine junge Sommerliebe wird im Alltag auf die Probe gestellt
Mädchen trifft Junge, verbringt mit ihm einen romantischen Sommer und begegnet ihm unverhofft an der neuen High School wieder. So beginnt GREASE. Sandy, das anständige Mädchen aus gutem Hause verliebt sich in Danny. Doch Danny ist nicht der romantische Junge, den sie in ihren Sommerferien erlebt hat, sondern der coole Mädchenschwarm der Rydell High und Anführer der Burger Palace Boys – Lederjacke und Schmalzlocke inklusive. Und dieses Image muss natürlich gepflegt werden, was Sandy so einiges an Kummer beschert. Sie wird von den Pink Ladies unter die Fittiche genommen und findet sogar wieder mit Danny zusammen, doch was in den Sommerferien so einfach erschien, hält dem Alltag kaum stand. Diese Liebesgeschichte hat aber natürlich ein Happy End und die Lovebirds finden wieder zusammen, allerdings nicht, ohne komplettes Make-over, denn Sandy erscheint zum Abschlussfest als sexy Vamp und Danny hat auch Anstrengungen unternommen, um sich Sandy würdig zu erweisen.
Dass dies nicht der heutigen Zeit entspricht, ist klar. Individualismus und Self Confidence ist alles und Sandy und Danny als Rollenbilder nicht ideal, doch who cares. Es sind nun mal die 50er und wir alle lieben es, wenn Sandy zum Schluss in schwarzen Leggins, auftoupierter, blonder Lockenmähne und High Heels ihren Danny zurück gewinnt. Und wenn es sich um eine persönliche Entwicklung handelt, in der junge Leute sich selbst finden, statt sich den von Eltern oder Gesellschaft auferlegten Rollenbildern zu beugen, kann es schon einmal zu grösseren Anpassungen kommen.

Das Hitmusical auf Tour – Frischer Wind an der Rydell High
Die Neuinszenierung direkt aus London bedient sich natürlich aller essentiellen Merkmale des Originals und auch des Films und alle wichtigen Rollen bleiben erhalten, denn wenn nicht, kämen die echten GREASE-Fans nicht mehr auf ihre Kosten und sowas möchte man selbstverständlich nicht riskieren. Dennoch merkt man, dass es etwas entstaubt und aufpoliert wurde.
Auf den ersten Blick ist es vor allem das Bühnenbild, das beeindruckt. Es ist faszinierend, wie schön und gut erkennbar, die einzelnen Szenen dargestellt werden. Gespielt, getanzt und gesungen wird auf zwei Ebenen. Die vier mobilen und mit LED-Lichtern versehenen Treppenelemente dienen als Aufgang zur oberen Plattform und sorgen für Action, da sie nicht nur während den kurzen Pausen während den Songs neu arrangiert werden, sondern auch während der Stücke verschoben und herum gerollt werden, meist von den Darstellern selbst. Über der oberen Ebene prangt eine grosse Projektionsfläche, die durch die wechselnden, stets handgemalt wirkenden Bilder herrlich frisch und natürlich wirkt. Sei es das Autokino, eine Rennstrecke oder eine Stadt bei Nacht, das Gesamtbild ist stets stimmig. Ja, das Bühnendesign von Joris van Veldhoven weiss zu überzeugen ist massgeblich am hervorragenden Eindruck dieses Musicals beteiligt. Auch wenn das Bühnenbild als Ganzes sehr modern und industriell wirkt (der erwähnte frische Wind halt), sind die Requisiten sehr liebevoll und detailgetreu, wie die Autos, die Reifen, Luftballone oder das liebevoll dekorierte Zimmer bei der Pyjama Party der Pink Ladies, das wie durch Zauberhand aus zwei der Treppen gezaubert wird, samt Bett und Elvis-Poster. Auch die Kostüme (hier war ebenfalls Joris van Veldhoven am Werk) sind stimmig und qualitativ hochwertig und bei den Perücken wurde historisch akkurat frisiert und lassen uns im 50s-Feeling schwelgen. GREASE – Das Hitmusical ist wirklich etwas fürs Auge.

Was bei einem rasanten Musical wie GREASE natürlich nicht fehlen darf, ist eine entsprechende, rebellische Choreographie, die den Zeitgeist verkörpert. Die erwartet das Publikum einfach. Hier hat Rebecca Howells sensationelle Arbeit geleistet. Elemente aus Rock’n’Roll, Jive, Boogie Woogie, Twist und lateinamerikanischen Tänzen lassen tief in die 50s eintauchen und auch an akrobatischen Elementen wird nicht gespart. Und die Darsteller sind nicht nur gesanglich top, sondern wissen sich allesamt zu bewegen. Die Tanzszenen sind eine reine Freude. Greased Lightnin‘ oder Born To Hand Jive sind an Energie kaum zu überbieten und lassen selbst das Publikum fast atemlos zurück.
Der hervorragend von Ad van Dijk arrangierte und orchestrierte und von einer sechsköpfigen Liveband unter der Leitung von Harry Haden Brown gespielte Soundtrack begeistert und lässt das Publikum kaum in seinen Stühlen sitzen. Vor allem die sensationellen Gruppenszenen bei We go together, You’re the one that I want oder beim finalen Megamix lassen die Stimmung explodieren.
Lasst mal die Profis ran – Ein Cast der Extraklasse
GREASE bringt wirklich alles mit, was ein Hitmusical braucht, doch unser Augenmerk gilt immer dem Cast und hier blieben keine Wünsche offen. Zwar war es nicht die „erste Besetzung“, da in der Schweiz nur schon Ben Darcey als Danny, auf den wir uns sehr gefreut hatten, unfallbedingt nicht auf der Bühne stand, was einige Änderungen nach sich zog, und z.B. auch nicht die hochgelobte Rio Maye als Rizzo, dennoch erlebten wir eine homogene Performance der Extraklasse. Die vielen junge, talentierte Darsteller, verleihen ihren Rollen so viel Leben und Charme, dass man sich wirklich in der Highschool wähnt. Was ja vor allem beim Film auffällig war, waren die älteren Schauspieler (zwischen 23 und 33) 18-jährige Jugendliche spielten, was nicht immer glaubwürdig wirkte, doch diesen Darstellern nimmt man das junge Alter wirklich ab. Die verschiedenen Charaktere sind bis ins Detail ausgearbeitet, was bei gewissen Szenen fast etwas überwältigend wirkt, weil das Auge nicht auf eine bestimmte Figur gelenkt wird. Es passiert einfach so viel auf der Bühne.

Sehr interessant ist die Gewichtung der Rollen. Während in gewissen Inszenierungen Sandy und Danny als absolute Hauptrollen ganz klar im Mittelpunkt stehen sind sie hier einfach Teil der Truppe, in der es eigentlich NUR Hauptrollen zu haben scheint. Mit wenigen Ausnahmen, sind alle gleich stark und verdienen dieselbe Aufmerksamkeit. Aber selbstverständlich gibt es, wie überall, Darsteller, die durch Stimme, Spiel oder persönliche Ausstrahlung etwas mehr herausstechen. Dies gilt zum Beispiel für Cal Plant, der Kenickie mit einer fast schon greifbaren Intensität verkörpert. Stilsicher und mit wohldosiertem Aggressionsproblem überzeugt er stimmlich, schauspielerisch und auch tänzerisch auf ganzer Linie und macht Greased Lightnin‘ zu einem der echten Highlight der Show.

Lottie Power schenkt ihrer Sandy eine grosse Prise Menschlichkeit. Sie ist nicht die „Barbie“, die andere Inszenierungen anstreben, sondern tatsächlich das anständige, nachdenkliche und romantische Mädchen, das eine andere Seite an sich entdeckt, was mit viel Feingefühl dargestellt wird. Hopelessly Devoted und Look at Me, I’m Sandra Dee (Reprise) sorgen für Gänsehautfeeling. Erstaunlich ist auch das Timbre ihrer höchst angenehmen Stimme, das teilweise tatsächlich einen direkten Vergleich mit Olivia Newton John zulässt. Eine wirklich hervorragende Leistung, auch im Zusammenspiel mit ihrem Bühnenpartner Danny Natrass in der Rolle des Danny Zuko. Stimmlich einwandfrei verkörpert er den Draufgänger mit Herz mit viel Gefühl, wobei der Fokus auf seiner Unsicherheit liegt, die er zu überspielen versucht, was ihm eine schöne Dreidimensionalität verleiht.

Überrascht und begeistert haben uns auch Lewis Starr und Megan Lea als Roger und Jan während ihrer gemeinsamen Szene vor Mooning. So schafften sie es, eine äusserst echt wirkende Spannung aufzubauen, die im grossartigen Duett gipfelte, welches vor allem von Lewis‘ Stimme sowie der gemeinsamen Harmonie lebte. Und auch Jules Avery schaffte es, als Doody mit seinem zauberhaften Those Magic Changes und gefühlvoller Stimme einen echten Ohrwurm zu landen, der in unserem Kopf feststeckte, während Kai Oxley und Rebekah Bryant als Eugene und Patty durch die perfekte Verkörperung ihrer überspitzten Rollen und ihrem tänzerischen und komödiantischen Könnens ebenfalls herausstachen.

Unser absolutes Cast-Highlight war mit grossem Abstand aber Will Jennings, der mit Rollen wie Vince Fontaine, Teen Angel und Polizist für Begeisterungsstürme sorgte. Mit seiner Mimik und seinem Gespür für Situationskomik und Stimmen gehörte unsere ungeteilte Aufmerksamkeit über ganze Songs hinweg ihm alleine. Selbstverständlich gehört hier auch dem Regisseur ein Kränzchen gewunden, doch nicht jeder hätte diese Nebenollen mit einer solchen Lebendigkeit und Energie füllen können. Und ja, auch gesanglich konnte er absolut mithalten. Wirklich eine grosse Bereicherung für die ganze Inszenierung.

Hat man was verpasst, wenn man dieses Musical nicht gesehen hat?
Ja, auf jeden Fall. Mal abgesehen vom wunderbaren Soundtrack, der perfekt umgesetzt wird, den aufregenden, energetischen Tanzszenen und dem kreativen Bühnenbild, ist es vor allem das hochprofessionelle Cast, das zum Gelingen der Inszenierung beiträgt und ein Musicalerlebnis der Extraklasse schafft. Wir sind sehr glücklich, dass wir dieses Stück sehen konnten. Falls es bei euch nicht mehr geklappt hat, stehen bei Act Entertainment noch weitere tolle Musicals und Shows in den Startlöchern.
Cast & Creative Team
Cast:
Sandy Dumbrowski: Lottie Power
Danny Zuko: Danny Natrass
Kenickie: Cal Plant
Doody: Jules Avery
Roger „Putzie“: Lewis Starr
Sonny LaTierri: Brandon Hunter
Betty Rizzo: Jessie Odeleye
Frenchy: Emilia Muncey
Marty Maraschino: Elsie Grace Ward
Jan: Megan Lea
Vince Fotaine /Teen Angel: Will Jennings
Miss Lynch: Catherine Morris
Eugene: Kai Oxley
ChaCha: India Thornton
Johnny Casino: Shaun Curtis
Patty: Rebekah Bryant
Ensemble: Charlie Barnard
Swing: Charlie Barnard, Brandon Hunter, India Thornton
Creative Team und Band
Creative Team:
Produzent: Martin Flohr
Regie: James Grieve
Choreographie: Rebecca Howell
Musik / Buch / Lyrics: Warren Casey, Jim Jacobs
Bühne / Kostüme: Joris van Veldhoven
Musik Arrangement / Orchestrierung: Ad van Dijk
Band
Musikalische Leitung: Hatty Haden Brown
Schlagzeug: Adam Bloor, Louis Reilly
Bass: Danny Miller
Gitarre: Jordy Rowlands, Danny Miller
Trompete: Jacob Philipps
Holzblasinstrumente: Rhiannon Jeffreys
Posaune: Rob Taylor




























