Einstein – A Matter of Time – Das Musical

Bei Konzert und Theater St. Gallen feierte am 01.03.2025 ein brandneues Musical seine Premiere im Beisein von Presse und Prominenz und man darf wahrlich behaupten, dass die Uraufführung von Einstein – A Matter of Time dem Genie des Menschen, dem es gewidmet ist, schon ziemlich nahe kommt. Denn es braucht Mut, viel Neugier und Hingabe, das Leben und Wirken eines Physik-Nobelpreisträgers, der unter anderem die Relativitätstheorie aufgestellt hat, für das Publikum als Musiktheater erlebbar machen zu wollen. Aber ist so etwas überhaupt möglich? Entstanden ist eine interdisziplinäre Inszenierung, die Wissenschaft mit Musik, Theater und immersiver Kunst verwebt.

Es gibt Menschen, deren Genie für den Durchschnittsbürger nicht fassbar ist. Albert Einstein gehört da sicherlich dazu oder kann unter Umständen sogar als berühmtester Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts betitelt werden. Immerhin revolutionierte er das Weltbild innerhalb eines einzigen Jahres, seinem sogenannten „Wunderjahr“ 1905. Selbst, wer absolut nichts über seine wissenschaftlichen Errungenschaften weiss (was fast nicht möglich ist), kennt zumindest sein Gesicht oder das berühmte Foto mit herausgestreckter Zunge, das am Rande seines 72. Geburtstags entstand und zu einem der bekanntesten und beliebtesten Poster-Motive mutierte. Einstein selbst trug zu seiner Verbreitung bei, da er die Haltung liebte, die es verkörperte. Ja, Einstein war von Beginn an unangepasst und anders, aber kein verschlossener Eigenbrötler, sondern nahm sehr wohl am gesellschaftlichen Leben teil, pflegte tiefe Freundschaften und Brieffreundschaften, suchte aber dann und wann auch bewusst die Einsamkeit, um seinen Gedanken nachzuhängen.

Das bekannte Zungen-Sujet ziert auch das Plakat des Musicals Einstein – A Matter of Time, das bei Konzert und Theater St. Gallen seine Welturaufführung feierte. Am 01.03.2025 durften auch wir der Premiere dieses brandneuen Musicals von Frank Wildhorn und Gil Mehmert beiwohnen. Auch wenn wir schon so einige Musicals gesehen haben, wagen wir zu behaupten, dass dieses Stück eines der grossartigsten ist, das wir je sehen durften. Aber alles der Reihe nach.

Von den Geschichtsbüchern auf die Musicalbühne

Wie kommt man dazu, ein Musical über einen Menschen wie Einstein zu schreiben, im Wissen, sich mit unglaublich komplexen, wissenschaftlichen Themen auseinander setzen zu müssen? Kein Autor möchte sein Publikum mit lauter Fragezeichen nach Hause schicken, zu banal darf es aber auf keinen Fall sein, um der Thematik gerecht zu werden. Und die wenigsten werden die Relativitätstheorie (weder die allgemeine noch die spezielle) erklären können. So viel vorweg: Auch nach dem Musical versteht man sie nicht besser, aber dies war wahrscheinlich auch nicht Ziel der Übung. Hingegen kriegt man ein Gefühl für Albert Einstein und findet sich teilweise sogar in ihm wieder. Wusstet ihr, dass Einstein Geige spielte, um Ruhe zu finden? Oder hättet ihr euch vorstellen können, dass ein Genie wie Einstein, wirklich Probleme hatte, einen Job zu finden, um sich und seine Familie zu ernähren? Oder hattet ihr euch jemals Gedanken um Einstein und die Liebe gemacht? In den Augen der meisten war Einstein so oder so schon immer alt, wie eben auf seinem Zungen-Foto.

Doch in diesem Musical lernen wir Albert Einstein als jungen Menschen kennen, der am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich (später ETH) studiert, wo er von Anfang an aneckt, da er die Säulen der Physik nicht einfach hinnimmt, sondern hinterfragt und teilweise ziemlich unangenehme Fragen stellt, die seinen Professoren sauer aufstossen. Hier lernt er auch Mileva Marić, seine zukünftige Frau kennen, der er auf Augenhöhe begegnet. Doch wie es oft der Fall ist, macht Albert Karriere, während Mileva sich um die gemeinsamen Kinder kümmert und irgendwann ganz aus seinem Leben verschwindet.
So erleben wir Einsteins Durchbrüche in der Physik und sehen seine Herausforderungen, sowohl in wissenschaftlicher als auch im persönlichem Bereich. Wir sind live dabei, wenn er seine berühmte Gleichung E=mc2 berechnet und sie der Welt vorstellt (wobei dies zuerst ein sehr kleiner Kreis ist) und Unterstützer findet, lernen aber auch seine Gegner kennen. Und der 1. Weltkrieg verändert sowieso alles.

60 Jahre sind viel und es ist erstaunlich, wie viel Material in diesem Stück verarbeitet werden konnte, ohne gehetzt zu wirken. Das Leben Einsteins hätte inhaltlich natürlich noch viel mehr hergegeben, wenn man auf alle wichtigen Zeitgenossen gleichermassen eingegangen wäre, somit ist es nur verständlich, dass einige Figuren, die im Leben des Genies eine wichtige Rolle spielten, im Musical zu Nebenrollen werden oder bestimme Handlungsstränge nicht komplett zu Ende erzählt werden. In unseren Augen etwas, das absolut vertreten werden kann und den Musical-Genuss in keiner Weise schmälert. Einstein – A Matter of Time ist eine runde Sache, aus einem Guss und weckt das Interesse, mehr über Einstein und sein Leben in Erfahrung zu bringen.

©Ludwig Olah

Die Vielfalt von bildlicher Darstellung und bildlicher Sprache

Auch wenn bei Musicals die Musik einen Löwenanteil der Gesamtwirkung ausmacht, sind es bei Einstein – A Matter of Time mindestens zum gleichen Teil die Bilder, die erschaffen werden, sei dies visuell oder imaginativ. Das relativ einfache Bühnenbild, auf einer Ebene das nur gelegentlich und temporär eine zweite Ebene durch Tische erhält, die vielseitig eingesetzt werden (ganz selten wird auch der Luftraum genutzt), wird begrenzt von mehreren „Tafeln“. Ja, es sind mobile Tafeln, an die auch „geschrieben“ wird. Dies passt natürlich perfekt zum Thema Hochschule und Lernen und vermittelt das Gefühl, dass das gesamte Leben ein Lernprozess ist und man nie ausgelernt hat. Die Tafeln dienen auch als Projektionsflächen. Allerdings bleibt es bei „Kreidezeichnungen“ in Weiss, die lediglich bei Kriegsbeginn mit Rot ergänzt werden, was sehr eindrücklich ist.
Hinzu kommen einfache Kisten, die und auf sehr moderne Weise sehr vielseitig eingesetzt werden können. Manchmal wird es aber auch sehr konkret, so gibt es z.B. einen kompletten Labortisch, ein Bett oder ein Fahrrad.

Jedoch gibt es nicht nur die nackte Realität in diesem Stück, sondern auch die Welt der Fantasie, was bei einem neugierigen, interessierten, musischen und so intelligenten Menschen wie Einstein nahe liegt. Und wenn diese betreten wird, dann darf man sich auf etwas gefasst machen. Durch die Projektionen, die eingesetzt werden und oft Sterne (Universum – Universelles Wissen), Formeln oder auch Musiknoten (Einsteins Geist und Fantasie) zeigen, wird eine immersive Wirkung erzeugt, die ein starkes Kollektiv-Gefühl mit sich bringt. Der Zuschauer wird hineingezogen in Einsteins Welt, ja, Einsteins Gedanken. Beim gelegentlichen Einsatz eines transparenten Vorhangs (hauptsächlich zu Beginn der Akte), verstärkt sich dieses Gefühl sogar noch mehr. Gerade die erste Szene, in der Einstein auf der Überfahrt nach Amerika, Geige spielt und die projizierten Sterne ihn umtanzen, fühlte es sich wirklich an, als ob er eins mit dem Universum wäre, ein Gefühl, das sich im Laufe des Stücks noch das eine oder andere Mal einstellen wird und für uns mit eine der grössten Highlights ist. Christopher Barreca hat mit seinem Bühnenbild ganze Arbeit geleistet und ein echtes Kunstwerk geschaffen, das durch Michael Grundners gezielten und durchdachten Einsatz von Licht optimal und sehr stimmungsvoll in Szene gesetzt wird.

©Donato Caspari

Ein weiteres stilistisches Fantasie-Element sind die „grossen Köpfe“ der Vergangenheit, Newton, Kopernikus, Coulomb, Kelvin und weitere, die Einstein bei Gelegenheit die Ehre erweisen. Hier sind es tatsächlich aufgesetzte Riesenköpfe, deren Züge und Gesichtsbehaarung den grossen Männern nachempfunden sind, aber auch eine Schärpe mit Namen tragen, um sie besser erkennbar zu machen. Als sie zum ersten Mal erscheinen, ist er mit Mileva auf dem Fahrrad unterwegs und nimmt sie mit in seine Welt. Eine wirklich eindrückliche Szene, die uns wie Kinder staunen liess.

Ich sehe lauter grosse Männer.
Albert Einstein

Eben, Männer. Und Ich bin eine Frau, die etwas erreichen will.
Mileva Marić

Aber auch auf Allegorien und Metaphern werden eingesetzt. So erscheinen die Tauben, die im Versuchslabor verwendet werden, um die tödliche Wirksamkeit von Chlorgas, welches später in den Schützengräben der Gegner eingesetzt werden soll, wie die Verkörperung des Friedens, der geopfert wird. Und auch die Darstellung des Lichts als ätherische Ballerina mit leuchtendem Tutu (wunderschön und grazil: Kelly Panier) ist, zauberhaft und kreativ und schon nach Kurzem weiss jeder, dass Einstein ein Durchbruch gelingt, wenn ihm ein Licht in Form der Ballerina aufgeht.

©Ludwig Olah

Zudem ist die Sprache, die in den Liedtexten verwendet wird, voller Metaphern und Vergleiche, was einen sehr aktiv zuhören lässt, da keine einzige Zeile wie reines Füllmaterial wirkt, sondern Sinn und Gehalt hat. Ja, hier kann man Frank Ramond und Gil Mehmert für ihre Texte voller Poesie wirklich nur ein Kränzchen winden.

Du greifst nach den Sternen und ich wachse nicht mehr.
Mileva Marić (Wer bin ich für dich)

Auch die Choreographie von Melissa King muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden, denn ihr Bewegungsrepertoire bietet so viel mehr als blosse Untermalung der Musik. Besonders in Erinnerung bleiben die fast schon militärisch anmutenden, steifen und synchronen Bewegungen der Studenten bei Die Säulen der Physik, die so klar aufzeigen, wie frappierend der Unterschied zwischen Einstein und seinen Kommilitonen ist, oder die anmutig tanzenden Postboten, die die Liebesbriefe der beiden Lovebirds Albert und Mileva überbringen.
Ob die Kampfszene des 1. Weltkriegs ebenfalls Melissa King zugeordnet werden darf, wissen wir nicht genau, aber auf jeden Fall war das Zeitlupe-Kampfgeschehen ziemlich beeindruckend anzusehen und wirkte so viel eindrücklicher, als es ein Kampf in normalem Tempo und Knalleffekten gewesen wäre. Zeitlupe ist so oder so ein Effekt, der gerne genutzt wird in diesem Stück. Auch im Patentamt bewegen sich die Arbeiter teilweise in Slowmotion, während Einstein ein normales Tempo hat, was wohl seine überdurchschnittliche Geschwindigkeit darstellen soll. Sehr gelungen.

©Ludwig Olah

Maskenbild oder Magie

Auch wenn wir so oder so grosse Erwartungen an Kostüm- und Maskenbild hatten, muss auf jeden Fall erwähnt werden, wie sehr dies zum Genuss des Stücks beiträgt. Die Kostüme sind historisch akkurat und teilweise einfach traumhaft schön und qualitativ sehr hochwertig. Wie sich z.B. die Kleidung von Zürich, Berlin und Prag unterscheiden, ist grandios und es zeigt nicht nur die unterschiedlichen Modestile in den verschiedenen Ländern, sondern auch die Sprünge, die in der Zeit gemacht werden. Immerhin umfasst dieses Musical eine Zeitspanne von gut 60 Jahren. Und diese sind natürlich vor allem bei der Hauptfigur sehr deutlich sichtbar, da dieser von Beginn bis Ende auf der Bühne steht. Der Maskenbildner, der für David Jakobs kontinuierliches Altern zuständig ist, vom Jugendlichen zum Senioren mit Einsatz von Make-up, Perücken und Gesichtsbehaarung, ist wirklich durchgehend im Einsatz. Wobei ganz linear ist der Verlauf des Stücks nicht. Es beginnt nämlich 1933, als Einstein bereits über 50 ist, springt zurück ins Jahr 1896 zum 17-jährigen Albert, begleitet ihn dann durch sein Leben und macht dann noch mal einen Sprung ins Jahr 1955, ans Princeton College, wo Modestil und Perücken unverkennbar 50s schreien und Einstein so aussieht, wie wir ihn alle kennen, mit weissen wilden Haaren und Schnauz. Einfach beeindruckend.
Auch bei Livio Cecini, der einmal als Professor Weber und dann als Max Planck auftritt, kann man kaum glauben, denselben Darsteller zu sehen. Wobei dies ohne Frage an seinem grandiosen Spiel liegt, aber eben auch ein bisschen am Maskenbild.

©Donato Caspari

Cast und Ensemble der Extraklasse

Wie bereits erwähnt, steht David Jakobs als Alberst Einstein bei Einstein – A Matter of Time ununterbrochen auf der Bühne und lebt dort ein ganzes Leben im Schnelldurchlauf. Als Hauptfigur steht er im Zentrum der Aufmerksamkeit und trägt viel Verantwortung. Doch bereits von Beginn an spürt man die starke Bühnenpräsenz dieses Darstellers und hat keine Bedenken mehr. So spielt er den jungen, unangepassten Studenten, der mit Fragen aneckt und sich nicht den Autoritäten beugen will, ebenso glaubhaft, wie den desillusionierten Mann, der nach dem Studium keine Anstellung finden kann, weil ihm seine Aufsässigkeit im Studium wenig Förderer eingebracht hat. Auch als aufstrebenden, aber dennoch irgendwie bescheidenen, pazifistischen Wissenschaftler, der nach wie vor eigene Wege geht, überzeugt er auf ganzer Linie. Besonders begeistert waren wir von der Darstellung des alten Einsteins, der mit sich im Reinen ist und seinen Frieden gefunden hat. Die Milde, die er ausstrahlt, ist für einen jungen Menschen, wie David Jakobs wirklich erstaunlich. Eigentlich möchte man auf jeden einzelnen Moment eingehen, z.B. auf die Ruhe, die ihn umgibt, wenn er Geige spielt (bzw. sehr überzeugend tut, als ob, denn laut Vita spielt er „nur“ Klavier, Schlagzeug und Gitarre), wie väterlich er mit seinem „Sohn“ umgeht oder, sein liebevolles Werben um Mileva, aber auch sein Humor oder seine aufsässige Art. Sein Spiel ist geprägt von einer tiefen Authentizität und Intensität, die das Publikum alles sehr direkt miterleben lässt und diese Rolle prägt. Es scheint, als habe er ein wirklich eingehendes Rollenstudium betrieben und Einsteins Verhalten und seine Bewegungen genauestens studiert. Wäre dem nicht genug, besitzt er auch noch einen sehr facettenreichen, teilweise fast schon rockigen Tenor mit Wiedererkennungswert und eine warme Sprechstimme. Wirklich ein absolutes Gesamtpaket, das massgeblich zum Erfolg dieses Stücks beiträgt.

Es gibt nichts Schöneres, als über den Dingen zu schweben.
Albert Einstein

©leslynch.ch

An seiner Seite, als selbstbewusste und selbständige Mileva Marić, die zauberhafte Katia Bischoff, deren kraftvoller Sopran im Kontrast zu ihrer zarten Statur steht. Mit Nachdruck verkörpert sie die junge Studentin, die mit eisenhartem Willen ihren Platz in einer Männerdomäne verteidigt und sich auch von ihrer angeborenen Hüftfehlstellung, die ihr einen hinkenden, schleppenden Gang verleiht, nicht aufhalten lässt. Dass sie nur ein Mal im ganze Stück nicht hinkt, ist kein Zufall und auch keine Unachtsamkeit. Denn in der Fantasie-Welt zu Die Gedanken tanzen gelten andere Gesetze. Mit viel Feingefühl lässt sie das Publikum spüren, wie herausfordernd es ist, die Frau an der Seite dieses aussergewöhnlichen Mannes zu sein, der zwar den Austausch mit ihr, das gemeinsame Lernen und Arbeiten geniesst, in dessen Schatten sie aber dennoch steht und irgendwann samt gemeinsamer Kinder aus seinem Leben subtrahiert wird. Ihr Wer bin ich für dich ist voller Emotion und sorgt für Gänsehaut, ebenso wie ihr Duett mit mit Leidensgenossin Clara Haber (sehr stark und vor allem in den Tiefen stimmgewaltig Elise Doorn) oder im Quartett mit zwei weiteren starken Frauen: Marie Curie (Anna-Julia Rogers) und Elsa Löwenthal (Barbara Obermeier).

Du greifst nach den Sternen und ich wachse nicht mehr.
Mileva Marić (Wer bin ich für dich)

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Als Albert Einsteins härtesten Gegner Professor Philip Lenard, der ihm das Leben wirklich schwer macht und so einige Steine in den Weg legt, erleben wir Jan-Philipp Rekeszus. Die Rolle des Bösewichts ist in unseren Augen genau so wichtig, wie die des „Helden“, da eine starke, destruktive Kraft auch sehr aufregend sein kann. Und dies zu verkörpern, ist keine leichte Angelegenheit, zumal es sich bei Lenard um einen Professor der Physik und Nobelpreisträger handelt und keinen gewöhnlichen Gauner. Deshalb gründet die absolute Ablehnung Einsteins und die kontinuierliche Leugnung seines Genies auf Eifersucht und Angst, die in Menschen oft unbewusst entsteht, wenn sie sich in Gegenwart eines anderen befinden, der ihnen den Rang ablaufen könnte. Jan-Philipp Rekeszus gelingt es, diese schwelende Eifersucht perfekt zu dosieren und die unverhältnismässige Abneigung gegen seinen „Kollegen“ im Laufe des Stücks anschwellen zu lassen, was ihm teilweise fast einen Anflug von Wahnsinn verleiht, was seine Affinität zum Nationalsozialismus nachvollziehbar macht. Sein fast schon trotziges, aber sehr menschliches Verhalten, als er den Wert des Nobelpreises anzweifelt, falls Einstein diesen erhalten sollte, bleibt in Erinnerung. Besonders erwähnt werden möchte in diesem Zusammen auch die Szene zu Dieser jüdische Clown, in der in einer (Wunsch-)Traum-Sequenz von Lenard, Einstein als plakativ überzeichneter Clown mit roter Nase vorgeführt wird, der von Lenard und anderen Zeitgenossen verhöhnt und erniedrigt wird, bis dieser überraschend die Führung übernimmt und seine Peiniger wie dressierte Tiere im Kreis um sich herum tanzen lässt, während er die Peitsche hält, was beim Publikum einen starken Eindruck und Befriedigung hinterlässt.

In die Manege mit diesem Juden-Clown!
Prof. Lenard

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Eigentlich kann man sagen, dass jede einzelne Rolle hervorragend besetzt ist und und gesondert besprochen werden könnte und auch im Ensemble findet man grandiose Talente. Mit seiner Intensität, die ihm eine starke Bühnenpräsenz verleiht und seiner ausdrucksstarken Stimme, ist uns z.B. Stefan Gregor Schmitz besonders ins Auge gestochen. Bravo!

Musikalische Leckerbissen mit Ohrwurm-Faktor

Beim erstmaligen Ansehen eines Musicals ist es schwer, sich auf einzelne Songs zu konzentrieren, viel eher wirkt das Gesamtbild und dieses ist sehr ansprechend. Mit einer Mischung sehr klassischen Elementen, die durch das Spiel des Symphonieorchesters St.Gallen verstärkt werden, sphärischen Klängen und Ausflügen in die Moderne wird der Gegensatz zwischen den vorherrschenden Lehren der Physik und Einsteins unkonventionellen Denkvorstössen aufs Beste musikalisch eingefangen. Wir finden schöne, eingängige Balladen als Solos oder Duette, aber auch elektrisierende Uptempo-Stücke wie Darum nach Berlin. Und auch der absolute Ohrwurm, der einen bis nach Hause begleitet, da dafür gesorgt wird, dass er sich durch diverse Reprisen verankert, ist dabei: Eine Frage der Zeit.

Lohnt es sich, Einstein – A Matter of Time anzusehen?

Dank der spannenden Thematik, ist A Matter of Time nicht nur für eingefleischte Musical-Fans ein unbedingtes Muss. Bestimmt wird auch so mancher Physik-Interessierte Gefallen an seiner künstlerisch aufbereiteten Fachrichtung finden. Denn diese Detailliebe und diese zu 100% durchdachte Konzept (wir verneigen uns vor Gil Mehmert) reisst einfach mit. Auch optisch kann es problemlos in der obersten Liga mitspielen und könnte jeden Preis für Bühnenbild und Ausstattung gewinnen und mit David Jakobs auch direkt den für den besten Hauptdarsteller – ach, gleich auch noch für die beste Bühnenproduktion. Wie schon ganz zu Beginn erwähnt, können wir die Musicals, die uns so dermassen beeindruckt haben, an einer Hand abzählen und vom künstlerischen Aspekt her könnte Einstein – A Matter of Time sogar auf Platz 1 landen. St. Gallen ist auf dem besten Weg unser absoluter Musical-Hotspot zu werden, da hier wirklich Kultur gelebt wird. Einstein – A Matter of Time hat das Potential, sich zu einem wahrhaft grossen Musical zu entwickeln. Wobei, gross ist es bereits, das hat es an seiner umjubelten Premiere bewiesen. Nun gilt es, die Welt zu erobern, aber das ist nur a matter of time…

Tickets gibt es hier: https://www.konzertundtheater.ch/programm/spielplan-24-25/einstein-a-matter-of-time/

Cast & Creative Team

Cast
Albert Einstein: David Jakobs
Mileva Marić: Katia Bischoff
Prof. Weber/Max Planck: Livio Cecini
Pauline Einstein/Marie Curie: Anna-Julia Rogers
Marcel Grossmann/Eddington: Marlon Wehmeier
Prof. Philip Lenard: Jan-Philipp Rekeszus
Elsa Löwenthal: Barbara Obermeier
Clara Haber: Elise Doorn
Milos Marić/Besso/Fritz Haber: André Bauer
Maurice Solovine: Merlin Fargel
Conrad Habicht: Philipp Dietrich
Das Licht: Kelly Panier
Ensemble: Nico Hartwig, Amaya Keller, Stefanie Köhm, Sascha Luder, Martin Planz, Stefan Gregor Schmitz, Michael Souschek, Samantha Turton
Swing: Nico Schweers
Hans Albert Einstein: Taylor Bradley Götz
Sinfonieorchester St.Gallen

Creative Team

Musikalische Leitung: Koen Schoots
Inszenierung: Gil Mehmert
Choreografie: Melissa King
Bühne: Christopher Barreca
Kostüm: Claudio Pohle
Video: Austin Switser
Licht: Michael Grundner
Dramaturgie: Daniel Url
Ton: Marko Siegmeier/Nicolai Gütter-Graf
Regieassistenz: Edith Ronacher/Jurriaan Bles
Dance Captain: Samantha Turton
Kostümassistenz: Valeria Ballek/Malou Pohl de Rezende
Inspizienz: Ivana Aeschbacher


Ein herzliches Dankeschön an Konzert und Theater St. Gallen, für die Möglichkeit, dieses absolut gigantische Musical erleben und rezensieren zu dürfen. Selten hat uns ein Konzept so sehr fasziniert!


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