Die Kaiserin Elisabeth aka Sisi hat wieder einmal das Reisefieber gepackt, doch statt nach Madeira zog es sie diesmal neben Deutschland auch in die Schweiz.
Vom 20.05. – 08.06.2025 war Elisabeth – Das Musical in Zürich und Basel zu Gast, doch diesmal in der gefeierten Schönbrunn- Version. Die konzertante, halbszenische Version des Musical-Welterfolgs von Michael Kunze und Sylvester Levay verzichtet auf das aufwändige Bühnenbild, begeistert dafür mit Live-Orchester auf der Bühne. (Beinahe) unverändert sind die traumhaften Songs und Kostüme.
13 Jahre musste das Schweizer Publikum auf einen erneuten Besuch der Kaiserin Elisabeth warten. War sie zuletzt anfangs 2012 im Musical Theater Basel zu Gast, machte sie auf ihrer aktuellen Tour nicht nur erneut in Basel, sondern auch in Zürich Halt und wir konnten uns die Chance, eines unserer Lieblingsmusical erneut live zu sehen, nicht entgehen lassen und besuchten die Vorstellung am 23. Mai 2025 im Theater 11 in Zürich.
Der Mythos Sisi als Musical
Das Musical Elisabeth ist einer der grössten deutschsprachigen Musicalhits überhaupt und erzählt das Leben der österreichischen Kaiserin als eine Art Totentanz. Das Libretto von Michael Kunze und die Musik von Sylvester Levay sind Kult und das Stück begeisterte seit der Premiere im Jahr 1992 in Wien bereits in 12 Staaten und 7 Sprachen. Ebenso kultig wie die Liebesgeschichte zwischen Elisabeth und dem Tod sind die Darsteller, die diese Rollen prägten und weiterhin prägen. Denn in dieser Version hat Kaiser Franz Joseph einen starken Gegner und diese Dreiecksbeziehung ist faszinierend und unwiderstehlich.

Unvergessen sind Pia Douwes und Uwe Kröger als erste legendäre Verpaarung. Uwe Krögers Tod war androgyn und prägte das Aussehen der Rolle für Jahrzehnte und Pia Douwes ist noch heute für viele die Inkarnation von Sisi. Doch auch Maya Hakvoort und Máté Kamarás sind unvergessen, denn Mátés Tod war leidenschaftlich und animalisch und hob die Liebesbeziehung der beiden Rollen auf eine neue Ebene. Für viele jüngere Musicalbesucher ist Mark Seibert, als sehr männlicher Tod die Idealversion und Annemieke van Dam, welche auch auf der aktuellen Tour an bestimmten Daten in die Rolle der Kaiserin Schlüpft, versprüht Sisi-Feeling pur. – Auch andere Rollen durchliefen spannende Entwicklungen. Doch nach wie vor sind es Elisabeth und der Tod, die eine unwiderstehliche Wirkung auf das Publikum haben.
So leidet das Publikum mit der jungen, wilden Elisabeth, der am Kaiserhof die Zügel angelegt werden sollen und ist hin- und hergerissen zwischen dem Mitgefühl für Franz Joseph und der Sympathie für den verliebten Tod. Luigi Lucheni, der Mörder von Sisi, der vor Gericht steht und erklären soll, warum er die Kaiserin umgebracht hat, führt durch das Musical und trumpft mit einigen unterhaltsamen Songs auf. Grandiose Choreographien und aufregende, dramaturgische Kniffe lassen die Zuschauer von Anfang bis Ende mit fiebern. Ja, Elisabeth ist ein Meisterwerk.
Die Schönbrunnn- Version – Elisabeth – Das Musical, speckt ab
Auch wenn Elisabeth – Das Musical im Laufer der Jahre viele Änderungen durchlaufen hat, Songs gestrichen oder ersetzt wurden, neue dazukamen, die Rollen neu interpretiert wurden, im Ausland auch Kostüme verändert wurden etc., war es doch die Premiere der Schönbrunn-Version, die – wie könnte es anders sein – auf Schloss Schönbrunn, im Jahr 2024 Premiere feierte, die dem Musical eine neue Richtung gab. Als halbszenische, konzertante Aufführung, spielen die Darsteller vor einem sehr reduzierten Bühnenbild, das eigentlich nur aus einem hohen Rahmen oberhalb einer Treppe zu bestehen scheint. Ins Auge sticht definitiv auch das 18-köpfige Orchester, das als integraler Bestandteil des Bühnenbilds recht und links abgestuft neben der Treppe platziert ist.
Diese Fassung des Musicals fand beim Publikum grossen Anklang, weshalb Elisabeth 2024 erstmals in China mit der Schönbrunn-Version auf Tour ging und ab Dezember dann auch in Deutschland und anschliessend in der Schweiz zu sehen war.

die Schönbrunn-Version zu Gast in den Schweizer Theatern
Leider war es uns vergönnt, die Schönbrunn-Version von Elisabeth – Das Musical am Originalschauplatz zu sehen, doch die TV-Aufzeichnung hatten wir uns angeschaut und waren deshalb gespannt darauf, wie es in einem Theater umgesetzt werden würde. Vor allem, weil vor dem Schloss kein Bühnenbild verwendet wurde, was in einem Theater schlecht möglich ist.
Doch bereits beim Betreten des Theatersaals wurde schnell deutlich, dass das minimierte Bühnenbild von Britta Tönne durchaus seinen Reiz hat und mit dem auf der Bühne platzierten Orchester eine bombastische Wirkung erzeugt wird. Für uns ist es sogar ausgesprochen ansprechend, wenn das Orchester zu sehen ist und nicht im Orchestergraben versteckt spielt. Die Wichtigkeit der Livemusiker wird dadurch nämlich verstärkt und macht sie auch optisch zu Mitwirkenden, gleichgestellten Künstlern im Scheinwerferlicht. Besonders charmant inszeniert wird dies, als die kleine Elisabeth sich den Taktstock des Dirigenten schnappt und damit herum spielt. Überhaupt ist die Zusammenarbeit zwischen Britta Tönne und Regisseur Gil Mehmert sehr eindrücklich, was sicher auch aus der langjährigen, fruchtbaren Zusammenarbeit der beiden resultiert.
Als Liebhaber von geschickt inszeniertem, modernem Minimalismus war es faszinierend zu beobachten, wie vielseitig das Rahmen-Element im Verlauf der Show eingesetzt wird. So klettert der eine oder andere Darsteller bis ganz nach oben, es wird eine Schaukel installiert oder Elisabeths Ringe als Turngerät. Zudem hat die Treppe eine sehr Revue-artige Wirkung, die jedem auftretenden Darsteller einen richtig grossen Auftritt verschafft.
Kein bisschen minimalistisch sind jedoch die gezielt und sehr raffiniert eingesetzten Videoeinspielungen von Michael Balgawy im Hintergrund. Ob Schloss, Gasthof, Kathedrale, Kronleuchter, Wappen, Portraits. Kerzen, die aus dem Boden wachsen oder auch eher abstrakte, stimmungsverstärkende Farben und Muster, die Szenen werden aufs Beste untermalt und die Wirkung ist wirklich beeindruckend und ergibt mit dem traumhaften, historisch akuraten und sehr hochwertigen Kostümbild von Yan Tax ein wahres optisches Feuerwerk. Liebhaber von Kostümfilmen kommen fraglos auf ihre Kosten, denn schon Elisabeth alleine hat einiges zu bieten, kostüm- und maskentechnisch (allein schon diese Perücken!).
Nicht minder beeindruckend ist das Lichtdesign von Michael Grundner, das die Bühne innert kürzester Zeit komplett verwandelt, mal sanft, mal energetisch, aber nie ohne riesigen Eindruck zu hinterlassen. Als Meister seines Fachs schafft er es, alleine durch Licht und Farbe Gefühle zu wecken. Zuletzt hatten wie das Zusammenspiel zwischen ihm und Gil Mehmert bei Einstein – A Matter of Time bewundern dürfen und legen seither ein besonderes Augenmerk auf das Lichtdesign.

Anders, als z.B. bei der ebenfalls konzertanten Arena-Tour von Les Miserables, bei der meist vor einem Mikrophon stehend gesungen und auch mal im Stehen gestorben wurde, wird bei Elisabeth aber wirklich gespielt, mit vollem Körpereinsatz. Dies war, wie man im Publikum vorab vernehmen konnte, auch die grösste Sorge, ob denn die Gefühle überhaupt wirklich transportiert werden könnten. Aber diese Sorgen waren unbegründet: Oh ja, die Gefühle kommen richtig rüber und sogar besonders intensiv. Denn beim Spiel werden wirklich keine Abstriche gemacht.
Darsteller der Extraklasse
Dass der Zauber von Elisabeth wirklich entfaltet werden kann, liegt aber natürlich vor allem auch an den hervorragenden Darstellern. Da nicht ganz klar war, welche Besetzung spielen würde, waren wir sehr gespannt und wurden nicht enttäuscht. Zwar hatten wir, wie auch schon vor 13 Jahren – nicht die Möglichkeit, Annemieke van Dam in ihrer Paraderolle auf der Bühne erleben zu dürfen, doch mit Kristine Emde hatten wir eine hervorragende, ausdrucksstarke Kaiserin, die ihrer Rolle viel Gefühlstiefe gibt und auch die Entwicklung der jungen, verspielten Sisi zu Beginn des Stücks (die mit Claus Dam als Herzog Max eine sehr schöne Vater/Tochter-Beziehung auf die Bühne brachte) über die unabhängige, starke und selbstbewussten Kaiserin bis zur gebrochenen Frau, die sie gegen Ende des Stücks nach all den Verlusten und Enttäuschungen war, mit Tiefgang durchlebt. Neben ihrer wirklich kaiserlichen Ausstrahlung überzeugt auch ihre faszinierende Stimme, die sowohl in den leisen Tönen, als auch in den kraftvollen Passagen ihren Zauber entfalten und dies sowohl solo, als auch im Duett.

Auch wenn wir uns auf Dennis Henschl als Kaiser Franz Joseph gefreut hatten, da er uns in Robin Hood im Frühjahr 2024 als Guy von Guisbourne sehr begeistert hatte und den Kaiser sicher eine neue Facette hätte geben können, waren wir ausser uns vor Freude, als wir stattdessen André Bauer, den wir tatsächlich gar nicht auf dem Radar hatten, auf der Besetzungsliste sahen. Als einer der erfahrensten Franz Joseph-Darsteller, der unter anderem auch von 2003 – 2005 zusammen mit Maya Hakvoort und Máté Kamarás auf der Bühne stand, bringt er natürlich einen grossen Erfahrungsschatz mit und wir waren wirklich hingerissen von seiner gefühlvollen Interpretation. Stimmlich wussten wir bereits, was uns erwartete, nämlich eine der schönsten, einschmeichelnsten Stimmen der deutschen Musicalszene, aber ihn live zu erleben, war noch mal etwas ganz anderes. Was für ein grandioser Schauspieler. Besonders begeisterten uns die kleinen, fast nicht wahrnehmbaren Gesten, wie als er Elisabeth zum Schluss von Eine Kaiserin muss glänzen dazu bringen will, sich zu fügen und dabei ihre Hände drückt und „Bitte…“ flüstert. Seine alterslose Erscheinung lässt ihn den jungen, schneidigen und verliebten Kaiser genau so glaubhaft verkörpern, wie den verzweifelten, einsamen Mann, der die Kontrolle über seine Frau und sein Kaiserreich verliert und keinen Ort hat, um zur Ruhe zu kommen. Nichts ist schwer und Boote in der Nacht gehörten zu unseren Highlight des Abends, da die Stimmen von André Bauer und Kristine Emde perfekt harmonieren. André Bauer live als Frau Joseph zu erleben, war für uns wirklich ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist.

Wir hatten uns sehr gewünscht, Lukas Mayer als Tod erleben zu dürfen und dieser Wunsch wurde auch erfüllt. Nach den sehr menschlichen, sinnlichen Tod-Interpretationen der letzten Jahre, schenkt Lukas Mayer seiner metaphysischen Figur nämlich eine extrem surreale Wirkung, die durch die fast schon puppenhafte Schönheit des grossgewachsenen, schlanken, blondgelockten Darstellers verstärkt wird. Mehr noch sind es aber seine unwirklich langsamen Bewegungen , die etwas sehr Unheimliches, Raubtierhaftes an sich haben und einen den Atem anhalten lassen. Sein Tod ist nicht von dieser Welt, fast gefühlsneutral, wie es scheint, bis…, ja, bis er auf Elisabeth trifft. In diesen Momenten lässt Lukas Mayer das Publikum erleben, wie es sich anfühlt, sich zum 1. Mal zu verlieben. Seine Unschuld in Gefühlsdingen ist rührend und die zarten, liebevollen Momente zwischen den beiden atemberaubend. Erstaunt waren wir über die sehr Partitur-nahe Interpretation der Songs, etwas, das wir beim Tod zum ersten Mal erleben. Doch es passt zur Auslegung der Rolle in der der Tod zum ersten Mal menschliche Erfahrungen zu machen scheint. Lukas Mayers Stimme hat eine spezielle Färbung und sorgt vor allem in den tieferen Registern für Gänsehaut, einen Trumpf, den er auch ausspielt und nicht ohne Wirkung bleibt. Aber selbst, wenn er keinen Ton singen würde, wäre seine beinahe schon körperlich spürbare Präsenz Grund genug, sich diese Tourproduktion anzusehen.

Besonders freuen darf sich das Publikum aber auch auf Robin Reitsma, der aktuell als Erstbesetzung des Luchenis zu sehen ist und den auch wir erleben durften. Mit viel persönlichem Charme und einer enormen Ausstrahlung führt er durch das Musical und lässt uns hautnah die emotionale Belastung einer allnächtlichen Wiederholung der Geschehnisse miterleben. Von seiner Genervtheit zu Beginn des Stücks über die Freude, die ihm das Anprangern der Kaiserlichen Hoheiten bereitet, bis hin zum Empfang der verhängnisvollen Feile, mit der er Elisabeth schliesslich ihrem Schicksal zuführt. Robin Reitsmas Darstellung dieser wichtigen Erzähler-Figur, die ja auch ausgesprochen viel Bühnenzeit und Songs hat, ist trotz seines sehr humorvollen Untertons ausgesprochen eindringlich, was von seiner expressiven Mimik verstärkt wird. Noch nie haben wir die Angst Luchenis vor dem Tod (inklusive Zittern) so eindrücklich erlebt, was mit für die starke Wirkung des Todes verantwortlich ist. Unsere Plätze vorne in der Mitte waren dafür natürlich ideal. Aber auch stimmlich ist nichts -aber auch gar nichts – auszusetzen. Da stimmt wirklich jede Phrasierung. Ein echtes Erlebnis!

Mit Masha Karell steht eine sehr (ausdrucks-)starke Erzherzogin Sophie auf der Bühne. Schon bei ihrem ersten Erscheinen zieht sie einen in den Bann. Wo man in jungen Jahren noch ganz auf der Seite von Elisabeth ist und das bösartige Verhalten der Kaiserin Mutter nicht gutheissen kann, lernt man mit den Jahren, dass es Positionen gibt, die eine gewisse Verantwortung mit sich bringen und auch ein entsprechendes Verhalten in der Öffentlichkeit erfordern. Und Sophie trägt eine grosse Verantwortung. Masha Karell schafft diesen Spagat zwischen Menschlichkeit und Härte perfekt zu verkörpern und mit ihrer eindrucksvollen Stimme auch auf Gefühlsebene dem Publikum verständlich zu machen. Auch schafft sie es, den doch sehr deutlichen Alterungsprozess eindrücklich darzustellen. Ihr Ist das nun mein Lohn sorgt für Gänsehaut und ein Mal mehr wussten wir die Plätze in der 1. Reihe sehr zu schätzen, denn weiter hinten hätten wir allenfalls die Tränen in ihren Augen nicht gesehen. Ganz grosses Kino! Bravo!

Erzherzog Rudolf, der Sohn von Elisabeth, der der Last der Verantwortung, die seine Position mit sich bringt nicht gewachsen ist und seiner Mutter in Sachen Freigeist in nichts nachsteht, ist in unseren Augen keine einfach Rolle. Hier ist ein äusserst feines Spiel und viel Gefühl erforderlich, um die Nuancen dieser Rolle auszuloten. Dennis Hupka kann als unsere persönliche Überraschung bezeichnet werden, schafft er es nicht nur unseren hohen Ansprüchen an diese Rolle in Sachen Ausdruck und Stimme zu genügen, sondern uns wirklich zu begeistern. Die Schutzlosigkeit und Hilflosigkeit, die er als erwachsener Rudolf zum Ausdruck bringt, ist aussergewöhnlich und berührt zu tiefst. Und sowohl Die Schatten werden länger im Duett mit Lukas Mayer, als auch Wenn ich dein Spiegel wär sind echte Höhepunkte, so voller Emotion und roher Schönheit.

Aber auch der junge Rudolf, der bei unserer Vorführung von der kleinen Annika verkörpert wurde, wusste zu begeistern. Mit ausserordentlich viel Musikalität und klarer Stimme sowie einem natürlichen Spiel setzte sie einen wirklichen Glanzpunkt mit Mama, wo bist Du und einer zauberhaften Chemie mit Lukas Mayer, der sie mit so viel Fürsorge behandelte, dass es wirklich rührend war.

Dann und wann hört man eine Stimme, die einen vom ersten Augenblick an verzaubert, da sie völlig unabhängig von Rolle und Partitur, eine so schöne Färbung hat, dass man ehrfurchtsvoll aufhorcht. So eine Stimme durften wir an diesem Abend geniessen und zwar bei Janis van Dorsslaer. Auch wenn Herzogin Ludovika bisher nie eine der Rollen war, die uns so sehr in Erinnerung blieben, änderte sich dies an diesem Abend und wir lauschten wie gebannt. Aber auch als Frau Wolf, einer doch sehr gegensätzlichen Rolle, wusste sie zu überzeugen.
Auch im Ensemble entdeckt man immer wieder besondere Persönlichkeiten. Wer uns diesmal wirklich überzeugen konnte, war Sofie De Schryver. Als Fräulein Windisch, eine Insassin des Irrenhauses, die sich für die Kaiserin Elisabeth hält, hinterliess sie bei uns mit ihrer absolut kaiserlichen Attitude und viel Charisma einen grossen Eindruck. Kein Wunder, da sie auch als Cover Elisabeth im Einsatz ist. Sehr gerne hätten wir uns auch einen Eindruck über ihre Stimme verschafft, was in unserer Show aber leider nicht möglich war. Dennoch fiel sie uns nach der Irrenhaus-Szene immer wieder in den Gruppenszenen auf, auch, weil sie wirklich in direkten Kontakt mit dem Publikum geht, was natürlich vor allem für die vorderen Reihen durchaus Gewicht hat. Von ihr würden wir definitiv gerne mehr sehen.
Aber allgemein ist es sehr faszinierend zu sehen, wieviel Leidenschaft und Energie das Ensemble sich in ihre kleineren Einzelrollen legt. Ob Christian Funk als Graf Grünne, Christoph Apfelbeck als einer der Professoren (beide übrigens auch als Cover Tod besetzt), oder Madleen Dederding als Helene, jeder und jede einzelne agiert höchst professionell und ausdrucksstark. Und die ungarische Delegation begeisterte uns mit Akzent.

Wenn sie tanzen will, dann tanzt sie – auch in der Schönbrunn-Version
Wer Elisabeth – Das Musical in der Original Musical-Version gesehen hat, der weiss, wie energetisch und teilweise sogar fast schon akrobatisch es her und zu geht. Da balancieren der Tod und Lucheni auf einem sich hebenden und senkenden Balken in einigen Metern über dem Bühnenboden, Erzherzogin Sophie trabt mit ihrem Gefolge mit Pferdchen über die Bühne und die Ensemble-Nummern sind wirklich beeindruckend. Doch auch die Schönbrunn-Version mit den Choreographien von Simon Eichenberger sind ausgesprochen mitreissend. Den Balken gibt es natürlich nicht, dafür aber den Rahmen, die Ensemble-Stücken müssen sich vor dem Original keineswegs verstecken und der Tanz zwischen Tod und Rudolf in Die Schatten werden länger gefiel uns sogar einen Ticken besser. Die Idee mit der Peitsche ist kreativ und aufregend und sehr vital und wenn die Todesengel am grossen Rahmen Ihren Flügel abspreizen, macht dies wirklich Eindruck.

Die Ensemble-Nummern, wie Milch sind alles andere als „szenisch“ und Nur kein Genieren ist ebenso lasziv, wie im Original.
Der Prolog: Alles tanzten mit dem Tod mag choreographisch nicht ganz so aufregend sein, aber gegen dieses Stück ist niemand immun. Die Energie, die es erzeugt ist ebenso aufregend, wie Alle Fragen sind gestellt (die „Prozession“ die Treppe runter ist wirklich beeindruckend) oder der Mayerling-Walzer. Dieses Musical ist – in welcher Version auch immer – gespickt mit Highlights. Die grandiose Musik alleine schafft es, Gänsehaut zu erzeugen.
Nein, die Schönbrunn-Version ist massiv aufregender, als man von einem konzertanten Stück erwarten würde und hat einen ganz eigenen Charme.

Elisabeth und der Tod – die aktuelle Beziehung
Wer sich Elisabeth – Das Musical ansieht, wird IMMER ein besonderes Augenmerk auf die Beziehung zwischen Elisabeth und dem Tod legen. Auch wenn sie Franz Joseph heiratet, die Beziehung zum Tod ist stärker und endgültiger, da er ihre wahre Sehnsucht versteht.
Wie bereits erwähnt, wurde der Tod schon auf viele verschiedene Weisen interpretiert und jede Version hatte ihren ganz eigenen Charme. Aktuell ist die Beziehung auf aussergewöhnliche Weise zärtlich. Wie der Tod auf Elisabeth reagiert, wie er sie umarmt, wenn sie um ihre Tochter trauert (in anderen Versionen war da so viel mehr Distanz). Wie er sie hält, wenn sie sich bei Der Schleier fällt in seine Arme schmiegt, ist einzigartig schön. Auch sein Kuss ist sehr liebevoll und beschützend, als ob wirklich nur Elisabeth, eine Gefühlsregung im sonst emotionslosen Tod wecken könnte. Oft hatte man in anderen Versionen ein wenig das Gefühl, dass der Tod sich alleine an der Jagd auf Elisabeth erfreut und das Interesse verliert, sobald er sie – oft sehr grob – geküsst hat, doch in der aktuellen Tourproduktion scheint es wirklich Liebe zu sein, eine Liebe, die dem geliebten Wesen alles sein will, was es braucht: Liebhaber, Freund, Beschützer, Lehrer… Emotional eine der schönsten und wahrhaftigsten Versionen überhaupt.

Fazit
Elisabeth – Das Musical ist – auch in der Schönbrunn-Version – ein Stück, über das wir unendlich lange weiter schreiben könnten, da es in unseren Augen eines der perfektesten Musicals ist, die existieren. Mit Freude würden wir jede einzelne Szene auseinander nehmen und alle unsere Highlights aufzählen, dennoch könnte es nicht die Begeisterung und den grossen Respekt für Cast und Creatives wiedergeben, die wir empfanden.
Mit einer grandiosen Besetzung, beeindruckender Ausstattung und einem perfekt abgestimmten Konzept aus Licht- und Videodesign ist auch die Schönbrunn-Version ein absolutes Juwel, das wir nicht hätten missen wollen.
Cast & Creatives
Elisabeth: Kristine Emde
Der Tod: Lukas Mayer
Lucheni: Robin Reitsma
Kaiser Franz Joseph: André Bauer
Erzherzogin Sophie: Masha Karell
Erzherzog Rudolf: Dennis Hupka
Herzogin Ludovika /Frau Wolf: Janis van Dorsselaer
Herzog Max in Bayern: Claus Dam
Kleiner Rudolf: Annika
Ensemble: Christoph Apfelbeck, Kevin Arand, Sophie Bauer, Paula Bresnik, Sofie de Schryver, Madleen Dederding, Chrstian Funk, Fabian Kaiser, Ariane Swoboda, Martijn Smids, Frederik Stuhllemmer, Jan Ungar, Marie-Louise van Keisfeld, Nicolo Soller, Susann M. Ketley, Giulia Wegmüller
Creative Team:
Buch und Texte: Michael Kunze
Musik & Orchestrierung: Sylvester Levay
Regie: Gil Mehmert
Videodesign: Michael Balgawy
Musikalische Leitung: Bernd Steixner
Set Design Consultant: Britta Tönne
Lichtdesign: Michael Grundner
Sounddesign: Thomas Albert Strebel
Kostümdesign: Yan Tax
Choreographie: Simon Eichenberger




































