Dinner for WAM im Casino Theater Winterthur

Am 3. September 2025 feierte im Casinotheater Winterthur ein neues Stück Premiere: Dinner for WAM. Dass der 80. Geburtstag vom Walter Andreas Müller genau auf diesen Tag fiel, war durchaus kein Zufall, befasst sich das Stück doch intensivst mit der Planung einer Geburtstagsfeier für die Schweizer Showlegende. Dass WAM noch längst nicht zum alten Eisen gehört, beweist der Entertainer und Sympathieträger noch bis am 28. September 2025.

Es gibt ja bekanntlich viele Menschen, die keinen Wert darauf legen, ihren Geburtstag zu feiern. Walter Andreas Müller, seines Zeichens Schweizer Showlegende, Bundesrats-Parodist und offizielle Stimme von Globi macht keine Ausnahme. Nicht nur, dass er bisher keine runden Geburtstage gefeiert hat, die Zelebration der ungeraden war ihm ebenfalls kein Anliegen.

Dies wissen auch Viktor Giacobbo, ehemaliger Verwaltungsratspräsident des Casinotheaters Winterthur und Christian Jott Jenny, aktuelles Verwaltungsrstsmitglied, die an einem Tisch auf der sonst relativ leeren Bühne lümmeln. Dennoch können sie es nicht lassen, Pläne für eine Feier zum 80. Geburtstag des Comedy-König zu schmieden. Mal abgesehen davon, dass es ihnen ein persönliches Anliegen ist, ihrem Freund die Ehre zu erweisen, ist man es ja auch dem Publikum irgendwie schuldig, das es sich sicher auch nicht nehmen lassen möchte, seinem Idol zu gratulieren. Klingt eigentlich nach einer echten Win-Win-Situation.

Das Brainstorming ist gespickt mit Scherzen über WAMs Grösse und Alter, aber auch voller Wertschätzung für sein Schaffen. Um seinem Publikum einen Querschnitt all seiner beliebten Rollen und vor allem Parodien zu bieten, einigt man sich auf eine Version des beliebten Silvester-Klassikers Dinner for One, nur dass es diesmal ein Dinner for WAM werden soll.

E Jubiläumsgala wär doch schön, aber under Umstände chan er sich de Text nüme merke.
Christian Jott Jenny

Denn projiziered mir de Text uf e Liinwand ue. Das isch au grad en Service a siis Publikum.
Viktor Giacobbo

Doch hier wurde die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn WAM, der vor mehr oder weniger vollendete Tatsachen gestellt wird, hat die Faxen dicke von seinem Image als ewiger Satiriker und Stimmenimitator. Er will keine Gags mehr über Bundesräte oder seine Zeit bei „Fascht e Familie“ hören. WAM hat nur einen einzigen Wunsch: Endlich in die Traumrolle seines Lebens zu schlüpfen – die des Romeo aus Shakespeares Tragödie, die ihm bisher versagt blieb.

©leslynch.ch – Walter Andreas Müller

Nach einem „altersgerechten“ Auftritt im Altherrentenue samt Rollator und Apothekensäckli und zur Schau getragenen Gedächtnis- und Inkontinenzprobleme, die das kreative Casinotheater-Duo doch ziemlich ins Schwitzen bringen, stellt der noch immer ausserordentlich fitte Entertainer seine Forderungen: Feiern, ja, aber nur, wenn er endlich seinen Traum erfüllen kann, völlig unabhängig davon, ob diese Rolle in den Augen der anderen zu ihm passt. Und die Proben beginnen.

Romeo und Julia im Pflegeheim

Das Buch von Autor Domenico Blass hält natürlich einige unerwartete Wendungen parat. Unter anderem, versuchen Jott Jenny und Giacobbo eine altersgerechte Julia für WAM zu organisieren. Fabienne Louves und Sandra Studer, die in WAMs Augen potentielle Kandidatinnen wären und WAM persönlich auch sehr gut gefallen würden, erscheinen den beiden doch etwas zu jung für den fast 80-jährigen Romeo.

Wenn du de Julia i some Alter die ewig Liebi schwörsch, isch das nid eso es Rieseverspreche.
Christian Jott Jenny

Kurzerhand laden sie Maja Brunner ein, die mit ihren 74 Jahren besser zu passen scheint und für das Publikum ein weiteres Highlight darstellt. Doch auch Maja glaubt nicht wirklich an diese Inszenierung, obwohl sie gewohnt professionell agiert und wir sie durchaus gerne als Julia gesehen hätten (WAM als Romeo übrigens auch). Das von Jott Jenny organisierte Recycling-Kunstwerk, das als stilistischer Balkon dienen soll und von WAM als „Tinguely für Armi“ betittelt wird, fällt sowohl bei „Romeo“ als auch bei „Julia“ durch und mag so gar nicht zu WAMs historischen Kostüm passen. Da hilft auch das auf die Leinwand proijezierte romantische Renaissance-Bild mit von Blumen bewachsenen Torbogen nicht. Peter Niklaus Steiner hingegen, der sich mit Shakespeare-Stoffen auskennt und deshalb als Regisseur verpflichtet wird, sieht durchaus Potential in der späten Liebesgeschichte, lässt sich aber auch mit Freuden auf das wacklige Konstrukt ein und beweist mit vollem Körpereinsatz, wie ein echter Romeo gespielt werden will, was in Maja Brunners Augen die Grenzen dann doch etwas überschreitet. Dennoch stellt er einen wohltuendenden Kontrast zu den beiden berechnenden Herren dar, die mit allen Mitteln versuchen, WAM von ihrer ursprünglichen Idee zu überzeugen und dessen Pläne zu torpedieren.

©leslynch.ch – Walter Andreas Müller und Maja Brunner

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Wer, wie wir, ein weiches Herz hat, wird das eine oder andere Mal hart schlucken, wenn Spässe über die Körpergrösse oder das Alter dieses wunderbaren und sympathischen Künstlers gemacht werden und man hofft von Herzen, dass er wenigatens zu seinem Ehrentag seine Traumrolle verkörpern darf. Doch wer WAMs Karriere verfolgt hat, weiss auch, dass eine seiner grössten Stärken die Fähigkeit ist, offen mit Komplexen und Schwächen umzugehen und über sich selbst zu lachen. Denn gerade als Komiker und Parodist, dessen Spezialität es ist, die Besonderheiten von in der Öffentlichkeit stehenden Persönlichkeiten, wie dem gesamten Bundesrat, augenzwinkernd herauszustreichen, weiss er, dass dies der Preis ist, den man als Berühmtheit zahlt.

Du hesch recht! Ich han en Operesänger welle werde, wo ich chlii gsi bin.
Walter Andreas Müller

Du bisch immer no chlii.
Christian Jott Jenny

Ausserdem wirken die Frotzeleien auch eher wie liebevolle Sprüche, wie sie unter guten Freunden oder in der Familie gemacht werden, weshalb man doch darüber lachen kann. Domenico Blass‘ Dialoge sind aber auch wirklich zu gut und schliessen auch Viktor Giacobbo und Christian Jott Jenny nicht aus. So leugnet Giacobbo sein Alter geflissentlich und wird zudem regelmässig mit Anrufen von seinem langjährigen Bühnenpartner Mike Müller terrorisiert, der mit seinem Comedieprogramm in der aktuellen Circus Knie-Tournee überfordert ist. Giacobbo selbst nutzt diese „Verpflichtung“ aber durchaus gerne als Ausrede, um möglichst keine grössere Verantwortung im Geburtstagsstück übernehmen zu müssen. Jott Jenny hingegen steht mit seiner Tätigkeit als Gemeindepräsident von St. Moritz im Kreuzfeuer und nutzt dieses Amt im Stück durchaus auch mal aus. Doch seine Nonchalance ist unwiderstehlich.

©leslynch.ch – Peter Niklaus Steiner, Maja Brunner, Walter Andreas Müller

Eine Homage an WAMs Vielseitigkeit

Im 2. Akt nimmt Dinner for WAM dann so richtig Fahrt auf. Vor allem, als die Romeo und Julia– Idee musikalischen Antrieb erhält. So stimmt Christian Jott Jenny, der neben Pianist Andres Joho gleich noch eine ganze Band aus dem Ärmel schüttelt, entgegen aller Einsprüche, Maria aus West Side Story an und WAM, ganz Künstler, kann sich nicht besonders lange gegen den Zauber dieser preisgekrönten Musik wehren und schon ist man mittendrin in einer herzergreifenden Version des Bernsteine- Hits, die niemanden kalt lässt. Als mit dem sehnsuchtsvollen Tonight nachgedoppelt wird, erreicht das Stück seinen ersten emotionalen Höhepunkt und man kämpft direkt ein bisschen mit den Tränen. Als Maja Brunner dann noch ein energiegeladenes America zum Besten gibt, in das die Herren direkt einsteigen, freut man sich einfach nur noch über die drei grandiosen Stimmen, aus denen die pure Liebe für ihre Kunst spricht.

Als WAM Blut geleckt hat, darf sich sein Publikum auf weitere musikalische Highlights freuen, wie zum Beispiel Maja Brunners Das chunnt eus Spanisch vor, das Lied, das ihr 1987 den Sieg beim Grandprix der Volksmusik einbrachte und zum Durchbruch verhalf, oder WAMs  De Heiri hat es Chalb verchauft aus Paul Burkhalters Operette Die kleinen Niederdorfoper inklusive des legendären Tänzchens, die ein weiterer Beweis für WAMS erstaunliche körperliche Fitness ist, von der man bereits zuvor einiges sehen konnte.

Als WAM dann folgende Zeilen aus Burkhalters Der schwarze Hecht singt, ist Gänsehaut angesagt:

…Denn meint me, 80 Johr müend e Ewigkeit si. Und doch die paar Jöhrli, wie schnell gönds verbi…
Auszug aus Wie bald wird mer alt

Wie intim, wie schön, wie menschlich…

Bis zu den berühmten Polit-Parodien ist es dann nicht mehr weit und die im Premierepublikum sitzenden Alt-Bundesräte haben die Möglichkeit, sich selbst auf der Bühne zu bewundern, als WAM seine diversen prominenten Gäste verkörpert und sich selbst (gespielt von Maja Brunner) zum Geburtstag gratuliert. 

Ein Mal mehr zeigt sich WAMs grosses Talent, sich trotz seiner starken Präsenz in ein Ensemble einzufügen, und seine Bühnenpartner*innen glänzen zu lassen. Selbst in seinem eigenen Ehrenstück zeigt er diese Grösse und beweist erneut, weshalb er bei Bühnenkollegen und Publikum gleichermassen beliebt ist.

©leslynch.ch – Viktor Giacobbo und Walter Andreas Müller

Die Hingabe der Künstler

Was bei all dem Spass, den musikalischen Höhepunkten und der feierlichen Stimmung immer etwas im Hintergrund zu spüren, ist die Tatsache, welche Bindung man als Künstler eingeht. Auch wenn in diesem Stück ein Geburtstag für einen der grössten Schweizer Showgrössen geplant wird, ist das Publikum ein nicht zu unterschätzender Faktor. Aus diesem Grund versuchen Viktor Giaccobo und Christian Jott Jenny auch eine Show auf die Beine zu stellen, die zwar WAM zu Ehren stattfindet, aber dennoch die Anforderungen des Publikums erfüllt, denn irgendjemand soll die Show ja sehen. Ein Künstler ohne Publikum, für das er performen kann, ist arbeitslos und eine Spielstätte ohne Publikum kann schliessen. Unter diesem Aspekt betrachtet, macht das Handeln der beiden Herren definitiv Sinn, denn in ihrer Funktion als Geschäftsmänner müssen sie auch an den wirtschaftlichen Erfolg des Stücks und des Theaters denken.

Doch ein Künstler, wie Walter Andreas Müller weiss das und ist diese Bindung aus Liebe eingegangen – aus Liebe zur Kunst und aus Liebe zu seinem Publikum. Wie sonst könnten man sich erklären, dass er diesen Ehrentag zusammen mit den Menschen feiern möchte, die ihn die ganzen Jahre begleitet und unterstützt haben, seine Freunde, seine Wegbegleiter, sein Publikum – und das ganze 20 mal. Und wie könnte man dies besser tun, als mit einem Stück, in dem er seinem Publikum noch einmal all das bietet, was es liebt: WAM pur! So authentisch, selbstironisch, sympathisch, vielseitig und wahrhaftig, wie er selbst.

©leslynch.ch – Walter Andreas Müller

Fazit

Es war uns eine unglaubliche Ehre, am 3. September Teil des Premierepublikums von Dinner for WAM und somit auch Gäste an WAMs Geburtstags-Party zu sein. Wir empfinden tiefsten Respekt für ihn als Menschen und Künstler und ehren, was er für die Schweizer Showszene geleistet hat und noch immer leistet. Mit Dinner for WAM hat das Casinotheater Winterthur eine wunderschöne Homage geschaffen, die mit 20 Vorstellungen extrem exklusiv ist und deren Besuch sich absolut lohnt. Nicht nur, dass es keine spätere Gelegenheit dafür mehr gibt, da das Stück explizit für diesen Geburtstagsmonat geschrieben wurde, sondern auch, weil die fünf Darsteller eine grossartige Leistung zeigen und sich nicht auf WAMs Namen und der Exklusivität dieser Show ausruhen. Das Stück wirkt herrlich chaotisch und deshalb so authentisch und persönlich, wie eine Zusammenkunft von langjährigen Freunden, die sich gegenseitig in- und auswendig kennen und deshalb auf die Schippe nehmen können.

Es lohnt sich deshalb zu 100%, sich eines der Resttickets zu kaufen und diesem einmaligen Erlebnis beizuwohnen.

Tickets für Dinner for WAM gibt es hier: https://www.casinotheater.ch/spielplan/produktion/dinner-for-wam/

Cast & Creatives

Mit: Walter Andreas Müller, Viktor Giacobbo, Christian Jott Jenny, Maja Brunner, Peter Niklaus Steiner
Regie: Peter Niklaus Steiner
Regie-Assistenz: Mary Santella
Musik: Andres Joho, Robert Weber, August Züger, Philipp Scholl
Buchautor: Domenico Blass
Kostümbild: Natalie Péclard
Bühnenbild: Christine Fueter


Ein herzliches Dankeschön an das Casinotheater Winterthur für die Möglichkeit, diesem wunderbaren Event beizuwohnen und dieses aussergewöhnliche Stück zu rezensieren.


©Sara Ley leyfotografie.com
©leslynch.ch – Maja Brunner und Walter Andreas Müller
©leslynch.ch – Christian Jott Jenny
©leslynch.ch – Walter Andreas Müller und Maja Brunner
©leslynch.ch – Walter Andreas Müller
©leslynch.ch -Peter Niklaus Steiner
©leslynch.ch – Walter Andreas Müller und Maja Brunner
©leslynch.ch – Walter Andreas Müller und Maja Brunner
©leslynch.ch – Peter Niklaus Steiner
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©leslynch.ch – Walter Andreas Müller und Maja Brunner
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©leslynch.ch – Walter Andreas Müller und Christian Jott Jenny
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©leslynch.ch – Walter Andreas Müller und Maja Brunner
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©leslynch.ch – Christian Jott Jenny
©leslynch.ch – Walter Andreas Müller

Die Aftershow-Geburtstagsparty

Und hier folgen noch ein paar Eindrücke der Aftershow-Party am 3. September 2025 im Foyer des Casinotheaters Winterthur in Anwesenheit des Casts und zahlreicher prominenter Gäste.

©leslynch.ch – Lea Spirig und Walter Andreas Müller
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©leslynch.ch – Walter Andreas Müller und Hans-Rudolf Merz
©leslynch.ch – Roger Schawinski und Moritz Leuenberger
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©leslynch.ch – Roger Schawinski
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©leslynch.ch – Röbi Koller und Stefan Büsser
©leslynch.ch – Walter Andreas Müller
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©leslynch.ch – Lea Spirig
©leslynch.ch – Moritz Leuenberger
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©leslynch.ch – Franz Hohler und Röbi Koller
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