Die Legende der Titanic – Die immersive Ausstellung in der Lichthalle MAAG

Seit dem 4. September 2025 hat das Schweizer Publikum die Möglichkeit in der Lichthalle Maag in Zürich an Bord der Titanic zu gehen und in See zu stechen. Die neue immersive Ausstellung Die Legende der Titanic lässt seine Besucher tief in die Geschehnisse vor, während und nach der Tragödie vom 14.04.1912 eintauchen und mit faszinierenden 360°-Projektionen und mittels Virtual Reality hautnah erleben.

Wir waren an der Vernissage am 2. September 2025 und liessen uns komplett von diesem Erlebnis mitreissen.

Seit die Lichthalle Maag im Herbst 2021 als erstes permanent betriebenes Museum für immersive Kunst eröffnet wurde, gibt eine faszinierende Ausstellung der nächsten die Klinke in die Hand. Mit Frida Kahlo, Monet, Klimt, Picasso und Da Vinci liess Maag zunächst die Werke grosser Künstler*innen auf den neun Meter hohen Wänden der Lichhalle zum Leben erwachen. Bei  Tutanchamun, einer immersiven Ausstellung über den berühmten Pharao, arbeitete Maag zum ersten Mal mit MAD (Madrid Artes Digitales) zusammen, die sich im Bereich der immersiven Kunst als Visionäre gezeigt und bereits erfolgreich mehrere Ausstellungen, die weltweit zu sehen waren, ins Leben gerufen haben.

Mit Die Legende der Titanic hat sich die Lichthalle Maag für eine Ausstellung entschieden, deren Thematik die Menschheit bereits seit 113 Jahren fasziniert und seit James Camerons filmischen Meisterwerk von 1997 auch in romantischer Hinsicht ganz vorne mitspielt. Und auch bei Maag wird nicht ganz auf die Zugkraft des Films verzichtet, so hat man z.B die Möglichkeit, am berühmten Bug der Titanic Erinnerungsfotos zu schiessen oder im Merchandise Shop das „Herz des Ozeans“ zu kaufen (und wir haben natürlich beides gemacht).

©leslynch.ch

Ansonsten konzentriert sich die Ausstellung aber auf die historischen Fakten und macht nicht weiter Gebrauch von der Zugkraft des Films, was auch gar nicht nötig ist, da diese Tragödie in so vielerlei Hinsicht die Gemüter der Menschen bewegt. Dennoch begleitet der „Hauptfilm“ das Schicksal einer Familie, um die Geschehnisse persönlicher zu machen und eine Identifikation zu ermöglichen.

Der Mythos Titanic – Faszination und Legendenbildung

Die Titanic, das unsinkbare Schiff, das Meisterstück der Ingenieurskunst, machte sich am 10. April 1912, 12:00 Uhr mittags von Southampton (England) aus auf ihren Weg nach New York. An Board rund 2224 Personen, davon ca. 1317 Passagiere (1., 2. und 3. Klasse) und ca. 907 Crew-Mitglieder.
Eine Reise, die sechs Tage dauern sollte, fand nach 4,5 Tagen ein jähes und tragisches Ende, das gut 1500 Menschen das Leben kostete und das der Überlebenden für immer veränderte.

Die Titanic ist weit mehr als ein historisches Schiff – sie wurde zum Symbol menschlicher Überheblichkeit, blindem Vertrauen in die Technik, sozialer Ungerechtigkeit und dem Scheitern grosser Träume. Ihr Untergang markierte den Verlust einer Ära des Fortschrittsglaubens, was weit mehr Menschen als die direkt Beteiligten betreffen sollte.

Die Story besitzt zudem klassische Züge der Tragödie: der majestätische Held (das Schiff), die fatalen Warnungen (der Eisberg), und das unvermeidliche Schicksal. Diese Gegebenheitem machten die Geschichte der Titanic für Medien, Literatur und Film von Beginn an zum idealen Stoff und zu einer kulturellen Ikone, die nicht an Aktualität verliert, denn die Kombination aus Luxus, kollektiver Hoffnung (Auswanderer, Wohlstandssucher) und tragischem Schicksal macht ihre Geschichte universell nachvollziehbar .
Die Zeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg, soziale Klassen, Prominente an Bord – all dies verstärkt die emotionale Anlage dieses Mythos.

Dieses starke Interesse am Mythos Titanic rechtfertigt die Existenz zehn verschiedener Ausstellungen zum Thema Titanic, wobei die von MAD mit ziemlicher Sicherheit zu den modernsten gehört.

©leslynch.ch

Was macht die immersive Ausstellung Die Legende der Titanic so besonders?

Nach seiner Premiere in Madrid, wo 325’000 Besucher bereits die Ausstellung bewunderten, folgten München und London. Dank der hervorragenden und bereichernden Zusammenarbeit mit MAAG Moments war es Produzent Jelle De Jong ein persönliches Anliegen, zeitnah auch in Zürich Halt zu machen. Wie es auch schon 2024 bei Tutanchamun der Fall war.

Über zwei Jahre – so Kurator Joan Cruz Ercoreca – hätten die Digital Creators von MAD an der Ausstellung gearbeitet. Wie zur Zeit des Baus der Titanic, wollte man auch bei diesem Projekt alle technischen Möglichkeiten zu 100% ausnutzen, die zur Verfügung standen, um Geschichte und Technologie auf innovative Weise zu verbinden und zu einem hochwertigen, digitalen Erlebnis zu machen.

Dennoch wird auch bei La Leyenda del Titanic – so der Originaltitel der preisgekrönten Ausstellung, die bereits vier Awards für die beste immersive Ausstellung 2025 gewonnen hat – nicht ganz auf eine physische Exponate-Präsentation verzichtet. Juan Cruz Ercoreca war seit seiner Kindheit von der Titanic fasziniert und stellte für diese ausserordentliche Ausstellung seine private Sammlung zur Verfügung. Sein während über zwanzig Jahen gewachsener Schatz zählt zu den grössten Sammlungen weltweit. So werden z.B. historische Gegenstände wie das Geschirr der White Star Line gezeigt oder auch ein Model der Titanic. Ebenfalls zu bewundern ist die Karte des Menüs, das am Tag der Tragödie serviert wurde. Sie ist ein weiteres Beispiel für den Luxus, der für die Titanic charakteristisch war.

Eine besondere Freude war es uns, über den bekannten schwarz-weissen Boden der 1. Klasse zu gehen, der das Bild des Films visuell stark geprägt hat.

©leslynch.ch

Virtual Reality, Metaverse und 360°-Projektionen – Die Titanic, wie sie noch nie erlebt wurde

Bei Die Legende der Titanic wird auf ein ganzheitliches Erlebnis gesetzt, das sämtliche viele Datstellungs-Möglichkeiten miteinbezieht und nicht ausschließlich virtuelle Techniken. Dennoch ist das Herzstück der Ausstellung das 360°-Erlebnis, ergänzt von den Virtual Reality- Bereichen.

Uns ist das 360°- Erlebnis immer der liebste Teil. In diesem 9 m-hohen Raum zu stehen oder zu sitzen und eine ganz andere Welt, in diesem Fall das Jahr 1912, um sich herum entstehen zu sehen, ist atemberaubend. Mit 43 Epson- Laserprojektoren und BrightSign-Playback mit boden-inklusiver Projektion entstehen lebensechte Bilder. Bei Die Legende der Titanic bestechen vor allem die Bilder an Deck sowie der immersiven Räume, die die Besucher in die luxuriösen Speisesäle, die eleganten Kabinen der ersten Klasse und sogar in den Maschinenraum des Schiffes versetzen. Sehr begeistert waren wir von der Detailliebe, mit der diese Räume ausgestattet wurden und natürlich die berühmte Treppe, an deren Fuss wir dann sogar einen Walzer wagten zusammen mit den geisterhaft anmutenden Paaren, die sich mit uns durch den Raum bewegten. Was für ein unglaubliches Gefühl.

©leslynch.ch

Doch gerade beim Sinken des Schiffs gibt es auch ziemlich beklemmende Szenen und man kann sich teilweise wirklich vorstellen, wie es sich angefühlt haben muss, zuzusehen, wie das Wasser im Inneren des Schiffs ansteigt und das Schiff kippt. Auch die Unterwasser-Sequenzen mit den im Wasser treibenden Gegenständen sind sehr eindrücklich.

In Kombination mit kanalgetrennter, flächendeckender Beschallung (DAS Audio) für präzise Raumabbildung entsteht eine ganz eigene Welt. Dabei faszinieren die Geräuschkulisse und der eigens komponierten Soundtrack von René Merkelbach gleichermassen.

©leslynch.ch

Für uns nicht unbedingt notwendig war die Geschichte von Arthur Callahan, welcher mit seiner kleinen Tochter Elizabeth als Passagiere der dritten Klasse auf dem Weg nach New York ist und reale Vorbilder in Überlebenden der Katastrophe hat. Natürlich verstehen wir die Beweggründe dieses Geschichte in den Fokus zu setzen, um die Identifikation zu erhöhen, doch die wie Trickfilm- oder Gamecharakter aussehenden und animierten Figuren mindern das Gefühl von Echtheit wieder und man wähnt sich eher in einem Arthouse-Film. Dennoch ist die Idee, nur den Vater und seine Tochter in Farbe abzubilden und andere Gäste der Titanic schwarz-weiss zu lassen, sehr nett. Und die jungen Besucher der Ausstellung werden sicher ihre Freude haben, die kleine Elisabeth auf ihrer verbotenen Erkundungstour durch die 1. Klasse zu beobachten.

©leslynch.ch

Wie schon bei Tutanchamun hat man auch in der aktuellen Ausstellung die Möglichkeit, via VR-Brille in eine Virtual Reality einzutauchen und sicher auf seinem Hintern sitzend zum Wrack der Titanic in 3800 Metern Tiefe abzutauchen, begleitet von den geisterhaften Orchester-Musikern, die 1912 so heldenhaft bis zum letzten Augenblick weiter spielten, um die verbleibenden Passagiere zu beruhigen.

Im Metaverse spaziert man dann mit Brille und Kopfhörer ausgestattet über das Deck der Titanic, wo man z.B. Kapitän Edward Smith trifft und durch da Innere des Schiffs, wo man Gäste in ihren Kabinen beobachten kann und aus dem Staunen kaum mehr rauskommt. Da man sich hier wirklich durch einen abgegrenzten Raum bewegt, gibt es natürlich Sicherheitsmassnahmen, die das Zusammenprallen mit anderen Besuchern oder der Wand verhindern. Dennoch braucht es eine gewisse Überwindung, sich von der Aussenwelt komplett abgeschirmt auf den Weg zu machen.

©leslynch.ch

Fazit

Mit Die Legende der Titanic hat MAD eine eindrucksvolle immersive Ausstellung erschaffen, die wie bereits sein Vorgänger die Besucher der Lichthalle Maag begeistern wird, da ein Thema aufgegriffen wurde, das viele Zielgruppen anspricht. Ob Technik-Fan, Film-Fan, Geschichtsliebhaber oder Romantiker, jeder wird auf die eine oder andere Weise abgeholt. Die unterschiedlichen Bereiche sprechen Klein und Gross an und lassen auch einen Familienausflug nach Hardbrücke zum echten Erfolg werden. 

Auch englisch- und französisch-sprechende Besucher kommen auf ihre Kosten, da Kopfhörer zur Verfügung stehen und per QR-Code Info-Tafeln übersetzt werden können.


Ein herzliches Dankeschön an die Lichthalle Maag für die Einladung zur Vernissage und die Möglichkeit diese Ausstellung zu rezensieren.


©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch

Vernissage zur Eröffnung der Ausstellung

Hier noch ein paar Eindrücke der Vernissage am 2. September 2025 in der Lichthallle Maag. Nach einem zauberhaften Apéro wurden die rund 200 geladenen Gäste in die Entstehung und den Aufbau der Ausstellung eingeführt, von Darko Soolfrank, Artistic Director/Co-Founder bei MAAG Music & Arts, aber auch von Kurator Juan Cruz Ercoreca und Projektleiter Jelle De Jong.

©MAAG Moments
©leslynch.ch
©leslynch.ch – Produzent von MAD Jelle de Jong
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch
©leslynch.ch

Kommentar verfassen