Künstler, Erfinder, Ingenieur… Leonardo Da Vinci war so vieles und doch wird ihm kein Titel gerecht. Als erster „uomo universale“- wie aussergewöhnliche Menschen wie er in Italien genannt werden – war er seiner Zeit weit voraus und veränderte die Welt durch seine vielseitigen künstlerischen Tätigkeiten und seine unermüdliche Beschäftigung mit nahezu allen in der Renaissance bekannten Wissensbereichen.
Vom 25. April bis 20. Oktober 2024 haben die Besucher*innen der Lichthalle MAAG die Möglichkeit, in das Leben und Schaffen dieses Universalgenies einzutauchen und auf nie dagewesene Weise zu erleben.
Die einen denken bei „Leonardo Da Vinci“ an Mona Lisa, eines seiner bekanntesten Werke, die anderen an den Vitruvianischen Menschen, seine wohl berühmteste Skizze. Diejenigen, die sich eingehender mit Da Vinci befasst haben, wissen von ihm als Erfinder und Ingenieur. Doch sein gesamtes Genie mag kaum einer erfassen, seine ganze Vielseitigkeit und Neugier.
Dennoch freut sich derzeit jeder Besucher der Lichthalle MAAG über den sehr gelungenen Versuch einiger kreativen und visionären Menschen, das Genie und Schaffen Da Vincis zusammen zu fassen und uns Besuchern zugänglich zu machen.
Da Vinci meinte einst:
Ich möchte Wunder schaffen.
Wer derzeit die Lichthalle MAAG besucht, wird ohne Zweifel bestätigen, dass Leonardo Da Vincis Wunsch erfüllt wurde. Da Vinci war fasziniert von Bewegung und allem, was diese bewirkt, bei Menschen, Tieren und Maschinen. Wie begeistert wäre er gewesen, seine Skizzen in Bewegung zu sehen. Und auch uns Menschen des 21. Jahrhunderts, die nun beinahe 600 Jahre nach Entstehung dieser Bilder und Skizzen, erleben dürfen, wie sie vor unseren Augen zum Leben erwachen, können nicht anders, als zu staunen, obwohl wir multimedial teilweise doch schon ziemlich gesättigt sind. Doch auch wir ziehen vor einem Genie wie Da Vinci den Hut.

Vom Vidiodrom in Wuppertal nach Zürich
Ein Mal mehr hatten die kreativen Köpfe hinter de Lichthalle MAAG ihre Fühler ausgestreckt und ihre Kontakte spielen lassen, um ihren Besucher nach Imagine Picasso erneut ein faszinierendes immersives Erlebnis zu bieten. Die Ausstellung LEONARDO DA VINCI- UOMO UNIVERSALE wurde ursprünglich für das Visiodrom in Deutschland konzipiert und ist nun zum 1. Mal ausserhalb von Wuppertal zu sehen. Das Kreativteam des Visiodroms, zu dem Marie Haus und Axel Kurz gehören, holte für die kuratorische Leitung Christian Höher und die wissenschaftliche Leitung Dr. Hiram Kümper, Professor für Geschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit an der Universität Mannheim, an Bord. Darüber hinaus wurden sie von der Universität Bielefeld unterstützt. Mit dem Projekt „DA VINCI – Moving Inventions“ hat der Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik jahrzehntelange praktische Erfahrungen mit Leonardo und seinen Erfindungen gesammelt. Die in der Lichthalle MAAG ausgestellten Modelle waren Höhepunkte verschiedener Leonardo-Ausstellungen in Museen in ganz Europa.
Was man in der Ausstellung erwarten darf
Ja, immersive Ausstellungen haben Kritiker, aber in der Regel mehr Befürworter. Kritisiert wird vor allem die „Tatsache“, dass der Besucher einfach nur „bespasst“ wird und der Kunstgedanke dabei verloren geht. In sich perfekte Meisterwerke werden bewegt und mit Musik untermalt und konsumfertig aufgetischt. Als „Showgirls“ gehören wir natürlich so oder so zur zweiten Sparte, die es schätzt, wenn alles unternommen wird, um den Genuss zu vervielfachen und ein Rundumerlebnis zu schaffen, da wir uns gerne verzaubern lassen. Aber da wir mittlerweile doch einige unterschiedliche immersive Ausstellungen gesehen haben, können wir die Unterschiede erkennen.
Was bei LEONARDO DA VINCI – UOMO INIVERSALE definitiv den Unterschied macht, ist die doch sehr grosszügige physische Ausstellung, bevor man überhaupt zum Herzstück, der immersiven Show, vordringt. Zum einen findet man jede Menge Hintergrundwissen zu Leonardo Da Vinci, seinem Leben, seiner Kunst und seinen Interessen, aber auch zur Renaissance an sich. Und gerade die Renaissance war eine historische Epoche, in der nicht nur in der Kunst, sondern auch in den Bereichen Architektur, Literatur und Wissenschaft grosse Fortschritte gemacht wurden (und Da Vinci hat in jedem einzelnen Bereich mitgewirkt), was unter anderem am Aufkommen des Buchdrucks lag. Zwar wissen wir über ihn, dass sein unglaublicher Wissensdurst und sein scharfer Blick beim Beobachten und Erkennen von Zusammenhängen und Abläufen die fehlende Schulbildung wett machten, dennoch wäre es ihm ohne Bücher niemals möglich gewesen, sich ein so immenses Wissen anzueignen und zu einem der wichtigsten Gelehrten seiner Zeit zu werden. Wissen ist Macht und Leonardo wusste das und wurde Zeit seines Lebens nicht müde, Neues zu lernen und vom Wissen anderer zu profitieren.
Und genau aus diesem Grund schätzen wir es sehr, wenn solches Hintergrundwissen noch vor der eigentlichen Ausstellung angeboten wird und empfehlen auch jedem, der sich jetzt nicht als Da Vinci-Experten bezeichnen würde, sich damit auseinander zu setzen.

Ebenfalls grossartig fanden wir die Modelle von Da Vincis Erfindungen, die teilweise sogar ausprobiert werden durften. Auf diese Weise ist es möglich, Da Vincis sehr theoretische Skizzen in die Realität zu transportieren.

Für uns besonders eindrücklich war auch die „Ausstellung vor der Ausstellung“, in der man sämtliche Da Vinci-Gemälde in mehr oder weniger Original-Format bewundern darf. Hier fühlt man sich beinahe schon wie in einer „echten“ Ausstellung und kann in aller Ruhe die erstaunlichen Kunstwerke betrachten und Da Vincis Techniken bewundern und studieren.

Eintauchen in Leonardo Da Vincis Innerstes
Aber wenn wir ehrlich sind, kann man es als Besucher dennoch kaum erwarten, endlich zum Herzstück der Ausstellung zu gelangen und die grosse Lichthalle mit ihren rund 30 Projektoren zu betreten.
Bei LEONARDO DA VINCI – UOMO UNIVERSALE handelt es sich erneute um keine „Geschichte“, die man von Anfang an sehen muss, um sie zu verstehen, wie es z.B. bei Klimt der Fall war. Wir sehen eine Aneinanderreihung von thematischen Blöcken, die verschiedene Bereiche seines Schaffens behandeln: Anatomie, Architektur, Geometrie, Kriegsmaschinen, Flugmaschinen mit dem Vergleich zum Vogelflug und andere Tiere (Leonardo Da Vinci liebte Tiere und und war deshalb auch überzeugter Vegetarier). Aber auch seine Studien zum Menschen kommen natürlich nicht zu kurz, ebenso wie seine berühmten Karikaturen.

Besonders eindrücklich erscheint uns hier auch der Einsatz der Musik. Sie ist integraler Bestandteil der Performance und nicht nur untermalend und ist zu einem Grossteil für die intensive Stimmung verantwortlich. Das Zusammenspiel von den sich zu bewegen beginnenden Pferde-Skizzen Da Vincis und der dazugehörigen Musik jagt uns noch immer einen wohligen Schauer über den Rücken und darf wirklich als „magisch“ bezeichnet werden.
Neben dem rotierenden Vitruvianischen Menschen bilden aber natürlich schon die 16 Da Vinci offiziell zugeschriebenen Kunstwerke, die in in gigantischem Ausmass auf die verschiedenen Ebenen der Lichthalle projiziert werden, den Höhepunkt der immersiven Reise. In Anbetracht der Wichtigkeit, die einige dieser Werke in der Kunstgeschichte einnehmen, erscheint die projizierte Grösse angemessener als die wirkliche Grösse. Beinahe ehrfürchtig steht man auf einmal vor der deckenhohen, ikonenhaft inszenierten Mona Lisa und findet sich im nächsten Moment gegenüber eines überdimensionierten Salvator Mundi umgeben von warm flackernden Kerzen. Da kriegt man dann schon mal Gänsehaut, wenn man sich wirklich darauf einlässt.

Wieder mit dabei ist unser geliebter Infinity Mirror Room in der Mitte der Lichthalle, wobei er in unseren Augen diesmal nicht ganz an Monet und Klimt heran reicht, aber dennoch eine faszinierende Ergänzung bildet.

Wir waren an der Vernissage am 24. April und standen bereits am 27. April erneut in der Lichthalle, da wir uns die Ausstellung noch einmal in aller Ruhe anschauen wollten. Wie gesagt, für uns sind immersive Ausstellungen die optimale Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen und in eine magische Welt einzutauchen. Beim ersten Mal wanderten wir durch den Raum, beim zweiten Besuch setzten wir uns auf den Boden und sahen zu. Beide Varianten haben etwas für sich, wobei wir fast das Gefühl hatten, mehr mit zu kriegen, als wir still sassen.
Unser Fazit
LEONARDO DA VINCI – UOMO UNIVERSALE ist eine wirklich sehenswerte immersive Ausstellung und hat sich einen Platz in unserer Favoritenliste erobert. Sowohl vom Unterhaltungswert her, als auch aus kultureller Sicht bietet diese Ausstellung viel und schafft es, auf beinahe schon magische Weise, das Universalgenie Da Vinci und sein Schaffen fassbar zu machen. Wer also den Wunsch verspürt, einen der grandiosesten und geheimnisvollsten Menschen aller Zeiten auf nie dagewesene Weise zu erfahren, darf sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen.
Veranstaltungsdetails
Wann: 25. April – 20. Oktober 2024
Wo: Lichthalle MAAG, Zürich
Öffnungszeiten: Mi, Do, So: 10 – 18 Uhr; Fr, Sa: 10 – 20 Uhr
Tickets: Erhältlich unter www.davinci-ausstellung.ch, über die MAAG-Hotline 0900 444 262 (CHF 1.19/Min.) und Ticketcorner 0900 800 800 (CHF 1.19/Min.).
Herzlichen Dank der Lichthalle MAAG für die Einladung zur Vernissage und die Möglichkeit, diese faszinierende immersive Ausstellung zu besuchen und zu rezensieren.



















