Rigo und Rosa 2 – Freunde fürs Leben

Seit dem 19. Oktober 2025 präsentiert anda kids/anda events Rigo und RosaFreunde fürs Leben, ein poetisches Familientheater basierend auf der beliebten deutschen Kinderbuchreihe von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer. Es handelt sich bereits um das zweite Stück des Leoparden Rigo und der kleinen Maus Rosa, einem höchst ungewöhnlichen Paar, das anda erfolgreich auf die Bühne bringt. Wir haben uns das zauberhafte Stück angeschaut.

Auf der Bühne steht ein grosser Felsen, auf dem ein Leopard schläft. Die Beleuchtung ist bläulich düster. Es ist früher Morgen im Zoo. Der Tierpfleger beginnt seine Arbeit, aber auch eine kleine Maus ist schon auf den Beinen und schleppt Laub, Steine und Nüsse heran. Alles natürlich gaaaaaanz leise, wie ein Mäuschen eben.

Die Aufmerksamkeit des jungen Publikum ist ganz auf das Geschehen auf der Bühne gerichtet. Ja, anda events weiss, was Kinder im Theater wünschen. Und auch die erwachsenen Begleitpersonen, meist Mamas und Papas, verfolgen alles gespannt mit. Und für uns, die finden, dass es so unglaublich wichtig ist, Kinder bereits in jungen Jahren ins Theater einzuführen, ist es wunderschön zu sehen, dass für kunstaffinen Nachwuchs gesorgt ist.

Rigo und Rosas ungewöhnliche Freundschaft

„Rigo und Rosa“ ist eine beliebte deutsche Kinderbuchreihe von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer. Die Geschichten handeln von zwei ungewöhnlichen Freunden: Rigo, einem Leoparden, und Rosa, einer kleinen Maus. Die Erzählungen konzentrieren sich auf die besondere Freundschaft zwischen diesen beiden Tieren, die normalerweise in der Natur Feinde wären. Doch in diesen Geschichten überwinden sie ihre Unterschiede und erleben gemeinsam viele Abenteuer.

Während im 1. Stück Rigo und Rosa – Wie alles begann, das übrigens nach wie vor tourt und ebenfalls sehr sehenswert ist (vor allem auch wegen Flavio Baltermia als Ur-Leopard), darauf eingegangen wird, wie sich die beiden ungleichen Zoobewohner kennen lernen und sich einander annähern, sind sie im neuen Stück, das am 19. Oktober im Kanzlei Club Premiere feierte, bereits dicke Freunde von Beginn an, wobei der Tierwärter auch noch kurz das Kennenlernen thematisiert.

Was bleibt, sind die vorherrschenden Themen von Freundschaft und Akzeptanz, Toleranz, Vertrauen und das Überwinden von Vorurteilen. Ebenfalls unverändert ist der zärtliche, philosophische Grundton, der auch dem erwachsenen Publikum gefällt. Denn obwohl die Bücher für Kinder geschrieben sind und sich auch die Bühnenstücke ganz klar an ein jüngeres Publikum richtet, enthalten sie tiefgründige, poetische Gedanken über das Leben, die aber natürlich in kindgerechter Form präsentiert werden.

Rosa, du bisch min schönschte Vorrat.
Rigo zu Rosa über seine Erinnerungen

Besonders eindrücklich ist, dass sich alle Geschichten, die das ungleiche Freundespaar zusammen erleben, auf kleinstem Raum abspielen, nämlich in Rigos Zookäfig. Gerade in einer Zeit, in der schon gewisse Kleinkinder die Möglichkeit haben, mit ihren Eltern um die Welt zu jetten und es in Sachen Extravaganz beinahe keine Grenzen gibt, sind die Werte, die bei Rigo und Rosa vermittelt werden, besonders wertvoll. Sie zeigen, dass man überall glücklich sein kann, wenn man zusammen ist und die Fantasie einem Flügel verleihen kann…
…und das im wahrsten Sinne des Wortes. So erzählt der Tierpfleger seinen beiden tierischen Freunden z.B. wie eine Raupe zum Schmetterling wird, worauf Rosa eine „Schmettermaus“ werden möchte und sich mit Laub Flügel bastelt, mit denen Sie dann in der Fantasie über den Zoo fliegt. Auf der Bühne erlebt das Publikum die zauberhafte Mirjam Baur als aufgedrehte Rosa für einmal ganz lyrisch und gedankenverloren in einem Blättertanz, den wir als kleine Mädchen mit Sicherheit zu Hause nachgetanz hätten.

©leslynch.ch – Juri Elmer & Mirjam Baur

Von einzelnen Episoden zu einer ganzen Geschichte

In den Büchern, die als Grundlage dienen, gibt es viele kurze, einzelne Episoden, die kleine alltägliche Momente oder Gespräche zwischen den beiden Freunden schildern. Diese Form der Erzählung macht die Bücher besonders für jüngere Kinder gut zugänglich, da jede Episode Gesprächsimpulse bietet, die lebendige Diskussionen mit den Kindern nach sich ziehen können. Beim 1. Bühnenstück hielt sich anda noch etwas eher an diese Vorgehensweise.
Das Drehbuch des 2. und aktuellen Stücks wurde von Sänger, Regisseur und Produzent Simon S. Burkhalter geschrieben, der einen Grossteil der ursprünglichen Einzelepisoden zu einer ganzen Geschichte zusammen gefügt hat. Hierdurch kriegt das Stück so richtig Drive und die Zeit vergeht wie im Flug, was für kleine Kinder, die sich noch nicht so lange konzentrieren können, mit Sicherheit von Vorteil ist.

Ebenfalls sehr hilfreich sind natürlich die eingängigen, kindgerechten Songs von Thomas Zaufke, die mitunter überraschend originelle und berührende, aber auf jeden Fall eingängige Arrangements aufweisen und auch das erwachsene Publikum ansprechen und von den drei Darsteller:innen mit viel Energie  performt werden. Das Augenmerk liegt dabei weniger auf perfekter Intonierung, sondern mehr auf der kindgerechten Unterhaltung. Vor allem Mirjam Baur präsentiert sich als grossartige Entertainerin, die immer wieder mit den Kindern in Kontakt geht und durch ihre quirlige, direkte Art, die natürlich auch von ihrer Rolle herrührt, viele Parallelen zum jungen Publikum hat.
Aber auch Luigi Prezioso als Tierwärter hat einen guten Draht zu den Kindern. So fordert er sie z.B. auf, Reime zu finden, weil sich ein Gedicht nun mal zu reimen hat, was Rosa zuerst lernen muss, einige Kinder aber schon richtig toll beherrschen. Solche Interaktionen sind es, die die Kinder Teil des Stücks werden lassen und eine stärkere Identifikation ermöglichen.

©leslynch.ch

Der alte Leopard – eine Figur, die tief geht

Rigo, der Leopard, der wohl sein ganzes Leben im Käfig verbracht hat und dementsprechen wenig Ansprache hatte, bis Rosa in sein Leben tanzte, wird im zweiten Bühnenstück sehr vielschichtig von Juri Elmer dargestellt. Er ist die Verkörperung eines alten, gelangweilten, auch etwas depressiven Menschen, der wenig bis keinen Kontakt zur Aussenwelt hat, sich aber von ganzem Herzen um diese eine Person – hier die kleine Rosa – kümmert und deren Gegenwart über alle Massen geniesst. Rigo ist ohne Frage die anspruchsvollste Figur in diesem Stück und bedarf eines sehr ausdrucksstarken Schauspielers, der sowohl die grosse Liebe zu Rosa und die gelegentlichen Energieschübe, die sie in ihm auslöst, als auch die tiefgehende Müdigkeit dieses Tieres darzustellen vermag (und auch die Tatsache, dass eine Freundschaft zwischen einem Leoparden und einer Maus nicht selbstverständlich ist – die Fütterungsszene ist sehr eindrücklich und bringt dem Publikum in Erinnerung, dass Rigo noch immer ein Raubtier ist). Juri Elmer schafft diesen Spagat mit Leichtigkeit und so manch erwachsene Begleitperson wird sich oder auch einen älteren Verwandten oder Bekannten in ihm wiedererkennen. – Rigo hat kaum direkten Kontakt zu den Kindern im Publikum, sondern ist eher auf Rosa konzentriert, was aber auch Sinn macht, da er ja im Käfig sitzt, wo er nur von Rosa und dem Tierpfleger Besuch erhält, eine Thematik, die ebenfalls aufgegriffen wird. So erkennt Rigo, dass er eigentlich noch nichts gesehen hat und andere Tiere nur aus Rosas Erzählungen kennt. Zusammen mit dem Tierpfleger unterhalten sie sich über die Gründe seines Käfigs, der ihn als exotisches Tier schützt, aber halt auch die Besucher.

Also d’Lüt zahled um DICH z’gseh?
Rosa

Jo, das hani au nid gwüsst.
Rigo

Besonders positiv in Erinnerung bleiben wird auch Juri Elmers gefühlvolles Saxophonspiel, das einen weiterem Aspekt seines Könnens aufzeigt.

©leslynch.ch – Juri Elmer

Es ist nicht immer alles eine „Rosarote Rigo-Welt“

Wie in jeder Freundschaft ziehen aber auch bei Rigo und Rosa ab und zu dunkle Wolken am Freundschafts-Himmel auf. So unterstellt Rosa Rigo z.B., langweilig zu sein, da sie diejenige ist, die immer wieder verrückte Ideen hat, was aber eventuell auch am Altersunterschied der beiden liegt. Aber auch in Freundschaften gleichen Alters gibt es häufig eine treibende Kraft. Und diese Unterschiede gilt es in einer Freundschaft nicht nur zu akzeptieren, sondern auch zu schätzen, wenn man sich gern hat, da jeder seinen Beitrag leistet. Das Lied über Langeweile, das die beiden dann singen, wird so manch Erwachsenem aus der Seele sprechen.

Ebenfalls ein eher düstereres Thema des Stücks ist der Tod eines anderen Zootiers. Die Trauer wird für ein Kinderstück sehr ausführlich thematisiert und auch visuell stark inszeniert.

Gell, Herr Tierpfleger, irgendwenn sind mir alli wie de Polarfuchs..
Rosa

Aber Rigo und Rosa kratzen halt nicht nur an der Oberfläche und der Tod gehört zum Leben mit dazu. Umso schöner, wenn Rosa, die irgendwann nicht mehr trauern mag, mit einem wirklich zauberhaften Vorschlag aufwartet, wie sie dem verstorbene Freund gedenken könnten, was in einem wunderschönen Song mündet.

Ja, Rigo und Rosa ist ein Kinderstück, aber keines, mit dem man seine Kinder alleine lassen sollte. Auch wenn viele Themen innerhalb der  Geschichte nur gestreift und nicht wirklich verarbeitet werden, wird es dennoch nach dem Stück Redebedarf seitens der Kinder geben.

Mit Morgenmantel und Mäusepelzchen

In Sachen Ausstattung wird auf einen süssen Mix aus tiertypischen Mustern und Menschenkleidung gesetzt. Wie auch schon im ersten Bühnenstück, darf sich Leopard Rigo in gestreiftem Pijama und einem flauschigen Morgenmantel mit Leoparden-Muster und langem Schwanz auf seinem Felsen lümmeln. Seine Kleidung wirkt einerseits erwachsen, andererseits zeigt es aber auch, dass Rigo immer zu Hause ist, wie ein einsamer Mensch, dessen Leben sich zwischen Schlafzimmer und Wohnzimmer abspielt, weshalb er sich nicht umzuziehen braucht. Im Gegensatz dazu wirkt Rosa mit Mützchen eher kindlich und ausgefertig, da sie ja auch im ganzen Zoo rumhuscht. Selbstverständlich dürfen auch die Mauseohren nicht fehlen und das graue Mäusepelzchen, aus dem ihre Beine hervorschauen. Auch sie trägt einen langen Schwanz. Diese Mischung aus Tier und Mensch wirkt wie eine Brücke zwischen dem Publikum und den Tieren. Zudem erkennen die Kinder das Alter der Tiere, was das jeweilige Verhalten gut nachvollziehbar macht.

Ebenfalls sehr süss und praktisch eingesetzt sind die Requisiten, die in Sachen Grössenverhältnis variabel sind. So fallen die Nüsse oder das Kaugummipapier, die Rosa sammelt, eher gross aus -wie wenn ein Mäuschen sie in den Pfoten halten würde -, der Schirm, unter dem die beiden Freunde das Gewitter geniessen, aber wiederum klein, also wie bei einem Menschen. Dieses Spiel mit den Grössen ist gleichermassen märchenhaft, wie kindgerecht und übt einen besonderen Zauber aus…
…ebenso wie das Bühnenbild, das mit dem hohen, aber leicht zu besteigenden Felsen relativ einfach wirkt, aber mit der bunten Beleuchtung eine tolle Wirkung erzielt. Und der riesige Mond, der gegen Schluss des Stücks die Bühne in eine magische Landschaft verwandelt, ist atemberaubend und lässt sogar das junge Publikum ehrfürchtig schweigen.

©leslynch.ch – Juri Elmer & Mirjam Baur

Achtsamkeit und Zusammenleben

Geschichten über Achtsamkeit und Respekt für jede Art von Lebewesen gefallen uns immer besonders gut, etwas, das bei Rigo und Rosa gross geschrieben wird. So berührten uns die Gespräche zwischen den beiden Freunden über die „roten Wanderpunkte“, winzig kleine Käfer, die von ihnen beobachtet werden und denen Rosa zutraut, dass sie sich mehr Gedanken machen könnten, als sie sich selbst. Dies ist in einer Gesellschaft, in der Insekten und Tieren nach wie vor wenig Gefühl und Verstand zugetraut werden und die dementsprechend auch wenig Wert haben, etwas sehr Besonderes, da es Kindern von klein auf beibringt, auf seine Umgebung zu achten und diese zu respektieren.

Fazit

Rigo und Rosa – Freunde fürs Leben ist ein wunderschönes Stück für Kinder und Erwachsene, die die Welt durch Kinderaugen sehen möchte. Mit drei hervorragenden, energetischen Darsteller:innen, die auf das junge Publikum eingehen und die poetischen Gedanken mit viel Feingefühl weitergeben, vergeht die Zeit wie im Flug und man erlebt so einiges.

Wie Rosa sagt:

Mir händ Popcorn gesse, Blitz zellt und en Vogelschiss überlebt…
Rosa

Was will man mehr? Ausser vielleicht Tickets und die gibts hier: https://www.andaverlag.ch/andakids/rigo-und-rosa-freunde-fuers-leben-25-26#tickets

Cast & Creatives

Darsteller:innen:
Maus Rosa: Mirjam Baur
Leopard Rigo: Juri Elmer
Tierpfleger: Luigi Prezioso

Kreativteam:
Buch: Simon S. Burkhalter
Regie: Coco Thalmann
Produktion: Corinne Lüthi, Debora Haller
Produktion: anda kids
Geschichte: Lorenz Pauli
Illustrationen: Kathrin Schärer
Musik: Thomas Zaufke – powered by anda music
Musikalische Leitung: Flavio Baltermia
Bühnenbild Konzeption: Sam Madwar
Bühnebau: Szenenwerk
Kostüme: Heike Seidler, Modeco, Rheindesign
Puppenbau: Andreas Becker
Ton & Licht: Pro Rent


Ein rosa-rotes, rigo-grosses Dankeschön an anda kids und Corinne Lüthi für die Möglichkeit, dieses zauberhafte, poetische Stück sehen und rezensieren zu dürfen.


©leslynch.ch -Juri Elmer
©leslynch.ch – Juri Elmer & Mirjam Baur
©leslynch.ch – Juri Elmer & Mirjam Baur
©leslynch.ch – Mirjam Baur
©leslynch.ch
©leslynch.ch – Juri Elmer
©leslynch.ch – Juri Elmer & Mirjam Baur
©leslynch.ch – Luigi Prezioso
©leslynch.ch – Juri Elmer & Mirjam Baur
©leslynch.ch – Mirjam Baur
©leslynch.ch – Juri Elmer
©leslynch.ch – Juri Elmer & Mirjam Baur
©leslynch.ch – Mirjam Baur
©leslynch.ch – Juri Elmer & Mirjam Baur
©leslynch.ch – Juri Elmer & Mirjam Baur
©Ariane Totzke
©leslynch.ch – Juri Elmer
©Ariane Totzke
©leslynch.ch – Juri Elmer
©leslynch.ch – Juri Elmer
©leslynch.ch –  Mirjam Baur
©leslynch.ch – Juri Elmer
©leslynch.ch – Mirjam Baur
©leslynch.ch – Luigi Prezioso
©leslynch.ch – Juri Elmer & Mirjam Baur
©leslynch.ch – Juri Elmer & Mirjam Baur

Kommentar verfassen