Riklin & Schaub – Lieder, die du sehen musst

Riklin & Schaub sind zurück, wobei sie eigentlich nie weg waren, denn kurz nach der Dernière ihres ersten, fand auch schon die Premiere ihres zweiten Programms statt, das mit dem Titel „Lieder, die du sehen musst“ bereits klar macht, in welche Richtung es geht. Mit ihrem neuen Songzyklus versprechen Riklin & Schaub viel und halten mehr, so die Ankündigung. Aber ob das multimediale und multiinstrumentale Comedy-Erlebnis tatsächlich mit dem ersten mithalten kann und sich der Besuch tatsächlich loht, sollte man am besten NACH der Show entscheiden.

Wer Riklin & Schaub auf Social Media folgt, hat bereits eine Ahnung davon, was einen beim neuen Comedy-Programm „Lieder, die du sehen musst“ erwartet. Nach dem bereits im Herbst 2022 veröffentlichten Plastik und den ein Jahr später folgenden Songs Fake und Smartphone Zombies war klar, dass Roman Riklin und Daniel Schaub ihrem Erfolgsrezept treu bleiben. Man nehme ein sozialkritisches oder alltägliches Thema und halte es den Zuhörern und Zuschauern wie einen Spiegel vor, aber natürlich alles mit viel Charme und einer guten Prise Ironie und hin und wieder auch ein wenig Sarkasmus, damit es nicht langweilig wird. Aber warum auch nicht? Wer die Gabe besitzt, wirklich hinzu schauen, findet in unserer Gesellschaft genügend Stoff für weitere zwanzig Programme und mehr. Und wenn man sich eine ihrer Shows ansieht, merkt man, das es mehr Masochisten gibt, als man erwarten würde – inklusive uns. Denn irgendwie hat es etwas seltsam Befriedigendes, wenn jemand die Karten offen auf den Tisch legt und ausspricht, was insgeheim jeder denkt, vor allem, wenn es so extrem harmlos und unschuldig vorgetragen wird, wie es bei den beiden Herren der Fall ist.

Wer Roman Riklin und Daniel Schaub nicht kennt, darf dies gerne unter „Bildungslücke“ verbuchen, denn die beiden Multiinstrumentalisten haben sich während ihrer langjährigen Karriere einen echten Status in der Schweizer Showszene erarbeitet, was nicht zuletzt an ihrer Vielseitigkeit liegt. Sie sind nicht nur Comedians, aber sie gehören mit ihrem eigenen Stil zur Elite der Schweizer Comedyszene und dass dies keine subjektive Meinung ist, zeigt z.B. ihre Nomination für den Swiss Comedy Award 2022, den sie eventuell sogar gewonnen hätten, wenn sie ihr Publikum nicht dazu aufgefordert hätten, für das ebenfalls nominierte Secondhand Orchestra abzustimmen, von dem sie ebenfalls die Hälfte ausmachen. Und das Secondhand Orchestra hat den Ensemble-Preis dann übrigens auch abgeräumt, ebenso wie das Trio „Heinz de Specht“ im Jahr 2019, aus dem das Duo „Riklin & Schaub“ hervorging. Auf jeden Fall möchte jeder andere Comedian mit ihnen zusammenarbeiten, was in einem ihrer multimedialen Song im neuen Programm auch direkt thematisiert wird…
Bekannt ist das Duo aber nicht nur aufgrund ihres einzigartigen Humors, sondern auch wegen ihres musikalischen Genies (darf man das sagen?). Die Bandbreite der Musikstile, die an einem Programmabend zum Tragen kommt, ist enorm und die vielen Instrumente, die definitiv nicht nur zu Dekorationszwecken auf der Bühne stehen, werden auch immer wieder gewechselt, als ob es das Normalste der Welt wäre und die Instrumente nur eine natürliche Verlängerung der Arme.


Aber nicht genug: Seit Corona sind die beiden ja auch unter die Filmemacher gegangen. Was sie bereits in ihrem ersten Programm „WAS WÄRE WENN – ein Liederabend im Konjunktiv“ andeuteten, scheint jetzt integraler Bestandteil geworden zu sein: Video-Einspielungen. Und sogar diese sind so professionell, dass sie mal so eben für den Swiss Animation Industry Award nominiert werden ( Plastik).
Man könnte fast sagen: Was die beiden anfassen, wird zu Gold. Falls das schon Grund genug ist, Tickets zu bestellen, wären hier die Tourdaten zu finden – aber macht lieber schnell, die beiden spielen meist vor ausverkauftem Saal).

Falls noch ein wenig mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden muss oder ihr einfach noch etwas über das neue Programm erfahren möchtet, dann geht’s jetzt weiter.

„…In ihrem zweiten Song-Zyklus erzählen die Multiinstrumentalisten von sterbenden Smartphone-Zombies und vom verzweifelten Versuch, durch ein Duett mit einem V.I.P. zu exoplanetarischer Berühmtheit zu gelangen. Sie besingen eine Welt aus Plastik und klären in schönstem Harmoniegesang darüber auf, dass es für den Frieden Waffen braucht und die Erde eine Scheibe ist...“ (riklinschaub.ch)

Das Programm beginnt ohne Anfang, bzw. kann es nicht der Anfang sein, denn die Show-Regel besagt, dass das Publikum zuerst für sich eingenommen werden muss, bevor man es aktiv zum Mitmachen auffordern darf. Nicht bei Riklin & Schaub, da geht es direkt zur Sache, weil sie wissen, welche Knöpfe sie drücken müssen. Ob Intro-Raten oder Mitsingen. Nach wenigen Minuten liegt ihnen das gesamte Publikum zu Füssen. Und um diese „Vertrautheit“ durch die ganze Show beizubehalten, gibt es jede Menge Interaktionen mit dem Publikum und zum Teil sehr persönliche Unterhaltungen zwischen den beiden, die zeigen: Wir sind auch nur Menschen.

Selbstverständlich ist das noch längst nicht alles. Wie erwartet, greifen die beiden tief in die Social Media-Kiste. Waren es letztes Mal die Katzenvideos, kommen diesmal alle bekannten Memes zum Einsatz, während das Publikum vor Lachen brüllt. Wenn man eben noch denkt, ok, aber das ist jetzt doch etwas sehr offensichtlich, kugelt man sich im nächsten Moment am Boden. Sehr lange kann man sich in der Regel nicht gegen den Humor der beiden Herren wehren. Er ist einfach zu direkt und zu natürlich, aber eben doch intelligent – eine fatale Mischung.

Eines der Highlight der Show ist fraglos der Liveticker. Das dazu gehörige Lied ist wunderschön, vor allem der Instrumental-Part  mit Roman Riklins am Cello und Dani Schaub an der E-Gitarre verzaubert und berührt, doch, um ganz ehrlich zu sein, kriegt man schon bald nichts mehr davon mit, da der Liveticker, der hinter den beiden auf der Leinwand erscheint, komplett ablenkt. Multitasking ist definitiv ein Mythos. Auch dieses Programmpunkt ist ein Beweis für Riklin & Schaubs unvergleichliches Gefühl für Menschen und deren Reaktionen, der den starken Wunsch weckt, direkt noch mal Tickets für diese Show zu bestellen.

Neben Fake, das sämtliche Verschwörungstheorien und kursierende „Wahrheiten“, von denen eigentlich jeder weiss, dass sie eben nicht stimmen, auf die Schippe nimmt, befasst sich auch Klimawandel mit dieser Thematik. Wisst ihr, welche Branche tatsächlich davon profitiert? Dann schaut euch die Show an, denn verraten wollen wir hier nichts.

Sehr „mutig“ ist auch Mimimi, ein Song über politisch korrektes Verhalten, bei dem im Publikum augenblicklich der Stimmungsumschwung zu spüren ist, da auf einmal nicht mehr klar ist, ob man lachen darf oder es nicht angemessen ist. Riklin & Schaub beziehen bewusst keine Stellung, sondern legen einfach den Finger dorthin, wo es weh tut, weil man sich doch hin und wieder etwas ertappt fühlt. Die Weltansichten des „alten, weissen Mannes“ bieten viel Stoff.

Riklin & Schaub können eben nicht NUR lustig. Einige rare Momente sind sehr tiefgründig und diese erwischen einen wirklich kalt. Plastik kannten wir ja schon, doch live löst es das Gefühl von Beklemmung aus und Yeah, Yeah, Yeah scheint eine gemässigte Version von Loch, das im 1. Liederzyklus für Frösteln sorgte, zu sein, doch ging es uns fast noch näher, da es einen Zustand beschreibt, über den man mit kaum einem sprechen kann.

Zum Glück gibt’s aber dann auch wieder Programmpunkte wie Powerpoint, eine Liebeserklärung an dieses einzigartige Microsoft Office Tool, das so viel Freude bereiten kann oder  Dr. Playmo mit einem wirklich ausserordentlich professionellen Videoclip im James Bond Style. Langweilig wird es auf jeden Fall nicht. Aber Riklin & Schaub beherrschen nun mal das Spiel mit Licht und Schatten. Denn ohne die düsteren Momente könnte man die hellen niemals so ungezwungen geniessen.

Natürlich darf auch das berühmt berüchtigte Smartphone Zombies nicht fehlen, dessen Clip auf YouTube sogar gesperrt wurde, da es wohl doch nicht zumutbar war, wie die ganzen putzigen Comicfiguren auf grausame, selbstverschuldete Art das Zeitliche segnen. Ja, die beiden Herren bewegen sich gerne an der Grenze des …Erlaubten? Angemessenen? Oder macht sich unsere Gesellschaft einfach gerne etwas vor?

Das Programm gipfelt übrigens in einem musikalisch und technisch grandiosen Finale, das durch eine Zusammenarbeit mit zwei der  erstaunlichsten Schweizer Künstlern zustande kommt. Wie das aussieht, erfahrt ihr aber nur, wenn ihr die Show besucht.

Und hier noch einmal der Link zu den Tourdaten von Riklin & Schaub mit „Lieder, die du sehen musst“, einem absolut würdigen 2. Liederzyklus, den man unbedingt sehen muss und Lust auf mehr macht. Roman Riklin und Daniel Schaub, ihr seid gefordert! Von euch haben wir noch lange nicht genug!

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