Musical Lovers – Open Mic – Vol. 2

Seit Anfang des Jahres gibt es einen neuen Geheimtipp unter den Schweizer Musical-Liebhabern: „Musical Lovers – Open Mic“. Im Maag Club in Zürich Hardbrücke treffen sich ein Mal im Monat Darsteller und Bewunderer dieser einzigartigen Kunstform, um einen Abend voller Musical-Highlight zu geniessen oder selbst aktiver Teil davon zu werden. Neben Special Guests hat jeder Gast die Möglichkeit, via Losverfahren selbst auf der Bühne einen Song zu präsentieren.

Musicals mag man, oder man mag sie nicht. Wobei, eigentlich stimmt das so nicht. WENN, dann LIEBT man Musical. Theater, Musik, Tanz, alles kommt zusammen und sorgt in Kombination mit Bühnenbild und Kostümen für einen wahres Rundumerlebnis und eine meist sehr emotionale Reise. Dass neben Musical-Metropolen wie London, New York, Hamburg oder Wien, auch Zürich einiges zu bieten hat, beweisen neben grossen Tourproduktionen wie Disney’s The Lion King auch immer wieder Schweizer Eigenproduktionen. Als absoluter Überflieger erweist sich z.B. Sister Äct in der Maag Halle, was nicht zuletzt am unglaublichen Cast liegt. Ja, auch die Schweiz hat ihre Musicalstars…

…und mit etwas Glück kann man einige davon seit der ersten Ausgabe einer neuen Event-Reihe mit dem Namen Musical Lovers -Open Mic auf der Bühne des Maag Clubs bewundern. Neben geladenen Special Guests erlebt man spontan, live und hautnah auch den ein oder anderen bekannten Darsteller mit seinen Lieblingssongs auf der Bühne oder entdeckt ihn im Publikum. Aber auch andere, (noch) unbekannte Gesichter kriegen die Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Woher stammt die Idee für Musical Lovers?

Benjamin Fröhlich, seines Zeichens Musicaldarsteller, Regisseur, Weltenbummler und sehr Kreativer Kopf liess sich in London von einem ähnlichen Format, den Westend Frenchies (kurz WEF) inspirieren und beschloss, in Zürich die Musical Lovers ins Leben zu rufen, womit er einen guten Riecher bewies. Mit an seiner Seite, Sängerin und Gastro-/Eventprofi Romina Ettisberger. Zusammen entwarfen sie das Konzept und brachten bereits am 29. Januar 2024 den ersten Open Mic- Abend im Maag Club auf die Bühne. Mit dabei waren unter anderem Lukas Hobi und Sarah Madeleine Kappeler.

Was erwartet einen an diesem Open Mic- Abend?

In den ersten 45 Minuten kriegt das Publikum eine Ladung professionelle Musical-Power zu spüren. Die Gastgeber und die Special Guests zeigen einen Mix aus Live Performance und Interview. Der zweiten, ca. 60-minütigen Teil des Abends gehört spontanen und mutigen Gästen, die ihren Namen in den Lostopf bzw. die Losschatulle werfen und bei einer Ziehung ihren Song auf der Bühne performen dürfen. Kurz vor Schluss singen Künstler und Publikum noch einen gemeinsamen Musical-Song.

Romina Ettisberger, Benjamin Fröhlich und einige der Künstler des Abends

Dieser Event gibt Schweizer Musical-Fans die Möglichkeit, beliebte Darsteller auch unabhängig von aktuellen Engagements auf der Bühne zu erleben und dies sogar viel persönlicher, da die Songs individuell ausgesucht werden. Ein angenehmer Nebeneffekt: Das beiläufige Networking in ganz entspannter Atmosphäre unter Gleichgesinnten. Wer also ein paar Worte mit seinen Lieblingsdarstellern gemütlich an der Bar wechseln möchte, hat hier die Gelegenheit. Wer sein gesangliches Können vor einem teilweise sehr professionellen Publikum zeigen und seine Bühnenerfahrung aufpolieren möchte, findet hier ebenfalls eine Plattform. Musical Lovers bringt Publikum, Darsteller und kreative Köpfe zusammen und es würde uns nicht wundern, wenn hier der eine oder andere einen kleinen Karriereschub erfahren dürfte.

Musical Lovers – Open Mic 2

Die zweite Ausgabe der Musical Lovers fand am 26. Februar 2024 statt und als Special Guests durfte man sich auf Walter Andreas Müller, seine Eminenz persönlich, freuen. Als Pfarrer Bischof begeistert er bereits in der zweiten Spielzeit in Sister Äct (und hier geht’s zu unserer Kritik).
Ebenfalls neugierig sein, durfte man auf Jeannine Wacker. David Morell, der ebenfalls als Special Guest eingeplant war, musste seine Teilnahme krankheitsbedingt absagen.

1. Teil – Die Special Guests

Der Abend startet pünktlich mit dem No 1 Opener-Song aus Cabaret: Willkommen, Bienvenue, Welcome. Romina Ettisberger und Benjamin Fröhlich, die Hosts, begrüssten ihr Publikum auf sympathische und höchst passende Weise, stellen sich selbst und Sonja Füchslin, die Pianistin, vor und informieren auch direkt über den weiteren Verlauf des Abends.

Romina Ettisberger und Benjamin Fröhlich

Als ersten Programmpunkt kündigt Romina Jeannine Wacker an. Die hübsche, Zürich-stämmige Musicaldarstellerin zählt zu ihrem Repertoire wichtige Rollen wie Glinda in Wicked, Scaramouche in We will rock you oder Kiki in Flashdance. 2022 war sie im Schweizer Musical-Erfolg Oh läck du mir! im Theater 11 in Zürich als Angela zu sehen. Aktuell kann man ihr Können in RENT in St. Gallen bewundern.
Wir waren sehr gespannt auf ihre Interpretation des sehr lebendigen und temporeichen Was passier’n wird aus Tootsie und wurden nicht enttäuscht. Sehr energetisch und mit komödiantischem Talent wickelt sie das Publikum richtig gehend um den Finger.
Und auch ihr zweiter Beitrag, Flieg, flieg ins Glück aus dem Musical Catch me if you can, nach dem gleichnamigen Film mochte zu begeistern. Gefühlvoll und stimmgewaltig liess sie auch im simplem, schwarzen Tenue wahre Musical-Stimmung aufkommen, was nicht zu Letzt an ihrer ausdrucksstarken Stimme lag.
Im Interview mit Romina erfuhren wir viele spannende Details zu ihrer Karriere und sie erzählte von einem höchst amüsantes Missgeschick auf der Bühne als Glinda.

Jeannine Wacker

Dann war es Zeit für die Schweizer Showlegende Walter Andreas Müller. Der mehrfach ausgezeichnete Künstler verkörperte in seiner langen Karriere bereits viele Rollen auf der Bühne und im Fernsehen und – was uns immer sehr nostalgisch werden lässt – verlieh Globi seine Stimme.
An diesem Abend brachtet er das Publikum mit seiner Version von De Heiri hät es Chalb verchauft, aus der Die kleine Niederdorfoper zum Applaudieren. Dem Charme des 78-jährigen Multitalents konnte sich erneut niemand entziehen. Auch wenn WAM sich selbst „nur“ als „Singenden Schauspieler“ bezeichnet, kann er auf eine beachtliche Musical- und Operetten-Vergangenheit zurückblicken.
Auch im obligaten Interview danach hingen wir an seinen Lippen, als er unter anderem erzählte, warum er sich gegen eine Opern-Karriere entschieden hatte.

Walter Andreas Müller

Was für eine Freude, dass wir ihn anschliessend gleich nochmal, und zwar im Duett mit Benjamin Fröhlich, bewundern durften. Die beiden performten Zeitlos für mich aus Hairspray mit so viel Leichtigkeit und Humor, dass es das Publikum kaum auf den Stühlen hielt (also diejenigen, die einen Stuhl ergattern konnten). Benjamin liess es sich auch nicht nehmen, tief in die Kostüm-Trickkiste zu greifen und überraschte mit Satin-Morgenmantel und Lockenwickler-Perücke. Musical ist einfach etwas Wundervolles, das einen den Alltag komplett vergessen lässt!

Walter Andreas Müller und Benjamin Fröhlich

Bevor es in die wohlverdiente Pause ging, nutzte Benjamin Fröhlich sein Kostüm, um auf anschauliche Weise, seinen Song Ich bin, was ich bin aus dem Musical La Cage aux Folles zu untermalen. Auch an diesem Abend verfehlte der No. 1 Coming Out-Song seine Wirkung nicht und die Musical-Liebhaber im Publikum schmolzen dahin und feierten die Selbstakzeptanz und Selbstliebe, die diese Hymne vermittelt. Und einmal mehr bewunderten wir Benjamin Fröhlichs starke, farbenreiche Stimme und seine gefühlvolle Performance.

2. Teil – Open Mic

Noch immer den ermutigenden Song von vor der Pause im Kopf, wurde der Open Mic-Teil, auf den viele der Anwesenden aufgeregt gewartet hatten, eingeläutet. Noch stand in den Sternen, wer in wenigen Augenblicken die Bühne betreten und spontan und OHNE gemeinsame Probe mit der Pianistin seinen Song zum Besten geben würde. Und hier zeigt sich auch, wo der Unterschied zu einer Karaoke-Veranstaltung liegt. Klaviernoten sind nämlich Pflicht. Ohne diese gibt es keinen Auftritt.
Die Musical-Liebhaber, die Elisabeth und Tanz der Vampire gerne mit YouTube- Instrumentalversionen singen, haben keine Chance, teil zu nehmen, oder müssen sich umorientieren.
Diese Einschränkung hat viele Vorteile, die sich vor allem in der einheitlichen Präsentation zeigen. Auch das Niveau bleibt konstant hoch und es wird eine Art Audition-Feeling erzeugt, was für Newcomer keine schlechte Sache ist, da sie sich so unter Live-Bedingungen ausprobieren können. Und seien wir ehrlich: Nichts ist aufregender, als zu Live-Musik zu singen. Der lebendige Austausch zwischen Pianist und Sänger hat etwas ungeheuer Aufregendes, das auch vom Publikum wahrgenommen wird. Wie viel Mut es aber dafür braucht, können wir uns lebhaft vorstellen. Und umso grossartiger war es, zu sehen, dass doch einige diesen Schritt wagten.

Sonja Füchslin

Die Hosts hatten in der Pause weiter kräftig die Anwesenden zum Mitmachen animiert. Etwas schade war, dass es doch einige Zuschauer gab, die vom ersten Teil des Abends beflügelt, selbst gerne auf die Bühne getreten wären, aber keine Noten dabei hatten (uns inklusive). Eventuell könnte man sich überlegen, ob es nicht eine Bereicherung wäre, eine kleines Sammlung an bekannten Musicalsongs bereit zu halten, aus denen sich sehr spontane Interessenten, einen aussuchen könnten.

Als Eisbrecher für den den Open-Mic-Teil fungierte Romina Ettisberger selbst. Ihr Song benötigte keine einleitenden Worte, da bereits die ersten plätschernden Klavierklänge alle Anwesenden wissen liess, was nun kommen würde: Part of you world aus Ariel, die Meerjungfrau (Ja, davon gibt’s nicht nur einen Film, sondern auch ein äusserst erfolgreichen Musical). Es ist immer erstaunlich und wunderschön zuerleben, wie viele Emotionen Musik auslösen kann und Romina gehört definitiv zu den Künstlern, die sich bestens darauf verstehen, Gefühle zu transportieren und ihr Publikum mit ein zu beziehen. Ein zauberhafter Auftakt!

Romina Ettisberger

Die Open-Mic-Stunde verging wie im Flug. Insgesamt neun Künstler, die in drei Durchgängen ausgelost wurden, bewiesen ihren Mut und ihre Liebe zum Musical. So erlebten wir zum Beispiel Luca Kleimann mit einem rassigen Dass sich die Welt an mich erinnern wird aus Bonny und Clyde. Erfolgreich überzeugte er uns erneut von seinen ausserordentlichen Fähigkeiten als Sänger und Entertainer.
Neben einigen eher komödiantischen Beiträgen, verzauberte Anja Monn mit In my life aus Les Misérables. Ihr zarter Sopran passte perfekt zu ihrer Erscheinung und verlieh ihrem Song eine zauberhafte Filigranität.
Michi Bieri begeisterte mit seiner sagenhaft akzentuierten Interpretation von If you could see her trough my eyes aus Cabaret. Fantastisch, wie perfekt er das Wesen des Conferenciers lediglich durch seine Stimme verkörperte.
Und last but not least möchten wir noch Timo Balzli erwähnen, der mit einer unglaublichen Ruhe Ein Held zu sein aus dem Musical Shrek zum Besten gab und uns mit seinem warmen Timbre und seiner Bühnenpräsenz komplett überzeugte.
Selbstverständlich waren auch alle anderen Künstler grandios und für den Jöh-Moment des Abends sorgte Perissa Büschi, Projektleiterin Marketing und Kommunikation bei Maag und ganz nebenbei Mitglied der Girl Group Mixed Flames. Ihr Name war ohne ihr Wissen im Lostopf gelandet. Ohne Vorbereitung und Klavierbegleitung sang sie einen kurzen Auszug aus Scharlachrot aus dem Schweizer Hit-Musical Ewigi Liebi, angekündigt von einer berührenden, persönlichen Erklärung.

Als der Abend sich dem Ende zuneigte, wartete das Programm noch mit einem letzten Highlight auf: Der Abschluss-Song. Jedes Musical hat ein Finale und dieses ist jeweils entscheiden für das Gefühl, mit dem ein Zuschauer das Theater verlässt. Wenn ein Musicalbesucher auf dem Heimweg den Finale-Song nicht singt oder pfeift, ist etwas schief gelaufen. Bei Musical Lovers durften die Fans vorgängig via Social Media Vorschläge einreichen und gewonnen hatte: Can you feel the love tonight aus The Lion King. Und so sangen wir, die Darsteller und der ganze Club diesen berühmten Disney Song mit Inbrunst. Die Musical-Liebe war mehr als deutlich zu spüren und der Abend ein voller Erfolg.

Fazit

Wir geben zu, wir waren zu Beginn etwas kritisch. Musicals sind für uns ein Gesamtpaket aus Geschichte, Musik, Darstellern, Bühnenbild, Kostümen und vielem mehr. Sowas kann man hier natürlich nicht erwarten. Bei Musical Galas, wie man sie kennt, sind es wiederum die Zugpferde der Musicalszene wie Mark Seibert, Pia Dowes, Jan Amman, Sabrina Wäckerlin etc., die für den entsprechenden Glam sorgen. Und natürlich besteht eine 99%-ige Wahrscheinlichkeit, dass die bekanntesten Musicalsongs aus den beliebtesten Musicals, auf die eine oder andere Weise interpretiert werden. Bei einer Open Mic- Veranstaltung, die jedem die Freiheit zu Entscheiden lässt, was er oder sie singen möchte, weiss man nicht, was man kriegt. Also, keine bunte Inszenierung, sondern gemütliche Club-Stimmung, kein Orchester, sondern simple Klavierbegleitung, keine glitzernden Kostüme, sondern Alltagslook (mit Ausnahme von Benjamin Fröhlich) und nur ein paar wenige, bekannte Musicaldarsteller.

ABER es funktioniert. Es funktioniert sogar richtig gut. Was bei Musical Lovers im Vordergrund steht ist die Liebe zur Musik, die Liebe zum Musical in all ihren Facetten und die Echtheit. Die Musik ist so live, wie sie nur sein kann, die Gefühle pur und direkt. Der Mut der Zuschauer, die sich einfach auf die Bühne stellen und singen, ist inspirierend, genau so wie die Leidenschaft der grandiosen Hosts und all der fleissigen Helfer, die zum Gelingen dieses Events der besonderen Art beitragen. Die familiäre Atmosphäre ist wunderschön und ermutigend und macht regelrecht süchtig.

Diesmal waren wir nur zur Berichterstattung vor Ort, aber wir haben uns bereits einen Song herausgesucht, mit dem wir nächstes Mal ins Rennen gehen wollen, falls unser Los gezogen wird. Und ja, auch wir mussten uns Noten bestellen und werden diese auch noch transponieren müssen. Aber das ist es allemal wert. Wer uns also mal live auf der Bühne sehen möchte, sollte sich überlegen, einen der nächsten Events zu besuchen.
Da es sich aktuell noch um ein Trial aus insgesamt vier Events handelt, waren wir gespannt, ob es eine Info geben würde, wie es mit diesem Format weiter geht. Und wir freuen uns, euch mit zu teilen, dass die feste Absicht besteht, diese zauberhafte und in sich einmalige Eventreihe fort zu setzen, dann allerdings nicht mehr ehrenamtlich. Aber manchmal lohnt es sich wirklich, etwas zu investieren und ein Herzensprojekt umzusetzen. Musical Lovers hat wirklich das Potential ein absoluter It-Event zu werden, da es eine Lücke füllt, von deren Existenz man bisher gar nichts wusste, nun aber Aufmerksamkeit fordert.

Die nächsten Daten seht ihr unten und wir würden uns freuen, weitere Musical-Liebhaber in den Maag Club in Zürich Hardbrücke zu locken:

Montag 25. März 2024

Montag 29. April 2024

Und die Tickets gibt’s hier: https://eventfrog.ch/de/p/gruppen/musical-lovers-7166433746790357170.html#ticket-container

Ein riesiges Lob an Romina Ettisberger und Benjamin Fröhlich für diesen wunderbaren Event und für die Möglichkeit, die Show zu erleben und darüber zu berichten.

Sollte einer der Künstler nicht damit einverstanden sein, dass sein Bild auf unserem Blog erscheint oder er namentlich erwähnt wird, darf er sich bei uns melden, wir werden es direkt entfernen: info@leslynch.ch
Die Fotos dürfen unter Angabe der Quelle (https://www.leslynch.ch) frei verwendet werden.

Benjamin Fröhlich
Jeannine Wacker
Michi Bieri
Matteo Montaño
Lucca Kleimann
Sonja Füchslin, Jeannine Wacker und Walter Andreas Müller
Perissa Büschi
Timo Balzli
Romina Ettisberger, Matteo Montaño
Leider ist uns hier der Name nicht bekannt
Charlene & Désirée Lynch
Walter Andreas Müller
Jeannine Wacker und Romina Ettisberger
Leider ist uns hier der Name nicht bekannt
Benjamin Fröhlich und Walter Andreas Müller
Nadine Rudin
Anja Monn

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