Auch im März liess es sich die Schweizer Musical-Szene nicht nehmen, sich im Maag Club zur Open Mic- Night zu treffen. Erneut durfte sich das Publikum am 25.3.2024 auf eine Reihe Special Guests freuen. Mit dabei waren diesmal die Show-Legenden, Sandra Studer und Christoph Wettstein, die grandiose Judith Orelli und die beiden Newcomer Elias Ziegler und Laura Andrey. Selbstverständlich gab es aber auch diesmal einige mutige Zuschauer im Publikum, die den Schritt auf die Musical Lovers-Bühne wagten – unter anderem wir.
Zum Glück hatten gerade unsere einwöchigen Ferien begonnen, als wir am Montagabend um 18.30 Uhr in Zürich Hardbrücke zum Maag Club pilgerten, denn wir waren ziemlich nervös. Es war wieder Open Mic-Night für alle Musical Lovers und in unserer Tasche hatten wir diesmal nicht nur Notizblock und Stativ, sondern auch Klaviernoten. Ja, wir hatten ein Stück vorbereitet und waren fest entschlossen, unser Glück zu versuchen.
Musical Lovers bedeutet nämlich nicht nur, professionelle Schweizer Musical Darsteller mit ihren Lieblings-Musicalsongs auf der intimen Club-Bühne zu erleben, sondern auch, die Möglichkeit, selbst einen Song vorzutragen. Dazu gilt es lediglich seinen Namen in die Musical Lovers-Box zu werfen und mit etwas Glück wird er gezogen. Einzige Bedingung: Gesungen wird mit Live-Klavierbegleitung.
Auch bei der 3. Ausgabe dieses neuen Formats (über Ausgabe Nr. 2 lest ihr hier) tummelten sich die Stars der Schweizer Musicalszene nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Publikum, was der beste Beweis dafür ist, dass dies definitiv mehr als eine Spassveranstaltung ist. Hier kann man wichtige Bekanntschaften machen und eventuell sogar seine Karriere etwas vorantreiben. Da waren z.B. Erich Hättenschwiler, Dominik Flaschka, Christian Menzi, Sarah Madeleine Kappeler und Jeannine Wacker. Letztere war im Februar als Special Guest dabei.

Der Abend begann traditionell mit dem Opener Willkommen Bienvenue Welcome, charmant vorgetragen von den beiden Hosts, Benjamin Fröhlich und Romina Ettisberger. Nach der Vorstellung von Ken Mallor, dem Pianisten, und einer kurzen Info über den weiteren Verlauf des Abends inklusive der Instruktion zur Nutzung der Musical Lovers-Box, begann der…
1. Teil des Abends -Die Special Guests
Den Anfang machte der bekannte Bühnen- und Filmschauspieler Christoph Wettstein. Aktuell tourt er mit Charlies Tante, grosse Bekanntheit in der Musicalszene erlangte er aber mit Sicherheit auch durch sein Mitwirken am Schweizer Erfolgsmusical OH LÄCK DU MIR!, oder wenn wir noch etwas weiter zurück gehen, Ewigi Liebi. An diesem Abend präsentierte er einen Song aus dem Musical Heidi 1 mit dem Titel Gnau so Bausch es Dach. Für uns war es das erste Mal, dass wir ihn live erlebten und verliebten uns augenblicklich. Dies lag einerseits an seiner bewundernswerten Ruhe und Bühnenpräsenz, zum anderen an seinem warmen Bass-Bariton. Mit Freuden hätten wir uns noch drei, vier weitere Lieder angehört, mussten uns aber leider mit dem einen begnügen.
Im anschliessenden Interview erzählte er sehr sympathisch und nahbar von Deep, einem der ersten Schweizer Musicals und von sagenhaften 847 (!) Vorstellungen Ewigi Liebi, die er damals spielen durfte. Ebenfalls erfuhren wir, dass ihn das Schweizer Publikum voraussichtlich im Sommer auf der Walensee-Bühne sehen wird.

Als zweiten Special Guest erlebten wir Laura Andrey, die mit Einsames Gewand aus dem Musical Die Päpstin in die grosses Fussstapfen von Sabrina Weckerlin trat. Doch ohne zu übertreiben, können wir sagen, dass diese Newcomerin, die sich aktuell sogar noch in der Ausbildung an der SAMTS befinder, mit eine der schönsten Stimmen besitzt, die wir bei einer Musicaldarstellerin je gehört haben. Und ehrlicherweise müssen wir zugeben, dass uns relativ selten eine Frauenstimme gefällt oder wirklich berührt. Aber Laura Andrey besitzt eine aussergewöhnliche Stimmfarbe, die beeindruckt und verzaubert. Es würde uns wundern, wenn diese junge Künstlerin es nicht noch sehr weit bringen würde. Und wir würden uns freuen, sie bald mal in einem Musical auf der Bühne erleben zu dürfen.

Als nächstes präsentierte Newcomer Elias Ziegler einen Song aus dem noch relativ neuen Musical &Julia. Wer beim Songtitel I’m not a girl, not yet a woman spontan an den 2001er-Hit von Britney Spears denkt, der gleichzeitig der Titeltrack ihres Films Crossroads war, liegt richtig. Jukebox-Musicals sind im Trend und geben dem Publikum ein vertrautes Gefühl. Ewigi Liebi, Moulin Rouge, We will rock you sind nur einige wenige davon. In &Juliet wird der oben genannte Song von May gesungen, als sie Julia von ihren Kämpfen als non-binäre Person in einer binären Welt erzählt. Elias hatte diesem Song natürlich nicht willkürlich gewählt. Selbst non-binär, thematisierte they die Problematik, dass es kaum Rollen für non-binäre Personen gibt, was absolut den Tatsachen entspricht. Umso berührender war es dann, diesen Song von them zu hören, da zu spüren war, wie viel Persönliches dabei mitschwang. Elias warmer Bariton gab diesen Song so viel Gefühl und Autentizität und das ganze Publikum lauschte andächtig.

Die nächste Künstlerin war die zauberhafte Judith von Orelli mit Could I leave you aus dem Musical Follies. Sie ist eine jeder Persönlichkeiten, die auch in Alltagskleidung etwas Schillerndes und Strahlendes an sich haben. Wahrscheinlich hätte sie auch ein Kinderlied vortragen können und das Publikum wäre dennoch fasziniert gewesen. Mit ihrem ausdrucksstarken Sopran, der pures Vintage-Musical-Feeling aufkommen liess und somit auch perfekt zur Thematik passte und ihrem natürlichen, lebendigem Spiel liess sie unsere Herzen höher schlagen.
Im anschliessenden Interview erfuhren wir Details über ihre Zeit in London, wo sie praktisch Tür an Tür mit Beni Fröhlich wohnte. Ab dem 8. Mai wird Judith dann in Jukebox Heroes, dem neuen Musical der Shake Company zusammen mit Eric Hättenschwiler, Angelo Canonico, Fabienne Louves, Flavio Baltermira, Gigi Moto, Jeremy Müller und der Jukebox-Band auf der Bühne stehen. Darauf freuen wir uns schon sehr!

Als letzten Special Guest durfte sich das Publikum auf die grossartige Sandra Studer freuen… und wurde nicht enttäuscht. Mit dem Song Gar nichts aus A Choros Line stellte sie ein Mal mehr unter Beweis, dass sie absolut zu recht zu den grössten Musicalstars der Schweiz gehört. Vor Charme nur so sprühend liess sie das Publikum mit gefühl- und kraftvoller Stimme an der Entwicklung der Schauspielschülerin Diana Morales vom Opfer zur selbstbestimmten Frau teilhaben.

Nach einem humorvollen Dialog, in dem Sandra erklärte, warum für das folgende Duett mit Beni Fröhlich nur ein Love Song in Frage kam, liessen sie unser aller Kindheitserinnerungen aufleben mit ihrer märchenhaften Version des Alan Menken-Hits Beauty and the Beast im Stil von Céline Dion und Peabo Bryson samt Walzer. Ein wahrhaft magischer Abschluss des 1. Teil des Abends.

Der Musical Lovers-Box geht ein Licht auf und wir sind erstaunt über unseren Mut
Nachdem wir uns während des ersten Teils ganz auf die vielen grossartigen Sänger und ihre Darbietungen konzentriert hatten, war jetzt die Stunde der Wahrheit gekommen. Nachdem wir es sowohl im Blog als auch auf Instagram gross angekündigt hatten, gab es keinen Ausweg und wir schrieben unsere Namen auf einen Zettel und steckten ihn in die mit einer Lichterkette aufgepimpte Musical Lovers-Box. Einerseits hofften wir natürlich, dass unser Zettel gezogen würde, da wir uns darauf vorbereitet hatten, andererseits ist das mit dem Mut halt so eine Sache… Aber natürlich steckten auch viele andere Zuschauer ein Zettelchen in die Box. Das Los sollte entscheiden.

2. Teil des Abends – Ope Mic
Der Open Mic-Teil begann auch diesmal mit einem Song von Host Romina Ettisberger. Nachdem sie uns letztes Mal mit einem Disneysong verzaubert hatte, begeisterte sie uns diesmal mit ihrer kraftvollen, soulige Interpretation von One Night Only aus Dream Girls und lässt einen Vergleich mit grossen weiblichen Sängerinnen wie Whitney Housten und Mariah Carey absolut zu. Ja, Gefühlvolle Balladen sind ohne Zweifel Rominas Stärke.

An diesem Abend gab es wirklich jede Menge grandioser Open Mic-Beiträge. Sehr begeistert waren wir z.B. von Lea Oxley, die das ganze Publikum mit ihrem humorvollen und lebendigen Song I love to sing, der auch Ken Mollar einiges abverlangte, da er integraler Bestandteil der Performance wurde, begeisterte. Neben ihrer stimmlichen Vielseitigkeit, überzeugte sie vor allem auch darstellerisch.

Joana Tringaniello flutete den Maag Club regelrecht mit einer Welle aus sinnlicher Nonchalance. Als Liebhaber der französischen Sprache und Musik verführten uns bereits die ersten, sanfte Noten von Chanson aus The Baker’s Wife und wir waren entzückt von Joanas Interpretation, ihrer lieblichen Stimme und persönlicher Ausstrahlung.

Sarah Madeleine Kappeler begeisterte mit einem märchenhaften Song, der ihre stimmlichem Fähigkeiten aufs Beste zur Geltung brachte und ihre Position als herausragende Musicaldarstellerin festigte, während Jeannine Wacker ein stilistisch komplett konträres Stück performte, das das Publikum mehr als nur ein Mal überraschte. Sie rechnete darin sozusagen mit ihrem fiktiven Ex ab und besang alle für ihn angemessenen Todesursachen, wobei sie ihr heraustechendes Comedytalent ein Mal mehr unter Beweis stellte.

Neben weiteren Beiträgen von mutigen und vielversprechenden, jungen Sängern, wurde tatsächlich auch unser Los gezogen. Wir hatten einen Song aus einem Musical vorbereitet, das uns seit unserer Kindheit begleitete, nämlich den Opener Song Science Fiction Double Feature aus Rocky Horror Show. Als bekennende Liebhaber der französischen Musicalszene schwankten wir auch zwischen einigen bekannten französischen Musicalsongs, entschieden uns dann aber doch für einen Song, den wir notfalls auch auf Autopilot hätten singen können, da live alles passieren kann, vor allem, weil wir keine Erfahrung mit Klavierbegleitung haben. Somit waren wir einerseits überrascht, aber dann auch komplett begeistert von Ken Mallors spontanem Upgrades, unserer ziemlich rudimentären Noten (wir hatten leider keine Version gefunden, die aus mehr als ein paar simplen Akkorden bestand). So gab es zwar ein paar Einstiegs-Schwierigkeiten auf Charlenes Seite, Désirée bewies jedoch einen bemerkenswert kühlen Kopf und performte, als hätte sie nie etwas anderes getan. Sehr stolz waren wir auf unsere selbst erdachte zweite Stimme und die darsud resultierenden Harmonien.

Ein gelegentlicher Perspektiven-Wechsel kann eine sehr wichtige Erfahrung sein. Nicht, dass wir noch nie auf der Bühne gestanden hätten, im Gegenteil, wir haben praktisch unsere gesamte Kindheit und Jugend auf der selbigen verbracht, aber diese Audition-Situation war neu für uns. Aber genau deshalb ist Musical Lovers auch ein absolut grandioses Format, das dieses Verständnis erzeugt. In diesem Club treffen sich die verschiedensten Menschen mit den unterschiedlichsten Backgrounds, aber einem gemeinsamen Nenner, der Liebe zum Musical. Der gegenseitige Support und die allgemeine Wertschätzung machen diesen Open Mic-Abend speziell und wertvoll.
Das grosse Finale – Wir lassen los
Irgendwann geht auch der schönste Abend zu Ende und auch am 25. März kam der Moment. Aber bevor sich alle auf den Heimweg machten bzw. noch ein paar entspannte Drinks an der Bar zu sich nahmen, stand noch ein besonderer Höhepunkt auf dem Programm: Der Abschluss-Song. Auch diesmal hatten die beiden Hosts sich für einen Disney-Hit entschieden: Let it go aus Frozen, einen echten Ohrwurm. Für alle Künstler inklusive uns war es ein aufregender Abend gewesen, denen ein kollektiver Befreihungssong nur gut tun konnte. Und wie schon beim letzten Mal, erzeugte der Abschluss-Song einen richtigen Sog und ob man nun Disney-Fan war oder nicht, ob es der eignen Stimmlage entsprach oder nicht, ALLE sangen mit… und das war wunderschön!
Herzlichen Dank an Benjamin Fröhlich und Romina Ettisberger für diesen zauberhaften, bewegenden, aufregenden, inspirierenden Abend voller Musicalliebe!
Und wer nun auch mal dabei sein möchte, als Gast oder Sänger, hat die Möglichkeit, unter folgendem Link Tickets für die letzte Ausgabe Musical Lovers vor der Sommerpause zu bestellen:
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Sollte einer der Künstler nicht damit einverstanden sein, dass sein Bild auf unserem Blog erscheint oder er namentlich erwähnt wird, darf er sich bei uns melden, wir werden es direkt entfernen: info@leslynch.ch

– ©Les Lynch



























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