Pippi in Taka-Tuka-Land in Knie’s Kinderzoo

Es gibt nur wenige fiktive Figuren, die eine weltweite Bekanntheit wie Pippi Langstrumpf erlangen konnten. Aber das stärkste Mädchen der Welt, das mit einem Pferd und einem Affen ohne elterliche Aufsicht in einem bunten Haus wohnt und macht, was ihr gefällt, traf damals und trifft auch heute noch so manchen kindlichen Nerv und macht Pippi zur Kindheitsheldin schlechthin.
Vom 10. Juli bis 16. August 2024 präsentiert bybalzer Pippi in Taka-Tuka-Land in Knie’s Zauberhut in Rapperswil als Musicalversion und sorgt nicht nur bei den Kleinen für glänzende Augen, sondern auch bei den erwachsenen Begleitpersonen, die in Kindheitserinnerungen schwelgen.

Pippi Langstrumpf (mit vollem Namen Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf) ist die Protagonistin einer dreibändigen Kinderbuch-Reihe der schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren. Aber in diesem Fall sind Erklärungen eigentlich unnötig, denn Pippi kennt man einfach und das auf dem ganzen Globus. Die Pippi-Langstrumpf-Bücher wurden in 77 Sprachen übersetzt und (bis 2015) in 66 Millionen Exemplaren verbreitet.
Die 1968 produzierte, deutsch-schwedische TV-Serie und die daraus resultierenden Spielfilme verstärkten die Bekanntheit und prägten das Bild der rothaarigen Pippi nachhaltig. Noch heute hat man automatisch das Gesicht der jungen Inger Nilsson vor Augen, wenn man an Pippi Langstrumpf denkt.

Pippi und ihre Freunde im Zauberhut

Nach dem riesigen Erfolg im Sommer 2023 mit Pippi feiert Geburtstag sorgen Pippi und ihre Freunde auch diesen Sommer für viel Spass und glänzende Kinderaugen im Zauberhut in Knie’s Kinderzoo. Aber auch die aktuelle Geschichte Pippi in Taka-Tuka-Land wurde bereits vor Publikum gespielt. Schon von 2006 bis 2009 und von 2019 bis 2020 begeisterte die fantasievolle Abenteuer-Geschichte das junge Publikum. Und mit einer erfahrenen Regisseurin wie Brigitt Maag, die unter anderem Gründungsmitglied bei Karl’s kühne Gassenschau, ist und somit genau weiss, was das Publikum erwartet, ist der Erfolg vorprogrammiert. 

Diesmal kriegt Pippi überraschend Besuch von ihrem Vater Kapitän Efraim Langstrumpf. Er möchte seine Tochter mit auf eine Reise ins Taka-Tuka-Land nehmen. Denn dort ist der wertvolle Schatz der Familie versteckt. Doch auch die beiden Piraten Blutsvente und Messerjocke haben davon Wind bekommen und wollen den Schatz finden. Am Tag der Abreise fehlt von Kapitän Langstrumpf plötzlich jede Spur! Gemeinsam mit ihren Freunden Tommy und Annika macht sich Pippi auf den Weg, um ihren Vater zu finden. Dabei müssen sie gegen Wind und Wetter ankämpfen und den Piraten das Handwerk legen. Ob es ihnen wohl gelingt, Kapitän Langstrumpf zu befreien und den Schatz zurückzuholen?

©bybalzer – Andri Kaufmann

Knie’s Zauberhut, der 2022 seine Tore öffnete, besticht durch seine moderne, aussergewöhnliche Architektur und ist die ideale, bereits mit einem Award ausgezeichnete  Eventlocation. Sowohl von aussen als auch von innen verströmt das Gebäude Magie und Leichtigkeit, perfekt für staunenden Kinderaugen. Auch wir waren völlig begeistert und konnten es nicht lassen zwischendurch immer mal wieder hoch zu blicken. Noch mehr fesselte uns aber selbstverständlich das Geschehen auf der Bühne.

©leslynch – Zauberhut

Ein Bilderbuch als Bühnenbild

Wenn man den Zauberhut betritt, wirkt das Bühnenbild im 1. Moment etwas bescheiden. Eine schwarze Wand mit einem 2D-Baum und das Key Visual in Grossformat. Schnell merkt man dann aber, wie durchdacht alles ist. Das Key Visual ist nämlich ein Bilderbuch in Grossformat, das geöffnet werden kann und die verschiedensten Szenerien enthält. So z.B. die Villa Kunterbunt von aussen, mit einem Fenster, aus dem Kleiner Onkel schaut, das Piratenschiff mit 3D-Bug, der sich beim umblättern entfaltet, Taka-Tuka-Land oder eine Landschaft mit blauem Wolkenhimmel. Passend dazu bringen die Darsteller weitere Requisiten auf die Bühne, wie eine rote Bank, die sich in ein Flugzeug umfunktionieren lässt, oder grosse Kakteen. Sie Bilderbuch-Idee gefiel uns so gut, dass wir das ganze Stück von Beginn an mit ganz anderen Augen betrachteten und auf die vielen liebevollen Details achtete, weil wir wussten, dass es vieles zu entdecken gab, wie z.B. Herr Nielsson, der als kleiner Sidekick für Jöh-Momente sorgte, oder Papp-Flugzeug mit Pippi und ihren Freunden, das weit oben am Himmel schwebt, oder auch das Gewitter, das sich hoch oben im Zauberhut durch Lichteffekte entlädt.

©leslynch

Auf Tuchfühlung mit dem jungen Publikum

Kinder-Vorstellungen haben wir mittlerweile viele gesehen und wissen genau, was von den Kleinen gut angenommen wird, abrr auch, wie man Sympathiepunkte verspielt. Bei Pippi in Taka-Tuka-Land wird aber alles richtig gemacht. Von Beginn an wird das junge Publikum mit einbezogen. So wird es z.B. aufgefordert, seinen Favoriten beim Armdrücken zwischen Pippi und ihren Vater lautstark zu unterstützen, oder Pippi zu rufen, als sie verschwunden ist.

Für viel Begeisterung sorgen auch die Abstecher der Darsteller ins Publikum. So drehen zu Beginn Pippi und ihre Freunde eine Runde und zu einem späteren Zeitpunkt die beiden Piraten mit dem gekidnappten Kapitän Langstrumpf. Die Bestuhlung im Zauberhut ist für solche Publikumsgänge aber auch absolut prädestiniert, da es genügend Platz bietet. Und seien wir ehrlich, seinen Kindheitshelden und -Schurken kann man nicht nahe genug sein. Gerade auch die Piraten sorgten bei den Kindern für viel Aufregung. Überhaupt ist die Inszenierung sehr kindgerecht, was auch erklärt, dass die Aufmerksamkeit der Kleinen während 70 Minuten ohne Pause aufrecht erhalten werden kann, was eine grosse Leistung ist.

Nicht unerheblich ist dabei das Timing, das bei Stücken für Kinder anders sein muss, als für ein rein erwachsenes Publikum. Die Handlung ist recht überschaubar, bietet aber dennoch Spannung und Überraschungen und ein kindgerechtes Happy End. Da Kinder sich selbst längere Zeit mit Tätigkeiten aufhalten oder über etwas „philosophieren“ können, kann dies auch in einem Kinderstück übernommen werden. So würde es die Handlung in einem Erwachsenenstück zu wenig vorantreiben, wenn so ausführlich über das Erscheinungabild eines „Spunks“ diskutiert werden würde, in diesem Stück ist es aber perfekt und – eben – kindgerecht. Bei Pippi in Taka-Tuka-Land ist das Timing absolut perfekt und es wirs keine Minute langweilig.

Ebenfalls begeistern die Kostüme mit viel Liebe zum Detail und Farbenpracht. Auf den 1. Blick sind die einzelnen Figuren durch die unterschiedliche Farbgebung gut zu erkennen, auch von weiter hinten. Aber da die vorderen Reihen für die Kinder reserviert sind, was eine wirklich tolle und sinnvolle Idee ist, sollten alle Kinder einen guten Blick auf die Bühne und die Darsteller haben.

©leslynch – Vicky Papailiou und Rebecca Stauffacher

Trallari trallahey tralla hoppsasa….

Wer sich ein Musical über Pippi Langstrumpf ansieht, weiss nicht, was ihn musikalisch erwartet. Aber es gibt ein Lied, das untrennbar mit dieser Kultfigur verknüpft ist: Hey Pippi Langstrumpf. Wie schön, nicht auf dieses Lied verzichten zu müssen. Die glänzenden Kinderaugen im Publikum beweisen, dass es richtig war, es ins Musical mit ein zu bauen. So dient es direkt als Opener und wirs auch beim Finale noch einmal präsentiert. Aber auch die anderen Lieder passen perfekt und machen Spass. Alle Lieder, aber auch Dialoge sind in Schweizerdeutsch, was für extra viel Charme sorgt und es für die Kinder einfacher macht.

In Erinnerung geblieben ist definitiv auch die „bewegungsbegleitende Musik“, was bestimmten Situationen beinahe schon Cartoon-Charakter verleiht und für die Kinder bestimmt vertraut wirkt. Vor allem das Anschleichen der Piraten ist musikalisch ein echter Spass! Aber auch Annikas und Tommys Geburtstags-Lied für Pippi bzw. dessen Entstehung gehört zu den Highlights und gab den beiden Darstellern von die Möglichkeit, ihre komödiantisches Talent unter Beweis zu stellen.

Besonders eindrücklich ist auch die Musikalität des Ensembles. Unter der musikalischen Leitung von Rafael Haldenwang, der seinerseits aber auch den Piraten Messerjocke verkörpert, musizieren sämtliche Darsteller live auf der Bühne. Denis Maurer aka Tommy spielt nicht nur Gitarre, sondern übernimmt während Messerjockes Einsatz als Pirat auch das Klavier. Rebecca Stauffacher als Annika verzaubert an der Querflöte, während Vicky Papailiou als Pippi das Akkordeon spielt. Dies gibt dem Stück eine ganz besondere Dynamik.

©leslynch – Rebecca Stauffacher

Pippi, Tommy und Annika– so gut wie eh und je

Wenn man Pippis Abenteuer liest oder sich anschaut, weiss man nie genau, ob man wie Pippi sein will, oder eine Freundin wie Pippi haben möchte. Was aber klar ist: Freunde wie Annika und Tommy will man definitiv haben, loyal, unterstützend und immer an Pippis Seite, egal was sie gerade wieder ausheckt.

In diesem Stück erleben wir die wilde und fantasievolle Pippi, die wir kennen, aber auch eine traurige, nachdenkliche Pippi, als ihr Vater an ihrem Geburtstag nicht da zu sein scheint. Vicky Papailiou schafft es, mit viel Feingefühl beide Seiten ihrer Figur auszuarbeiten und mit genau so viel Nachdruck, wie für ein Kinderstück nötig, zu spielen. Es lässt sich erahnen, dass gesanglich noch einiges in Vicky steckt, auch wenn ein Kinder-Musical andere Anforderungen stellt. Kinderstimmen haben nun mal einen anderen Klang. Bewegungstechnisch, musikalisch, aber vor allem auch mimisch (ihre Grimassen sind Extraklasse!) schöpft sie aber aus dem Vollen und lässt eine wunderbar faszinierende und einzigartige Pippi auf der Bühne entstehen.

©leslynch – Vicky Papailiou

Als weiblichen Gegenpart – die wohlerzogene Annika – sehen wir die zauberhafte Rebecca Stauffacher. Mit viel Feingefühl portraitiert sie das eher vorsichtige Mädchen, das manchmal etwas überfordert von Pippis Ideen ist, sie aber dennoch sehr bewundert und beinahe alles tun würde, um möglichst viel Zeit mit ihr zu verbringen. Die Herausforderung, die eine eher zurückhaltende Rolle mit sich bringt, meistert sie mit Bravour und drückt ihr ihren ganz eigenen Stempel auf. Auch schafft sie es mit Leichtigkeit, aus dem Schatten der allein schon durch ihr Äusseres sehr präsenten Pippi zu treten und durch ihr kindliches, unsicheres und sehr autentisches Spiel zu glänzen, was ihr die gebürende Aufmerksamkeit verschafft.

©leslynch – Rebecca Stauffacher

Annikas Bruder, Tommy, wird von Denis Maurer verkörpert. Dass Tommy absoluter Pippi-Fan ist, ist nicht zu übersehen und diese Begeisterung lässt Denis das Publikum so richtig spüren. Sein Zusammenspiel mit seiner Bühnenschwester ist zauberhaft und man geniesst die Szenen, in denen die beiden auch mal nur zu zweit auf der Bühne stehen. Uns begeisterte aber vor allem auch seine Musikalität. Wie er zwischen Spiel, Gitarre und Klavier wechselt, ist einfach faszinierend, zu erleben.

©leslynch – Rebecca Stauffacher und Denis Maurer

Auch die übrigen Rollen sind hervorragend besetzt. Sehr positiv in Erinnerung bleibt der Multiinstrumentslist Rafael Haldenwang als etwas zurück gebliebener Pirat Messerjocke, der die eher slapstick-mässigen Gags mit viel Stil und Natürlichkeit aufwertet (vor allem natürlich im grossartigen Zusammenspiel mit Luigi Prezioso als Blutsvente, dessen Spiel immer auf dem Punkt ist) und am Klavier begeistert, oder auch Stefan Camenzind, der als Pippis Vater so viel väterliche Energie ausstrahlt, dass die Vater-Tochter-Szenen zu den Highlights des Stücks zählen, weil die Harmonie zwischen den beiden Darstellern wirklich grandios ist. Überhaupt begeistern diese drei gestandenen Männer in ihren Nebenrollen sehr durch ihre starke und individuelle Bühnenpräsenz.

©leslynch – Luigi Prezioso, Rafael Haldenwang und Stefan Camenzind

Fazit

Pippi in Taka-Tuka-Land ist ein Must-see für alle Pippi-Fans und solche, die es werden wollen. Dieses zauberhafte Piratenmusical über Mut, Fantasie und Freundschaft lässt den weltbekannten Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgreen wieder aufleben und das so knallbunt, humorvoll und  liebevoll inszeniert, dass man den Zauberhut nach 70 Minuten mit ganz leichtem, frohem Herzen verlässt, auch als Erwachsener.

©leslynch

Darsteller

Pippi Langstrumpf: Vicky Papailiou
Tommy: Denis Maurer
Annika: Rebecca Stauffacher
Efraim Langstrumpf: Stefan Camenzind
Blutsvente: Luigi Prezioso
Messerjocke: Rafael Haldenwang

Kreativeam

Regie: Brigitt Maag
Regieassistenz: Melanie Gerster
Musikalische Leitung: Rafael „Messerjocke“ Haldenwang

Ein herzliches Dankeschön an bybalzer für die Möglichkeit, unsere Kindheitserinnerungen aufzufrischen und dieses bezaubernde Stück zu sehen und zu rezensieren.

©bybalzer – Andri Kaufmann
©leslynch – Rebecca Stauffacher
©leslynch – Luigi Prezioso
©bybalzer – Andri Kaufmann
©leslynch
©leslynch – Vicky Papailiou und Stefan Camenzind
©leslynch
©leslynch – Stefan Camenzind
©leslynch – Rebecca Stauffacher und Dennis Maurer
©leslynch – Vicky Papailiou
©bybalzer – Andri Kaufmann
©leslynch – Rafael Haldenwang, Vicky Papailiou und Luigi Prezioso
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©leslynch – Stefan Camenzind und Luigi Prezioso
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©bybalzer – Andri Kaufmann
©leslynch – Rafael Haldenwang
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Les Lynch mit Rebecca Stauffacher nach der Premiere am 12. Juli 2024

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