Auch 2024 verwandelte sich die Schaffhauser Altstadt für zwei Wochen in eine Musik-Hochburg mit internationalen und nationalen Stars und Sternchen. Ob auf der kleinen Talent-Stage auf dem Fronwagplatz oder der Mainstage auf dem Herrenacker, am 2. und 3. und vom 7. bis 10. August 2024 sonnte sich die Munotstadt im Glanz von Status Quo, Mark Forster, Herbert Grönemeyer und vielen weiteren Acts.
Erneut besuchten wir den letzten Tag des Festivals und feierten ausgelassen mit der Schweizer Mundart-Pop/Rock-Band Plüsch, dem australischen Singer/Songwriter Dean Lewis und dem deutschem Hit-Garanten Mark Forster, der das Festival mit einem Feuerwerk an Ohrwürmern schloss.
Während in Zürich City die feierwütigen Techno People an der 31. Streetparade das Tanzbein schwangen, machten wir uns auf den Weg zum Herrenacker Schaffhausen. Zum 3. Mal in Folge besuchten wir den finalen Abend von Stars in Town, dem Schaffhauser Musik-Festival, das bereits seit 2010 besteht und in Sachen Beliebtheit und Qualität ganz oben mitmischt.
Unsere Reviews zu den Jahren 2022 und 2023 findet ihr hier:
Ein bisschen bedauerten wir die Tatsache, diesmal nur einen Schweizer Act auf der Bühne sehen zu dürfen, doch die Vorfreude, Plüsch und Mark Forster zu erleben, überwog.
Plüsch – Die kultige Schweizer Mundartrockband hat nicht nur „…Heimweh nach de Bärge, nachem Schoggi und em Wii…“
…sondern auch nach der Bühne. Nach 12 Jahren Pause, sind sie zurück. Ob Irgendeinisch, Ufo oder Heimweh – vor allem Heimweh – die Mundart-Kracher der 2000er ziehen noch immer und lassen die Menge singen und applaudieren. Auch wir staunten nicht schlecht, wieviele Songtexte noch immer im Gedächtnis archiviert sind und abgerufen werden können, obwohl wir uns jetzt nie zu den offiziellen Plüsch-Fans gezählt haben und während ihrer aktiven Zeit auch nich nie an einem ihrer Konzerte ware. Aber die grossen Schweizer Hits kennt man einfach und Heimweh, den wohl erfolgreichste Song der Band aus dem Jahr 2007 tragen wir alle im Herzen, direkt neben Rosalie von Bligg und Alperose von Polo Hofer.
So war es Ritschi, der Sänger der Band, der bereits vor einigen Jahren auf die Idee kam, wieder zusammen zu kommen und ein Comeback zu starten. Und auch bei Hunzi, Röschel, Simi und Bali zündete der Funke bei gemeinsamen Proben erneut.
Dass Plüsch auf ihrer Zuegab-Tour keine neuen Songs präsentiert, stört niemanden. Im Gegenteil, das Publikum im Schaffhausen feierte ihre Jugend- oder sogar Kindheits-Helden von Beginn an mit größerer Begeisterung und sang jeden Song mehr oder minder erfolgreich, aber laut und mit viel Inbrunst mit. Und in Sachen Energie liessen sich die vier Jungs – wir korrigieren, gestandenen Männer und mittlerweile Familienväter (Ritschis Kinder waren sogar im Publikum, um auch mal mit zu erleben, wie das damals in den 2000ern so war) nichts nehmen und rockten die Bühne wie in ihren besten Zeiten.
Es waren ausnehmend viele Mutter-Tochter-Kombinationen zu sehen. Wärend die Mütter jede Zeile der kultigen Plüsch-Songs zum Besten gaben, waren die Töchter kurz darauf bei Dean Lewis am Start. Die Stimmung war auf jeden Fall direkt von Beginn an am Sieden, eröffneten sie ihr Konzert doch direkt mit Ufo. Was für ein Opener-Act!





Dean Lewis – Der australische Herzensbrecher zum Anfassen
Wenn wir ehrlich sein müssten, wäre dies der Zeitpunkt zuzugeben, dass wir an Dean Lewis‚ Stelle gerne einen weiteren Schweizer Act gesehen hätten. Dafür kann der australischen Herzschmerz-Sänger aber nichts, wir hatten uns einfach zu wenig mit ihm und seiner Musik befasst, immerhin steht er mit beiden Beinen fest und auch ziemlich erfolgreich im Musikbusiness, seit er 2016 mit seiner Debut-Single Waves direkt einen internationalen Hit landete.
Dass dieser Musiker zu recht so erfolgreich ist, konnten wir dann live miterleben und am eigenen Leib spüren. Wir hatten uns in unserer Unwissenheit auf ruhige, etwas langweilige 75 Minuten eingestellt. Was wir erwarteten: einen weiteren „traurigen Jungen mit Gitarre“, von denen es einige gibt. Was wir kriegten: einen Energie geladenen Musiker mit gerade zu überwältigendem Charme, der Vergleiche mit einem jungen Gerald Butler zuließ.
Klar, viele seiner Songs haben einen etwas depressiven Charakter, doch die Art, wie er selbst mit dieser Tatsache kokettierte, war sehr charmant und ebenso unterhaltsam, wie seine Anekdoten. Und wenn jemand mit einem solch überwältigenden Charisma und einem so energetischen Performance-Stil auf der Bühne steht, kann man so oder so den Blick nicht von ihm nehmen.
Die jungen Fans kamen komplett auf ihre Kosten. Dean Lewis geizte nicht mit Gitarren-Plektra, die alle ihren Weg ins Publikum fanden und mit Begeisterung angenommen wurden. Die erste Reihe erlebte den hübschen Australier aus nächster Nähe, als er in den Kameragraben stieg und Hände berührte, aber nicht ganz so nahe, wie Anna, die von ihm auf die Bühne geholt wurde und ihm ein handgezeichnetes Portrait samt persönlichem Brief mitbrachte. Während eines Songs durfte sie sein Mikrofon halten, kriegte eine Umarmung und ein Erinnerungs-Selfie. Dean Lewis weiss wirklich, wie es geht.





Mark Forster bringt den Herrenacker komplett zum Ausrasten
Schon 2017 begeisterte der sympathischen Singer/Songwriter das Schweizer Publikum so sehr, dass die Sprechgesänge zu Chöre noch auf der Munotzinne zu hören waren. Sieben Jahre und drei erfolgreiche Alben später, waren es noch immer die Chöre, die man kaum erwarten konnte. Aber Mark Forster ist ein Hit-Garant der Extra-Klasse. Mit seinem einzigartigen Stil, seiner markanten, warm timbrierten Stimme und poetischen, unaufgeregten Texten trifft er den Puls der Zeit und ist beim männlichen und weiblichen Publikum gleichermassen beliebt. Kann man Mark Forster NICHT mögen? Kaum. Kann man etwas gegen seine Musik haben. Unmöglich!
Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Mark Forster für diesen Abend das stärkste Zugpferd war. Als abschliessender Festival Act waren die Erwartungen natürlich hoch, aber in Marks Fall ein kalkulierbares Risiko. Und wie erwartet, explodierte das Publikum geradezu, als der Sänger die Bühne betrat und mit dem Im Februar erschienen Schwarzer Toyota in seiner für ihn so typischen, unkomplizierten Art direkt das Eis brach.
Von Auf meinem Weg und Au revoir über Bauch und Kopf, Stimme und Kogong bis zu Drei Uhr nachts und 194 Länder war alles dabei, was man sich nur wünschen konnte. Selbstverständlich durften auch diesmal die Chöre nicht fehlen, die mit spektakulären Rauch-Salven und Konfetti-Kanonen untermalt wurden und eine fast schon unwirklichmagische Stimmung erzeugten. „Schaffi“ (Marks liebevoller Spitzname für das etwas schwerfällig klingende „Schaffhausen“) rastete komplett aus und bezeugte seine Liebe mit dem rhythmischen Öffnen und Schliessen seiner Hände (ebenfalls eine von Mark eingeführten Gesten zum gegenseitigen Verständnis).
Dass das Publikum Mark und seine Band nicht so einfach gehen lassen wollte, war absehbar und es machte es den Stars auf der Bühne auch nicht so leicht. Als Zugabe performte Mark das stimmungsvolle Übermorgen mit sanfter Klavierbegleitung, bevor Stars in Town 2024 endgültig zu Ende ging.





Fazit
Auch 2024 konnte Stars in Town an den Erfolg der letzten Jahre anknüpfen. Mit grossartigen nationalen und internationalen Stars feierten die Festivalbesucher an sechs Abenden die musikalische Vielfalt in der einzigartigen Atmosphäre der Schaffhauser Altstadt.
Der Festivalabschluss, bei dem wir uns tatsächlich vorab etwas unsicher gewesen waren, erwies sich wider unserer Befürchtungen als absoluter Hauptgewinn und wir erlebten einen grandiosen Abend voller musikalischer Highlights.


































































