Peter Pan Goes Wrong – Shake Company

Wer Lust auf einen zauberhaften Theaterabend hat und den Kinderbuch- Klassiker von J. M. Berries in einer professionellen Inszenierung geniessen will, …der sollte hiervon besser die Finger lassen, denn Peter Pan Goes Wrong… und zwar so richtig wrong.
Zum 30-jährigen Jubiläum präsentiert die Shake Company vom 16.01. – 30.03.2025 im Theater im Seefeld in Zürich eine neue katastrophale Komödie. Der zeitlose Klassiker wird auf den Kopf gestellt und die Lachmuskeln alles andere als geschont. In dieser Inszenierung geht alles schief, was nur schief gehen kann. Klingt spannend – ist es auch!

Das Publikum kriegt auf der Bühne in der Regel nur absolute Perfektion zu sehen. Hinter einer gelungenen Theaterinszenierung steckt aber jede Menge Chaos, von technischen Problemen über menschliches Versagen bis hin zu Streitigkeiten. Immerhin sind es normale Menschen, die auf der Bühne stehen. Und genau davon handelt die britische Theaterkomödie Peter Pan Goes Wrong: Ein kleines Low-Budget- Theaterensemble versucht J.M. Barries Klassiker Peter Pan auf die Bühne zu bringen. Mit nur einer Hand voll Darstellern werden sämtliche Rollen besetzt und auch das Bühnenbild ist nicht ganz so stabil, wie es sein sollte. Hinzu kommen die ganzen zwischenmenschlichen Probleme, die sich im Laufe des Stücks offenbaren.
Peter Pan Goes Wrong gehört zur Reihe der sogenannten „Goes Wrong“-Produktionen, die für ihren chaotischen Humor bekannt sind und wurde 2013 von der Theatergruppe Mischief Theatre uraufgeführt, deren Mitglieder, Henry Lewis, Jonathan Sayer und Henry Shields das Stück auch geschrieben haben. Erstmals im Pleasance Theatre in London aufgeführt schaffte es den Sprung bald schon auf grössere Bühnen und internationale Tourneen.

Die Shake Company, die ja ebenfalls ein Händchen für Komödien mit dem gewissen Etwas und auch eine Vorliebe für die Stücke des Mischief Theatres hat, (auch The Show Must Go Wrong und Komödie mit Banküberfall, welche sie bereits inszeniert haben, stammen ebenfalls aus der Feder des britischen Autoren-Trios) zeigt dem Schweizer Theaterpublikum erneut, was guter, schwarzer, britischer Humor ist. Und mit Dominik Flaschka als Regisseur kann nichts schief gehen, …oder eben alles…

Doch definitiv richtig läuft alles im Theater im Seefeld. Aktuell gleicht das atmosphärische Gastronomie-Theater mitten im Seefeld einer Art Disneyland. Bereits von aussen ist deutlich zu erkennen, welches Stück gespielt wird und wer das Foyer mit gemütlichem Restaurant-Bereich und Merchandise-Ecke betritt, wird fast etwas überfordert. Sämtliche Darsteller mischen sich unter die Gäste, die Stimmung ist ausgelassen und irgendwie unwirklich. Reto Mosimann spaziert mit Laubbläser herum und nicht mal auf der Toilette ist man ganz alleine… Aus dem Theatersaal klingen sämtliche Disneysongs, die man sich vorstellen kann und an die Wände des stilvollen, kleinen Theaters mit den perfekt abgestuft Sitzreihen werden magische Animationen projiziert. Diese sogenannte Pre-Show ist fixer Bestandteil der Show und sollte nicht verpasst werden, da einem sonst ein echter Spass entgeht. Unbedingt etwas früher da sein und sich in Stimmung bringen für die eigentliche Show.

©leslynch.ch

Peter Pan – Wie es sein sollte

In der Geschichte von J.M. Barrie entführt Peter Pan, der ewig junge Held, Wendy und ihre Brüder aus London ins magische Nimmerland, eine Welt voller Piraten, Meerjungfrauen und verlorener Jungen. Dort geraten sie in den Kampf zwischen Peter und seinem Erzfeind Captain Hook, der nach einem missglückten Kampf mit Peter von einem Krokodil verfolgt wird, das seine Hand gefressen hat. Nach einer Reihe spannender Abenteuer besiegt Peter Hook endgültig, die verschleppten Kinder kehren nach Hause zurück, während Peter Pan in Nimmerland zurückbleibt, entschlossen, niemals erwachsen zu werden.

Peter Pan und seine Mitstreiter*innen

Das vermeintliche Theater Ensemble – in diesem Fall die Shake Company selbst (davon gehen wir mal aus, da die meisten Darsteller unter ihren eigenen Namen agieren, was sich vom Original unterscheidet) – feiern die Premiere ihres neuen Stücks Peter Pan. Somit erleben die Zuschauer jeder einzelnen Vorstellung „Premierenstimmung“ mit einer persönlichen Begrüssung von Eric Hättenschwiler und Fabio Romano als Regisseur und Co-Regisseur bzw. Regieassistent, ein Punkt der Eric sehr wichtig ist, ebenso wie, dass es sich um kein Märchen handelt, sondern ein Drama und auch, dass es sich um KEIN Mitmachstück handelt und er absolut nicht dafür ist, dass das Publikum mit geplanten Buuhrufen und ähnlichen „Störungen“ das Stück „bereichern. Dies steht im kompletten Gegensatz zu den Vorab-Instruktionen von Laubi (Reto Mosimann), der auch weiterhin mit seinen „Buuuuh“-, „Hinter dir“, Jöööh“- oder „Sicher nicht“-Schildern die Publikumsbeteiligung hochhält.

©leslynch.ch – Eric Hättenschwiler, Fabio Romano

Das Stück startet harmlos mit der Vorstellung der Familie Darling. Flavio Dal Molin als charmanter Erzähler geizt nicht mit Glitzer und auch nicht mit seinen Reizen (wer den attraktiven Darsteller mal in Leoparden-Unterwäsche sehen möchte, hat jetzt die Chance dazu) und die Art, wie das Ensemble „einfriert“, sobald er ansetzt, die einzelnen Figuren vorzustellen, ist unterhaltsam und effektvoll und seine Entertainer-Qualitäten sind definitiv nicht von schlechten Eltern, was sich vor allem auch zeigt, als er spontan Zeit schinden und das Publikum ablenken soll. Sehr unterhaltsam sind auch die „Attacken“ seines Stuhls, der an einen Thron erinnert, die im Laufe des Stücks immer wilder werden.

©leslynch.ch – Flavio Dal Molin

Das Improvisationstalent der Darsteller (also der gespielten Darsteller) ebenso wie ihr fester Entschluss, das Stück komme, was da wolle, voran zu treiben und sich nicht von Kleinigkeiten aus dem Konzept bringen zu lassen, macht den eigentlichen Humor des Stücks aus, weit mehr noch als die Slapstick-Einlagen, von denen es eine Menge gibt. So singt Sabina Deutsch alias Mrs Darling ihren Song fokussiert, wenn auch etwas verzweifelt weiter, obwohl hinter ihr auf der Bühne vom Technik-Team gerade Hund Nana lautstark aus der Hundeklappe befreit wird, in welcher er stecken geblieben ist. Und dass Peter Pan im Laufe des Stücks zwei Mal neu besetzt wird, weil die Erstbesetzung einen nicht unerheblichen Flugunfall hatte, unterstreicht diese Haltung ebenfalls. Auch, dass Darsteller ohne Kostüme weiterspielen, weil diese aufgrund eines technischen Fehlers an ihrer Stelle davon geflogen sind, ist völlig selbstverständlich. Aber das Stück will nun mal gespielt werden und Abbruch ist keine Option.

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Die Lachmuskeln des Publikums kommen wirklich keine Sekunde zur Ruhe. Die Gags folgen Schlag auf Schlag und wollen hier auch gar nicht alle Verraten werden, weil man es einfach selbst erleben sollte. Dabei nutzt die Shake Company die verschiedensten Methoden, um auf jeden Fall jede Art von Humor zu treffen, wobei körperlicher Humor und Slapstick die grösste Rolle spielen. Aber auch die einzelnen Darsteller haben die Möglichkeit, mit Persönlichkeit zu überzeugen. So wären diverse Rollen nicht halb so spannend und witzig ohne Fabio Romanos atemberaubende Coolness und schillernde Präsenz, die es ihm ermöglichen, weniger „tragende“ Rollen zu absoluten Highlights zu machen. Ob als Hund Nana, als Pirat Starkey mit Papagei auf der Schulter (diese eine Szene mit dem Papagei war einfach zu viel…) oder Peter Pans Schatten, er zieht die Blicke auf sich und fasziniert nachhaltig, weshalb wir uns jedes Mal freuen, wenn er auf der Cast-Liste eines Stücks steht. Und auch diesmal gehörte er zu unseren Highlights. Vor allem auch im Zusammenspiel mit Eric Hättenschwiler, der als Mr. Darling und Captain Hook zwei sehr dominante Rollen inne hat, kann er seine Karten perfekt ausspielen. Wie schon bei Forever Young lebt das Stück unter anderem von der Spannung zwischen den beiden Darstellern.
Während Eric Hättenschwiler im 1. Akt vornehmlich als genervter Mr. Darling agiert, der mehr Interesse an seinen Manschettenknöpfen, als an seinen Kindern hat, darf er im 2. vermehrt als Captain Hook glänzen. Die Rolle des fiesen Piraten passt natürlich wie die Faust aufs Auge, da niemand in gefährlichen Rollen eine solche Intensität entwickelt, wie er. Zudem ist es spannend, zu beobachten, wie er nach und nach die Nerven verliert und beinahe schon etwas hysterisch wird, da er als einziger mit der Unprofessionalität der ganzen Inszenierung innerhalb der Inszenierung nicht klar zu kommen scheint und analog des Zerfalls des Bühnenbilds langsam auseinander bricht. Im 2. Akt wird auch bewusst die sogenannte 4. Wand durchbrochen, indem er Interaktionen mit dem Publikum startet. Erneut beweist er zudem sein erstaunliches Gefühl für Timing durch seine sehr natürlich anmutende Reaktion auf Störungen, wie das wiederkehrende Taxi-Hupen.

Ich glaube nicht an Feen. Ich glaube an Manschettenknöpfe.
Mr. Darling

©leslynch.ch – Erich Hättenschwiler

Ebenfalls zu Spannungen kommt es zwischen Wendy und Peter Pan aka Sabrina Kern und Lavdrim Xhemaili, allerdings eher romantisch-sexueller Natur, was in so einem Kinderstück (was Peter Pan ja ursprünglich ist) natürlich eigentlich nichts zu suchen hat und von den anderen Ensemble-Mitgliedern auch nicht so gerne gesehen wird. Aber wir müssen zugeben, dass die beiden das Knistern so richtig gut rüberbringen, man könnte ihnen die Verliebtheit wirklich abnehmen, wobei Lavdrim (also der auf der Bühne, nicht der eigentliche Darsteller – wir wollen hier ja keine Gerüchte in die Welt setzen) eher ein Frauenheld ist und bereits ein Auge auf eine andere geworfen hat. Sabrinas Augenaufschlag ist übrigens oskarreif, weshalb man sich auch überhaupt nicht wundern, dass gleich zwei Männer um sie buhlen, nämlich auch Sandro Howald, der neben Wendys Bruder Michael auch das Krokodil mimt und sich nicht nur schon lange wünscht, die Heldenrolle auf der Bühne zu spielen, sondern auch Sabrinas Herz zu erobern. Als er aufgrund der diversen Unfälle endlich die Chance kriegt, einen kurzen Peter Pan– Part zu übernehmen, trägt er diesen mit so viel Gefühl vor, dass nicht nur die zauberhafte Sabrina Kern dahin schmilzt. Ebenfalls in Erinnerung bleibt seine Meerjungfrau. Für uns war es eine Riesenfreude, diesen charismatischen Darsteller zum ersten, aber hoffentlich nicht zum letzten Mal auf der Bühne zu erleben.

©leslynch.ch – Sabrina Kern, Sandro Howald

Aber auch Nico Jacomet, der als völlig spontan besetzter Darsteller die Rollen des John Darling und Mr. Smee verkörpert und seinen Text über ein Headset souffliert kriegt, sorgt für Begeisterung und gehört definitiv zu den Publikumslieblingen. Wie könnte man ihn auch nicht lieben, wenn er gedankenlos alles nachplappert, was er in seinem Kopfhörer hört, später seinen Text samt Regieanweisung von Tafeln abliest oder sonst einfach da steht und auf seinen Einsatz wartet. Ist es Coolness? Ist es Gleichgültigkeit? Ist es schlicht Dummheit? Man kann nicht so genau sagen, was seine Rolle antreibt, aber es ist witzig und Nico grandios.

Nei, Nico! Du spillsch sicher NID de Peter Pan!
via Headset

Ebenfalls eher unerwartet findet sich Reto Mosimann im Scheinwerferlicht wieder. Während er den Grossteil des Stücks mit Laubbläser und Schildern unterwegs ist und andere bühnentechnische Aufgaben übernimmt, darf er im 2. Akt notgedrungen für eine Szene in Peter Pans Rolle schlüpfen, was er mit viel Esprit und Unschuld tut. Leider ist sein Einsatz nur von kurzer Dauer, dennoch bleibt er in starker Erinnerung, auch als Laubi, der immer dann auftaucht, wenn was schief geht, was automatisch für Spass sorgt. Er ist ein perfektes Beispiel dafür, dass es keine kleinen Rollen gibt, wenn man sie mit so viel Persönlichkeit füllt, wie er es hier tut.

Bisch du en Vollhorst?!
Fabio Romano

Ich bi de Laubi…
Laubi

Um gleich bei Peter Pan zu bleiben: eigentlich spielt er in diesem Stück gar nicht so eine grosse Rolle und wird von den ganzen Geschehnissen beinahe etwas überrannt. Lavdrim Xhemaili spielt den fliegenden Jungen mit viel persönlichem Charme, etwas Arroganz und jeder Menge Eleganz, was bei seinen ganzen Flug-Einsätzen auch wirklich wichtig ist. So punktet er mit perfekter Haltung und sogar einer Tanzeinlage, bei der sein tänzerischer Background definitiv kein Nachteil ist. Doch auch schauspielerisch vermag er erneut zu überzeugen, vor allem durch seine Natürlichkeit, was bei einem sehr komödiantischem Stück wie diesem nicht selbstverständlich ist. Besonders gut gefiel uns seine Aggression gegenüber Sandro Howald, als dieser ihm Sabrina ausspannt sowie seine Reaktion auf Sabina Deutschs Unfall.

©leslynch.ch

Sabina Deutsch mit ihrer unvergleichlich markanten Stimme und der starken Mimik brilliert als Mutter Darling, Dienstmädchen, Tiger Lilly und Fee Tinkerbell, wobei letztere ohne Stimme auskommen muss, denn Tinkerbell spricht nicht, sondern klingelt wie ein Glöckchen, wofür sie ihren Körper schüttelt und ihre an Sharade-ählichen „Erklärungen“ sind zum Schreien komisch. Für Lacher sorgen aber auch ihre rasanten Kostümwechsel, die nach und nach an Genauigkeit verlieren, da ihre Rollenwechsel absolut auf die Spitze getrieben werden. Ob sie tatsächlich den Bühnentod stirbt, erfahrt ihr, wenn ihr euch Tickets besorgt.

©Christian Knecht, vasistas.ch

Und dann haben wir natürlich noch Martina Holstein, welche wir ebenfalls zum ersten Mal auf der Bühne erleben durften. Als Nichte des Co-Regisseurs erhält sie trotz offensichtlicher Mankos die Chance, eine Rolle zu übernehmen – typisch Vitamin B halt. Ihre verschüchterte, gehemmte Art sorgt bei ihrem ersten Auftritt als Tootles aber für viele Lacher und verzaubert das Publikum als nachhaltig. Allerdings legt sie dann eine beachtliche Entwicklung an den Tag, die auch von ihrem Unfall nicht gestoppt wird. Ebenfalls auf ihre Kosten geht einer der eindrücklichsten und emotionalsten Moment des Stücks, der den Glauben des Publikums auf die Probe stellt.

Ich glaub a Feeä… Ich glaub a Feeä…
Martina Holstein

Technische Meisterleistungen und menschliche Schwächen

Dass ein Stück, bei dem so vieles schief geht, akribisch durchgeplant sein muss, ist selbstredend. Bei Unfällen diesen Ausmasses, bei denen Requisiten oder Teile der Kulisse beteiligt sind, darf nichts dem Zufall überlassen werden. Das aussergewöhnliche Bühnenbild von Simon Schmidmeister und Roman Fischer, das mit sämtlichen technischen Raffinessen ausgestattet ist, die man sich nur vorstellen kann und beinahe schon als Hauptakteur des Stück bezeichnet werden könnte, ist perfekt auf das vorprogrammierte Chaos ausgelegt: Ein Bett, das zusammenbricht, ein Ast, der herunterstürzt und einen Darsteller unter sich begräbt, Flugunfälle und Pyroeffekte, alles ist durchchoreografiert. Besonders eindrücklich ist auch die Drehbühne mit mehreren unterschiedlichen Szenerien, die beim Finale für reichlich Action sorgt, als sie sich nicht mehr stoppen lässt. Dafür, dass bei so einem „Durcheinander“ jeder Schritt sitzt, ist ein Movement Director unverzichtbar. Es wird geflogen, gekämpft, getanzt und mit Evelina Stampa hat man erneute alles richtig gemacht. Bravo!
Perfekt zum bunten Bühnenbild passt das traumhafte Kostümbild von Kathrin Kündig, das nicht nur schön anzusehen und offenkundig hochwertig ist, sondern auch höchst praktisch und schnell zu wechseln, was bei so einem Stück natürlich enorm wichtig ist. Angelehnt an die bekannten Versionen von Peter Pan, wirken die Kostüme dennoch sehr modern und einzigartig.

©Christian Knecht, vasistas.ch

Unser kleiner Wehmutstropfen waren die teilweise sehr überraschenden Knalleffekte. Natürlich darf es bei einem Stück mal knallen, wenn es passt, so z.B. bei einem Stromausfall oder ähnlichem, weil es nachvollziehbar ist. Doch man sollte nie ausser Acht lassen, dass es auch Menschen gibt, die an einem Herzproblem oder  an Ligyrophobie leiden oder einfach sehr schreckhaft sind, Menschen, die Feuerwerk und andere Knallerei meiden und deshalb im Theater Zerstreuung suchen. Für diese Personen kann ein willkürlicher Knalleffekt den Theatergenuss sehr schmälern und es ihm unmöglich machen, sich noch einmal zu entspannen. Manchmal wünschten wir, es würde etwas weniger grosszügig damit umgegangen oder wenigstens angekündigt. Wir haben uns vorgenommen, künftig vorab nachzufragen.

Auch wenn man im Vorfeld von allen Seiten hauptsächlich gehört hat, dass es sich bei Peter Pan Goes Wrong um einen zweistündigen Riesenspass handelt und man aus dem Lachen nicht mehr rauskommt, wären wir doch etwas enttäuscht gewesen, wenn es nicht noch eine andere, etwas subtilere, psychologische Ebene gegeben hätte. Denn auch, wenn wir bisher bei den meisten Shake Company- Produktionen Tränen lachen mussten, begeistert uns immer der leise Unterton, der den Stücken eine zusätzliche Dimension gibt. Aber es hätte uns gewundert, wenn Dominik Flaschka für das 30-jährige Jubiläum für ein Stück entschieden hätte, das sich komplett auf Gags verlässt. Auch wenn diese Ebene bei Peter Pan Goes Wrong etwas dünner gehalten ist, als z.B. bei Extrawurst oder Forever Young, was wahrscheinlich daran liegt, dass es kein übergeordnetes Thema wie Rassismus oder die Sterblichkeit gibt, kann man sie dennoch gut wahrnehmen – wenn man dann will. So kann man der Frage nachspüren, warum ein Erich Hättenschwiler z.B. ein solches Problem mit initiierten Buhrufen hat und sie als Mobbing bezeichnet. Ist dort etwa ein kleines Trauma vorhanden, eine stets überspielte Unsicherheit? Die versehentlich aufgezeichneten Lästereien, die Ensemble und Publikum zu hören kriegen, sorgen für einen Stimmungseinbruch, bringen aber mehr Hintergrundwissen. Und die Reaktion der einzelnen Darsteller in einer echten Notsituation, die nicht einfach „überspielt“ werden kann, ist sehr berührend. Aber genau so etwas wollen und erwarten wir von der Shake Company: Menschliche Abgründe und psychologisch spannende Charaktere.

©leslynch.ch – Reto Mosimann, Eric Hättenschwiler

Sollte man sich Peter Pan Goes Wrong ansehen?

Die Jubiläums-Inszenierung der Shake Company ist nicht nur ein Riesenspass mit Garantie für Dauer-Lachflashes, sondern hält auch ein paar emotionale Momente bereit, die unter die Haut gehen. Die Darsteller sind in Höchstform und haben die Möglichkeit, ihren Qualitäten entsprechend, in ihren Rollen aufzugehen, was für ein hervorragendes Casting und eine exzellente Regie spricht. Optisch wird aus dem Vollen geschöpft und es gibt keine einzige Minute, die nicht voll und ganz genutzt wird. Das Rundumerlebnis startet an der Tür und wird einen auch auf dem Heimweg noch nicht loslassen, weil man weiterhin über die verrückten Einfälle lacht. Hier wird einem wirklich etwas geboten. Peter Pan Goes Wrong ist eine witzige und technisch beeindruckende Hommage an die Welt des Theaters und ein Fest für alle, die Spass an chaotischer, übertriebener Comedy haben.

Cast
Lavdrim Xhemaili: Peter Pan
Eric Hättenschwiler: Regisseur, Mr. Darling, Captain Hook
Sabina Deutsch: Tinkerbell, Mrs. Darling, Dienstmädchen, Tiger Lilly
Falvio Dal Molin: Erzähler, Pirat Cecco
Fabio Romano: Co-Regisseur, Hund Nana, Peter Pans Schatten, Pirat Starkey
Reto Mosimann: Laubi, kurz Peter Pan
Sandro Howald: Michael Darling, Krokodil, Meerjungfrau
Sabrina Kern: Wendy
Nico Jacomet: John Darling, Mr. Smee, Meerjungfrau
Martina Holstein: Tootles
Julia Barth und Markus Ludstock: Bühnentechniker

Creative Team
Buch: Henry Lewis, Jonathan Sayer und Henry Shields
Deutsche Übersetzung: Maria Harpner und Anatol Preissler
Regie: Dominik Flaschka
Bühne: Simon Schmidmeister & Roman Fischer
Kostüme: Kathrin Kündig
Maske: Sandra Wartenberg
Movement Direction: Evelina Stampa
Regieassistenz: Julia Barth


Ein herzliches Dankeschön an die Shake Company für die Möglichkeit, dieses zauberhafte und humorvolle Stück zu sehen und zu rezensieren!

Peter Pan Goes Wrong könnt ihr noch bis am 30. März 2025 im Theater im Seefeld bewundern und Tickets gibt’s hier: https://shakecompany.ch/peter-pan-goes-wrong/

Zudem gibt es zwei Spieltermine im Stadttheater Schaffhausen am 5. und 6. April 2025: https://www.stadttheater-sh.ch/vorstellungsdetails/peter-pan-goes-wrong/


©leslynch.ch – Martina Holstein, Sandro Howald
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